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noch andere Entsetzungen bevorstehen. Als eine der wunderbarsten Erscheinungen im Gebiet des öffentlichen Rechts ist jedoch zu bezeichnen, daß noch gegenwärtig, nachdem seit dem 7. Jun. die schleswig-Holsteinischen Staatsobligationen für null und nichtig erklärt sind, gegen die Restanten, die ihre Beiträge zu jenen annul- lirten Zwangsanlehen noch nicht bezahlt haben, mit Execution verfahren wird.

Berlin, 1. Nov. Seine Majestät der König tref- fen morgen von Blankenburg wieder in Potsdam ein. Ihre Majestät die Königin ist schon gestern Nach­mittag von Letzlingen in Potsdam wieder ein^ctroffen.

Mehrzeitig treten Anzeigen hervor, daß die Go­thaer Partei Angesichts der wenig erfreulichen Aus­sichten, welche sich hier bei den Wahlen für die zweite Kammer darbieten, jetzt zu dem Entschlusse gekommen sei, mit Aufbietung aller Kräfte Sinnesgenossen in die Erste Kammer zu bringen.

Wie man der N. Pr. Z. meldet, wird die König­liche Armee bei dem am 18. November zu London statt­findenden Leichenbcgängniß des General-Feldmarschalls Herzogs von Wellington außer der Deputation des 28. Jnfanterie-Regiments, dessen Chef Wellington gewesen, vertreten sein durch den General der Caval- lerie, General-Adjutanten Sr. Majestät des Königs und Chef des fünften Husaren-Regiments (Blücher'sche Hu­saren) Hrn. Grafen von Nostitz und die General- Lieutenants v. Scharnhorst und v. Massow. Der Hr. Graf v. Nostiz ist kein Fremder für die Britten, er begleitete denalten Blücher durch Alt-England" auf dessen Triumphreise im Jahre 1814; der erste Ad­jutant des Feldmarschalls Fürsten Blücher von Wahl­statt schloß innige Waffenbrüderschaft in dem Feldzüge von 1815 mit dem gegenwärtigen Oberbefehlshaber der Britischen Armee Viscount Hardinge, der sich da­mals als Britischer Commissair im Blücher'schen Haupt­quartier befand und an jenem blutigen Ehrentage von Ligny, an welchem Nostiz den Feldmarschall rettet, seine Hand verlor. Lord Hardinge hat seit jener Zeit stets eine besondere Vorliebe für die Preußische Armee gehegt, und er war es, der bei den sogenannten Waterloo- Banquets gewöhnlich den Toast auf die Preußische Armee im herzlichen Tone treuer Waffenbrüderschaft beantwortete. Die General-Lieurenants v. Scharnhorst und v. Massow haben unter Wellington in den Feld­zügen auf der Pyrenâischen Halbinsel gefochten.

Gestern (Sonntag) Mittag 1 Uhr verbreitete sich hier das Gerücht, der Prinz-Präsident von Frankreich sei auf dem Pout-neuf erschossen worden. Schon am Nachmittag hat sich jedoch das Gerücht in positiver Weise widerlegt.

Die curhessische Liquidationsangelegenheit dürfte im nächsten Monat in der Bundesversammlung zur Sprache und zu einem endlichen Abschluß gebracht werden.

Es verlautet von einem Uebereinkommen zwischen den Französischen, Belgischen und Deutschen Eisenbahn-Directionen, auf der Straße zwischen hier und Paris, wonach künftig eine solche Beschleunigung der Fahrten eintreten soll, daß es möglich sein wird, die Reise zwischen Berlin und Paris in 31 Stunden zurückzulegen. Der darüber sprechende Vertrag soll mit der Bedingung einer einjährigen Kündigung auf unbe­stimmte Zeit abgeschlossen sein.

Breslau, 29. Oct. Der Fürst Demi do ff hat die Durchreise durch unsere Stadt mit einem Act seiner gewöhnlichen Aufmerksamkeit für Wissenschaft und Wohl­thun bezeichnet. Von der leopoldinisch - carolinischen Academie als Mitglied unter dem Namen Franklin er­nannt, hat er aus Verehrung für den Präsidenten die­ser Academie, Nees von Esenbeck, demselben GOO Thlr. zur Verfügung gestellt, um daher drei Preise für die besten von der Academie zu machenden Aufgaben aus­zusetzen. Bei Gelegenheit des Geburtstages des Kö­nigs hat er in Frankfurt 1000 Franken an die Armen gegeben.

