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Nassauische Allgemeine Zeitung.

M SSL. Mittwoch dm 6. ©stöber 5555

Bestellungen auf das vierte Quartal derNassauischen Allgemeinen Zeitung" werden baldigst erbeten.

Die ,,9itffauifd>e allgemeine Zeitung" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, SonntagS ausgenommen, täglich und beträgt der PränumerationSpreis für Wiesbaden und , nach dem neuen Poflregulaiiv nunmehr S '1 ür den ganzen Umfang teil Lburn- und TariS'schen Verwaltungsbezirks mit Inbegriff des Postaufschlags 2 fl., für die übrigen Länder deS deutsch.österreichischen PösivereinS, wie für daS Ausland 2 fl. 21 tr. Inserate werden die viersxallige Petitzelle oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgaffe 42, auswärts bei den uâchstgelegencn Postämtern, zu machen.

Jur JoUfrage.

Soll sich Preußen isoliren? so fragt die Hannoversche Zeitung. Noch einmal: es sind Preu­ßens schlimmste Feinde, welche es versteckt, Preußens gefährlichste Freunde, welche es offen dahin drängen, daß es sich isolire. Es käme dadurch in die allerübelste Lage, und das ist auch wider ganz Deutschlands, speciell wider Hannovers Interesse; Preußen brächte dadurch speciell auch Hannover in seine Gefahr. Damit ist frei­lich nicht die Gefahr eines Zollkrieges, womit in diesen Tagen ein Berliner Korrespondent der Kölnischen Zei­tung lächerlich drohte, gemeint. Hannover kann nicht wünschen, daß Preußen sich isolire. Indessen hat man im demokratischen Lager das Isoliren Preußens gewünscht und dahin gedrängt. Warum? Weil man glaubte, Preußen werde sich zu isoliren suchen mit einigen Gefährten , wenn auch nur mit Wenigen. Die Sonderbündlcrei werde allerdings einen Casus belli, eine Krise, eine große Erschütterung hèrbciführcn. Prcu- ßeu werde, um zu den Wenigen Biele zu gewinnen, das Panier der Freiheit aufpflanzen, d. h. sich verlei­ten oder dahin drängen lassen,an die Spitze der Fort­schrittsideen zu treten", mit Hülse der Revolution sich zu behaupten oder Deutschland zu erobern suchen, und dann ? Man kennt die Rechnung. Es sind Preu­ßens schlimmste Feinde oder dessen gefährlichste Freunde, welche ihm anrathen oder es dahin drängen, daß es sich isolire.

Dem Dresd. Journal wird vom 1. Octbr. geschrie­ben : Wie ich Ihnen bereits gemeldet, haben die Be­vollmächtigten der sechs verbündeten Staaten am 28. September um Anberaumung einer Sitzung behufs Ab­gabe der zu München verabredeten Erkläruna gebeten und haben Tags darauf eine ablehnende Antwort unter Hinweisung auf die preußische Circular-Depesche am 27. September erhalten. Auffallend ist in Bezug auf diese Vorgänge das gänzliche Stillschweigen der hiesigen mi­nisteriellen und dem Ministerium näher stehenden ^'Blät­ter, zumal man bisher in denselben ähnliche Zurückhal­tung nicht eben wahrzunehmen gewohnt war. Ich will mir keine Vermuthungen über Ursachen und Zweck die­ses Stillschweigens neben der Veröffentlichung der ge­nannten Circulardepesche erlauben, glaube jedoch, daß cs für die Zwecke Ihres Blattes nützlich sein wird, den thatsächlichen Verlauf gehörig zu constatiren.

