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Nassauische Allgemeine Zeitung.

â KLM. Sonntag den 10. ©stöber 1^9.

Bestellungen auf das vierte Quartal derNassauischen Allgemeinen Zeitung" werden baldigst erbeten.

Die,,Nassauische Allgemeine Zeitung" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntags ausgenommen, täglich und beträgt der PränumerationSpreis für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulativ nunmehr auch ür den ganzen Umfang des Ldurn- und Taiis'schen Verwaltungsbezirks mit Inbegriff des Postaufschlags 2 fl., für die übrigen Länder des deutsch-österreichischen PostvereinS, wie für das Ausland 2 fl. 24 fr. Inserate werden die »ierspaltig« Petitzcile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgasse 42, auswärts bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen. tCTsaMH^aBE^stm^CT.^^WiMCTSBgMmffismBjmaMiii^iam^^^ . uife^au^^wjwjmifAjmm«^Mt

Amtliches Theil.

D i e n 6 n a ch r i ch ten.

Der provisorische Lchrgehülfe Hehn er zu Dotzheim ist definitiv zum Lchrgchülfen daselbst ernannt worden.

Nichtamtlicher Theil.

29. Wrfnmmhwß drnèscher Naturforscher und Aerzte.

(Fortsetzung statt Schluß.)

In der zweiten Section (Chemieund Pharmacie) gab ferner Dr. v. Scâl eine Geschichte der Entwi­ckelung der chemischen Industrie in Oesterreich.

Prof. Schödler machte sodann eine Mittheilung über Verkohlung des Holzes durch Wasser, und ver­theilte an die Mitglieder ein Exemplar verkohlten Holzes. Hierzu bemerkte Herr Professor Schrötter, daß in Steiermark in einer verlassenen Grube das Holzwerk, welches 90 Jahre vorher eingesetzt worden war, in eine vollständige Braunkohle verwandelt worden war, ferner Herr Prof. H o f m a n u, daß in England die hölzerne Belegung einer Hochdruckdampfmaschine in 9 Jahren in Braunkohle verwandelt worden.

Wim Pf von Weilburg hielt noch einen Vortrag über Verflüchtigung von Metailoxydcu im Fayencevfen, worin er mitthciltc, daß Eisenoxyd, Ehromoxyd, Ko­baltoxyd und Manganoxyd, wenn sie unter der Glasur eingebrannt werden sollen, sich verflüchtigen , sowie das Kobaldoxyd und Manganoxyd sich auf die Nachbarge- genstände im Ofen nicdcrschlägt. Ein Zusatz von Thonerde hindert, Zinkoxvd befördert die Verflüchtigung. Die Hitze in dem in Rede stehenden Ofen ist 80 bis 90 Grad Wedgwood uni) der Brand dauert 24 Stunden.

In derdritten Section für Mineralogie, Geognoste und Geographie sind Vorträge von besonderem Inte­resse gehalten worden. So.sprachen: Dr. Zimmer­mann aus Hamburg: Ueber eine Schweselvilduug in neuester Zeit; Dr. Fridol. Sandberger aus Wiesbaden: Ueber die geologische Beschaffenheit des Herzogthums Nassau; sodann über die Analogieen der fossilen Land- und Süßwasserfauna des Mainzer Beckens mit der lebenden der Mittelländer, ferner über seltenere nass. Mineralien und Hüttcuproducte und den mittelrheinischen geologischen Verein; Dr. Jordan aus Saarbrücken: Ueber das Vor­kommen von vier neuen Gattungen von Crustaceen in der Saarbrückener Steinkohlenformation.

Franz v. Hauer, Bergrath, aus Wien: Ueber des Hrn. Dr. Hörnes Werk über die Tertiär-Mollus­ken des Wiener Beckens, sodann über die von der geo­logischen Reichsanstalt in Wien aufgenommene geolo­gische Karte von Untcröstcrreich.