Dresden, 31. October. Se. Königl. Hoheit der Prinz Gustav von Wasa ist gestern Abend von Darmstadt hier cingetroffcn und hat sich sofort auf den Weinberg Sr. Matz des Königs begeben.

Wien, 30. Oct. Der seitherige Sectionsrath im Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten Herr v. Biegeleben ist von Seiner Majestät zum Ministe- rialrathe befördert worden. Die sogenannteGe­schichte des deutschen Volkes für das deutsche Volk von Heribert Rau", Heidelbrrg bei Groos 1851, ist für den Umfang des gestimmten Kaiserstaates verboten.

Nach Berichten aus Brüssel hat die belgische Re­gierung zur Lösung der Differenzen mit Frankreich die Vermittlung Oesterreichs und Rußlands angesprochen. (?)

Dem Vernehmen nach werden sich zur feierlichen Beerdigung des Herzogs von Wellington zwei Generale sowie vier Offiziere des Regiments, dessen Inhaber der Herzog war, in der ersten Hälfte des Monats Novem­ber nach London begeben.

Der kriegsrechtlich verurtheilte von Seiner Majestät dem Kaiser aber begnadigte Graf Adam Potocki, ist gestern in Begleitung seiner Gemahlin über Prag nach Krakau abgereist.

Nach jetzt eingehenden übereinstimmenden Nachrich­ten wären die Wiener Zollconferenzen am 30. Oct. èr- èffrut worden. Der österreichische Minister des AuS^

wärtigen, Graf Buol-Schauenstein, hieß die Abgeord­neten der Coalitionsstaaten willkommen, und Graf von Lerchenfeld (Bayern) antwortete in entsprechender Weise. Unter den Anwesenden besanden sich die Gesandten und Abgeordneten von Bayern, Württemberg, Sachsen, Ba­den, den beiden Hessen und Nassau. In den Vorlagen herrscht ein großer Geist der Mäßigung, und die auf die Zollcinigung und den Handelsvertrag bezüglichen Momente sind dießmal schärfer gesondert, und die Beilagen zu dem Einigungsprojecte find detaillirter als das erste Mal. Die gestrige Zusammentretung dauerte nur kurze Zeit. Morgen werden die eigentlichen Ver­handlungen beginnen.

Frankreich.

Paris, 1. Nov. Herr v. Castelbajac ist nach Petersburg abgereist; man erwartet Herrn v. Kisseleff bald zurück. Die Rückkehr des preußischen Gesandten, des Grafen Hatzfeldt, ist bereits angemeldet. Lord Howden, der englische Gesandte in Madrid ist augen­blicklich hier. Er gab hier ein Diner, bei welchem Lord Cowley, viele Engländer und unter Anderen auch Herr van de Weyer, der belgische Gesandte in London, zu­gegen waren. Dieser äußerte sich, daß Belgien gegen einen Angriff gerüstet sei und sich zwei Jahre lang ver­theidigen könne. Er fügte hinzu , England sei in grö­ßerer Gefahr, als Belgien.

Nach einem umgehenden Gerückte wird Louis Na­poleon den auswärtigen Mächten einen in Paris oder Rom abzuhaltenden allgemeinen Kongreß zur Regelung der Weltverhältnisse vorschlagen. Auf den Werften der fünf Kriegshäfen Frankreichs sind gegenwärtig nicht weniger als 18 Linienschiffe und 22 Fregatten im Bau. Es sind in Frankreich bereits 217 Almach e für das Jahr 1853 erschien. Delamarre, der Bankier und Eigenthümer derPatrie", wird zum Lohn für die Dienste, die sein Blatt dem Bonapartismus geleistet hat, wahrscheinlich Generalpostmeister werden. Thayer, der jetzige Postdirector, wird Generalintendant der Cl- villiste.

Der Prinzpräsident hat seine friedlichen Verspre­chungen von Bordeaux durch Thaten zu verwirklichen bereits angefangen. Der Effectivstand der französischen Armee wird bedeutende Reduktionen erfahren. Es ist zur Stunde schon beschlossen, die Cavallerie um 5 Re­gimenter zu vermindern. Die 15 Regimenter der Jäger zu Pferde werden auf 12 und die 10 Husarenregimenter auf 8 reducirt. Alle Recrutirungs - Commissionen sind schon angewiesen, keine Recruten mehr zu dem 13., 14. und 15. Jägerregiments und zu dem 9. und 10. Hu- jarenregimente zu stellen.

