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Nassauische Allgemeine Zeitung.

IVr S^S Donnerstag den 14. ©stöber ZS5S.

Die,,Nassauische Allgemeine Zeitung" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntag ausgenommen, täglich und beträgt der PrânumeiationüpreiS für Wieetbaten und , nach dem neuen Postregulativ nunmehr auch Nr den ganzen Umfang deS tvur«- und Taris'schen PerwalluugSbezlrks mit Anbegrin des Postaufschlags 2 fl., für die übrigen bândcr des teutidvöfrerreid'udien -posteemii» , wie für das ensland 2 fl. 24 fr. Inserate werden die »ierspaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet, Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Vanggasse 12, auswärts bei den uâchstgeiegenea Postämtern, zu machen.

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Zur ZaUfrage.

* Noch vor Kurzem haben die preußischen und für Preußen thätigen Blätter mit besonderer Genugthuung hervorgehoben, daß Baden die Münchner Erklärung nicht mit unterzeichnet habe. Diese Blätter haben nicht ermangelt, daraus den Schluß zu ziehen, daß Badens Stellung zu den übrigen sogenannten Coa- liti o n sstaaten eine unklare und zweideutige sei. Daß Baden treu zu den übrigen verbündeten Regierun­gen hält, und daß, wenn seine Stellung als eine ver­mittelnde und versöhnliche bezeichnet werden kann, die­ses in demselben Sinne geschehen muß, in welchem auch die übrigen Koalitionsregierungen von Anfang an, wahrlich bis zum Ueberslusse, zu vermitteln und zu ver­söhnen gesucht haben, beweiset das Schreiben, welches der größherzoglich badische Bevollmäch­tigte bei den hiesigen Zollconferenzen vor seiner Abreise von Berlin an die k. preußische Regierung ge­richtet hat. Es lautet wie folgt:

Wegen längerer Abwesenheit Sr. K. H. des Re­genten von Karlsruhe konnte der Unterzeichnete in der jüngst vergangenen Zeit nicht mit Instruction zu Ab­gabe der Erklärung versehen werden, welche die groß- herzogliche Regierung, durchdrungen von der Nothwendigkeit des Abschlusses ein es mit: fassenden Zoll- und Handelsvertrages mit O esterreich, wie solcher in dem am 25. Mai d. I. der Conferenz übergebenen Entwürfe vorgeschla­gen worden ist, an die Erwiderung der k. preußischen Regierung in der Conferenz vom 30. August d. I. für angemessen gefunden haben dürfte. Inzwischen ist zur Kenntniß gekommen / daß in Folge der k. preußischen Note vom 27. v. M., nach welcher die k. Regierung jede vorläufige Verhandlung mit Oesterreich ablehnt, bevor der Vertrag über Erneuerung und Erweiterung des Zollvereins abgeschlossen sei, ein Abbrechen der Couferenzverhandluugcn nicht zu vermeiden gewesen sei. Der Unterzeichnete darf nicht zweifeln, daß dieser Schritt von der großherzoglichen Re­gierung um so lebhafter bedauert werde, als dieselbe nach der entgegenkommenden Erklärung der k. preußischen Regierung vom 30. August d. J. der Erwartung sich hingeben durfte, daß eine Verständigung über den erwähnten Vertragsentwurf zu erreichen sei, und durch weitere Berathungen , zunächst unter den Conferenzbe- vollmächtigten, die Gewißheit hierüber festgestellt werden könne. Es ist dem Unterzeichneten bei der Sachlage die Weisung zugegangen, sich nach Karlsruhe zu begeben. Indem derselbe die Ebre hat, die k. preu­ßische Regierung hiervon in Kenntniß zu setzen, glaubt er übrigens noch beifügen zu müssen, daß die Ueber­zeugung nicht erst zu begründen sein werde, daß die großherzogliche Regierung auch bei ihren weiteren Ent­schließungen stets nur von dem Streben werde geleitet werden, zu al l s e i t i g e r Verständigung aufrichtigst mit­zuwirken. Berlin den 3. October 1852. H a ck."

