Nassauische Allgemeine Zeitung.
E 358. Samsiag bt« 9. ©stöber 1853.
Bcstcllungcn auf das vierte Quartal der „Nassauische« Allgemeine» Zeitung" werden baldigst erbeten.
DU „Nassauische Allqemeiuk Zütqng" mit dem beüetriflifdien Beiblatt „Der Wanderer" erscketnt, Sonntags ausgenommen, täglich und beträgt der Pränumerationspreis für Wiesbaden und , nach dem neuen Pogregulaiiv nunmehr auch fir den ganzen Nmfang des Tdurn« und TariS'fchen Verwaltungsbezirks mit Inbegriff des Postaufschlags 2 fl„ für die übrigen Länder des deutsch-österreichischen PostvereinS, wie für das Ausland 2 fL 24 kr. — Inserate werden die sierspaltigè Petitzeile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. — Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgasse 42, auswärts bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.
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AiÄicher Theil.
Dem I. W. Ncunert zu Braubach, als Hanpt- agenten des I. A. Lcroi zu Coblenz ist die Erlaub- »iß zum gewerbmäßigcn Betrieb der Vermittelung des Transportes von Auswanderern aus dem Herzogthum unter den Bestimmungen der Verordnung vom 31. Januar 1849 ertheilt worden.
Wiesbaden, 5. Cct. 1852.
Herzog!. Ministerial-Abtheilung Hes Innern. Faber.
vdt. Schmidt.
Di ensttt ach richten.
Der an die Lehrvicarstelle zu Großseifen provisorisch dirigirtc Schulcandidat Winkel von Erdbach ist von der Annahme dieser Stelle auf sein Ansuchen entbunden und dieselbe dem Schulcandidaren Göbel von Neustadt provisorisch übertragen worden.
NichtsAtlicher Theil.
29. Versammlrmg deutscher Naturforscher und Aerzte.
* Die 29. Versammlung der deutschen Naturforscher und Aerzte in Wiesbaden war, wie wir schon wiederholt anSsprachcn, eine an wissenschaftlichen Anregungen sehr reichhaltige. Die eigentlich scientifische Bedeutung derselben ist jedoch in den Sectionsvcrhandlungcn zn suchen.
Wir versuchen es, eine Zusammenstellung der interessantesten' Vortrage zu geben, wir müssen jedoch, da Beleuchtungen eines jeden einzelnen derselben offenbar zu weit führen würden, uns mit einer kurzen Aufzählung derselben begnügen. Auffallend ist cs, daß bis jetzt noch in keinem der, öffentlicheu Blätter ins Detail eingehende Beleuchtungen der einzelnen Vorträge und Mittheilungen erschienen sind. Die „A. A. Z." brachte wohl ziemlich allgemein gehaltene Umrisse derselben und so dürfte eine Beurtheilung, welche Dr. Garthe aus Köln in der „Kölner Zeitung" über die Verhandlung überhaupt und über die Vorträge in der physicalischen und chemischen Abtheilung das Verdienst der Initiative besitzen. Wir theilen im Folgenden einiges derselben mit.
Dr. Garthe hebt die Zweckmäßigkeit der getroffenen Einrichtung hervor, daß cs zulässig war, nach dem Statt gefundenen Vortrag den Gegenstand der freien Discussion zu überlassen und so die momentanen Einwendungen oder Zustimmungen der Sachverständigen zu vernehmen, — ein Weg, der als sehr fruchtbringend zugegeben werden muß. Viele der Vorträge wurden durch Experimente selbst unterstützt, oder diese wurden in getreuer Kürze beschrieben und erörtert, wie man mögliche Fehler zu vermeiden habe, um zu richtigen Resultaten zu gelangen. Bei anderen Vorträgen sah man die wundervollsten Präparate, mikroskopische Versuche, Vorlegung neuer und seltener Naturkörper, wodurch die Theilnahme und das Interesse ungemein gesteigert und in der Besprechung darüber die mannigfachsten Ideen angeregt und zu weiteren Untersuchungen vorbereitet wurden. Dies war, so fährt er fort, der allgemeine geistige Hauch, welcher Alle durchdrang und welcher bei den abendlichen Unterhaltungen die versammelten Abtheilungen mit einer Lebendigkeit leitete, die Allen stets unvergeßlich bleiben und sie überzeugt haben wird, daß unter dem geistigen Austausche von Gedanken und Meinungen, auf solche Art verarbeitet, nur Ersprießliches für den Einzelnen und die Wissenschaft daraus hervorgehen kann.