Durch die Erklärung vom 30. August hatte die preußische Regierung den Wunsch zu erkennen gegeben, bis Mitte September mit einer Rückäußerung versehen zu werden, und zwar allerdings mit dem Hinzufügen, daß sie diese- Rückäußerung in einer von ihr im Voraus bestimmten Weise erwarte, und daß sie ohne die von ihr gewünschte Rückäußerung in weitere Verhandlungen mit der Gesammtheit ihrer Zollverbundeten nicht würde eintreten können. Die Koalitionsregierungen konnten einestheils, ohne sofort einen Abbruch der Verhandlun- | gen zu acceptiren, nicht davon ausgehen, daß die Con- ferenz als geschlossen zu betrachten sei, dafern nicht die preußischerseits gestellte Frage unbedingt bejaht und mit­hin jede weitere Verhandlung im Voraus ausgeschlossen werde. Andererseits hatten dieselben in Folge der preu­ßischen Erklärung in Berathung zu treten, und es mußte in Berlin am 15. Septbr., sicherlich aber am 17., sehr wohl bekannt sein, daß jene Berathungen zu eben jener Zeit in Ärmchen einem bestimmten Resultate entgegen­geführt würden. Es erfolgte nunmehr die bekannte Sitzung vom 17. September, über welche etwas Offi- cielles noch gar nicht bekannt geworden ist, weßhalb es denn auch als eine durchaus irrthumliche Behauptung erscheint, wenn man von einer preußischen Erklärung vom 17. September und den daraus sich ergebenden Fol­gen spricht.

Für die Bevollmächtigten der Coalitionsregierungen lag nichts vor, als daß seit dem 15. September außer jener gehcimnißvollen Sitzung vom 17. die Konferenz nicht zusammenberufen worden war, und es war daher auch für sie kein Grund, anzunehmen, daß die Preuß. Regierung die Konferenz beschlossen habe. Unter diesen Umständen erscheint es allerdings als ein allen Re­geln d e^r geschäftlichen Convenieuz entge- g eulauf'ènd cs Verfahren, daß den Mitgliedern einer einberufenen und nicht aufgelösten Konferenz der Eintritt in dieselbe verweigert wird.

Es ist dabei überdies zu bemerken, daß diese Aüs- schließung sogar vor Entgegennahme der ab­zugebenden Erklärung erfolgt ist, und daher

nicht einmal als eine Konsequenz früherer Erklärungen betrachtet werden kann, sondern lediglich als eine gänz­lich unmotivirte Rücksichtslosigkeit, welche freilich von ' der Art ist, daß der allein denkbare Zweck und das längere Verbleiben der Bevollmächtigten in Berlin zur Unmöglichkeit gemacht wird. Der gleichzeitige Erlaß der Circulardepksche kann dieses Verfahren in keiner Weise mildern. Zog cs die preußische Regierung vor, den diplo­matischen Weg anstatt der Com D.nzberach zu betre­ten, so geboten cs die einfachsten Regeln der Schicklich­keit, die'Konferenz zuvor zu schließen, anstatt die Be­vollmächtigten in ihrer Stellung zu belassen und ihnen bei der ersten Gelegenheit die Thüre zum Konferenz saale zu verschließen. Selbst mit dem Inhalte jener Circulardcpesche stand das eingeschlagene Verfahren im Widerspruch, da man vor Entgegennahme der Erklärung deren Inhalt zu kennen wenigstens nicht eingestehen und daher, selbst auf Grund der Circulardepesche, die Entgegennahme an und für sich gar nicht verweigern konnte.

DerStaatsanzeiger sür Württemberg" theilt in seinem Abendblatt vom 2. October den Wortlaut der in München vereinbarten Erklärung der CyalitionSstaa- ten mit, ohne daß jedoch im Eingänge Badens als Mitunterzeichner Erwähnung geschehen wäre. In der That soll Baden die Erklärung nicht mitunterzeichnet haben, ohne darum aber im Mindesten von der Koa­lition abtrünnig gemacht worden zu sein; es wird im Ge­gentheil von gutnaterrichteter Seite versichert, daß Ba­den sich ausdrücklich dahin ausgesprochen habe, in Al­lem, was sich als nöthig zeigen sollte, mit der Koalition gehen zu wollen.

