Nassauische Allgemeine Zeitung.
â Vt»Â Somtag den 31. ©stöber W.52.
Die ,,Naffauisj>e Allgemeine Bettung“ mit dem belletristischen Beiblatt „Der Wanderer" erfdietnt, Sonntaqs ausgenommen, tâglidi und beträgt der PränumerationSpreiS für Wiesbaden und , nadi dem neuen $ostregulati» nunmehr au® ir den ganzen Umfang deS fturn» und TariS'schen VerwaltungSbeiNtS mit Inbegriff deS Postausscklags 2 fl., für die übrigen Länder red reuffdvoflermdufcben PostnereinS, wie für daS Ausland 2 fl. 24 fr. — Inserate werden die bierfpaUige Petit, kilc oder deren Raum mit 3 fr. beregnet. — Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgaffe 42, auSwäriS bei den nâd> st gelegene« Postämtern, zu machen.
Die Gctober-Aundschan der Äreuzzeitung.
* Der Cato der Kreuzzeitung spricht in der October- Rundschau wieder sein eelerum censco gegen die Politik Erfurt, die als immer dieselbe aus dem Grabe einer dahin geschwundenen Vergangenheit ersteht und sich groß und breit, — leibhaftig könnte man sagen, — wäre sie kein Gespenst, mitten hinein in die gegenwärtigen Krisen stellt, Erfurt contra Olmütz ist ihm noch immer die Frage des Tages Erfurt contra Olmütz, wo der weise und gerechte Entschluß des Königs Preußen und Deutschland gerettet hat. Der Grundgedanke der Politik Erfurt war: Friede mit der Revolution, Friede mit dem Antichristenthum, und, statt des Kampfes mit diesen Unholden, statt des Kampfs, der Preußens hoher Beruf war und der Preußen groß gemacht haben würde, oder, um des vormärzlichen Waldheim eigene Worte zu gebrauchen: „Die Ehre, die Würde, die Wohlfahrt des deutschen Vaterlandes ist ein neutraler Boden, ein gemeinsames Fundament, auf welchem der Legitimist, der Aristokrat, der Liberale, der Radicale, der Communist, der Katholik: der Alt-Lutheraner, der Herrenhuther, der Rationalist, der Pantheist einen einträchtigen Bau aufführen können," „außerhalb und oberhalb des Zwiespalts der politischen und religiösen Partheien." Er ist wohl längst gerichtet. Eine Repristination von Erfurt, so fährt der Rundschauer fort, müßte in dieser zweiten Hälfte des Jahres 1852, wie nur allzuklar auf der Hand liegt, dahin wirken, inmitten der gegenwärtigen schweren Krisen alle conservative Sympathien, die einzigen, auf welche Preußen zählen darf und kann, in und außer Deutschland uns zu entfremden, unsere besten Alliirten kalt und mißtrauisch, unsere Neider und Gegner aber keck und muthig zu machen, und in Deutschland und in Europa uns zu isoliren, wenn nicht der noch weit schlimmere Erfolg eintritt, daß wir in revolutionäre Allianzen hineingcstoßen werden.
Preußen kaun die verderbliche Politik, welche es vor zwei Jahren, als sie fallirtc, abgethan hat, nun, nachdem sie noch dazu veraltet ist, ganz unmöglich wieder annehmcu und Preußen, das echte Preußen, ist des Vertrauens der großen konservativen Partei in Deutschland und in Europa auch jetzt noch würdig, daß es nach wie vor, der ehrwürdigen Stimme seines sterbenden Königs getreu, ein lebendiges Glied der wahrhaft heiligen, gegen Revolution und Gottlosigkeit geschlossenen Allianz ist.
Cato wendet sich nun zu Olmütz. An die Durchführung und Durchführbarkeit der in der Paulskirche zusammengebrachten Reichsveefassung hat wohl Niemand ohne gewaltige Selbsttäuschung gedacht, darin sind wir mit ihm einig, eben so darin, daß eine pseudo-nationale oder gar antinationale Politik, wie die Politik Erfurt, damals nicht am Platze war. „Tendenzpolitik", ruft er aus, hätte die Losung sein müssen, — eine Politik, welche die erhabensten Tendenzen zu verfolgen batte, zu denen jemals ein Staatsmann berufen gewesen ist,— nickt einmal hauptsächlich nationale Politik, die vielmehr ein dienendes Element jener alle Nationen weit überragenden Tendenzen bleiben mußte.
