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Nassauische Allgemeine Zeitung.

A* SS» Samstag Ära 2. Octabcr /m

Bestellungen auf das vierte Quartal derNassauischen Allgemeinen Zeitung" werden baldigst erbeten.

SiefSaifauif.Tc SNIaemkink Zeitung" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntags ausgenommen, täglich und beträgt der Prânnmeiationspieis für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulaii» nunmehr auch fir den ganzem Umfang des trKs und Taris'schen Verwaltungsbezirks mit Inbegriff des Postausschlags 2 fl für die übrigen Länder des deutsch.âsteireichischen PostvereinS, wie für das Ausland 2 fl. 24 tr. Inserate werden die »ierspaltlgt Petitzeile oder deren Hnum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. F r i cdr ich, i'anggasse 42, auswärts bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

Amtlicher Theil.

D i e n st n a ch r i ch t c n.

Der provisorische Lehrvicar Jung zu Berod ist de- finitiv zum Lehrvicar daselbst ernannt worden.

Nichtamtlicher Theil.

Die ZoUsrage.

In Betreff der Zollangelegenheiten ist nach Berliner Nachrichten irgend eine Entscheidung noch nicht erfolgt. Indessen wird allem Anschein nach die in München vereinbarte Erklärung der Coalition in Berlin in pleno nicht übergeben werden, da es nach dem von der dies­seitigen Regierung eingeschlagenen Gange hierzu an Ge­legenheit fehlen wird. Es werden also wohl von den einzelnen Negierungen Separaterklärungen abgegeben werden. Wenigstens vernimmt man, daß eine Circnlar- dcpesche an die Bortollmächtigteu der preußischen Negie­rung bei den Zollvercinsstaateu abgegangen ist, worin sie angewiesen werden, diesen die Mittheilung zu machen, daß der Herr Ministerpräsident zur Entgegennahme von Auslassungen in Betreff der Zollangelegcnheitcn bereit sei. Es scheint demnach, daß dem Vorsitzenden der Zollvereinsconferenz die Vollmacht hierzu entzogen und die schließliche Erledigung der Angelegenheiten auf den Weg der diplomatischen Verhandlungen gewiesen ist.

Der Weser Ztg. wird aus Berlin vom 26. Sept, geschrieben: Die in München berathene, freilich noch nicht von allen dabei beteiligten Regierungen geneh­migte Antwort ist sehr geschickt,abgefaßt. Augenschein­lich hat man sich dabei die Ausgabe gestellt, in der Sache selbst eigentlich nichts nachzugeben ; und doch in den einmal vorhandenen Streitpunc'ten soweit entgegen- zukommen und die gemachte Erklärung so einzurichten, daß eine erhebliche und reelle Differenz, über welche Preusjen den Zollverein scheitern lassen könnte, nicht übrig bleibt. Gleichwohl kann es nicht für ausgemacht gelten, daß Preußen auf diese Antwort, die theils wie ein Nachgeben aussieht, theils aber nicht, wirklich ein­geht. Die Zukunft des Zollvereins ist noch immer völlig ungewiß. Sehr verbreitet ist die Meinung, daß entschiedenes Abbrechen am sichersten zum Ziele führe, indem die Coalition ohne Plan für ihre Zukunft nach dem Scheitern des Zollvereins zu einem successiven Wiederkommen genöthigt sein werde. Viele sind auch ohne die Aussicht auf ein solches Wiederkommen, für die Entschiedenheit um damit Preußens Autonomie in Handelssachen, wie sie nur durch Jsolirung zu heben ist, wieder zu gewinnen. Anders lassen sich die Aeuße­rungen die in der Presse vorkommen daß Preußen nicht auf das Handelsgebiet, sondern auf das System sehen, daß es nicht erst die Territorien vereinigen, son­dern erst die Tariffragen in Ordnung bringen und hier ganz entschieden zum Freihandel übergehen müsse nicht wohl verstehen; denn anders als isolirt kann Preu­ßen mit dem System nicht vorschreiten. Nichts ist aber gewisser, als daß die Neigung zur Jsolirung eine völlig vereinzelte und der Regierung völlig fremde ist. Sie mag den Sympathien Vieler entsprechen, sie mag sich aus dem Verdruß über die von Preußen erduldeten Widerwärtigkeiten und aus dem Bewußtsein, allein fertig werden zu können erklären: in der Regierung Preußens ist aber ganz natürlich der Gedanke lebendig, daß das Aufgebeu des Zollvereins eine freiwillig übernommene Niederlage wäre; während sein Scheitern wider den Willen Preußens zwar als Unglück, aber nicht als Niederlage betrachtet werden könnte.

