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Nassauische Allgemeine Zeitung.

Ji iu Dienstag Heu 5. Velober ZW9.

Bestcllnngcu auf das vierte Quartal derNassauischen Allgemeinen Zeitung" werden baldigst erbeten.

DieNassauische Allgemeine Zeitung" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntags ausgenommen, täglich und beträgt der Pränumerationspreis für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulati» nunmehr auch Lr den ganzen Umfang deS LdUrn- und TariS'schen Verwaltungsbezirks mit Inbegriff des Postausschlags 2 fl., für die übrigen Länder des deutsch-österreichischen PostvereinS, wie für das Ausland 2 fl. 24 tr. Inserate werden die »ierspaltig« Petitzeile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgasse 42, auswärts bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

Jur JoUsrage.

* Die gestern nach derD. A. 3 " mitgetheilte Nachricht, daß in der am 29. d.M. Abends anberaum­ten Conferenz der in der Zollfrage betheiligten preuß. Minister, Räthe und Bevollmächtigten beschlossen wurde, die Münchner Erklärung in einer anzuberaumenden Zollconferenzsitzung entgegenzunehmen, scheint sich nicht zu bestätigen.

DemDresd. I. wird am 28. aus Berlin gemel­det:Wie ich vernehme, haben die Bevollmächtigten von Bayern, Sachsen, Württemberg, beiden Hessen und Nassau heute dem Vorsitzenden der Conferenz, Herrn von Pommer-Esche, angezeigt, daß sie zu Abgabe einer Collectiverklärung in Erwiderung der preußischen Erklä­rung vom 30. August ermächtigt seyen und deßhalb um Anberaumung einer Conferenzsitzung gebeten. Es wird jedoch behauptet, die k. preußische Regierung wolle die Anberaumung einer solchen Sitzung ablehnen und zwar unter Bezugnahme auf eine gleichzeitig erlassene Circu- lardepcsche, welche die verschiedenen Regierungen benach­richtigen soll, daß Preußen die Verhandlungen mit der Gesammtheit nicht wieder aufnehmen könne, sondern die­selben nur mit den Regierungen wieder ausgenommen habe und wieder aufnehmen werde, welche sich dem preußischen Programme vom 30. August, wonach die Verhandlungen, Über den Zoll- und Handelsvertrag mit Oesterreich erst nach Erneuerung des Zollvereines, mit­hin ohne alle Sicherheit des Erfolges, stattzusinden ha­ben, anschließen, sonach den Forderungen Preußens sich unbedingt fügen. Würde dieser Weg wirklich einge­schlagen, so wäre damit freilich der Bruch, und zwar von Preußen, ausgesprochen, zugleich aber dessen be­dauerlichste Erklärung geliefert, da bei solchen Maximen eine Verhandlung für jede ihrer Aufgabe und Stellung einigermaßen bewußte Regierung überhaupt zur Un­möglichkeit werden würde."

Vom 29. Sept, berichtet man dem Dresd. Journ.: Meine gestrige Mittheilung hat sich in der That be­stätigt. Den Bevollmächtigten der Koalitionsregierungen ist die Anberaumung einer Conferenzsitzung behufs Ab­gabe ihrer Gegenerklärung verweigert worden. Abge­sehen von den damit nahe gelegten Folgen, erscheint dieses Verfahren bei dem gegenwärtigen Stande der Dinge ziemlich ausfällig. Wäre Gleiches unmittelbar nach dem 15. Sept. geschehen, so hätte darin eine Con- scquenz des einmal ausgestellten, freilich von anderer Seite entschieden zurückgewiesenen Grundsatzes der Prä­klusion gefunden werden können. Jetzt aber, wo die vielbesprochene Sitzung am 17. Sept, keine Folge ge­habt hatte und ein längerer Stillstand eingetreten war, dessen Grund nur in der Erwartung der von den Be­vollmächtigten der Coalitionserklärungen abzugebenden Erklärung gesucht werden konnte, erscheint die Ausschlie­ßung jener Bevollmächtigten, bevor man noch deren Erklärung vernommen, nicht als eine Consequenz frü- | herer Erklärungen, sondern vielmehr als eine Einge­bung des Augenblicks." (?)