Nicht daraus kam es in jenen Tagen an, den „langen heldenmüthigen Todeskampf Oesterreichs " bloß „nicht zu erschweren", wie Waldheim in Erfurt proclamirte, sondern darauf kam cs an, ihn mitzukämpfen. Denn dieser Kampf Oesterreichs war ein wahrhaft nationaler, ein echt-deutscher Tödeskamps, ein Todeskampf, den Oesterreich zugleich für Preußen nnd für Deutschland kämpfte. Es war ein Kampf für den Sachsen, Baiern und Baden an Oesterreich eben so zum Danke verpflichtet sind, wie an Preußen für seinen unmittelbaren militärischen Beistand. Warum erkannten unsere Staatsweisen 1849 diese Solidarität nicht, die doch 1813 jedem Kinde einleuchtete? Hätte Preußen seine mächtige Hülfe im Mai 1849, als Ofen den siegenden Rebellen in die Hände fiel, dem blutenden Oesterreich gpgeboten, wie kampflustig und todes- muthig würden seine unser Garde-Corps nach dem Süden aufgebrochen sein! Hätte so die Preußische Hülfe in Ungarn die Russische entbehrlich gemacht, wie mächtig wäre Preußen aus dem Jahre 1849 hervor- gcgangen, und wie einig mit Oesterreich , welch' Vertrauen hätte es sich erworben, so weit der deutsche, und so weit der europäische Co n serv atismus reicht! Wie wahrhaft einig im Innern, wie mächtig nach außen wäre dann auch Deutschland geworden durch der unter sich einigen Großstaateu einträchtigen Einfluß! Denn .wahrscheinlich gleich von Anfang an, gewiß aber nach dem Siege hätte einem solchen preußisch
österreichischen Bündnisse gegen die Revolution ganz Deutschland sich angeschlossen, und die Reconstruction des Bundes wäre eben so wie alle Einigungen über specielle Gegenstände: Zoll, Militär-Verfassung, Presse, Vereine, Bundes-Justiz u. s. w. in der Atmosphäre des Friedens und des Vertrauens, verhandelt worden.
Gleiche Politik empfiehlt der Rundschauer für die Fragen der Gegenwart. Keine Wahrheit der hohen Politik, sagt er, ist evidenter, m3 daß Preußen Oesterreichs und Oesterreich Preußens Heil und Freundschaft, jedes im eigenen Interesse, wünschen muß. Stehen sich doch selbst die wahren handelspolitischen Interessen Preußens und Oesterreichs keineswegs feindlich gegenüber. Handelsfreiheit, gemäßigt durch Rechts-Ideen und bestehende Interessen und gi- nanzzölle sind das dringende Bedürfniß Oesterreichs wie Preußen s.
Der wahre preußische und der wahre österreichische Patriot sollte» diese Zerwürfnisse stets klein, nie groß machen. Vor allem aber sollte er der völlig veralteten — dem Zopfthum angehörigen — Phrase sich enthalten: daß Oesterreich und Preußen natürliche Gegner seien, — einer Phrase, die in ihrer Konsequenz Deutschland russisch ober f r a n z ö - s i s ch oder beides machen würde, und die jetzt Niemanden m'hr zu statten kommt, als Louis Bouaparte'n, welchem gegenüber die Einigkeit Preußens und Oesterreichs ein preußisches, ein österreichisches, ein deutsches und ein europäisches Bedürfniß ersten Ranges ist.
Es sind dies die Grnndzüge jener wahren und echten Politik der Solidarität conservativer Interessen, deren Einhaltung jeder Vaterlandsfreund wünscht uud mit Zuversicht erwartet.
DeulschitNid.