Oberbergrath Schwarzenberg von Cassel, über die geognostischcn Verhältnisse der Umgegend von Al­gier, Kolcah, Blidah und Medea, worin derselbe nach- zuweisen sucht, daß die ,von Anderen für Kreideschichten erklärten Gesteine der Axe des Atlas zur Uebergangs- formation zu rechnen, andere dagegen wohl der Kupfer­schieferformation angehören möchten.

Dr. Guido Sandberger legte die neueste 5. Lieferung des von ihm und seinem Bruder*) herausge- gebenen Werkes über die Versteinerungen des Rheini­schen Schichtcnsystcms in Nassau vor und sprach über die Unhaltbarkcit der Gattungen Porcellia und Mnr- chifonia, welche mit Preurobomaria vereinigt werden müssen, ferner machte er auf das von ihm erfundene Meßinstrument aufmerksam, welches geeignet ist, directe Vertrcalmeffun^ zu machen von kleineren naturhisto­rischen Gegenständen, besonders von genabelten treppcn- artig auf- oder absteigenden Schnecken; Abdachungs­größen, convex-concaven Mnskclklappen u. s. w.

Dr. Const. v. Ettting h ausen aus Wien, über die Stcinkohlenpflan'zen von Radnitz in Böhmen unter Vorlage sehr reicher Abbildungen und natürlicher Exem­plare. Besonders hebt er die mannigfaltigen Formen Lcpidodcndrecn dieser Flora hervor ; E. Dcsor aus Neufchatel, über den Pirallelismus der Diluvial- und Gletscher-Phänomene in der Schweiz, Scandinavien und Stordamerica; Alex: Braun von Berlin, über fossile Weintrauben von Salzhausen, mit Vorzeigung von Abbildungen und natürlichen Exemplaren der Blät­ter, der Krone und der cingeirockneten Leeren derselben. Derselbe fügt noch Einiges über andere dort vorkom­

*) Dr. Fridolin Sandberger.

mende Früchte hinzu; H. v. Kittlitz legt einige colorirte Radirungen und Handzcichnungeu naturphysio- gnomischer Gegenstände aus Kamtschatka und der schle­sischen Seite des Ricsengebirgs darstellend vor und sprach über die Aufgabe der naturhistorischen Landschafts­malerei; Dr. Klippstein: über seine gcognosti- schen Arbeiten des Großherzogth. Hessen und des preu­ßischen Kreises Wetzlar; Dr. Forsthammer auS Kiel spricht über submarine Landkarten. Die des Mit- tetmeeres wäre in gehöriger Vollendung zu wünschen und nach den Vorarbeiten der verschiedenen Adnurali- täteu jetzt recht wohl möglich; Herm. v. Meyer legt eine Abhandlung von Hrn. Vic. Thivllicri in Lyon unn ihm über die Wirbelthicre-Versteinerungen des neu entdeckten lithographischen Schiefers von Cirin in Frank- reich oor, welcher in jeder Beziehung große Ueberein­stimmung mit dem lithographischen Schiefer von Soh­lenhofen in Bayern besitzt.

In der Section 4. für Botanik, Forst- und Landwirthschaft sprach Prof. Gümbel aus Landau über den Anbau der Moospflanzen, wo­bei derselbe viele erläutenbe Zeichnungen vorlegte; Professor Dr. Hoffmann aus Gießen über die Be­deutung der Flußgebiete auf Pslanzensormationcn; in Folge dieses Vortrages vereinigte sich ein großer Theil der Anwesenden zur Bearbeitung der Flora des Nhem- gebietes in seiner weitesten Ausdehnung; Dr. von Ettingshausen aus Wien: Ueber den Character der tertiären Flora; Dr. Schacht aus Berlin: Ueber die Vermehrung der einheimischen Orchideen durch Knos­penbildung; Dr. Leonhardi aus Prag: Ueber das pädagogische und allgemein menschlich Wichtige der biologisch-morphologischen Botanik; Oberlehrer Wirt- gen von Eoblenz: Beobachtungen über die Galtung Mentha und Mittheilung seltener rheinischen Pflanzen; Prof. Dr. Lehman n: Ueber die Potenttllen; Dr. Schulz Bipont.: Ueber die Gattung OirmuM und ihre Bastarde; Berthold Seeman n aus London zeigte den Talg einer Euphorbtacea, der SüUinqui« 8st»i/er«^vor, undbemerkte, daß dieses Pflanzenfett jetzt in großer Masse nach England eingeführt werde, ja daß einzelne Kerzen­fabriken in London jährlich ebensoviel für diese Sub­stanz ausgeben, wie manche der deutschen Königreiche Einkommen haben. Er zeigte ebenfalls den Saamen einer Spomoca vor, die eine große Aehnlichkeit mit Knöpfen haben und von den Eingeborenen der Land­enge von Panama: Luton de terciopelo genannt wer­den. Er bemerkte ferner, daß vom 1. Januar 1853 an eine Zeitschrift für angewandte Botanik, unter dem Titel: Bonplandia , welche von ihm redigirt werden würde, erscheinen werde, und die hauptsächlich den Zweck habe, die vielen neuen Pflanzenerzeugnisse, welche in England bekannt würden, dem deutschen Publicum be­kannt zu machen.