Uebereinstimmende Nachrichten bringen die Börsen­halle, der Staatsanzeiger für Württemberg und die Neue Preuß. Ztg. letztere noch folgendes:

Baden hat sich weder bei der Erklärung, noch bei der Uebergabe derselben betheiligt. Der Bevollmächtigte von Nassau hat bereits Berlin verlassen; der Bevoll­mächtigte Württembergs hat gestern seine Abschiedsbe­suche gemacht. Man versichert, daß die Preußische Re­gierung mit den thüringischen Staaten bereits neue Zollverträge abgeschlossen habe, und daß Braunschweig auf dem Punkte stehe, dasselbe zu thun.

DieA. A. Z." meldet aus Berlin vom I.Oct. Der k. bayerische Ministcrialrath v. Hermann ist, durch den Telegraphen zurückbcrufen, nach München heimge­kehrt. _ Ministcrialrath Meixner wird in einigen Tagen gleichfalls Berlin verlassen. Alle übrigen Bevollmäch­tigten des Darmstädter Bündnisses gehen ab. Cvnfe- renzen in Wien, wie Sie schon früher angedeutet, wer­den nicht ausbleiben.

DieSpen. Z." erwähnt, daß die Bevollmächtigten der Coalitionsstaaten noch vor ihrer Abreise eine Unter­redung mit dem Vorsitzenden der Zollconferenz Hr. v. Pommer-Esche gehabt hätten.

Das Corr. Bureau bestätigt diese Mittheilung und fügt dieser Nachricht ergänzend hinzu, daß die Bevollmäch­tigten sich in versöhnlicher Weise und dahin ausgespro­chen haben, daß zu ihrem Bedauern und bei der ver­änderten Sachlage die in München vereinbarte Antwort ,

nutzlos geworden sei, indem man ihr den Weg in die Zollconferenz verschlossen habe^

Die Depesche, welche unter dem 27. d. M. in der Zollvereinsangelegenheit an die königlich preußischen Gesandtschaften bei den betreffenden Zollvcreinsregie- rungen ergangen ist, lautet wie folgt:

In 6er Erklärung, welche preußischerseits in der Sitzung der hiesigen Zollconferenz vom 30. August d. I. abgegebdu worden, ist die Nothwendigkeit dargcihan, die Frage über den Umfang deS künftigen Vereins rechtzeitig bindend festzustellen, und es ist in Verbindung hiermit die Hoffnung ausgesprochen, daß in einer in der Hälfte des Monats September anzuberaumenden Sitzung die wegen einer gemeinschaftlichen Grundlage der Verhand­lungen gewünschte Rückäußerung erfolgen werde, ohne welche man diesseits in weitere Verhandlungen mit der Gesammtheit der Zollverbündeten nicht würde eintreten können. Indem wir jene Hoffnung aussprachen, glaub­ten wir uns des allseitigen Einverständnisses damit um so mehr versichert halten zu dürfen, als wir überzeugt wa­ren, man werde von allen Seiten erkennen, daß es durch eie ganze Lage der Sache und durch Gründe der innern Nothwendigkeit geboten sei, einer Ungewißheit ein Ziel zu setzen, welche unleugbar nachtheilig auf alle Verhältnisse einwirken, und deren baldigste Beseitigung im gemein­samen Interesse liegen muß; wir befinden uns indeß, zu unserm aufrichtigen Bedauern, auch bis heute noch seitens der dortigen Regierung ohne eine zustimmende Erklärung dazu, daß die Verhandlungen mit Oesterreich über einen Zoll - und Handelsvertrag erst nach Abschluß des Ver­trages über Erneuerung und Erweiterung des Zollvereins zu eröffnen seien. Wir sind somit in der Unmöglichkeit, die Verhandlungen der Zollconferenz mit der Gesammt­heit fortzusetzen, und haben deßhalb diese Verhandlungen nur mit denjenigen Staaten wieder ausgenommen, welche sich bereits der diesseitigen Erklärung vom 30. August d. I. angeschlossen haben. Von dem Wunsche geleitet, wie bisher, so auch ferner' Alles zu thun, was zur För­derung und Erreichung deö Zieles, der Erneuerung des Zollvereins unter Hinzutritt des Steuervereins, möglich und mit dem allseitigen , wie mit dem Interesse des eige­nen Landes vereinbar ist, werden wir indessen, so lange es der Zeit nach überhaupt zulässig erscheint, nicht An­stand nehmen, auch mit der fertigen Regierung wieder in Verhandlung zu treten, sofern dieselbe uns dazu durch eine zustimmende Erklärung über die oben erwähnte Frage in den Stand gesetzt haben wird. Ich werde gern bereit sein, eine solche Erklärung entgegen zu nehmen, und er­suche Sie, sich hiernach gegen die dortige Regierung zu äußern, auch, wenn es gewünscht wird, Abschrift gegen­wärtiger Depesche mitzutheilen. (gez.) Manteuffel."

