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Nassauische Allgemeine Zeitung.

M 241. Mittwoch Leo 13. Oktober 1852.

DieNassauische Allgemeine Zeitung^ mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, SonntagS ausgenommen, täglich und beträgt der PrânnmcrationSpreiS für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulativ nunmehr auch ür den ganzen Umfang des Ldurn» und TariS'schen Verwaltungsbezirks mit Inbegriff des Postausschlags 2 fl., für die übrigen Länder des deutsch-österreichischen PostvereinS, wie für das Ausland 2 fl. 24 fr. Inserate werden die »ierspallige Petitzeile oder deren Naum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgaffe 42, auSwärtS bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

Amtlicher Theil.

Dienstn ach richte n.

Se. Hoheit der Herzog haben die Receptur- Accesisten Clos zu Weilburg, Boos zu Langenschwal­bach und Müller zu Idstein zu Receptur-Secretären und den Unterlieutenant Groos vom Herzog!. I. Ba­taillon zu Receptur-Accesisten zu Limburg zu ernennen und die Receptur-Accessisten Jung von Limburg nach Usingen und Schauß von Lanaenschwalbach nach Blei- j denstadt ;u versetzen verübt. Dem von des Herrn Erb- landpostmeisterS Fürsten von Thurn und Taxis Durchlaucht zum Posthalter zu Kirberg präsentirten Postexpeditok Bender daselbst ist die landesherrliche höchste Bestätigung ertheilt worden.

Nichtamtlicher Theil.

Jur Jollst-ngc.

Nachstehendes ist der Wortlaut des gestern erwähn­ten Artikels der N. P. Ztg. aus Hannover: Wenn die Berliner inspirirten Berichterstatter noch weitere Zweifel über dieaußerordentliche Mission" des Grafen Al- vens leben äußern sollten, so könnten sie durch Be­rufung auf den (hier hinlänglich bekannten) Meiösen Referenten des Hamburger unparteiischen Corresponden- ten widerlegt werden. Dieser der Verhältnisse und Vorgänge sehr kundige Herr versicherte schon vor eini­gen Tagen mit anscheinend freudiger Zuversicht, daß Hannover ans seiner vermittelnden Stellung nicht ein­mal durch das bekannte große diplomatische Talent des Herrn Grafen gebracht werden wurde, so lange noA jene alte und bewährte politische Maxime bestehe, daß Hannover sich nie einer der beiden deutschen Großmächte ausschließlich ergeben dürfe, sondern Freund von Preu­ßen und noch etwas mehr Freund von Oesterreich sein müsse." Das Urtheil ist, weil specifisch hannoverisch, vollkommen der richtige Ausdruck hiesiger Stimmung; Preußen hat hier wegen früherer Vorgänge keine Sym­pathien, die wenigen in der letzten Zeit erworbenen sind nicht geschont und nicht gewahrt, bislang hat Oesterreich viel größeres Vertrauen und festere Position erlangt. Die neuesten Schritte deS Berliner Cabinets in der Zollvercinsfrage haben die Mißstimmung vermehrt und gar keine Billigung gefunden; denn man will nun ein­mal nicht ohne die übrigen deutschen Staaten mit Preu­ßen allein sein. Die hiesige Regierung ist sehr ver­letzt darüber, dap Preußen ohne weitere Rücksprache mit seinem Al liirte n Hannover die Zollvereinsver- handlnngcn eigenmächtig abbrach, während doch das gegenwärtige Ministerium es an Rücksicht und Loyalität für Preußen nicht hat fehlen lassen. Wäre das dies­seitige Gouvernement mit dem Gange der Dinge in Berlin einverstanden, so würde der Bevollmächtigte bei den dortigen Zollconferenzen, General- Steuerdirector Klenze, schwerlichabberufen" sein. Denn seme, wenn auch angegriffene Gesundheit ist keineswegs so leidend," wie die inspirirten Centralisten von dort ver­sichern, daß er wenigstens nicht abwartend in Berlin hätte bleiben können, wenn man diesseits überhaupt mit Preußen warten wollte. Allein die dortige di­plomatischen Versehen kommen hier sehr gelegen und bleiben sicherlich nicht u n b enutz t.