Aus Hannover 24. Sept, wird derAllg. Z." geschrieben: Die preußischerscits nicht liebsam gefunde­nen Aeußerungen der Hannoverschen Zeitung über die von der hannover'schen Regierung in der Zollfrage bis­her innegehaltene und inne zu haltende Basis (in deren Betreff die Kölnische Zeitung berichtete, die hannovcr'- sche Regierung habe in Berlin erklären lassen, daß die Auslassungen der Hannoverschen Zeitung in keinerlei Zusammenhang mit den Ansichten der Regierung stehen) sind allerdings, wie wir jetzt auf das Bestimmteste hö­ren, auf unmittelbaren Anlaß des diesseitigen Ministe­riums in die Spalten des halbamtlichen Organs über­gegangen. Nach allen Merkmalen betrachtet Hannover Vie d e m n ä ch st i g e allgemeine deutsche Zolleinigung als endliches Ziel, und wünscht so clitschieden die fortdauernde Consistenz des gegenwärti­

gen Bestandes des Zollvereins, daß es seinen Eintritt wesentlich von einem n i ch t geschmälerten Gebietsum­fange desselben abhängig zu machen gedenkt, indem dies­seits sowohl bei Abschluß des Septembervertrages als im Laufe der daraus folgende« Verhandlungen stets von der Prämisse ansgegaugcn ist, und nur ausgegan- gen werden konnte, daß nicht zur Zersetzung des Zollvereins und Deutschlands, sondern zur Vergrößerung des ersteren und zur nationalen, practischen Consolidirung des letzteren beigetragen wer­den solle. Dem unvernü:b igen Gebühren, namentlich der Berliner und Kölner Presse würde jedenfalls, wenn diese Voraussetzungen unerfüllt bleiben sollten, und der falscheste und selbstsüchtigste Begriff von preußischer Ehre und Preußens Mission Deutschland zum zweiten Male im wahren Sinne des Wortes in Frage stellen sollte, ein nicht unerheblicher Theil Schuld zuzurechnen sein. Wenn nicht schon ein Blick auf die Landkarte und in die 'statistischen Tabellen jeden Unbefangenen davon überzeugen müßte, daß Hannover ohne Ge­meinschaftlichkeit wenigstens des größten Theils Deutsch­lands durch seine Zolleinigung mit Preu­ß' en so gut wie von dieser Macht occupirt wäre, so könnte doch unmöglich das Auftreten der preußischen Blätter in diesem Augenblicke darüber noch den leisesten Zweifel belassen. Bei so kritiscder Lage der Dinge glauben wir, daß auch unsere Regierung schlimmsten Falles wohl daran thäte, zu dem in Ihrem Blatte geäußerten Vorschläge, der Beibehaltung des Status quo der verschiedenen Zollgruppen während der nächsten sechs Jahre, die Hand zu bieten. Die Ver­hältnisse, namentlich in Betreff Oesterreichs, würden sich während dieser Zeit hinreichend abklären können, so daß das Auffinden einer positiven Grundlage der Verhand­lungen dann weniger Schwierigkeiten bereiten dürfte, und für Preußen die drohende, sehr bedenkliche Jsoli­rung abgeschnitten wäre.