In Berlin gibt sich, nach einer Corr, derF.P. Z.", der laute Wunsch kund, daß Preußen eine Ansprache an die gesammte deutsche Nation erlasse, worin cs offen und unumwunden die ganze Lage der Dinge und den Gang der Verhandlungen darstelle, damit die Na­tion in den Stand gesetzt werde, ein richtiges Urtheil in dieser so bedeutungsvollen Angelegenheit sich zu bilden.

Es stellt sich heraus, daß dieVossische Zeitung" nicht den Wortlaut der Münchner Erklärungen wieder­gibt, sondern daß ihr Ausdruck Auslassungen und Aen­derungen enthält. Wir werden auf die divergirenden Stellen zurückkommen.

Wir verweisen auf die untenstehenden Artikel: Wiesbaden und Hannover.

Geschichte der Zttentate in Frankreich.

Das Attentat gegen das Leben der Gewalthaber scheint in der französischen Geschichte heimisch werden zu wollen. Ravaillac's That (14. Mai 1610) blieb vereinzelt, der Wahnsinn des Fanatismus hatte sie ver­übt; doch seit dem verabscheuungswürdigem Königs­morde (2. Januar 1793) mit welchem eine entmenschte Nation sich befleckte, wuchert der Meuchelmord in Frankreich als die Frucht jener blutigen Saat. Er ist ein Mittel zum Zweck geworden, eine Waffe für die Hand der Empörer, ein Beitrag für das Arsenal der Revolutionen.

Die Geschichte der letzten fünfzig Jahre möge spre­chen. Wir beginnen mit der Reihe von Attentaten, die im Jahr 1800 und 1801 gegen Napoleons Leben ge­richtet waren. Ein Korrespondent der Jndep. bclge hat dieselbe aus ungedruckten Memoiren über das Kon­sulat zusammengestellt.