Der Weser Zeitung wird ebenfalls aus Hanno­ver vom 7. Oct. aus zuverlässiger Quelle gemeldet, daß die Rückkehr des Hrn. Klenze nach Berlin und die des Grafen Nostitz nach Hannover vorerst nicht zu er­warten ist. Diesseits ist man über die Art und Weise, mit welcher Preußen die Conferenz behandelte, tief ver­letzt. Das preußische Blatt hat den Termin vom 15. Sept, gegen den Wunsch seiner Verbündeten pcremto- risch genommen, hat ohne genügende Rücksprache mit den Paciscenten des Scptembcrvcrtrags das Ende der Conferenz herbeigeführt und dadurch den Abschluß der Coalitionsstaaten beschleunigt, der auf das Präcipuum natürlich sehr nachtheilig wirken muß. Die stipulirte Reduction desselben würde man aber in dem Full ne- ceptiren, wenn Preußen seiner Verbindlichkeit mit seinen Genossen gemeinsam zu verfahren und die Zustimmung der übrigen Vereinsstaaten zum Septembervertrag zu erleichtern, nachgekommen wäre. Die diesseitige Regie­rung hat noch am 27. v. Monats ihre Bedenken gegen dies Verfahren schriftlich ausgesprochen; an jenem Tag war aber ja bereits die bekannte preuß. Depesche an die Gesandten bei den Coalitions-Regierungen expedirt.

Das Bremer Handelsblatt faßt Hannovers Stellung

ebenso auf. Hannover, sagt es, hat in diesem Augen­blick eine große Macht in seinen Händen, eine große deutsche Mission zu erfüllen. Würde es sich zu einem norddeutschenSonderbundherbeilaffen, so träte es die ihm durch seine Stellung gebotene alte Tradition mit Füßen; cs würde Deutschland definitiv zerklüften. Das Unding eines norddeutschen Sonder­bundes denn die Zollfrage ist völlig zu einer poli­tischen geworden wäre lediglich ein Anhängsel Eng­lands, und müßte, wenn nicht Oesterreich mit voller Kraft sich ins Mittel legte, fast mit Nothwendigkeit eine Art von Rheinbund in Gefolge haben. Der neue Proteetor lauert bereits zu, n.. die gegenseitige Er­bitterung und Entfremdung der Höfe kann kaum größer werden, al sie ist. Kommt es aber nicht zu einem solchen Rheinbünde, der eben so verwerflich wäre, wie ein norddeutscher Svndcrbuud, so wird man das auch Oesterreich mit zu verdanken haben, welches sich nicht bei Seite schieben lassen wollte. In Berlin treibt man aber die coalirten Staaten immer enger au Oesterreich, dessen Einfluß man gerade eutgegenarbeiten wollte; man erlangt demnach auf alle Weise ein Resultat, von dem man das Gegentheil erstrebt.

Von der h a » » o v ersch - preu ß is ch e n G rânz e, 6. October bringt die Allg. Ztg. Folgendes: Es ist, dünkt Mich, bisher nicht allgemein bekannt geworden, daß im Laufe der Zollverhandlungen zu Berlin von Seite Hannovers an die übrigen Zollvereinöstaaten die Eoncession gemacht war, daß der Separatartikel 11 des Skptembervcrtrags (Hannoer verpflichtet sich spätestens bis zum 1. März 1853 die Eingangsabgaden für die in der Anlage benannten Gegenstände (die Anlage ent­hält die wichtigeren Positionen des Zollvcreiustarifs mit den durch den Separatartikel 14 herbeigeführten Aendcrungenj bis auf die dabei bemerkten Sätze zu erhöhen") dahin abzuändern sei, daß die betreffende Erhöhung der SteuervcremSsätze schon am 1. Januar 1853 einzutreten habe. Sicherem Vernehmen zufolge ist diese Concession jetzt von der hannoverischen Regie­rung ans der richtigen Rücksicht wieder zurückgenommen worden, weil diejenigen Staaten, denen zu Gefallen diesZugestäudniß gemacht, beMalen nicht mehr andern Septembcrvcrlrage theiluchmen.' Hiernach dürften die eutgegeulautcuden Nachrichten verschiedener norddeutscher Blätter, namentlich derWescrzeitung", zu berichtigen sein.