In Bezug auf die deutsche Eisenindustrie und Förderung derselben durch die Zolleinigung bemerkt die Oesterr. Corr." folgendes:

Unter den in der zum deutsch-österreichischen Han- delsvertragsentwurfe gehörigen Beilage vorgeschlagenen Tarifmodificationen bietet namentlich das Eisen nach 'seinen verschiedenen Gattungen zu mancher interessanten und lehrreichen Betrachtung um so mehr Anlaß, als die besondere Wichtigkeit dieses Artikels überhaupt eine vorzugsweise aufmerksame Berücksichtigung aller auf selben bezüglicher, industrieller und commcrcieller Mo­mente in Anspruch nimmt.

Wenn wir die jetzt im Zollvereine und in Oesterreich herrschenden Einfuhrzölle auf Eisen vergleichen, so zeigt sich, daß auch dieser Zweig der Production bei uns mehr als dort geschützt ist. Die Jmportabgabe für Roheisen beträgt hier pr. Centner 45 kr. C.-M., dort 10 Silbergroschen, für Schmied- und Walzeisen und Stäge von weniger als % Zoll Dicke hier 2 fl. 30 kr., dort 1 Thaler 15 Sgr., für Eisenbahnschienen und Radkränze hier 3 fl. 30 kr., dort auch nur 1 Thaler 16 Sgr., für Roh-, Gärb- und Gußstahl hier 4 fl., dort selbst für raffinirten Stahl, der in Oesterreich höher als die übrigen Sorten belegt ist, wieder 1 Thlr. 15 Sgr.

Dasselbe Verhältniß gilt in Betreff der Eisenguß­waaren, gröberer Gattung, die hier mit 2 fl., dort mit 1 Thlr. pr. Centner bezahlt werden.

Für den Fall des Handelsvertrags ist Oesterreich bereit, die aufgezählten und alle übrigen auf/^isen ent­fallenden Positionen sehr bedeutend im Durchschnitte um mehr als zwei Drittheile herabzusetzen, so daß z. B. im deutsch-österreichischen Verkehr für Schmiede- und Walz» eisen gegenseitig nicht mehr als 1 fl. oder 20 Sgr., für Eisengußwaaren 45 Kreuzer oder 15 Sgr. zu entrichten wären.

Eisen ist nicht bloß ein für den unmittelbaren und täglichen Gebrauch als Schlosser-, Schmiedewaare u. s. w. hochwichtiger Artikel, sondern es bleibt überdies noch die Grundlage zahlreicher anderer Industrien als wesent­liches und unerläßliches Hülfsmittel derselben. Die öster­reichische Regierung hat daher unbedingt wohlgethan, von dem früheren mehr prohibitiven Systeme in diesem Zweige abzugehen und eine fördersame Concurrenz nicht auszuschließen.

Daß dieselbe zum Schaden unserer Industrie nicht gereicht und gereichen kann, dafür sprechen mehrere Thatsachen, die zur größtmöglichen öffentlichen Kenntniß gebracht zu werden verdienen.

In dem kürzlich von der Leobener Handels- und Gewerbekammer erstatteten Jahresberichte findet sich die sehr beachtenswerthe Mittheilung, daß die vorzügliche Güte des österreichischen Roheisens es ungeachtet seines bedeutend höheren Durchschnittspreises, gleichwohl selbst auf bem Weltmärkte concurrenzfähig erscheinen läßt, in­dem gleich gutes Roheisen auch in England und Bel­gien eben so theuer ist. Ordinäres Eisen wird loco Glasgow mit 1 fl. 18 kr. Kosten â 105 Pfund, in Steiermark mit 2 fl. 16 kr. C.-M., jedoch von besserer Qualität, erzeugt. Werden der Zoll pr. 45 kr. und die Transportauslage hinzugerechnet, wird außerdem noch berücksichtigt, daß bei der Einfuhr zur See der Zoll auf 1 fl. erhöht ist: so zeigt sich augenscheinlich, daß der Artikel in Oesterreich zur Zeit zwar durchaus nicht übermäßig, aber zureichend geschützt ist. Als ein vorzügliches Mittel zur Hebung dieses ProductionSzwei- ges wird von der Kammer die Erleichterung im Trans­port- und Communicationswesen bezeichnet, eine Rich­tung, die jedoch von der Regierung vollständig gewür- diget wird, und in welcher sie bekanntlich eben so ener­gische als hervortretende Thätigkeit bekundet.

