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Nassauische Allgemeine Zeitung.

E «M Samstag den 30. ©stöber 1832.

Die ,,Nassauische Allaemeink Zeiluuq" mit dem bclletriftif*« BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntag« ausgenommen, täglich und beträgt der PrânumerationSpreiS für Wiesbaden und , nach dem neuen Postreglllaii» nunmehr auch Nr den ganzen Umfang deS Ddurn- und Taris'fchen PerwaitunqSbeznkS mit Inbegriff des PostaufschlagS 2 ft, für die übrigen Länder deS deutsch-österreichischen PostdereinS, wie für daS Ausland 2 fl. 21 kr. Inserate werden die »irrsxaltige Petiizeilc oder deren Raum mit 3 lr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgaffe 42, auswärts bei den nächstgclcgenen Postämtern, zu machen.

Amtlicher Theil.

D i e n st n a ch r i ch te K.

Der provisorische Lchrgehülfe Fischer zuStraß- cbcrSbach ist definitiv zum Lchrgehülfen daselbst ernannt worden. . JUL. ,

Nichtamtlicher Theil.

Der Proceß Decker.

XVIII.

Köln, 22. October. (Sitzung am 21. Ockobcr') Siebenter Zeuge, Wilhelm Düssel, Sattler, wohnt bei dem Bruder des Angeklagten Röser. Er hat weder Briefe für Röser erhalten, noch weiß er, daß zu diesem Zwecke seine Adresse benutzt werden sollte.

Achter Zeuge, Paul Hönig, Bäcker in Köln. Er empfing unter Couvert zwei Briefe für Röser. Woher sie gekommen, weiß er nicht mehr, ebensowenig änch, ob eine Ansprache darin gewesen Er übergab sie an- ser'S Frau, welche bei ihm wohnte.

Neunter Zeuge, Hermann Swibert Steinel, An­streicher in Krefeld, derselbe, welcher mit der Communi- stencasse von Brüssel durchgegangen sein soll. Er will von einer Communistenverbindung nichts wissen, sondern nur von einem Arbeiterverein in Brüssel. Vernommen will er haben, daß die Arbeitervereine ein Centralcomite in London gehabt, welches nach Paris verlegt werden sollte, von einer Versammlung, in der die Verlegung einer Ceutralbehörde nach Paris beschlossen worden, weiß er nichts. Der Präsident läßt ihm ein Aktenstück vor­legen, auf dem sich seine Unterschrift befindet. Er er­klärt, die Unterschrift sei zwar der seinigen ähnlich, Aber er erkenne sie nicht an. Er gibt dann zu, daß das Central-Comite der Arbeitervereine nach Paris verlegt werden sollte. Der Arbeiterverein bestand in Brüssel bis 1850, wo er wegen Sammlungen für Schleswig- Holstein aufgelöst wurde. So lange Zeuge in Brüssel gewesen, sei dcr Pereür nickt wieder zusammengetreten. Die Mituutcrschrift eines Briefes au Pastor Dulon be­stritt er. Eine Geldsammlung von 120 Fr., um einen gewissen Rödel aus dem Gefängniß zu befreien, habe man nach seiner Abreise vorgenvmmen. Vom Mitnch- men einer Casse weiß er nichts.

