Nassauische Allgemeine Zeitung.
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Freitag den 15. ©dober
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Die,,Nassauische Allgemeine Zeitung' mit dem belletristischen Beiblatt „Der Wanderer" erscheint, Sonntaqs «it&fletiowne Mlick unr betragt der Pränumergtirmspreis für Wiesbaden und, nach dem neuen Poftregulariv nunmehr auch ür den gainen Umfang deS Ldurn> und Taris'schen BenvallunqSbezirkö mit Inbegriff des Postaufschlaqs 2 fl., für die übrigen Länder des deutsch-österreichlschèn Postvereins, wie für das Ausland 2 fl. 24 kr. — Inserate werden die vierspaltig« Petitzeile oder deren Naum mit 3 kr. berechnet. — Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgasse 42, auswärts bei den nächffgelegenen Postämtern, zu macken.
Amtlicher Theil.
Dienstnachrichten.
Seine Hoheit der Herzog haben den Medici- nal-Accesststen Dr. Bickel von Selters nach Oberursel, Dr. Wid erste in von Kemel nach Herborn, Dr. Schütz von Mengerskirchen nach Hachenburg, Dr. Köpp von Usingen nach Hochheim, Dr. Hellbach von Winkel nach Usingen, Dr. Wuth von Wiesbaden nach Selters zu versetzen und die Candidaten Dr. Weißbrod von Hohenfels zum Medicinal - Accessisten zu Kemel, Dr. Geise von Winkel zum Medicinal-Accessisten daselbst, Dr. Speck von Ransbach zum Medicinal - Accessisten zu Mengerskirchen, Dr. Rull mann von Wiesbaden zum Medicinal - Accesisten bei dem dasigen Civil- Hospital und den Candidaten der Pharmacie Franz Rud io von Weilburg zum Amtsapotheker daselbst zu ernennen geruht.
Se. Hoheit der Herzog haben den Conrector Stoll von dem Gymnasium zu Hadamar in gleicher Eigenschaft an das Gymnasium zu Weilburg und den Collaborator Wagner von dem Pädagogium zu Dillenburg in gleicher Eigenschaft an das Gelehrten- Gymnasium zu Wiesbaden zu versetzen geruht.
Nichtamtlicher Theil.
Jur JoUfrage.
Die „Weser Zeitung" bringt folgende bemerkens- werthe Correspondenz aus Hannover: Der diesseitige Unterhändler in der Zollanschlußfrage, Generaldirector Klenze, ist seit ehegcsteru von Berlin hier eingetroffen, und wird, wie man hört, nicht dorthin zurückkchren. Von einer Ersetzung des Herr Klenze, die ohnehin schwer fallen dürfte, ist nicht die Rede; (Preußische Blätter ließen Herrn Albrecht bereits in Berlin eintreffen. Wir verweisen auf den untenstehenden Artikel Hannover), und es dürfte dieser Umstand in Verbindung mit andern bekannten Vorgängen der letzten Wochen zur Bestätigung der Muthmaßungen beitragen, welche bezüglich einer veränderten Stellung Hannovers zum September- vertrag in den Tagesblättern bereits vielseitig Ausdruck fanden. Man will ferner in unterrichteten Kreisen wissen, daß die Vermittlungsrolle zwischen Preußen und dessen seitherigen Zollverbündeten, wozu Hannover sich berufen fühlte, und welche es eine Zeit lang ohne Applaus von irgend einer Seite, weder aus den Logen noch von der Tribüne fortipielte, am Schluß des letzten Acts augelangt sei. Nicht weniger sucht man hier und da zu deduciren, daß Hannover, welches aus einem bekannten früheren Vermittlungsversuch auf schlagende Weise inne geworden sein müßte, daß seine politische Bedeutung selbst nur innerhalb der deutschen Staatengruppe völlig unzulänglich erscheine, um mit einiger Aussicht auf Erfolg in die gegenseitigen Beziehungen der Großstaaten, wenn auch nur vermittelnd, einzugreifen, die Wiederholung einer so zweifelhaften Exposition sicher vermieden haben würde — wäre es ihm nicht darum zu thun gewesen, seine seit dem jüngsten Ministcrwcchsel ihm völlig bewußt gewordene Ungeneigtheit zur Ausführung des Septcmbervcrtrags anständig zu maskiren; auch Zeit und geeignete Veranlassung zu gewinnen, um auf billigstem Weg von dem ärgerlichen Handel loszu- kommen.