4 6 Wiesbaden, 29. Oct. (Assisenverhandlung gegen Adam Schramm von Kriftel wegen Schrift- fälschung.) Da der Angeklagte von den Geschwornen für nicht schuldig befunden wurde, so sprach ihn der Assisenhof frei.
* Wiesbaden, 29. Oct. (Assisenverhandlung gegen Peter Stahlhofen von Danbach, wegen Schriftfälschung) diente als Knecht bei Lorenz E s ch in Daubach, und ist angeklagt, von einer gefälschten Einberufungsordre Gebrauch gemacht zu haben, um sein Dicustverhältniß bei Lorenz Esch aufzulösen. Der Angeklagte wurde von den Geschwornen für schuldig befunden und von dem Asfisenhofe zu einer Gefängniß- strafe von acht Tagen verurtheilt. Die Kosten betragen 37 fl.
* Wiesbaden, 30. Oct. (Gegenstand der heutigen Assisenverhandlung ist die Anklage gegen Barbara Elis. Altenkirch geb. Frick, wegen Verletzung des Offenbarungseides und Betruges.) Barbara Altenkirch 42 Jahr alt, Ehegattin des Karl Altenkirch von Die- tenbergen ist angeklagt, ungeachtet ihres am 6. Januar v. I. vor der Herzogl. Landoberschultheißerei in Hoch- iu Hochheim abgelegten Offenbarungseides bei der am 11. Januar 1851 zur Constatirung des zu ihrer und ihres Mannes Concursmasse gehörigen Vermögens vor- geuommenen Jnventarisirung, Kleidungsstücke im Werth von 59 fl. 2 kr. wissentlich verschwiegen und in der Absicht, ihre und ihres Mannes Gläubiger zu verkürzen, verbracht zu haben. Carl Altenkirch war, wie bekannt, an der cause eelebre des an dem Nachlaß des Frankfurter Particulicrs M a i beabsichtigten Betruges be- theiligt.
Die Verhandlung leitet Assisen-Präsident Trepka, als Staatsanwalt fungirt Staatsprocurator - Substitut Flach und als Vertheidiger der Angeklagten Procurator v. Arnoldi.
Frankfurt, 29.Oct. Gestern hat eine Sitzung der Bundesversammlung stattgefunden, in welcher übrigens, wie wir vernehmen, nur über die während der Ferien eingelaufenen Gegenstände Mittheilung gemacht wurde.
Die von verschiedenen Blättern gebrachte Mittheilung über den bevorstehenden Abgang des Bundespräsidialgesandten Grasen v. Thun-Hohenstein dürfte sich bestätigen; was dagegen bis jetzt über seinen Nachfolger verlautet, entbehrt der Begründung. Auch dürfte Graf Thun noch nicht in allzunaher Zeit seinen hohen Posten und unsere Stadt verlassen.
Darmstadt, 28. Oct. Seine kaiserl. Hoheit der Großfürst Thronfolger nebst hoher Gemahlin werden am nächsten Montage den hiesigen Hof verlassen und sich nach Oberitalien, zunächst nach Venedig begeben.
Ihre K. Hoheit die Kronprinzessin Olga von Württemberg wird auf dieser Reise ihren kaiserlichen Bruder begleiten.
München, 26. October. (A. Z.) Der hiesige Anwalt der Verlagshandlung der „Weffr-Zeitung", Hr. Dr. Simmerl, hat bezüglich des am Samstag gegen dieses Blatt erlassenen Urtheils bereits eine Nichtigkeitsbeschwerde cingeeeicht, so daß diese Angelegenheit nun am obersten Gerichtshöfe zur Verhandlung kommen wird. Die Nichtigkeitsbeschwerde gründet sich auf die Ansicht, daß das eventuelle Verbot des Blattes allerdings als eine Strafe zu betrachten sei, die aber erlassen wurde, ohne daß der davon Betroffene vor dem Gericht gehört worden sei.