Den Anfang machte ein Complot um die Zeit, wo Napoleon sich zu der Campagne in Italien begeben wollte. Man hatte eine Compagnie Consulargarde zu bestechen gesucht. Diese sollten einige Meuchelmörder in ihre Reihe aufnehmen, welche den ersten Consul des Sonntags bei einer Musterung todten sollten. Dieser Versuch scheiterte an der Treue der Soldaten. Der nächste Versuch war auf den Abend der zweiten Vor­stellung des Mahomet angesetzt, in welcher der später berühmt gewordene Schauspieler Lafon debutirte und welche, den Zeitungen zufolge, Napoleon besuchen wollte. Die Geschwornen kauften eine Gendarmenofsizieruniform, in die sie einen armen Teufel steckte, der für 100 Louisd'or Napoleon erdolchen sollte. Napoleon kam indeß nicht ins Theater. Wenige Tage später sollte der erste Consul den Grundstein znm Denkmal für Desaix legen. Man ließ für diese Gelegenheit eine Hölleiw Maschine anfertigen und zwar, wie die jetzige Marseiller, in verschiedenen Stücken und von verschiedener Arbeit. Die Maschinenthcile waren bereits in ein Haus ge­bracht, als die Polizei Kunde erhielt und die Maschine in Beschlag nahm. Die Schuldigen entkamen, der Portier allein wurde verhaftet und später freigelasscn.- Einige Zeit darnach war der Plan im Werke in der Nähe von Malmaison Feuer anzulegen und während der Verwirrung in die Wohnung des Kaisers einzu­dringen und ihn dort zu tödten. Die Polizei erhielt nur ungenaue Kunde davon; sie nahm einige Verhaf­tungen vor und deportirte einen gewissen Suverot, früher Adjutant Henriots, bet sich unter den Arbeitern von Malmaison auskundschaftend umhergetrieben hatte, ohne Urtheil nach Cayenne. Im August lauerte eine Bande dem ersten Consul auf dem Wege nachMalmai- son auf. Neun Personen wurden mit den Waffen in der Hand ergriffen. Ihr Schicksal ist nicht bekannt ge* worden. Endlich verschworen sich Cerrachi, Topino Lebrun, (ein Maler, Schüler Davids und einer der Richter Marie Antoinette's), Diana, (ehemals Notar in Rom) und Arena den ersten Konsul im Theater der Republik bei der ersten Vorstellung von Salieri's Oper Die Horatier" zu tödten. Die Zahl der Verschwor- nen betrug gegen 60. Am Morgen des Tags, wo die Vorstellung stattfinden sollte, dem 10. October, hatte Barrere einem alten Kameraden, Namens Demerville, ehemaligen Beamten des Sicherheitsausschusses, einen Besuch gemacht. Dieser bat ihn, nicht in die Oper zu gehen. Das Benehmen Demervilles fiel Barrere auf. Er theilte die Sache dem General Lannes mit. In­zwischen hatte auch die Polizei schon durch einen Ver- räther Wind erhalten. Die Verschwornen hatten zum Signal für die Ausführung ihres Anschlags die Worte des alten Horatiers gewählt:So schwört denn vor mir bei dem Himmel, der euch hört, daß ihr bis auf den letzten Mann sterben oder siegen wollt." In die­sem Augenblick wollten die Verschwornen Raketen in den Saal werfen, Feuerlärm machen, in die Loge Bona­partes stürzen und alles niederstoßen was sich ihnen widersetzte. Der erste Konsul wohnte wirklich der Vor­stellung bei. Man sah ihn, den Kopf in der rechten Hand auf die Logenbrüstung gestützt, mechanisch dem Spiel folgen; man merkte ihm aber seine Zerstreutheit an. Von Minute zu Minute wurden ihm Meldungen gemacht. Die Polizei hatte ihre Maßregeln so gut ge­troffen, daß er ganz sicher sein konnte. Generale und Adjutanten hielten sich in bürgerlicher Kleidung in der Nähe der Logen auf. Auf ein gegebenes Signal wur­den die Logen, in denen sich die Verschwornen befan­den , in aller Stille geöffnet und diese mit fs wenig Aufsehen festgenommen, daß das Publicum kaum etwas merkte. Die außerordentlichen Maßregeln, die diesem Attentat folgten, sind bekannt. Sie führten unter an­dern Carnots Entlassung aus dem Kricgsministerium herbei. Arena, Cervacchi, Diana, Demerville und Le- brün wurden am 30. Jan. 1802 auf dem Greveplatz hingerichtct, mehrere Andere in Grenoble erschossen und etwa Dreißig nach Cayenne deportirt. Diese Hinrichtun­gen schreckten die geheimen Gesellschaften aber so wenig daß schon am. October ein neues Komplott ent­deckt wurde. In einem Hause nahe der Bastille nahm man verdächtige Brennstoffe in Beschlag, auch wurden mehrere Personen verhaftet. Alle diese Konspirationen gingen von den Republicanern aus; die berühmte Höllenmaschine ist dagegen eine Erfindung der Roya­listen. Eine solche wurde ein erstes Mal am 8. Nov. in der Rue des Blancs-Manteaux bei einem gewissen Chevalier in Beschlag genommen; eine andere wurde