Es wird ein Brief verlesen, den man bei einer Haussuchung bei dem Zeugen fand. Er ist unterzeich­net Löhn, d. d. Brüssel, 29. April 1851: darin heißt es: Petersen wolle den Bd. wieder errichten. Auch sei die Kassenangelegenheit wieder jur Sprache gekom­men. Schreiber habe ihn (den Zeugen) so gut es ging vertheidigt; er möge das Geld aber schicken, um den Leuten den Mund zu stopfen. Zeuge behauptet, die ihm gemachte Beschuldigung wegen der Kasse beruhe auf einem Irrthum. Der Präsident läßt ihm die Bleistifteopie eines Schreibes von ihm an Löhn norie; gen, die er nach einigem Widerstreben anerkennt. Darin sagt er, die Kasse betrachte er als Darlehen; cs sei ihm bis jetzt unmöglich gewesen, das Geld zurück zu senden. Ferner berichtet er über eine Zusammenkunft des wis­senschaftlichen Vereins in Crefeld; dort sei ein Kölner ausgetreten, der bemerkt habe, in Köln sei man viel weiter, da glaube man längst an keinen Gott mehr. Der Name dieses Redners sei ihm schon lange bekannt gewesen. Von ihm erfuhr er, daß sich in Köln wieder Etwas mache, der Adressat Löhn möge deßhalb zögern, sich Petersen anzuschlicßen, bis er nähere Nachricht ans Köln erhalte. Der Präsident hält dem Zeugen vor, daß andere Briefe vorliegen, worin er die Entwendung der Kasse mit einer angeblichen Reise nach Amerika entschuldige, und fragt ihn, ob in dem Briefe Löhns die Buchstaben Bd. nicht Bund bedeuten. Zeuge will dieses weder zugeben, noch sich der Bedeutung der Buchstaben erinnern. Auch die Stelle in seinem Briefe: in Köln mache sich etwas, man möge mit dem An­schluß an Petersen zögern, bis man von Köln Nachricht erhalte", weiß er nicht mehr zu deuten. Obgleich der Präsident ihn an seinen Eid verweist, entsinnt er sich auch des Namens des Kölners nicht mehr, der in Cre­feld aufträt, und erkennt ihn auch unter den Angeklag­ten nicht. Andere Fragen des Präsidenten und des Oberprocurators beantwortet er theils ausweichend, theils verneinend.

Zehnter Zeuge, David Lehmann, Lehrer in Bonn, wohnte früher nahe bei Krefeld, und leitete oft die Ver­sammlungen im wissenschaftlichen Verein. Als der Kölner den Atheismus predigen wollte, nahm er ihm das Wort; auch fand der vorige Zeuge keine Gelegen­

heit, seine Rednergabe zu dessen Gunsten leuchten zu lassen. Der Kölner habe am Eingänge seiner Rede aufgefordert, sich zur Aufklärung Bücher vom Kölner Arbeiterverein kommen zu lassen. Befragt, ob er den Kölner Redner nicht unter den Angeklagten erkenne, bemerkt Zeuge, man habe ihm früher mehrere derselben vorgeführt, darunter habe Röser die meiste Aehnlichkeit mit dem Redner, doch könne er ihn nicht bestimmt da­für erklären. Der Redner, den er nur das eine Mal bei Lampenlicht gesehen, habe ihm blühend geschienen, während Röser leidend aussähe. Oberprocurator v. Seckendorf: Sagte der Redner nicht, daß er Bibliothe­kar des Vereins sei? Antwort: Ja! Oberprocura- tor v. Seckendorf: Angeklagter Reiff, stehen Sie auf! Ist es dieser? Der Zeuge zuckt die Achseln: Ich kann es nicht mit Bestimmtheit behaupten.

Eilfter Zeuge, Theodor Rosell, Bürgermeister in Longerich bei Köln, nahm bei den Eisenbahnarbeitern Groh und Kraurad in Nippes Hausuntersuchung nach verbotenen Schriften vor. Beide gehörten der äußer­sten Partei an. Bei Ersterem, der in Nippes einen Verein zu bilden suchte, fand er mehrere verbotene Schriften, die derselbe, wie er behauptete, theils durch Röser bei Eisen gekauft, theils von einem Dr. Möller oder Müller, der mit der Eisenbahn anlangte, geschenkt erhalten habe. Andere gehörten dem Arbeiterbildungs- vcreiu an, und trugen dessen Stempel. Auch fand er bei Groh Kugeln und Zündhütchen. Bei Kranrad fand der Zeuge ebenfalls einige Schriften. Er paragraphirte dieselben nicht einzeln, sondern schloß sie in die vor ihm stehende Kiste ein und sandte sie so dem Jnstructions- richter.

Zwölfter Zeuge, Heinrich Groh, erklärt, daß er nur ein einziges Buch durch Röser bei Eisen habe kau­fen lassen. Die Munition habe er sich angeschafft, weil sie in Nippes von der Regierung die Erlaubniß erlangt hatten, einen Scheibenstand zu errichten.

Dreizehnter. Zeuge, Johann Peter Kranrad, Tag­löhner, ist harthörig und gibt oft verkehrte Antworten, Die Bücher will er von verschiedenen Personen einzeln erhalten haben, so auch von Groh. "Woher das Mani­fest.von 1848 (ein Fluglati) rühre, weiß er nicht mehr.

