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Nassauische Allgemeine Zeitung.

M- S T » Freitag den 29. ©rtebtr ISS».

SieNassauische Allgemein? Zeitiiug" mit bem bellctriftifdicn BeiblattDer Wanherer" erscheint, Sonntag« ausgenommen, täglich itnb beträgt der Pränumerationspreis für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulaiiv nunmehr auch Lr den ganzen Umfang des Tdurn» und Taris'schen Verwaltungsbezirks Mit Inbegriff des Postausschlags 2 fl für die übrigen Länder des deutsch-österreichischen Postvereins, wie für das Ausland 2 fl. 24 kr. Inserate werden die »wrspaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgaffe 42, auswärts bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

Ver Proceß Decker.

XVIII.

Köln, 21. Oct. (Sitzung am 20. Oct.) Ver­nehmung des vierten Zeugen, PH. Al. E. Wever, Maler aus Berlin. Derselbe wurde mit dem Schuh- machergesellen Heßner (oder Hätzel) im März 1840 verhaftet, nachdem er 3 bis 4 Wochen früher von ihm in den Bund ausgenommen worden war. Er spricht sich in ähnlicher Weise, wie dieser, über die Tendenz des Bundes aus, war aber nur Mitglied einer Ge­meinde, nicht des Kreises, und will außer der Gemeinde Niemand kennen, noch wissen, was vorgefallen sei. Selbst den Versammlungen der Gemeinde habe er fast nie bei­gewohnt, da er zu sehr beschäftigt gewesen. Die Sta« tuten hat er selbst lithographirt. Von dem Briefwechsel des Hätzel kenne er nichts, sagt er, obgleich er bei dem­selben gewohnt, da er immer außerhalb beschäftigt und überhaupt nicht neugierig sei. Von der Bewaffnung und der Kiste mit Handgranaten weiß er etwas. Er selbst war von Jugend an stets mit Waffen versehen. Auf die Frage, was man mit den Waffen gewollt, erklärt er, die Erfahrung habe gelehrt, daß man bei einer Re­volution oft zur eigenen Sicherheit Wa sen nöthig habe. Oberprocurator v. Seckendorfs: Sie behaupten, daß der Bund erst nach einer begonnenen Revolution die Rechte der Arbeiter vertreten wollte; beabsichtigte man denn, diese mit den Waffen in der Hand zu verfechten? Antwort. Unter Umständen, ja; nöthigen^ gegen die Revolutionäre selbst. Befragt, was man für die Arbeiter wolle, erklärt der Zeuge.: das Recht der Asso­ciation und keine Zünfte, die man damals schon iu's Leben rufen wollte.

Es sollte hierauf Joh. Friedr. Martens, Holz­händler in Hamburg, als Zeuge vernommen werden, derselbe ist aber nicht erschienen und konnte auch, wie mehrere andere Ausländer, nicht dazu genöthigt werden, zu erscheinen. Gegen Verlesung der seine Aussagen ent­haltenden Protocolle, die zum Theile im Gefängniß zu zu Hamburg abgefaßt wurden, erklärt sich der Verthei­diger Schneider IL, da ausländische Protocolle nicht in der vom Gesetze vorgeschriebenen Form ausgenommen würden. Er dringt aber nicht durch und die Verlesung, erfolgt. Martens sagt darin aus: Röser kam von Köln, um Mittheilung zu machen, daß die Centrallbehörde nach dieser Stadt verlegt sei. Ob er Bundespapiere mitge­bracht habe, wisse er' nicht. Nothjuug erschien eines Tages mit Haupt, und gericth mit ihm (Martens) und seinen Freunden in Wortstreit, da sie gegen die commu- nistische Richtung des Bundes opponirten. Nothjung forderte den Zeugen auf, auszutrefen. Dieser gab ihm Geld, um ihn los zu werden. Mit Haupt stabe man sich um so weniger eingelassen, da man ihn in Ham» bürg seiner Anmaßung wegen nicht leiden konnte. Für Dr. Becker verkaufte der Zeuge Druckschriften, die nicht verboten waren. Nic hat er gehört, daß Becker Bun­desmitglied sei. Er erhielt von demselben einen Brief mit der Aufforderung, Bürgers, wenn er nach Hamburg komme, zu warnen / nicht nach Berlin zu gehen. Ein Vierteljahr vor seiner Vernehmung, im August 1851, sei Bürgers dagewesen. Zeuge sah ihn auf kurze Zeit dann noch einmal im Bierconvent. Er hatte Manifeste Und Ansprachen bei sich, die der Zeuge zu lesen weder Zeit noch Lust hatte. In einer späteren Vernehmung, die auf Anlaß des Jnstructionsrichters in Köln am 24. August 1852 mit Martens vorgcnommcn wurde, erklärte er, weder Lassner noch Erhard zu kennen.