Die handelspolitische Beilage der F. P. Z. beschäftigt sich mit der Frage, was jetzt zu thun sei. Sie sagt: Die Staaten, welche nicht kündigten und nicht zurück­traten, haben nun zu bestimmen, was sie bei der ver­änderten Lage der Dinge zu thun Willens sind, und für sie kann wohl die Antwort nur dahin gehen, daß sie jetzt den Zollverein unter sich fortsetzen und densel­ben weiter innerlich und äußerlich auszubitden bemüht sein müssen. Das Erstere , die Erhaltung und Fortse­tzung des Zollvereins, haben sie, in sicherer Voraussicht Des jetzt wirklich Geschehenen, bereits fortgesetzt, das Letztere, die Erweiterung, muß sofort Gegenstand fer­nerer Verhandlungen sein. Bei diesen Verhandlungen, von denen das Glück oder Wehe des Vaterlandes 'ab­hängt, sollte man von folgenden Grundsätzen ausgehen:

Die Verhandlungen finden zu Frankfurt a. M. statt. Zweck und Gegenstand der Verhandlung ist die Neubildung des Zollvereins. Zu den Verhandlungen sind sämmtliche deutsche Staaten ohne alle Ausnahmen ° einzuladen.

Alle Staaten, sagt sie, sind einzuladen und na­mentlich auch Preußen. Es soll nicht Gleiches mit Gleichem vergolten werden und über dem Vaterlande sollen endlich alle anderen Rücksichten schweigen. Han­nover wird nicht fehlen, denn Hannover erstrebt ehrlich und offen ein gemeinsames Verständniß. Nur um ben Preis eines gemeinsamen oder eines größern Verständ­nisses wird es seine jetzige Stellung aufgeben, nicht aber von Sonderbund zu Sonderbund übergehen. Nähert sich aber Hannover, so wird der Bund sich auch Han­

nover nähern. Wir können uns verständigen, wenn wir uns verständigen wollen, denn nicht in den Sachen, sondern in den Personen liegt das Nichtverständniß.

Mit solchen Planen schreite man zur Gründung des neuen Zollbundes. Man mache was wirklich Gu­tes und überlasse dem Guten seine Anziehungskraft, denn die Verneinung hält sich nie lange. Preußen wird und kann sich von Deutschland nicht trennen, aber Deutschland erleichtere auch Preußen seinen Beitritt. Preußen ist dem Süden nöthig , aber der Süden ist Preußen noch nöthiger. Sollte aber das Geschick wol­len, daß Preußen sich wirklich lossagt, so ist dieses Un­glück des Vaterlandes für die deutsche Industrie ein Glück, denn sie wird von ihrem überlegenen und über­mächtigen Mitbewerber befreit. Der neue Markt ist ohne Preußen beinahe so groß, als mit Preußen der Zollverein bei seinem ersten Entstehen war. Eine Ver­bindung mit Oesterreich wird diesseits und jenseits der Thätigkeit neue und große Markte eröffnen.