Nach einer officiösen Mittheilung derAllg. Ztg." aus Wien wäre eine Conferenz in Zollvereins­sachen in Wien bereits beschlossen und stände deren Eröffnung in der Mitte dieses Monats bevor. Es wäre voreilig, heißt es in der betreffenden Mittheilung, schon jetzt über die aus derselben hervorgehende Ge­staltung dieser Angelegenheit Vermuthungen ausstellen zu wollen; allein wenn die königl. preußische Staatsschrift (Circulardepesche für den Abbruch der Verhandlungen) unter anderm bemerkt, eS hätten die königl. bayerische, sächsische, wüittembergischcrc. Regierung in demSchluß- prowcoll der ersten Wiener Conferenzen definitive , die kaiserlich österreichische Regierung aber nur eine even­tuelle Verbindlichkeit eingegangen; so darf ruhig behaup­tet, aus all emeiner Kenntniß der Handlungsweise der Wiener Regierung mit Znverläßigkeit geschlossen werden, daß Oesterreich den Staaten, welche die Verwirklichung der durch die Bnndcsactc gegebenen Zusicherung, eine allgemeine deutsche Zolleinigung erstreben, die somit den Kaiserstaat nicht ausschließen lassen wollen, sicherlich nickt weniger gewähren wird, als es früher schon der Gesammtheit geboten. Wohl aber werden voraussicht­lich diese hohen Regierungen, in Verbindung mit der k. k. österreichischen, auch jetzt und in Zukunft, des letzt­lich Vorgcsallenen uneingedenk, dabei besorgt sein, daß Preußen jederzeit den hohen und bedeutungsvollen Platz auch im deutschen Zollverein wieder cinnehmen könne, den es jetzt so unbegreiflicherweise von sich weist.

Nach einer Mittheilung des Frankfurter Journ. aus Wien hat das österreichische Cabinet die Regierungen der deutschen Bundesstaaten eingeladen, sofort Bevoll mächtigte nach Wien zur Theilnahme an einer Confe- rcnz zu senden, auf welcher die Unterhandlungen bezüg­lich einer Zoll - Einigung zwischen Oesterreich und den übrigen Staateu des deutschen Bundes fortgesetzt werden würden.

Der Proceß Veâer.

III.

Der Pocurator geht hierauf aus Erklärung der be­treffenden Gesetzartikel über, welche bei dem Verbrechen