In der „ Kasseler Zeitung " wird der bevorstehende Abschluß des Zolleinigungsvertrags zwischen Oesterreich uud den Darmstädter Verbündeten bestätigt und zugleich mitgetheilt, daß behufs dieses Abschlusses eine Schluß- conferenz in Wien für den 20. d. M. anberaumt sei, und Oesterreich den sieben Staaten ihre bisherigen Zollrevenuen garantiren werde.
Nach Angabe der Leipz. Zeitung hat der Ministerpräsident von Manteuffel am 10. October an die Vertreter Preußens bei den Höfen der Darmstädter Verbündeten eine neue Circular-Depesche in der Zollvereinsfrage gerichtet. Die Verhandlungen zwischen Preußen und Braunschweig wegen Erneuerung des Zollvertrages, welche von einigen Blättern bereits als beendet angegeben wurden, befinden sich noch in der Schwebe.
Der berliner X-Correspondent der D. A. Z. erklärt nun in dem genannten Blatt, daß seine Ausweisung aus Berlin nicht wegen der freihändlerischen Tendenz seiner Briefe, sondern vielmehr lediglich wegen der mitgetheilten Facta erfolgt ist. Das erstere wäre bei den wiederholten offenkundigen Erklärungen des Leiters der preußischen Handelspolitik und bei den offi-
ciellen Kundgebungen des wirklichen ministeriellen Organs, der Preußischen Zeitung , sowie bei dem Geiste, welcher in der preußischen Handels- und Gcwerbegesetz- gcbung vom Jahre 1818 waltet, geradewegs ein Widerspruch, dessen man die preußische Regierung nicht gut fähig halten kann. Das Letztere wurde lediglich als Grund der Ausweisung angegeben, indem man annahm, daß ein Mißbrauch der Amtsverschwiegenheit obgewaltet haben müsse, und man wollte für den Fall, daß die Nennung der Quellen erfolge, von jedem Verfahren gegen den Briefsteller abstehcn. Derselbe konnte sich hierzu jedoch nicht verstehen, erklärte nur, daß preußische Beamte dabei nicht betbeiligt seien und daß der größte Theil der Nachrichten nicht an die Oertlichkeit gebunden sei.
Der Proceß Decker.
VI.
Köln, 9. Oct. Vernehmung des Angeklagten Bürgers, Literat. Derselbe erklärt, er sei früher Re dacteur an der „Neuen Rheinischen" und später Mitarbeiter an der „Westdentschen Zeitung" gewesen. Erstere habe er mit iuS Leben gerufen. Dem Arbeiterverein gehörte er nicht an, vielmehr war er, wie die andern Redacteure der „Rheinischen Ztg.", Mitglied des demokratischen Vereins. Dagegen aber habe er dem Arbeiterbildungsverein augehört, und in demselben preußisches Staatsrecht vorgetragen, nach dem Handbuch von Osterwald. Der Volksversammlung auf dem Frankeuplatz habe er beigewohnt, und dort auf Verlangen präsidirt, ohne zu wissen, was man beabsichtigte. Auf die Frage, ob er dort nicht mit zum Sichcrheitö- ausschuß gewählt worden sei, und in dieser Eigenschaft sich mit an dem Schreiben an den Regierungspräsidenten beteiligt habe, erwidert er, da er damals in Düsseldorf wohnte, so habe er es abgelehnt. Vor 1848 habe er 4 Monate in Paris und etwa 6 Monate in Brüssel zugcbracht, habe auch in Paris Everweg kennen gelernt; daß derselbe aber Vorstand eiu;r Verbindung gewesen sei, habe er nicht gewußt. Auch sei er dort mit Marx, Herwegb u. A. zusammengckommen. Elstern kannte er von Köln aus, da er in Boun 1841 studirte und später ein fleißiger Mitarbeiter an der „Rheinischen Ztg." war. Er gesteht, daß er in Paris häufig mit Handwerkern zusammengekommen sei, denn er sei selbst eines Handwerkers Sohn. Beck habe er nicht gekannt; möglich, daß