Abd-el-Kader ist immer noch der Löwe des Tages! Gestern Nachmittag besuchte er den Präsidenten des Senates Marschall Jerome und wurde von dem alten Herrn aufs Freundlichste empfangen. Abd-el-Kader spricht nur einige Worte französisch; seine Unterredungen führt er mittels eines Dolmetschers. Er lebt sehr mä­ßig; er ißt kein Fleisch, sondern meistens nur Reis als Suppe oder Kuchen bereitet, Gemüse und Obst; er genießt oft kleine Milchbrödchen. Gewöhnlich nimmt er seine Mahlzeiten ganz allein. Seine beiden Gefährten rauchen, er aber nicht, weil seine religiöse Würde es ihm verbietet. Er schläft in einem französisch eingerich­teten Bette, einer seiner Gefährten neben ihm in einem nach orientalischer Weise auf dem Boden hingebreiteten Bette. Seine Haltung ist fortwährend ernst, feierlich, fast melancholisch, wobei er aber jedem, der ihm nabt, höflichst entgegenkommt. Die äußeren Wunderdinge, die Paris seinen Blicken zeigt, scheinen ihn im Ganzen kalt zu lassen. Er betet sehr oft in seinem Zimmer, das Gesicht zu Boden geworfen und mit lauter Simme. Die Bevölkerung von Paris feiert beute mit gewohn­ter Andacht daS Allerheiligen- und Allerseelenfest; am Morgen waren alle Kirchen, am Nachmittag alle Fried­höfe sehr stark besucht und über 100,000 Todtenkränze sind verkauft worden.

Die türkische Auleiheangelegenheit beschäftigt fort­während noch die hiesige Geschäftswelt. Der Umstand, daß der am 15. von Constantinopel abgegangene Tölömaque" keine Gelder zur Decknug der am 5. November fälligen Wechsel der Bank von Konstantinopel mitgebracht hat, erregt einige Unruhe, obgleich man weiß, daß das englische Paketboot, das am *4. Novem­ber in England ankommen soll, die nöthigen Fonds an Bord haben wird. DieUnion" entwirft ein sehr düsteres Bild von der türkischen Finanzlage und tadelt in den schärfsten Ausdrücken die Handlungsweise des Sultans in dieser Angelegenheit. Nach unseren Be­richten erfuhr der Sultan die Bedingungen, unter denen man die Anleihe abgeschlossen hatte, erst,am 2. Oct. In sciuem Decrete vom 10. Juni hatte er nur zum Abschlusse einer Anleihe von 30 Millionen (zu 6 Proc. auf 4 Jahre) seine Ermächtigung ertheilt, während, wie man aus folgendem Aktenstücke ersehen kann, der türkische Gesandte, sich auf dasselbe Decret stützend, die Anleihe zu ganz anderen Bedingungen absckloß. Die in Paris ausgegebenen Obligationen sind nämlich fol­gendermaßen abgefaßt:Anleihe von 50 Millionen Franken unter der Garantie der türkischen Regiernng. (Kaiserliches Decret vom 10. Juni 1852.) Konstan­tinopel 10. September 1852. Unterzeichnet: Mit Be­willigung und verantwortlicher Bürgschaft der türkischen

Regierung. Der bevollmächtigte Minister rc. Kallimaki." Es wird schwer zu unterscheiden sein, ob die mit dem Abschlusse der Anleihe beauftragten Unterhändler wirklich ihre Instructionen überschritten haben, oder ob der Sultan, wie man mehrfach versichert, durch russischen Einfluß bestimmt worden ist, seine Bevollmächtigten in dieser Angelegenheit zu desavouiren.

Paris, 2. Nov. Wie derCourrier de Lyon" mittheilt, ist Abd-el-Kader in dieser Stabt gegen Ende dieser Woche erwartet. Der Architekt, welcher mit der Wiederherstellung und Verschönerung der großen Appartement des Tuilertcnpalastes beauftragt ist, hat den Befehl erhalten, die Thätigkeit für Ausführung der erforderlichen Arbeiten zu verdoppeln. Die Gemahlin des Ministers des Innern, Hrn. v. Persigny, ist plötz­lich schwer erkrankt. Unter den unlängst in Fontaine­bleau verhafteten Personen sollen sich wirklich einige Militäre der dortigen Besatzung befinden; doch würde deßhalb noch nicht von einer Militärverschwörung zu sprechen sein.

Eraßkritamrien.