Einige Vorträge der allgemeinen Sitzungen gehörten mehr in die speciellen Sectionen, und es fanden daher einige, auch wohl ihres Inhaltes wegen, nur geringe Theilnahme. Die hier gepflogenen Verhandlungen, welche die kaiserlich Leopoldinisch Carolinische Akademie betrafen , hätten aus Gründen dieser Gesellschaft ganz fremd bleiben sollen. Die Eröffnungs- und Schlußrede des ersten Geschäftsführers, unseres trefflichen Professors Fresenius, war nach allen Beziehungen hin würdig, und der Sache angemessen gehalten.
Die Vorträge der physicalischen und chemischen Abtheilungen umfaßten: Die Entwicklung einer allgemeinen Formel über die Vergrößerung und Verkleinerung optischer Jnstrumenente durch Hrn. Prof. Schröder aus Mannheim. Die Darstellungsweise war ele
mentar und verdient die Beachtung der Physiker; — werthvolle und fortgesetzte Beobachtungen über den HiiWschen neuen Stern von 1848 im Ophiuchus, von Herrn Lichtenberger aus Neukirchen bei Saarbrücken; — sehr brauchbare und wohl zu beachtende Ideen über den Entwurf einer Tafel für die Krystallographie, von Herrn Schulrath Müller aus Wiesbaden; — einen sehr interessanten, die Bahnen geworfener Geschützkugeln betreffenden Gegenstand, über welchen Herr Professor M a g n u s aus Berlin in kurzer und klarer Entwicklung besonders Lie Ursache» darlegte, nach welchen die abgcschosscnen Spitzkugelu stets nach einer Seite hin abweichen. Die diesen Gegenstand erläuternden Versuche durch scharfsinnig ausgcdachte Apparate erregten die allgemeinste Aufmerksamkeit und waren von sehr belehrender Art; — eine Reihe von neuen und eigenthümlichen Versuchen, welche Herr Dr. Poppe aus Frankfurt a. M. über die Interferenz-Erscheinungen feiner regelmäßiger Wellensysteme tropfbarer Flüssigkeiten ausführte, erregte großes Interesse, und ihre Wahrnehmung durch das Julerfereuzoskop war sehr überra- saend. Die Construction des Apparates ist genial, und die Erscheinungen, die er darbietet, sind sehr instrnc- tiv und von glanzvollem Effecte; — die Feststellung der Ursachen des Leuchtens mancher Körper von Herrn Professor Schrötter aus Wien. Derselbe theilte in einem classischen Vortrage die Reihe von Versuchen mit, die er, namentlich mit dem Phosphor, augestellt habe. Die dabei befolgte gründliche Methode sprach alle Anwesenden an und amtete Herr Schrötter vollen Beifall; — einen mit Experimenten begleiteten Vortrag des Herrn Professors Böttger aus Frankfurt am M. über das Verhalten von Eisen und Zink zum Quecksilber-Chlorid. Unter Mitwirkung deS Wassers stellte er Eisen- und Zink - Amalgam dar. Der Gegenstand war sehr belehrend. Auch die Entdeckung des Herrn Prof. Böttger, daß alle starken Salpetersäuren Iod, als Chlorjvd, enthalten, erregte allgemeine Aufmerksamkeit; — die Vorzeigung eines neuen Apparates, mittelst einer Ccutrisugal-Maschiue und angewandten Seifenwassers die Newton'scheu Farbenringe auf eine überraschende Weise darzusteUen, gab Herr- Prof. Eisen loh r aus Karlsruhe, und überlieferte dadurch den Physikern ein vortreffliches Mittel, diese Erscheinung in glanzvoller Pracht darzustellen; — einen gehaltvollen Vortrag des Herrn Oberlehrers Dellmann aus Kreuzbach über Luft-Elektricität; — einen von Herrn Professor Müller aus Freiburg vorgezeigten Apparat zur