dieser ihm einmal geschrieben habe, er entsinne sich dessen aber nicht. Er sei 1850 in die Gemeinde in Köln eingetreten, als der Emffsär Bauer von London augelangt sei. Das Statut von 1849 erklärt er in ähnlicher Weise wie Röser, für provisorisch. Bei dem Zwiespalt in London sei dort kein Kongreß zusammenberufen und kein neues Statut entworfen worden. Die Gemeinde Köln war aufgefordert, sich selbst ihr Princip festzustellen. Haupt erschien in Köln, als der Zwiespalt zum voll staubigen Bruche geführt hatte; der Zwiespalt selbst aber sei alt, und durch den Mangel eines Statuts, welcher das Princip feststellte, entstanden. Es hätten früher schon die Männer, welche eine active Revolution gewollt, jenen gegenübergestanden, welche ein passives Verhalten während der Revolution und eine Propaganda des Princips gewollt hätten. Zur näheren Erläuterung bringt er eine kurze Geschichte der englischen und französischen Verbindungen. Dort habe man politisch einwirken können, die deutschen Verbindungen dagegen hätten sich ihrer Stellung nach schon mit der Verbreitung der Idee begnügen müssen. Er weißt in dieser Beziehung auf die deutsche Presse vor 1848, auf Bruno Bauer, Feuerbach u. A. hin. Marx habe früher schon erkannt, daß die Gesellschaft nicht restaurirt werden könne, sondern gänzlich erneuert werden müsse. Das vermöge die Menge nicht gleich zu erfassen, aber sie müsse vorbereitet und der Drang in ihr erweckt werden. Von diesen Grundsätzen ausgehend, bildete Marx und Engels 1847 in London ein Vereinigung mit Arbeitern. Wenn Röser sage, die Centralbehörde habe 1848 nach Köln übergesiedelt, so drücke er sich ungenau aus; nicht die Ceniralbehörde, sondern nur die Personen , woraus sie bestanden hatten, siedelten sich nach Köln über. Dort, dem Grundsatz des langsamen Vorbereiten getreu, vermieden es 1848 die Redacteure der „Neuen rheinischen Zeitung" und darunter auch er, den Kommunismus zu vertheidigen , und wurden auch nur Mitglieder des demokratischen, nicht des Arbeitervereins. Marx habe nur auf besondere Aufforderung auf kurze Zeit daS Präsidium des letzter« übernommen. Wenn
die Anklage sage, es sei Einheit in den Ereignissen und unter den Personen gewesen, was auf eine geheime Verbindung hindcute, so müsse er daran erinnern, daß schon vor der „Neuen Rheinischen Zeitung" das Blatt von Dr. Gottschalk erschienen sei, mit dem sie keineswegs übereinstimmten. Der Londoner Verein habe beide Stiftungen umfaßt, sowohl die Männer der That, als der geistigen Entwickelung. Diese zwei Richtungen waren es, denen man beiden genügen wollte, wenn es in der Ansprache hieß : der Bund habe sich bewährt, sowohl in jeder Bewegung, als auf Barrikaden und Schlachtfeldern. Als Männer wie Willich in den Bund traten, die von keinen langen mühseligen Vorbereitungen wissen wollten, wurde diese Spaltung immer größer. Man ereiferte sich in Vertheidigung feiner Ansicht, wurde immer heftiger, bis die Leidenschaft allmälig zu persönlicher Feindschaft und Streitigkeiten, und so zum gänzlichen Bruch führte. So sei der Principienkampf der persönlichen Feindschaft vorhergegangen, nicht aber umgekehrt. Die Partei Marx, zu der die Kölnische Gemeinde und später die Kölnische Centralbehörde gehörte, sei eben jene, welcher von der Gegenpartei, die ihr Ziel unmittelbar erkämpfen wolle, der Vorwurf gemacht worden sei: „ihr