* Kassel, 27. Oet. Die F. P.-Z. läßt sich unter vorstehendem Datum schreiben, die Wiederheranziehung einiger unserer Märzminister, der HH. Staatsrath Wippermann und Legationsrath von Winzinge- rode, zu einer amtlichen Thätigkeit, findet allgemeine Billigung. »Nicht minder angenehm muß es diesen beiden Männern selbst sein, da es für dieselben doch immer gewissermaßen demüthigend war, in einer Zeit, wo über die Leere der öffentlichen Kassen so oft geklagt wird, Gehalte von 1400 Thalern zu beziehen, ohne dafür sich zu irgend einer Dienstleistung angehalten zu sehen. Diese Wiederanstellung scheint nicht sowohl in der Absicht erfolgt zu sein, um den genannten Herren eine Freude zu bereiten, als um deren Pension der Staatscasse zu ersparen.
Braunschweig, 26. Oct. Durch das nach dem §. 42 der revidirtèn Städtcordnung bedingte und durch das Loos bestimmte Ausscheiden eines Drittheils der Stadtverordneten scheiden diesmal neben mehreren Konservativen eine verhältnißmäßig große Anzahl von Demokraten aus dieser Versammlung aus. Durch Agitation war es der dritten Wâhlerclasse mehrerer Districte vor zwei Jahren gelungen, dieselben durchzubringen. Ob sie jetzt bei den Neuwahlen wieder gewählt werden, steht sehr zu bezweifeln. — Wieder ist ein „Schleswig- Holsteiner", der Oberappellationsrath Bremer, hier in Braunschweig als Anwalt zugelassen worden. — Seit einigen Tagen ist die Rede davon, daß ein von unserer Seite vielfach in diplomatischen Aufträgen verwendeter Beamter (Liebe) für den jetzt ziemlich als gewiß anzu- nehmenden Fall, daß Preußen sich von dem Zollvereine trennen würde, das Nichtzustandekommen der Ausführung des Septcmbervcrtrags vorziehen und demselben das Wort reden soll, so daß alsdann Deutschland nicht in zwei, sondern in drei Zollsysteme auseinander fallen werde. Braunschweig würde sich dem Steuervereine zuwenden.
Hamburg, 26. Oct. Die „Rostocker Zeitung" berichtet, daß dem Vernehmen nach der Kammerherr v. d. Ketten bürg auf Matzendorf wegen Ausweisung des von ihm beheimatheten katholischen Priesters Holz- ammer und wegen verweigerter Procuratorbestallung in dieser Angelegenheit die ständige Vertretung nackgesucht und ist dieses Gesuch auf dem Ante -Comitial-Convent für intimirt angenommen.
Bertin, 28. October. Der dieffeitige Gesandte in Paris, Graf v. Hatzfeld, hat sich gestern von hier aus wieder auf seinen Posten begeben.
Der Hofrath F. W. Hackländer zu Stuttgart hat von Sr. Maj. dem König, in Anerkennung seiner literarischen Wirksamkeit, die goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft, begleitet von einem huldvollen königl. Handschreiben , erhalten.
Es heißt, daß statt des Geheimen Oberregierungs- rath von Bethmann-Hollweg der Legationsrath Graf Pourtales als Deputirter des Bremer Kirchentages Behufs Fürbitte für die Madiaischcn Eheleute nach Florenz sich begeben wird.
Die heutige Nummer der „Zeit" sagt: „Von verschiedenen Zeitungen ist mitgetheilt worden, daß Unterhandlungen über eine Zolleinigung zwischen dem preußischen und österreichischen Cabinet im Gange wären oder demnächst beginnen würden. Wie uns versichert wird, entbehrt diese Nachricht jedes Anhalts. Dasselbe gilt mit der Nachricht, daß das französische Cabinet sich an den Bundestag gewendet und um Aufstellung deutscher Preßbestimmungen gebeten habe. Auch ist es als unwahr zu bezeichnen, daß der Bundestag die Regelung der Elbesckifffahrt vor sein Forum ziehen werde."
Dresden, 25. Oct. (Kass. Z.) Die so vielfach besprochene Sache der Freimauerei wider den Advokat Eckert, vormaliger Redacteur der „freimüthigen Sachsen-Zeitung" ist nunmehr zu Ende. Wie Sie sich wohl noch erinnern werden, war der Advokat Eckert