Nach dem Mannh. Journal, welches angeblich die Münchner Erklärung im Originale mittheilt, fehlt in dieser letzeeren die nach der Vossischen Zeitung darin enthaltene Stelletheils in der oieraus gestützten Hoff­nung, daß die königl. preußische Regierung keinen An­stand nehmen werde, einen nicht allzufernen Termin für den Beginn von Verhandlungen über eine allgemeine Zolleinigung zu bezeichnen.

Sp. 1. Z. 62 66 der Nr. 233 unseres Blattes Z. 80 ebenda hatte es zu lauten statt: des unterm 25. Mai d. J. vorgclegtcn Vertragsentwurfes: des zu Wien verabredeten. Sp. 2. Zeile 5 ist der Ausdrück: Zoll­vereinsvertrag lediglich als Druckfehler zu betrachten und soll lautenZolleinigungsvertrag."

Die Stelle der Zeile 28 bis 37 lautet nach dem Mannh. Journal, wie folgt:die über den Zoll- und Handelsvertrag durch ihre neueste Erklärung inmitten der Konferenz bereits begonnenen Verhandlungen ihrem Abschluß zuzuführen und damit die genannten Regie­rungen in den Stand zu setzen, zu dem Abschluß der Verträge über Erneuerung und Erweiterung des Zoll­vereins zu schreiten. Die von den Unterzeichneten ver­tretenen Regierungen hegen ihrerseits keinen lebhaftern Wunsch, als diese Verhandlungen beschleunigt zu sehen, und sie werden auf alle Weise dazu beitragen, dieselben zu fördern und zu erleichtern. Sie sind aber auch der Ueberzeugung, daß diese Verhandlungen bei ernstem An­griff re."

Nach dem Mannh. Journal würde sogar der Schluß der ErklärungJedenfalls könnten sie es mit ihrer Ueberzeugung nicht vereinigen, daß auf 12 Jahre hin­aus die Möglichkeit abgeschnitten werde, über die allge­meine Zolleinigung mit völliger Freiheit des Entschlusses zu verhandeln" fehlen.

Die Darmstädter Zeitung dagegen gibt die Richtig­keit des von der Vossischen Zeitung mitgetheilten Acten- stückes zu, nur einmal sei zu lesen statt Abschlusse (Sp. 2. Z. 5 in Nr. 233 der N. A. Z.)Ausschlusse", welche Unrichtigkeit auffallender Weise in demOrigi­nale" desMannheimer Journals" ebenfalls enthal­ten ist.

Der Augsb. Allg. Ztg. wird aus München vom 1. October geschrieben: Ministerialrath v. Hermann ist heute wieder hier angelangt, nachdem er durch den Telegraphen von Berlin abberufen worden war. Der baierische Bevollmächtigte bei der Zoll Konferenz, Mini- stcrialrath Meixner ist zwar in Berlin verblieben, aber lediglich in seiner Eigenschaft als ständiges Mitglied des Centralburcaus des Zollvereins. Wie ich vernehme, hat der hiesige preußische Gesandte, Frhr. v. Bockel- berg, eine Note wegen Fortführung der Verhandlun- über die Erneuerung des Zollvereins übergeben, und danach erhellt, daß der Zoll-Kongreß in Berlin als von Seite Preußens aufgclöst^angesehen werden muß, und

daß an dessen Stelle der diplomatische Verkehr mit den einzelnen Regierungen, welche zu der Darmstädter Gruppe zählen, treten solle. Nach sicherer Erkundigung wird jedoch die, hochwichtige Frage von der hiesigen Legierung in unausgesetzter Berathung er­halten werden, und hoffentlich wird eben der Bruch, der, wie sich jetzt deutlich gezeigt, nicht abzuwenden war, heil­sam sein. Leider ist Ministerpräsident v. d. Psordten so krank, daß Personen und Geschäfte nach ärztlicher Vorschrift durchaus von ihm fern gehalten werden müssen. Die Krankheit hat sich auf den Unterleib ge­worfen. Indessen erwartet man für morgen, als einem der kritischsten Tage ihres Verlaufes, eine Wendung zum Bessern.