schriftstellert nur!" Die hiesige Gemeinde, die nie aus mehr als 10 bis 12 Personen bestanden, habe das Thörichte einer unmittelbaren Revolution eingesehen. Sie habe aber dieses Princips wegen au Marx gehangen. Die Ansprache vom 15. December 1850 gehe direct gegen die That. Auch habe er die Statuten in diesem Geist entworfen. Man deute jedenfalls die Worte Revolution, Zertrümmerung der Gesellschaft, in weit schlimmerem Sinne, als sie gehabt hätten, die Revolution, die Zertrümmerung solle ja nach dem Marxschen Manifest eben durch die Zersetzung der materiellen Verhältnisse herbeigeführt werden. Er beruft sich auf einige scharf klingende Lätze, deren man sich bei Bildung der Anti corn law league in Englang bediente, gegen die man auch wirklich von der Regierung Maßregeln forderte, und doch habe es sich ergeben, daß diese League ihr Ziel auf friedlichem Wege verfolgte. Die Menge glaube, wenn von einer bessern Gestaltung der Zustände die Rede sei, diese müßten auch sogleich ins Leben treten; diese falsche Illusion habe in Paris das Volk in den Junikampf geführt, in dem es zusammenkartätscht wurde; ähnlichen falschen Illusionen wollte der Bund in Deutschland entgegenwirken, indem die Mitglieder das Proletariat für den Kommunismus erst heranzieben sollten, bevor sie denselben predigten. Deßhalb hatte der Bund geheim sein müssen, und deßhalb habe auch er, Bürgers, nie vom CommunismuS außerhalb desselben gesprochen. Im Jahr 1850—51 habe man allgemein für das Jahr 1852 eine Revolution in Frankreich erwartet. Er verliest eine Stelle der „Kölnischen Zeitung", worin diese erklärt, nur durch ein Wunder könne man derselben entgehen. Er erklärt dann noch, daß er die Statuten und die Ansprache vom 15. December verfaßt, indem er das Manifest dabei zu Grunde legte. Nachdem er sich wie Röser über das Statut von 1849 ausgesprochen hat, wird er über die Ansprache vom Juni 1850 befragt, die unter Couvert von Köln an den Kaufmann Helfer in Leipzig anlangte, und von diesem sofort der Polizei überliefert wurde. Es ist diejenige, welche von Verbindungen im Auslande, Anknüpfungen mit dem schleswig-holsteinischen Militär und ungarischen Offizieren handelt. Der Angeklagte erklärt, dieselbe zuerst iu der „Oesterr. Ztg." gelesen zu haben, sonst kenne er sie nicht; sie sei ibnen unterschoben. Als Haupt, von der Schapper-Willichschen Partei gesandt, nach Köln gekommen sei, war unter andern Vorwürfen, die er Marx machte, auch der, daß er jene Adresse entworfen habe solle. Angeklagter habe dieses aber in Abrede stellen müssen. — Präsident. Davon haben Sie ja früher nie etwas gesagt. — Antw. Es hat sich kein Anlaß gefunden; auch habe ich mir den wahrscheinlichen Zusammenhang erst später klar zu machen gesucht. — Fr. Wer gehörte zu den Mitgliedern der Majorität der Centralbehörde (der Marxschen Partei), doch auch Schramm? — Antw. Allerdings. — Fr. Von diesem Schramm soll aber eben jene Ansprache geschrieben sein: — Antw. In keinem Fall ist sie von der Kölner Centralbehörde auS- gegangen, da die Londoner Gemeinde die Korrespondenz mit dem Auslande behielt. (Er verliest zum Beweis eine Stelle in einer Ansprache, worin es heißt: Die Londoner Gemeinde besorgt die Korrespondenz mit dem Auslande. Der Präsident sieht den gedruckten Anklageact nach.) Fr. Es heißt nicht „mit dem Auslande", sondern „mit dem Kreise"? — Antw. Das