Vierzehnter Zeuge, Rudolf Mann, Buchhändler (Firma Eisen): Röser kaufte mehrere Bücher bei mir, doch seien sie nicht alle-kommunistischen Inhalts gewe­sen. Er nennt die Ruinen von Volney, Vogts Ge­schichte der Schöpfung, Steinmanns badische Revolu­tion, den wirklichen Tod Jesu u. a. Oberprocurator v. Seckendorfs: Sandten Sie durch Buchhändler Tho­mas in London Bücher an Marx? Antw. Nein. Angeklagter Becker: Ich bemerke, daß Thomas als Agent von Eisen direct dort die Geschäfte besorgte; auch ist aus dem Geschäft, von dem Marx in seinem Briefe spricht, später nichts geworden. Ich bitte den Zeugen zu fragen, ob ich Bücher für den Arbeiterver­ein oder Arbeiterbildungsverein kaufte? Zeuge: Nein. Becker genoß 15 pCt., Röser für den Verein 10 pCt. Rabatt.

Fünfzehnter Zeuge, Karl Fromm, Polizeicommis- sär in Köln, nahm bei dem Schreiner Hagen in Mühl­heim am Rhein eine eingebundene Sammlung von de­magogischen Schriften aus den Jahren 1848 und 1849 in Beschlag.

Sechzehnter Zeuge, Peter Josef Hagen, Schreiner in Mühlheim. Er und seine Kinder hätten die Schriften einzeln gesammelt; ersann keine weitere Auskunft dar­über geben.

Siebzehnter Zeuge, Ed. Videbahn, Polizcicom- missär in Köln, wohnte der Versammlung zur Errich­tung des Becker'schen Preßvereins bei; derselbe kam nicht zu Staude, weil sich nur 40 Personen einfanden. Becker erklärte, für bereits erhaltene Zahlung Broschü­ren drucken zu wollen. Die Versammlungen des Ar- beiterbildungsvereius wären im Locale derWestdeut­schen Zeitung" gehalten worden und hätte Becker darin Unterricht in der französischen Sprache ertheilt. An­geklagter Becker. Ich überließ nur kurze Zeit dem Arbeiterbildungsverein das betreffende Local, da dieser besorgte, wegen der Miethe die Concession zu verlieren und er augenblicklich kein anderes Local finden könnte. Ich selbst war nicht Mitglied und stellte auch einen Vortrag über Philosophie ab, weil ich jede Collifion mit den Behörden vermeiden wollte.

'Achtzehnter Zeuge, Joseph Simon, Wirth in Köln. Im Jahr 1849 kamen zu verschiedenen Malen mehrere Herren zu mir und ließen sich , da ihnen die Wirths- stube zu besetzt schien, ein besonderes Zimmer geben. Als sie es einst spät am Abend verlangten, weigerte

sich Zeuge dessen. Ob gerade an jenem Abend, wo dies geschah, Röser, Reifs und Schapper dabei gewesen seien, erinnert er sich nicht mehr. Der Anklagte Röser bemerkt, Schapper sei damals gar nicht in Köln gewesen.

Neunzehnter Zeuge, Dockhorn, Polizeicommissär in Köln, wohnte den Verhandlungen des Arbeiterbil­dungsverein bei. Röser und Bürgers waren sehr thätig, Reiff Schriftführer, Otto Bibliothecar. Neben geschicht­lichen Vorträgen wurde auch eine politische Rundschau und ein Vortrag über den wahren Tod Jesu gehalten. Die Versammlungen wurden imKranz" in der Müh- lengaffe, einige Zeit bei Becker und zuletzt auf dem Eigelftein gehalten. Bürgers sprach auch über Politik, namentlich einmal über seinen Bruder, der auf den Barrikaden in Dresden gefallen sei. Zeuge habe den Befeyl zur Auflösung erhalten, ohne daß dabei Gründe angeführt gewesen seien. Auf Befragen des Vertheidi­gers Thesmar erklärt er, daß er Reiff, so lange der Verein in seinem Bezirke zusammenkam, nicht gesehen; Röser habe erklärt, daß er ausgeschieden sei. Es scheine eine Spannung zwischen ihnen bestanden zu haben. Angeklagter Bürgers: Ich habe nur einmal, durch Worte eines Fremden aufgeregt, des Todes meines Bruders erwähnt und sonst nur Vorträge über preußisches Staats­recht gehalten. Er will über das Verfahren gegen den Verein länger sprechen, der Präsident unterbricht ihn aber, und verweist ihn damit auf die Vertheidigung.