Die A. A. Z. bringt noch folgendes aus Hannover vom 5. d. M. Das Verhalten Preußens gegenüber Hannover und dessen VermittelungsbemühMgen wird besonders von allen Denen, die vom Zusammenhänge näher unterrichtet sind, als ein tief verletzendes und bei einer näheren Verbindung mit Preußen für die Zukunft nichts Gutes bedeutendes empfunden. Hätte die hiesige Regierung insgeheim die Tendenz verfolgt vom Sep­tembervertrage wieder loszukommen, so hätte sie die preußische gerade zu deren neuesten Schritten zu ver­führen suchen müssen. Sie hat das Gegentheil gethan. Sie hat freilich auch zu erkennen gegeben, daß sie den September - Vertrag nach seinem wahren Sinne, nicht aber einen ganz anderen Vertrag über eine enge Son­derverbündung mit Preußen wolle, und daß sie nicht geneigt sei zur Begleitung, wenn die Reise dahin gehe. Das ist als Zweideutigkeit und Untreue an Preußen ausgelegt und verschrieen worden. Aber wenn jemals Bemühungen ehrlich mit Preußen gemeint waren, so sind es die des Herrn v. Schere gewesen, eine Ver­mittelung hcrbeizufnhren und namentlich dadurch Preu­ßen von den Fehlern zurückzuhalten, welche es nun doch begangen hat. Es Hat hier vom Anfänge nicht an Gegnern des Septembervertrags gefehlt, welche Fol­gen dieser Art voraussetzten und sodann auf eine solche Wendung rechneten. Diese möchten nun, daß Hannover in den früheren Stand zurückkehrte und deshalb sorg­fältig vermiede, sich mit Preußen einzulassen und es ihm möglich zu machen seinerseits den Septemberver­trag zu erfüllen, was ihm, wie sie glauben, ohne Han­novers Beistand unmöglich sein werde. Indessen gibt es jetzt noch Viele, wenn auch bei Weitem nicht mehr so Viele, wie Anfangs, die nach ihren Interessen und Neigungen das Gegentheil wünschen und es nicht daran fehlen lassen werden aus die Erfüllung ihrer Wünsche hinzuarbeiten. Man erwartet dies namentlich von Hrn. Kleuze und Anderen, welche Einfluß besitzen und jetzt wohl ihre geheimen Gedanken verhüllen, aber auf Um­stände und eine Umstimmung rechnen, wodurch ihre stillen Operationen begünstigt werden möchten. Die Intrigue hat von Anfang bei der Sache eine leidige große Rolle gespielt, wie man allgemein sagt, ohne im Stande zu sein mit positiver Gewißheit die Fäden und die Fädler anzugeben. Was nun aus der Sache wird, was Hannover thut? So viel scheint gewiß, daß Graf Alvensleben, als er vorgestern wieder abreiste, wenig Trost mitgenommen hat.

Wie derF. P.-Ztg." aus Wien vom 9. October berichtet wird, hatte der kürzlich für den dortigen Ge- sandlschaftsposten ernannte königl. württembergische Ge­sandte, Freiherr v. Hügel, schon am 8. d. M. die erste officielle Correspondenz mit dem Herrn Minister des Aeußern, und theilte demselben mehrere aus Stuttgart eingelaufene Actenstücke mit, denen man in Beziehung zur Handelsfrage eine besondere Wichtigkeit beilegt, so wie es denn auch heißt, dau zuletzt doch noch eine Verständigung durch Württemberg und Hannover ver­einbart werden dürfte. Nach einer weiteren Mittheilung dieses Blattes arbeitet man im hiesigen Handelsministe­rium mit großem Eifer an den umfassenden Vorla­gen, welche in der handelspolitischen Frage amBundestage seiten sO e sterreichs vorgebracht werden sollen, und es besteht die zu diesem Ende niedergesetzte Commission aus dem Sec- lionsrathe Dr. Karl v. Hock, einer in der industriellen Welt rühmlichst bekannten Persönlichkeit des Reichsraths, und zwei Beamten des Ministeriums des Aeußern. Ferner werde Freiherr Prokesch v. Osten schon am 8. d. M. nach Berlin abreisen und zwar mit denselben

I Instructionen, die ihm bereits im Anfänge mitgetheilt worden sind, und ohne Aufträge zu weiteren Verhand­lungen. Oesterreich habe in der Angelegenheit nichts mehr mit Preußen zu verhandeln.

Von der Erklärung der Coalitionsstaaten lagen bis jetzt bekanntlich zwei Versionen vor: die der Berliner Voss, und die der N. Münch. Z. Diese gibt nun in ihrer Nummer vom 8. d. M. die Erklärung, daß sie jetzt das Actenstückin seinem authentischen Wortlaute" vor sich liegen habe, und daß ein Vergleich desselben mit der früheren ihr vorgelegenen Abschrift zeige,daß jene in mehreren Stellen nicht ganz richtig den Wort­laut wiedergab." Die neue von der N. Münch. Ztg. mitgetheilte Version ist aber wörtlich durch dieVossische Ztg. bekannt geworden. Dieses nachträgliche Zuge- ständniß der Neuen Münchener Zeitung ist mindestens sehr auffallend. Die Redaction der A. A. Z., welche die Münchener Version jals dieauthentische" brachte und die der Voss. Ztg. danach berichtigt haben wollte, bemerkt, die von ihr als authentisch bezeichnete Version sei ihr auseiner Quelle zugekommen, die sie als von bester Hand unterrichtet halten mußte."