Der vvrgeladcne Kaufmann Karl Heinr. Helfer in Leipzig ist unter ähnlichen Verhältnissen ebenfalls nicht erschienen. Laut verlesenem Protocoll übergab er ein an ihn couvcrtirtcs Briefpacket, dessen innere Adresse an Martens in Leipzig lautete, der dortigen Polizei. Dies Packet enthielt die mehrerwäbnte Ansprache vom Juni 1850. Deponent erklärst mit Ausnahme von zwei Buchhändlern Niemand in Köln zu kennen.

Fünfter Zeuge, Jos. Mathieux, Friedensrichter in Solingen. Derselbe erhielt 1850 den Auftrag, bei dem in seinem Bezirke wohnenden Scheerenschleifer Klein Haussuchung zu halten. Klein, der wegen der Elberfel­der Unruhen geflüchtet war, durfte später zurückkehren. Er stand im Verdacht, die Ansprache vom Juni 1850 aus London überbracht zu haben. Die Haussuchung hatte kein Resultat; jedoch gab Klein zu Protocoll, daß er Röser eine Mittheilung von London überbracht habe. Zeuge, näher befragt, fügt hinzu, es sei nach dessen Aussage kein Packet, sondern ein Brief, Familienan­gelegenheiten betreffend, gewesen. Klein verschwand nach dieser Vernehmung und soll jetzt in America sich befinden.