In Betreff der Stabeisenproduction bemerkt die Kammer, daß steierisches Stabeisen in England selbst mit 10 fl. und darüber bezahlt wird. Die Erzeugung deffelben in England ist zu Folge des Berichtes zwar ausnehmend .gering und die in Obersteier desto höher angeschlagen; wir erwähnen diesfalls bloß, daß die Re­gieauslagen für England mit 15 kr., für Steiermark mit 40 kr. bis 1 fl., der Unternehmungsgewinn dort I nur mit 2 kr., hier von 0 bis 1 fl. 40 kr. C.-M. aufsteigend pr. Centner angeschlagen werden. Lassen wir jedoch den geringsten steierischen Erzeugungspreis von 7 fl. 40 kr. bis 8 fl., mit Ausschluß der Capital­zinsen, die für England nicht eingezogen wurden, gel­ten, schlagen wir davon den Einfuhrzoll, der zur See 3 fl. 10 kr. C.-M. beträgt, und die Beförderungskosten ab, so stellt sich heraus, daß die österreichische Produc­tion gegenüber der englischen in diesem Zweige ebenfalls entsprechend geschützt ist. Unter das Maß dieses Schutzes herabzusteigen, wäre jedoch nicht gerathen, da, wie oben erwähnt, das Eisen ein Fundament aller in* dustriösen Thätigkeit bildet, und der Anlaß, der die Er­zeuger zur Verbesserung und Vervollkommnung des Be­triebes, drängt nur willkommen und schließlich selbst in ihrem Interesse nur nützlich sein kann.

Das Verhältniß aber, welches die österreichische Re­gierung in diesem Zweige zu dem deutschen Zollvereine beantragt, ist ein Beleg mehr, wie sehr ihr die Anbah­nung einer unzertrennlichen gewerblichen Solidarität zwischen Deutschland und Oesterreich am Herzen liegt und wie sie im steten und unwandelbaren Hinblicke auf dieses höhere Ziel zu jedem Opfer, welches die Ver­hältnisse gestatten, gern bereit ist. Würde nämlich die Concurrenz der westphälischen Eisenerzeuger, die ein et­was billigeres, allein in der Regel schwächeres Product als die steierischen, liefern, fördernd auf die hiesige In­dustrie einwirken und sie zur größeren Concentration ihrer Kräfte und ökonomischeren Benützung des Hilfs­materials anregen: so könnte es andererseits der deut­schen Industrie nur vortheilhaft sein, wenn ihr die treff­liche Qualität österreichischen Eisens zu billigen Preisen dargeboten würde.

Dcuilchiand.

Jt Wiesbaden, 29. Sept. Ein Fest seltener Art wurde heute hier gefeiert: das 50jährige Dienstjubiläum des allverehrten Oberlehrers Kunz. Die außerordent­liche Theilnahme von allen Seiten machte es zu einem wahren Familienfeste, einem Feste, wie cs, nach der ein­stimmigen Aussprache aller Theilnehmenden in Wiesba­den, noch nie vorgekommen.

Wir können darum nicht umhin, über dasselbe einige nâyere Notizen zu geben.

Durch eine beinahe 56jährige Dienstführung in der Stadt Wiesbaden hatte sich der greise Jubilar die in­nigste Sympathie und Anerkennung aller Bürger Wies­badens erworben, die fast alle einst seine Schüler ge­wesen, und darum auch Alles zur Verherrrlichung des Festes ausboten, Nach einem Ständchen am Vorabende wurde die Wohnung des Jubilars noch spät in der Nacht mit Kränzen geschmückt. Frühe am Morgen brachten ihm die Lehrer der Stadt schon ein Ständchen, bei dem sich viele Stadtbewohner, namentlich Frauen einsanden. Um 10 Uhr wurde er von Deputirteu des Gemeinderaths und der Lehrerschaft zur Kirche abgeholt,