Da der vorgeladene ZeugeHaupt nicht erschienen ist, so soll ein Protocoll verlesen werden, auf welches jener jedoch nicht vereidigt worden ist. Vertheidiger Schneider II. stützt sich auf einen Artikel deS neuen Gesetzes, wonach unvereidigte Aussagen nur mit Be­willigung beider Parteien verlesen werden dürfen. Dieses directe Verbot beschränke selbst die discretionäre Gewalt des Präsidenten. Er protestirt gegen die Verlesung; die andern Vertheidiger treten ihm bei. Der Prä­sident bestreitet, daß jenes Gesetz seine discretionäre Gewalt beschränke; als giltige Zeugenaussage dürfe und wolle er das Protocoll nicht anführen, wohl aber als Notiz für die Geschwornen. Vertheidiger Schneider II, trägt darauf an, daß sein Protest und die Weigerung des Präsidenten zu Protocoll genommen werde. Aber­mals Zustimmung der andern Vertheidiger. Der Vor­fall wird protocollirt. Verlesung eines ProtocollS vom 4., 5. und 6. Febr. 1852, ausgenommen vor dem Jn- structionsrichtcr in Köln. Herm. Wilh. Haupt, Han- delscommiS aus Hamburg, kam im März 1850 als politischer Flüchtling aus der Schweiz nach England. In der Schweiz bekam er Unterstützung vom Flücht- liugscomite, welches Flüchtlinge ohne Rücksicht auf ihre politische Richtung unterstützte. Anders fand er es in London. An demselben Abend, als Marx von der Ver­sammlung der deutschen Arbeiter ausschicd, theilte er ihm die Existenz deS communistischen Bundes mit, nahm ihn darin auf und sandte ihn 10 Tage später als seinen Emissär nach Köln und Hamburg. Er wurde jedoch nicht in alle Geheimnisse eingeweiht, sondern erfuhr nur, daß der Bund über ganz Deutschland verbreitet sei, und erst nach ausgebrochener Revolution in Wirksam­keit treten sollte. Ob die Arbeiterbildungsvereine ur­sprünglich eine communistische Testdenz gehabt hätten, bezweifelt er. Nothjung hätte ihm später angerathcn, darin einzutreten, um Propaganda für den Commünis- mus zu machen. Er empfing in London ein Schreiben von Ecarius an Daniels. Direct habe man ihm nicht gesagt, daß dieser Bundesmitglied sei. Marx pflegte sich nur unbestimmtdie Kölner" auszudrücken. Man sagte ihm, er solle sich in Köln als Bundesglied prä- sentireu. Den Inhalt des Schreibens kannte Zeuge nicht. In Köln unterhielt er sich mit Daniels über den Bund und zweifelte er nicht, daß dieser Mitglied desselben und auch für die neue Centralbehörde be» stimmt gewesen fei. Dann traf Haupt in Begleitung desselben mit Bürgers und Röser in des letzter« Woh­nung zusammen, wo in Gegenwart einer Frau, wahr­scheinlich Frau Röser, der Gegenstand aufs neu bespro­chen wurde. Es sei ihm (dein Zeugen) über die Köl­ner Gemeinde fast nichts anvertraut worden und wisse er nicht, ob Dr. Becker Bundesmitglied gewesen sei. Röser sprach von Martens in Hamburg und gab ihm einen Brief an Stechan in Hannover mit. In letzterer Stadt besuchte ihn Stechan imVictoriahotel", bei welcher Zusammenkunft dieser äußerte, den Dr. Men. sching habe er nicht in den Bund ausgenommen. An Daniels in Köln schrieb er von Hamburg aus, weil er ihn für das Haupt des Bundes in Köln hielt; dagegen empfing er eine Antwort von Bürgers, worin dieser sich Briefe unter Couvert deS Dr. Klein erbat. Noth-