Nach demNorddeutschen Portfolio" dürfte dem­nächst ein Z o l l v e r e i n s v e r t r a g zwischen Oester­reich und den Darmstädter Verbündeten, der mit dem 1. Januar 1854 ins Leben zu treten hätte, definitiv abgeschlossen werden.

Dem Nürnberger Correspondenten schreibt man aus Frankfurt a. M. vom 7. Oct.: Von verlässiger Seite vernehmen wir, daß die c oalirten Staaten nicht ge­sondert in diplomatische Verhandlungen mit Preußen zu der weiterer Erörterung über die auf die Er­neuerung des Zollvereins bezüglichen Fragen einge­hen, sondern nur gemeinschaftlich unterhandeln und han­deln werden.

Der Proceß Decker

v.

Köln, 8. Oct. Heute wurde vor dem Geschwor­nengericht die Vernehmung des Angeklagten Röser fort» gesetzt. Auf die Frage, ob die Spaltung in Köln eine rein persönliche oder principielle gewesen sei, erklärt der Angeklagte, eine Spaltung aus Meinungsverschiedenheit; Schapper und Willich hätten losschlagen, Marx nur das Princip des Communismus zur Geltung bringen wollen. Der Präsident bemerkt, dieser angeblichen fried­lichen Propaganda, die man vorschützen wolle, wider­sprächen mehrere Urkunden. Das Statut der Kölner Centralbehörde vom 1. December 1850 erklärte als Zweck des Bundes: alle Mittel der Propaganda und des politischen Kampfes bis zur Zertrümmerung der jetzigen Gesellschaft. Angeklagter: Die kommunistische Revolution wird von selbst eintreten, die Proletarier sollten nur für die eintretenden Zustände befähigt wer­den. Gewalt lag außer dem Zweck. Prokurator: Es scheint vielmehr, daß die Propaganda nur Mittel zum Zweck, der Zweck selbst die Zertrümmerung der Gesellschaft gewesen ist; die Ansprache vom März 1850, deren Manuskript Sie selbst an Nothjung geschickt, sagt im Eingang: 1848 und 49 bewährte sich der Bund in den Bewegungen, auf den Barrikaden und auf den Schlachtfeldern. Dann heißt es ferner: Es versteht sich von selbst, daß bei allen blutigen Conflicten die Proletarier, wie früher, mit den republikanischen Bour­geois gehen, um nachher des Sieges sich zu versichern. Man müsse vor und nach dem Kampfe der Abwiege­lung entgegenwirken. Weit entfernt, die Rache an Personen und Häusern zu hindern, müsse man vielmehr solche Exempel selbst in die Hand nehmen. Um den Kleinbürgern entgegenzutreten, müsse das Proletariat mit Büchsen und Flinten bewaffnet sein. Ist das auch friedliche Propaganda? Antw. Es gelte nur in eintretenden Fällen der Bürgerwehr eine wahre Volks­wehr entgegen zu stellen. Uebrigens wäre es ja klar ausgedrückt, daß man noch 3040 Jahre Propaganda machen müsse, bevor man an Einführung des Co'mmu- nismus denken könne.

Präsident. Im Statut vom Juni 1850 heißt cs, man dürfe sich nicht mit der Lauheit im Volke entschul­digen, ^die Revolution müsse wieder heraufgerusen wer­den. Statt den beifallklattchenden Chor der Bourgeois zu machen, müßte das Proletariat eine selbstständige Macht bilden. Es mußte jedoch den Kampf mit den Bourgeois machen, um sich selbst eine Position zu ver­schaffen. Röser. Die Statuten galten nur proviso­risch zur Erhaltung der äußeren Form des Bundes, den der Congreß definitiv entwerfen sollte. Präsi­dent. Dieses scheint auch nicht wahr. Erst am 15.