In der Section 5. f ür Zoologie, Anato­mie und Physiologie sprach Schulrath Dr. Mül­ler von Wiesbaden über Cranivmctrie; Pros. Dr. Heri n g über die Schnelligkeit des Kreislaufs; Dr. Moles chott über die Stätte der Zuckerbildung im Thierkörper und über Entwickelung der Blutkörper­chen; Prof. Dr. F- Will über Raupenhaare; Prof. C. Eckhardt über einige Einrichtungen des gal- vauometrischen Apparates behufs der .Darstellung der thierisch electrischenStröme; Dr. Augustus Waller aus Loudon über die Untersuchung der Ganglien und des Rückenmarks mittelst Dnrchschneidung der Rücken- markwurzeln; Prof. Schloßberger über die Sub­stanzen des Gehirns und die chemischen Verschiedenhei­ten dieses Organs in dem Thierreiche und bei verschie­denen Altersstufen; Prinz L. Bonaparte über einige neue Gattungen von Vögeln; Prof. K irsch- bau m aus Wiesbaden; über einige Abtheilungen der Nassauischen Jusectcufauua unter Vorzeigung des dahin einschlagenden Theils seiner Sammlung; Professor Noßmäßler, über den gegenwärtigen Zustand der Land- und Süßwasser-Conchyologie gegenüber der Phy­siologie und Paläontologie. (Schluß folgt.)

Der Proceß Decker

Köln, 6. Oct. (F. P. Z.) Hcuete haben vor dem Assisengebäude wieder einige Verhaftungen bei An­kunft und Abfahrt der Angeklagten wegen Demonstra­tionen (Hutabnehmen) stattgesunden. Die Verlesung des Anklageacts wurde beendet. Der Präsident bemerkt den Angeklagten, daß sie die Klage vernommen hätten:

in den Jahren 1850 und 51 zu Köln |in Verbindung mit andern Personen ein Eomplott gestiftet zu haben, ; dessen Zweck gewesen, die Staatsverfassung umzustürzen