Geltung hätten, wobei sowohl das ältere als neuere Gesetz in Anwendung komme. Das neuere Gesetz weiche jedoch in den Strafbestimmungen ab, es unterscheide in dieser Beziehung zwischen hochverräthèrischcm Attentat, worauf der Tod, und Complott, worauf nur fünfjährige bis lebenslängliche Zuchthausstrafe stehe. Uebrigens roe&e nach b eiben Gesetzen das Complott als solches auch dann bestraft, wenn es noch nicht zu Attentaten geführt habe. In der Untersuchung, fährt der Proku­rator fort, figuriren mehrere Personen, die nicht auf der Anklagebank sitzen, als Marx, Schapper, Moll und A. Schapper mußte schon vor langen Jahren Deutsch­land verlassen. Er bildete in London den Arbeiter­verein ; dieser sei die Hauptpflanzschule der communisti- schen Ideen gewesen. Von dort, vom 17. December 1847, datiren die Statuten des Bundes der Commu­nisten, unterzeichnet Schapper und Engels. Sie bilden die Grundlage des gegenwärtigen CoMplotts, und tra­gen das Motto: Proletarier aller Länder, vereinigt euch, Zweck des Bundes ist nach ihnen: Sturz der Bour­geoisie und Herrschaft des Proletariats. Gründung einer Gesellschaft ohne Klaffen. Der Bund ist einge­theilt in Gemeinden, Kreise, leitende Kreise, und hat an der Spitze eine Centralbehörde, über ihr steht der Congreß. Die Aufgabe des Vereins dehnen sie über alle deutschen Staaten aus. Dann folgte das be­kannte Manifest der Communistenpartei von Marx ver­faßt. Am Schluffe drückt es die Aufforderung aus, jede revolutionäre Bewegung zu unterstützen, um später selbst das Gesetz in die Hand zu nehmen, und schließt: Proletarier, ihr habt nichts zu verlieren, als Ketten, und Alles zu gewinnen. Proletarier, vereinigt euch!" Am 11. Februar 1848 fand das Stiftungsfest des Bundes in London statt, bei dem Engels, Moll und Schapper reden, und letzterer die Worte spricht:Keine friedliche Lösung, nur das Schwert regiere. Revolution und immer Revolution!" Im März 1848 kommt Marx mit Andern nach Brüssel. Als Ersterer dort ausgewiesen ist, geht èr nach Paris, wohin man die Centralbehörde verlegt, und Marx mit discretionärer Gewalt bekleidet. Das betreffende Protocoll ist von Engels und Marx unterschrieben. In Paris fand man aber, wie es scheint, keinen günstigen Boden. Da er­scheint die preußische Amnestie, und ein Häuflein der VerschworNen kommt nach Köln. Hier bildet sich bald eine engere Vereinigung. Der Arbeiterverein entsteht, nacheinander mit Gottschalk, Moll, Marx, Röser an der Spitze. DieRheinische" und dieArbeiterzeitung" erscheinen. Die Folgen treten immer näher ans Licht, Unruhen auf Unruhen; am 19. Sept, bildet sich ein Sicherheitsausschuß mit Becker und Moll daran. Letz« terer hat sogar die Kühnheit, seine Constituirung denk Regierungspräsidenten zu insinuiren, und demselben zu erklären, daß man so lange als möglich mit der Regie­rung gehen wolle. Am 25. September findet auf dem Markte eine Volksversammlung statt, auf der der Po- lizeicommissär v. Grävenitz mißhandelt wird. Alö man fie auseinandertreiben will, bildet man Barrikaden. Ende 1848 aber ist Alles zersprengt. Moll ^geht nach Lon­don, kehrt aber bald als Emissär zurück und eilt nach Berlin, um neue Gemeinden zu bilden. Es gelingt ihm, 10 Gemeinden â 10 Personen zusammen zu brin­gen. Während des Belagerungszustandes bereitet man sich dort auf einen neuen Kampf vor. Cs finden die Maiaufstände in Iserlohn, Elberfeld und Düsseldorf statt. Nothjung, Engels und Moll haben überall die Hand im Spiel. Moll geht endlich nach Baden, wo er im Juni gefallen ist. Marx geht im Juli 1849 im Auftrag der Pfälzer Demokraten nach Paris und von dort nach London. In Köln bleibt ein Kreis bestehen unter Becker, der ein neues Häuflein sammelt. Man versucht in Köln und London die Reorganisation des Bundes. Es bildet sich in London eine neue Central­behörde mit Marx, Schramm und Schapper an der Spitze. Der Emissär Bauer bringt eine Ansprache nach Köln, die Aufschluß über die Vergangenheit gibt, und den Commnnismus wieder einschärft. Er tritt mit Röser, Reiff, Klein, Freiligrath, Otto, Daniels in Ver­bindung, welche Abschriften der Ansprache in sechs ver­schiedenen Theilen anfertigen. Die Ansprache, die seiner Zeit veröffentlicht wurde, will Progressiv steuer, Confiscationen, Abschaffung^des Erbrechts und der Familien. Regeres Leben tritt ein, öftere Versammlungen bei Röser, Simon, Freiligrath finden statt, wo Otto, Daniels Röser, Bürgers immer thä­tig sind. Im Juni kommt eine zweite An prache von London, verfaßt von Oswald Diez an einen Kaufmann in Leipzig an, der sie der Polizei überliefert. Diese wird