London, 1. Nov. Auf der Eisenbahn von Brig- thon soll sich ein großes Unglück zugetragen haben. Noch fehlen nähere Angaben.

Der Standard spricht sich über die Anleihen-Ge-* schichte in Konstantinopel aus, und nimmt entschieden die Partei des Sultans gegen die Forderungen des französischen Gesandten und gegen die Börsenspeculan- ten. Wenn die Pforte die erste Einzahlungsrate zurück­schickt, so habe sie Alles gethan, was man billig fordern dürfe. Ersetze sie, wie' das Gerücht gehe, überdies noch einen Theil der gezahlten Prämien, so wäre dieses ein Zug zu weit getriebenen, ganz beispiellosen Edelmuthes, der sich mit gesundem Menschenverstände gar nicht ent­schuldigen lasse. 'Daß Oesterreich und Rußland hier ihre Hand im Spiele gehabt sei gar nicht wahrschein­lich. Das Wahre an der Sache sei, daß die Pforte mit den Bedingungen der Anleihe nicht einverstanden gewesen und deßhalb die Ratification verweigert habe; daß dadurch die Türkei an Credit einbüße, sei eine ab­geschmackte Behauptung. Wann habe eine Nation oder eine Firma je deßhalb ihren Credit verloren, weil sie kein Geld borgen wollte? Gerade umgekehrt. In glei­chem Sinne sprechen die anderen mit der Regierung in Verbindung stehenden Blätter.

Italien

Florenz, 23. Oct. Lord Roden und die übrigen Mitglieder der englischen Deputation (zu Gunsten der Madiai's sind am 22. d. hier angekommen.

Turin, 30. Oct. Die sardinischen Minister haben sämmtlich dem Könige ihre Entlassung eingereicht. Se. Majestät haben solche angenommen, und nachdem auch Graf Cavour das Gesetz über die Civilebe nicht hat zuücknehmen wollen, sich auch aus diesem Grunde die mit ihm angcknüpften Verhandlungen zerschlagen haben, den Grafen Balbo beauftragt, ein neues Mi­nisterium zu bilden. Man glaubt allgemein, daß die Grafen Revel, Sclopis und Pollon, sämmtlich der äußersten Rechten angehörig, für die Mini­sterien der Finanzen, der Justiz und des Innern be­stimmt seien.

AnS de» Apenninen. Der berüchtigte Mur­ray, von englischer Abkunft, ist in vier besonderen Pro­ceßverfahren, und wegen vier besonderer Verbrechen in einem jeden Proceß, also viermal zum Tode verurtheilt worden. Gewiß aus Rücksichten für die brittische Dip­lomatie, die sich seiner so warm angenommen hatte, ist bei ihm die Todesstrafe aber in eine lebcnswierige Galeerenstrafe verwandelt worden. Er hat diese bereits in Ancona tingetreten.

Türkei.

Constantinopel, 23. Oct. Allgemein spricht man von dem bald bevorstehenden Rücktritte Fuad Effendi's von dem Posten des Ministeriums der auswärtigen An­gelegenheiten.

Die neueste Post aus Jerusalem bringt die Nach­richt, daß ein Curier des Gouverneurs von Akre augen­blickliche, schnelle Unterstützung und den Ausmarsch der erst vor kurzem hier angekommenen 300 M. Soldaten verlangt. 2000 Drusen nämlich find bei Saffet und Tiberias angekommen, in der Absicht, die dort befindli­chen Magazine der Negierung, welche die Lebensmittel, Waffen und Munition der Truppen enthalten, zu plün­dern. Der Pascha von Akre hatte auf die erste Kunde hiervon die unter seinem Befehle stehenden Truppen, 120 Mann und eine Kanone nach den bedrängten Orten entsendet, um die Plünderung der Magazine zu verhindern.

America.

New-Uork, 20. Oct. Nachrichten aus der Ha- vannah zufolge ist der Crescent City von Seiten der kubanischen Behörden nochmals die Erlaubniß verweigert worden, in den Hafen ciuzulaufen. Der Verlehr mit dem Ufer ward den Passagieren nicht gestattet, und das amerikanische Schiff sah sich genöthigt, wieder abzusegeln, ohne Post-Felleisen und Personen ans Land befördert zu haben. Der Capitän des Fahrzeuges erließ bei je­ner Gelegenheit einen Protest gegen die ihm gewordene Behandlung. Der Landung des von Mobile kommen­den Dampfers Black Warrior hingegen hatte man in der Havannah nicht die geringsten Schwierigkeiten in