und die Einwohner gegen die königliche Gewalt und gegen einander zu bewaffnen. Darauf wandte sich Procurator Sandt an die Geschwornen zur Begründung der Anklage. Im Eingang bemerkt er, man habe aus- zustreuen sich bemüht, die Regierung habe die Unter­suchung nur eingeleitet, um die Angeklagten durch Ver­haft für die Vergangenheit zu strafen, die Untersuchung werde ergeben, wie sehr man zu derselben genöthigt ge­wesen sei. Die Behörden hätten sie mit der größten Thätigkeit betrieben. Er schildert die verschiedenen Ver­zögerungen als unvermeidlich und durch die Verhält­nisse geboten. Der Procurator läßt dann eine historische Abhandlung über die Entwicklung des Kommunismus der Gegenwart folgen. Die sociale Frage sei zwar wissenschaftlich von Staats- und Nichtstaatsmänner ab­gehandelt und verschieden aufgefaßt worden, doch sei das Ziel dasselbe gewesen, nämlich die Lage der ge­ringeren Klassen zu verbessern. Anders habe sie die Umsturzpartei behandelt. Socialisten und Communisten innerhalb derselben hätten sich das sZiel gesteckt, die ganze bestehende Gesellschaft aufzuheben, Familienbande, göttliche und weltliche Autorität zu lösen. So abnorm und widersinnig dieses auch sei, so habe man doch viele Theilnahme gefunden, und seien diese Nhren seit 20 30 Jahren namentlich verführerische Lockungen für Ar­beiter gewesen. Er kommt auf Mabeus und St. Simon u. s. w. Schon 1834 habe in Paris eine geheime Ge­sellschaft saciété de famille des quatre Saisons be­standen; der Aufstand von 1839, der Mordversuch auf Ludwig Philipp im Jahr 1840 und das Attentat ans den Herzog von Nemours 1841 seien von ihr hervor­gerufen worden. In der Revolution vom Februar 1848 sah diese Partei nur eine politische, die ihr nicht genügte; es folgte darauf hin der Aufstand im Juni desselben Jahres und jener Louis Blanc's im Mai 1849. Diese socialistischen Versuche seien nickt ohne Einwirkung auf Deutschland geblieben. Es entstand 1834 eine socialistische Verbindung, deren Haupt Weik­ling gewesen. Sie zählte im Jahre 1841 schon 200 Mitglieder; die im Jahr 1845 stattgpfundene Unter­suchung ergab jedoch seine weitere Verbreitung. Int Jahr 1845 bis 1846 bestanden ähnliche Verbindungen in Berlin, über die jedoch nichts Näheres zu ermitteln gelang. 1848 bildete sich in Köln eine neue Verbin­dung, worüber die Anzeigen sich häuften. Der Ar­beiterverein Gottschalks, öffentlich und versteckt verbrei­tete Ausrufe, Volksversammlungen, Sicherheitsausschuß, und zuletzt Barricaden in Köln geben davon Kunde. Allen diesen Bewegungen ging die socialistische oder communistische Presse zur Seite und in Allem bestand Einheit, sowohl in den Ereignissen als unter den Per­sonen, so daß eine geheime Gesellschaft vorhanden sein mußte. Alle Nachforschungen waren lauge vergeblich und erst die gegenwärtige Untersuchung, zufällig veran­laßt, verbreitete Licht darüber. Die Verhaftung Noth- j 1111 g s fand statt und wurden bei ihm Urkunden ge­funden , welche direct auf Köln hinwiesen. Haus­suchungen hatten neue Resultate zur Folge. In Dres­den und Leipzig fanden gleichzeitig Untersuchungen statt. Zehn Tage nach Nothjung erfolgte die Verhaftung Bürgers. Man fand bei ihm Schriften und neue Aufschlüsse; diese wiesen auf Hamburg hin. Hier sagte ein Zeuge, Haupt, gegen Dr. Daniels in Köln aus. Man fand ferner einen Brief von Dr. Jacobi in Ber­lin, Ansprachen geschrieben von Daniels, Otto, Reiff und Klein. Im October 1851 kam die Angelegenheit vor die Rathkammer, diese fand zwar die Anklage nicht hinlänglich begründet, aber im November verordnete der Anklagesenat wegen weiterer Ausschlüffe eine neue Unter­suchung. In Paris wurde ein Zweigverein entdeckt, der mit London uud Köln in Verbindung stand. Im Juli erlitt der Proceß durch die Erkrankung des jetzt verstorbenen PolizeiinspectorS Schulz, der die Unter­suchungen geleitet hatte., leider eine neue Verzögerung. Unterdessen ward noch eine Entdeckung gemacht. Man hatte bei Notbjung zwei Briefe gefunden, deren Inhalt Halt zwar unerheblich schien, die aber dennoch zu Auf­klärungen führen sollten. Der Verfasser war unbekannt geblieben. Man bemerkte nachträglich aber, daß eine gleichfalls bei N. gefundene Adreßkarte von dem An­geklagten Erhard hinten Schrift enthielt, die von der­selben Hand geschrieben war, wie jene Briefe, was seine Verhaftung nach sich zog. (Forts, folgt.)