Sechster Zeuge, Karl Ludwig Th. Wermuth, Polizeidirector in Hannover, wurde zu Ende 1849 auf die Nachrichten von Hamburg über Weitlings Umtriebe mit der politischen Untersuchung beauftragt, und wirkte gemeinschaftlich mit Stieber und Schultze. Er gibt Aufschlüsse über verschiedene Personen, unter Andern über Bruhn aus Holstein, der im Mai 1849 in Han­nover, nebst dem Kaufmann Konrad Schramm aus Crefeld, verhaftet wurde. Bei Ersterem fand man eine Empfehlung von Marx. Er war schon vor den Ereig­nissen des Jahres 1-848 in contumaciam zum Tode I verurtheilt, wirkte und reiste gemeinschaftlich mit Schramm. Beide waren überall in politische Umtriebe verwickelt. Der Zeuge gibt auch Auskunft über Per­sonen , von denen man bei Nothjung Adressen sand. Von Dr. Menschig glaubt er, daß derselbe dem Com- munismus sehr nahe gestanden habe; über Andere spricht er sich wie Polizeirath Stieber aus, noch Andere kennt er nicht. Bei Dr. Menschig habe man ein Exemplar der Ansprache gefunden, welches dieser von Dr. Becker erhalten haben wollte. Bei Stechan fand man schon in früheren Untersuchungen Adressen von Oswald Dietz und Röser; Letzterer hatte zwei Adressen aufgegeben, an welche man Briefe couvcrtircn solle. Die Verhaf­tungen in Paris gaben der Untersuchung nähern Halt. Polizeirath Stieber, aufgefordert, tritt vor und gibt folgende nähere Aufschlüsse: Stechan entfloh, als man ihm seine eigenen Briefe vorhielt, die er an Oswald Dietz in London geschrieben hatte. Als er nach Lon­don kam, drückte er Dietz darüber seine Verwunderung aus. Dieser wollte es nicht glauben, sah nach, und vermißte erst jetzt jene Briefe, Er behauptete, sie seien ihm gestohlen worden; das ist aber nicht wahr. Ein Communist bot sie dem Agenten Stieber zum Kauf an. Von einem Communisten kann man Alles für Geld erhalten. In diesen Briefen hieß es, daß der Courier Geld und Briefe überbringen solle. Polizeidirector Wermuth: Ich wußte anfangs nicht, was es mit die­sem Courier zu bedeuten habe, und glaubte, es sei der Name eines Schiffes, bis ich endlich entdeckte, daß Stechan durch den königliches Courier Feise mit Osw. Dietz in Correspondenz stand, und daß der Bote der hannoverschen Gesandtschaft, Köhler, die Briefe in London bestellte. Feise wurde bei seiner Rückkehr in Köln verhaftet. Man fand jedoch außer einer Quittung von Osw. Dietz über Flüchtlingsgelder keine Papiere, da man schon durch die Verhaftung Stechans vorsichtig geworden war. Es werden solche Quittungen und Briefe von Stechan verlesen. In einem der letztern vertheidigt er sich gegen den ihm von Köln aus wegen Nichtverbreitung des rothen Kathechismus gemachten Vorwurf: mit Schimpfen werde nichts genützt. In einem Briefe an Dietz heißt cs, Marx und Engels or- ganifirten auf's neue in Deutschland und schienen in Köln namentlich bei Bürgers Fuß zu fassen. Der Zeuge Wermuth fährt fort: Ein Polizeibeamter, den er nach London gesandt, ermittelte dort, daß ein ungar. Schnei­der, Ziali, mit Papieren nach Hamburg gesandt werde. Er habe jedoch Auftrag, aus Vorsicht das wichtigste Papier nicht selbst mit ans Land zu nehmen, sondern dem Heizer des Schiffes zu übergebeu, bei dem es der Adressat Hanies im Paradicshofe, in Hamburg, selbst in Empfang nehmen könne. Dieses Papier wurde dann auch in Folge einer telcgraph. Depesche von Seite der hannoverschen Regierung von der Hamburger Behörde aufgefangen; es sei insofern wichtig, als cs beweise, daß dem Communistenbund alle Mittel zum Zweck recht seien, selbst der Mord. So habe sich auch Willich ge­gen einen Agenten geäußert, er begreifc^nicht, daß man Haupt nicht bei Seite geschafft habe. Zeuge Stieber, vorgerufen, erklärt: Ueber letzteres Aktenstück könne er keine Auskunft geben; es sei von der hannoverschen Polizei besorgt worden, jedoch wisse er von seinem Agen­ten, den beide Parteien gewinnen wollten, daß diese beide auf den Proceß damals sehr aufmerksam gewesen seien. Die Wuth gegen Haupt war sehr groß, so daß man ghn aus der Welt schaffen wollte. Als Haupt verschwand, und der Zeuge Stieber wegen einer Falsch­münzerbande Nachforschungen anstellte, empfing er zu­gleich Auftrag, über dieses Verschwinden Auskunft zu suchen. Er vernahm von einem Vertrauten, daß Haupt nach Brasilien gereist sei, weil er sich in Europa nicht mehr sicher erachtete. Es wird nun das fragliche Schrei­ben verlesen ; cs ist aus London vom September 1851. Darin heißt es, unter einem gewissen Lahard foder Lachard sei eine Bundespolizei errichtet. Auf der schwar­zen Liste stehe u. A. auch Haupt.Bluten müssen die Hunde unter unsern Dolchen. Das Abmurksen muß

auch in Deutschland eingeführt werden; man hat nur zu lange gewartet." Das Schreiben ist unterzeichnet mit dem Bundesnamen Geyer. In einem andern Schreiben desselben Verfassers vom 21. September 1851 heiß es;Görgey-Haupt wird auf Schritt und Tritt von der Bundcspvlizei verfolgt. Der kleine Mann mit schwarzem Barte, der Dir eine Karte bringt, welche auf einer Seite meinen Bundes-, auf der andern meinen wirklichen Namen trägt, hat mein Vertrauen."