leichten Erkennung der frei werdenden Wärme beim Gefrieren des Wassers. Die bei dieser Gelegenheit damit ausgeführten Versuche gaben zu interessanten und belehrenden Reflexionen Veranlassung; — eine belehrende Demonstration gab Herr Assistent Lengsdorf über die elektrische Leitungsfähigkeit des Silbers in geglühtem und »»geglühtem Zustande mit Angabe der Umstände, unter welche» er glaube, daß die Leitungsfähigkeit conftant werde; — einen sehr belehrenden und instructiven Vortrag über Verbesserung der Titrirungs- Methode hielt Herr Dr. Mohr aus Coblenz. Er zeigte neue und sinnreich construirte Apparate und vornehmlich verbesserte Büretten vvr und experimentirte damit unter allgemeinem Beifalle der Zuhörer; — endlich machte Herr Professor Hoffmann aus London eine Mittheilung über die Anwendung des Leuchtgases zur Verbrennung organischer Substanzen bei der Elementar- Analyse und beschrieb de» Apparat, dessen er sich bediente. Jeder überzeugte sich von der Vortrefflichkeit dec Einrichtung; — die Ursachen des Festwerdens einer übersättigten Glanbersalzlösung beim Umrühre» mit einem elektrisch positiv oder elektrisch negativ gemachten Glasstabe, über welche Herr Professor Heintz vortrug und die Erscheinung durch sehr gelungene Experimente darlegte, erregten die allgemeinste Aufmerksamkeit und waren von sehr belehrendem Inhalte; — eine durch Experimente unterstützte Demonstration über eine optische Inversion mit freiem Auge gab Herr- Professor Schröder aus Mannheim; — die Mittheilungen und Experimente, welche Herr Professor Schwerdt ans Speyer über die Elektricität hochge spanntet Wässerdämpfe unter Benutzung einer auf dein Wiesbadener Bahnhöfe znr Disposition gestellten Loco- motive anstcllte, wurden von allen Anwesenden unter Anerkennung der Wichtigkeit sehr beifällig aufgenom- men; — endlich verdient die neue Erfindung der „Tender-Locomotive", erbaut von dem ersten Maschinen- Jngenieur der Taunusbahn zu Castel bei Mainz, Hrn.
E. Heusinger von Waldegg, zu deren Besichtigung und Beurtheilung er die sich dafür interessirenden Naturforscher nach Castel eingeladen hatte, eine sehr beach- tenswerthe Erwähnung, da sie sich von allen anderen bekannten Locomotiven durch bedeutende,, in die Augen springende Vortheile auszeichnet. Sie hat bei allen Sachverständigen eine Ansicht praktischer Brauchbarkeit begründet und in ihrer compendiösen Zusammensetzung nicht allein den geniale», sondern auch umsichtigen und gebildeten praktisch erfahrener! ConstrUcteur erkennen lassen. Es ist hier nur die Möglichkeit vorhanden/ allen Ciseubahndirectiouen die möglichst genaue Be- achtnug und vollständige Prüfung der Sacke zu em- pfehlen. Näheres über die hauptsächlichsten Eigenthümlichkeiten dieser Maschine findet man in einer kleinen Druckschrift angegeben, die man vom Erfinder leicht erhalten kann. Hier sei nur erwähnt, daß diese Maschine das Wasser-Reservoir unter dem Kessel der Maschine aufnimmt und auch der Kohlenbehälter sich unmittelbar hinter dem Standorte des Locomotivführers befindet, so wie die Bremse zur Seite desselben an den Triebrädern angebracht ist. Hierdurch wird die bisherige todte Last des Tenders , die gezogen werden mußte, zur 9iu^(aft, indem sie zur Belastung der Triebrädern dient. (Schluß folgt.)