DieN. Preuß. Ztg." meldet, daß Graf Nostiz (in dem Augenblicke, als ihm als Gesandter in Hanno­ver die Mission an diesen Hof hätte zu Theil werden müssen) auf seine Güter nach Scklesien geht. Grw Alvensleben, der mit einer außerordentlichen Mission nach Hannover betraut wurde, muß leider die Ehre ent­behren, sich seines Auftrages an betreffender Stelle zu entledigen, indem auffallender Weise der König von Hannover zu gleicher Zeit, als der Graf in der dorti­gen Residenz eintraf, seine Reise nach Stuttgart und München angetreten hat.

Der in Hannover erscheinendeNeue Volksfreund" bestätigt die gestern nach einer Korrespondenz derFrank­furter Postzeitung" aus Hannover gemeldete Nachricht von der Abberufung des Herrn Klenze aus Berlin, und dieHannoversche Z." macht die betreffende Mittheilung desN. Vfr." ohne weitere Bemerkung zu der ihrigen.

Mit Ausnahme des bei der Generalverwaltung des Zollvereins fungirenden königlich bayerischen Ober­zollraths, Herrn Meixner, haben sämmtliche Bevoll­mächtigte der in Darmstadt verbündeten Regierungen Berlin verlassen.

Veutschiaud.

4- Wiesbaden, 3. Oct. Bekanntlich soll die neue evangelische Kirche dahier in der Form der alten Basiliken aufgebaut werden, und darnach 5 Thürme erhalten, einen großen nebst zwei kleineren auf der ei­nen Seite, zwei kleinere auf der entgegengesetzten. Die Stadt ist fast thurmlos, und dennoch bleiben Thürme wahrhafte Zierden der Städte, wie uns die Aussicht von den Höhen in unserer Umgebung auf das nahe Mainz täglich und augenscheinlich beweiset. Wenn die beiden Thürme der katholischen Kirche bald vollendet werden, mehret sich der Schmuck des Ortes. Von der griechischen Grab - Kapelle bringt uns das Album von Wiesbaden, das die Stadt den Naturforschern sehr pas­send als Angebinde und Erinnerung mit auf den Weg gab, schon eine Abbildung in voller Gestatt, und auch dort wird Kuppel und vier Nebenthürme die Zierden vermehren.

Wer über Basiliken sich unterrichten will, findet das Nähere in der kleineren Schriftdie Basilica der Alten mit besonderer Rücksicht auf diejenige Form derselben, welche der christlichen Kirche zum Vorbilde diente, vom königl. preuß. Baurathe Fr v. Onast." (Berlin, in der ChropiuSschen Buchhandlung von Ernst und Koru, 36 kr.) Der Verfasser ist Konservator der historischen Knnstdenkinälcr des preußischen Landes, und war ein thätiges Mitglied auf den neuesten Kongressen der deut­schen Alterthumsforscher und Historiker zu Dresden und Mainz. Von dem berühmten Kunstsinne unseres BauratheS Boos darf man eine nach Ort und Zeit geeignete Anwendung dieser Form für die evangelischen Kirchenbedürfnisse erwarten, besonders auch bei der Kan­zel, welche hier zu den wesentlichen Stücken gehört, und deßhalb akustische Rücksichten aller Art fordert.

< Biebrich, 3. October. Da Ihr geschätztes Blatt von jeher mit besonderer Liebe der nassauischen Industrie seine Spalten geöffnet hat, so kann ich nicht umhin, auf einen für Nassau neuen Industriezweig auf­merksam zu machen, der zu den schönsten Hoffnungen berechtigt, sobald er einmal bei dem größeren Theile des Publicums bekannt sein wird. Die Unternehmer desselben sind die Gebrüder Budern- deren schon oft in dieser Zeitung rühmend Erw. 'nung geschah. Diese in ganz Nassau durch ihre Eisenhütten bekannten Männer haben mit ihrer Eisenhütte bei Löhnberg, Amts Weilburg, eineEmaillirfabrik" in Verbindung gebracht.' Diese Emaillirfabriken sind zwar schon seit langer Zeit in verschiedenen Ländern eingeführt und be-