Der Zeuge läßt sich über die Verbindungen in Pa­ris und über die in Brüssel aus. Laut Berichten auS _ letzterer Stadt sind sie dort nicht bedeutend. Den Brüsseler Communisten ist nebenbei der Kassirer, Maler Steinel aus Mühlheim am Rhein, mit der Kasse durch­gegangen. Bei Pastor Dulon in Bremen fand man Briefe aus Brüssel, gemeinschaftlich unterzeichnet von Giot, Lehmann und Buschmann. Der Gerichtschreis ber verliest das Protocoll der Brüsseler Centralbehörde, wonach dieselben aufgehoben und Marx zur Bildung einer neuen in Paris discretionäre Gewalt ertheilt wird. Ueber die Arbeitercongresse sagt der Zeuge: jener im Juni 1848 in Berlin habe keine bestimmte Tendenz gehabt, dagegen habe der am 3. September 1848 eine allgemeine Arbeiterverjammluag zwischen den nord und süddeutschen Arbeitervereinen beschlossen. Das Hinein­ziehen des Cigarrenarbcitcrvereins sei jedoch nicht ge­lungen. Tie Vertreter der verschiedenen Vereine seien bekannte Communisten gewesen, so Hack, Stechan, Vogt von Bremen, Bremer von Breslau, Meyer aus Meck­lenburg-Schwerin, Gangioff u. A., alle flüchtig oder in Untersuchung. Zum Beweis der Gefährlichkeit desCom- munistenbunds führt Zeuge an: Die Stadt Hannover hatte bei 40,000 Seelen zwar nur eine Communisten­gemeinde, folglich etwa nur 10 Communisten; diese aber leiteten den Arbeiterverein von 370 Personen, und dem folgten als Schweif 6500 fremde Taglöhner und Ge­sellen. Befragt über die Verbindung der dortigen Com­munisten mit Köln, erwähnt Zeuge nochmals des Mani« fests, welches Mensching von Becker erhalten habe. Dann habe Dr. Mensching die Vereinsversammlung im August 1851 mit den Worten beruhigt, Dr. Becker sei zwar verhaftet, er werde sich aber eher auf die Folter legen lassen, als etwas aussagen. (Schluß der Sitzung.)

^ur Lollfrage.

Ein Dresdener Correspondent der Kasseler Zeitung versichert, daß man in Sachsen die größte Hoffnung für die Resultate der nach Wien einberufenen Zollconferenz hat. Selbst auf Seiten der wenigen Industriellen in Sachsen, die durch eine Abtrennung Preußens von der künftigen deutschen Zollgemcinschaft in augenblicklichen Nachtheil gerathen würden, weil neue, wenn auch sonst noch so lucrative Märkte für ihre Fabricate immer ei­gene Handelsinconvenienzen mit sich bringen, muß es an­erkannt werden, daß die Einberufung einer neuen deut­schen Zollconferenz nach Wien der Schritt war, welchen die coalirten Regierungen allein thun konnten, wenn sie neben der Mahnung ihrer durch Preußens Forderungen bedrohten Freiheit und Würde dem Ziele eines einigen deutschen Handelsreiches entgegen streben wollten. Es würde aber, in der Hand der k. k. österreichischen Regie­rung liegen, auch in dieser Beziehung Abhülfe zu ver­schaffen, wenn sie den großmüthigen Schritt unterneh­men wollte, eine Erleichterung des Ueberganges den Handeltreibenden in den Coalitionsstaaten damit zu ge­währen, daß sie die Bestimmungen der Bei­lage I. zum Artikel 4 des Handels- und Zollvertrages, nämlich den neuen Zolltarif schon am 1. Januar oder etwä am 1. April des nächsten Jahres in Kraft treten ließe. Dann würden die Fabri­canten der Coalitionsstaaten im Stande sein, das Jahr vor Eintritt der gänzlichen Zolleinigung dazu zu ver­wenden, um in Oesterreich und östlich darüber hinaus neue Märkte zu suchen, entsprechende Verhältnisse ein­zugehen. Sie würden das neue Feld ihrer Thätigkeit durchforschen, kennen und gewiß auch schätzen und liebe« lernen.

Das Dresdener Journal bringt auS Wien vom 23. Oct. folgende erfreuliche Nachricht:Wie aus siche­rer Quelle versichert werden kann, sind alle Anzeichen, welche sich bei den gegenwärtig hier eröffneten Zotl- conferenzen einer unbefangenen Auffassung darbie­ten, der Art, daß ein günstiges Ergebniß deren Abschlusses zu erwarten steht. Das kaiserliche Cabinet hat bei Beginn der Konferenzen aufs neue das aufrich­tige Bestreben kundgegeben, der königlich preußischen Regierung auf alle Weise entgegenzukommeu. Daß daS kaiserliche Cabinet bei diesem dankenswerthen Bemühe«