Zur ZoUfrage.
In welch' schwierige unhaltbare Stellung Preußen durch sein Verhalten in der Zollfrage gerathen ist, geht aus übereinstimmenden Nachrichten der verschiedensten Blätter hervor. So wird der Leipziger Zeitung aus Hannover geschrieben: Die Mission des Grafen Al- vensleb.cn , der, wie gestern das hiesige Localblatt, der Neue Bolksfreund, bemerkte, „auch dieses Mal zu spät!" nach Hannover geschickt wurde, soll keinen Erfolg gehabt haben. Hannovers zeitherige Vermittelung dagegen wurde vereitelt durch die Parteien in Preußen , welche zum Bruche drängten. Eine Folge davon, daß Preußen abgebrochen, so abgebrochen hat, ist aber die in Berlin gewiß nicht erwünschte, daß Hannover wieder 11 eine re inere und ihm erwünschtere Lage, gekommen ist. Dieses Abbrechen- geht gegen den Septemberver- trag, gegen die gerechten Ansprüche, gegen die dringenden Rathschläge Hannovers, das nun zunächst ganz ruhig erwarten kann, was weiter geschieht. Preußen kann nicht etwa fragen, ob man hierseits am Septem- bervertrage festhalten werde, denn die Frage würde weder statthaft sein, noch zu etwas nützen. Es kann nicht auf die Ausführung des Vertrages dringen, denn die Zeit dazu ist noch lange nicht gekommen. Will es einen neuen Sonderbund errichten und um Hannovers Theilnahme werben, so wird Hannover seinerseits an den Septembervertrag erinnern, um dessen Ausführung es sich handele: Preußen muß zur Erfüllungszeit Verbündete haben, und es ist feine Sache, dafür zu sorgen. Hat des Grafen Alvensleben Mission den Zweck gehabt, Hannover gegen dessen Ueberzeugung zu überzeugen, daß Preußen recht gethan , oder irgend welche für Preußen wünschenswerthe Erklärungen zu erlangen, so konnte im Grunde ernstlich nicht erwartet werden, daß man den Zweck erreichen werde. Am 28. Sept. traf der Graf hier ein, schon am 29. ist im Ministerrathe die Abberufung des H a n n o v c r' s ch e n B e v o l l- m ä ch t i g t e n beschloss e u, der Graf hat hier vielfach conferirt und keinen Eingang gefunden, und gestern ist der König auf ein paar Wochen verreist. Man hat sich von hier aus alle ersinnliche Mühe gegeben, zu v ermitteln. Die preußischen Blätter antworteten: „Keine Vermittelung mehr!" und die preußische Regierung hat sich von den Parteien bestimmen lassen. Man hat von hier aus Preußen dringend gewarnt, sich nicht zu isoliren. Es hat sich isolirt.
Die Rückkehr des Grafen A l v e n s l e b e n, welcher in Hannover mehrmals mit dem Ministerpräsidenten v. . Schele conferirt hat, wird schon in den nächsten Tagen erwartet, da derselbe nicht zum Nachfolger des Generals v. Nostiz bestimmt ist. Der hannoversche Bevollmächtigte bei der Zoll-Conferenz, Hr. Klenze, hat Berlin verlassen, um sich über Hannover nach dem Rheine zu begeben. Die Theilnahme seiner Regierung an den Conferenzen ist also für jetzt unterbrochen, und die Ansicht Hannovers über die Art, ferner zu unterhandeln, muß ja bald hervortreten. Wahrscheinlich werden Verhandlungen durch deu Gesandten Statt finden.
Das Corr. > Bnreau glaubt dessenungeachtet an der „Loyalität" Hannovers nicht zweifeln zu dürfen. In