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Nassauische Allgemeine Zeitung

â %sii Freitag dc« '1. Oktober J8W.

BcKcllmigcü auf das vierte Quartal derRaffauischcu Allgemeinen Zeitung" werden baldigst erbeten.

DiePassachf»t èaemeuië Zeitnnq" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, SonniaqS ausgenommen, täglich unt beträgt der PränumeralionSpreis für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulaiiv nunmehr auch Lr den ganzen Umfang des Zf uni» und TarS'schen PerwaltiingSbestrkS mit Jnbcgriit des PostaüfschlägS 2 g., sür chie Lbrsgen bänder des deutsch-österreichtschen PoftvereiuS, wie für das Ausland 2 fl. 24 fr. Inserate werden die vierspaltige Petitiktle oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgasse 42, auâwärts bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

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Die LoUfeage.

^DicVolkSbötin", welche allgemein als das Organ des Hrn. Miuistcrialraths Tünniges galt und seither für den preußischen Zollverein sehr wirksam war, bringt in ihrer letzten Nummer einen bcmerkcnswcrthcn Leit­artikel, woraus sich der Schluß ziehen laßt, wie man in gewissen Kreisen jetzt über diese deutsche Lebeus- frage denkt, und wie der Wind umgeschlagen. Der berührte Artikel derVolkSbötin", nur merkwürdig durch dH Organ, das ihn verbreitet, wie gesagt, setzt als anerkannt voraus, daß nach der ganzen Coustruc- tiou des Zollvereines und der größere Theil des Nutzens auf Preußen falle, dem der Süden einen be­quemen Absatz verschaffe, während wir leider nichts ha­ben,womit wir als Revanche die Preußen überschwem­men können." Um diese Ungleichheit aufzuhebeu, hiel­ten es die b e deutend ft e n Staatsmä n n c r " Süddeutschlandö für nöthig, daß auch Oesterreich,diese Schatzkammer der nothwendigsten Naturalien," in den großen Zoll verband ausgenommen werde. WelcherPro­sit" Bayern Lai ei zu Theil werde, müsse sich in der Zukunft zeigen. Jedenfalls dürften einige sogenannten Luxusgegeustände theurer, dafür aber Mast- u. Stcchvieh, Weine u. s. f. etwas wohlfeiler werden. Der Artikel recapitulirt dann kurz die jüngsten Perhandlungcn, wo­bei Preußen wegen seines dictatorischen Verfahrens ge­bührend zurechtgewjescu wird. In München sei nun eben beschlossen worden , der preußischen Negierung zu verstehen zu geben, eine Ueberrumpelung lasse man nicht aufführen. Und da Preußen nicht nachgeben werde, i so dürfte der Zollverein als gesprengt zu betrachten sein, woran Preußens Ungeduld schuld sei, worauf Preußen sich isoilet befinden werde, was cs aber in die Länge nicht ertragen könne.

Aus Weimar wird unterm 27. Sept, dem Fr. I. geschrieben: Gestern ist folgender Brief per Leipzig über das Verbleiben Sachsens im Zollverein hier angelangt, den ich Ihnen um so weniger vorcilthalten darf, als er aus einer sehr verlässigen Quelle stammt. Er lautet: Sie haben noch kein rechtes Vertrauen zu meiner letzten Nachricht wegen Sachsens Verbleiben im Zoll- verbande, und doch bestätige ich sie heute wiederholt und sie wird sich immer bewähren, obwohl Sie vor der der Hand nichts Officiclleö darüber lesen werden. Jetzt, wo Preußen Ernst macht, war cs nöthig, daß von Seiten Leipzigs doch etwas geschah, und der Bürger­meister Koch reiste selbst nach Dresden, um Leipzigs Befürchtung darzustclleu. Er hat die bündigsten Ver­sicherungen von dort mitgebracht, nämlich daß Sachsen trotz aller Unterhandlung nicht daran denkt, sich vom preußischen Zollverein loszusagen, und daß eine Eini­gung bestimmt erfolgen werde. Es war behufs der Meßgeschäfte nothwendig, daß dieß hier bekannt würde, und darum nahm und nimmt der Bürgermeister keinen Ausland, dieß Jedermann zu erzählen. Liest man nun die Zeitungen, so sieht cs allerdings ganz anders aus, aber bei uns selbst hat man nicht die geriugsle Sorge mehr darüber; man glaubt und vertraut."

Eine Leipziger Korrespondenz derKasseler Ztg." bezeichnet diese Nachricht als ein Parteimauövcr. Sie sagt: Was Herrn Koch das Ministerium geantwortet habe, darüber gingen, als Herr Koch nach Leipzig wie­der zurück war, verschiedene Versionen und man kann sich denken, daß die hierher verpflanzten Borussomani- schen Preßsetzlinge sofort in alle Welt telegraphieren, Sachsen bleibe fest beim Zollverein!

Nun ja, ganz gut; auch Hessen und Bayern, und Baden und Württemberg, und Darmstadt und Nassau blcib"n beim Zollverein, sonst hätten sie ihn kündigen müssen, gleich Preußen. Was aber speciell die Ant­wort unseres Ministeriums betrifft, so ging sie, wie man jetzt aus sicherer Quelle erfährt, einfach dahin, daß man noch immer die Hoffnung nicht aufgebeu dürfe, Preußen werde in andere Bahnen eiulcukcu, seine Son­derstellung aufgebeu und gemeinsam mit den übrigen deutschen Staaten an der Neconftitnirung und Erweite­rung des Zollvereins nach Nordwcsten wie nach Süd­osten arbeiten.

Auch derNürnb. Corresp." und nach diesem die A. A. Z." bringen einen Artikel aus Leipzig vom 23. Sept, beinahe gleichen Inhaltes, wie jener des Franks. Journals.

Das Dresdener Journal versichert, daß jene Er­zählung in allen ihren Theilen vollständig auf Erfin­dung beruht, indem weder eine solche Deputation, wie I

dort berichtet wird, in Dresden gewesen ist, noch, wie in dem Nürnb. Corresp. behauptet wird, eine solche Sitzung des Gcsammtmiuisteriumö stattgefundeu hat, noch überhaupt dem Staatsminifler v. Beust während seines Aufenthaltes in München irgend eineWeisung" zuge- gangcn ist.

Von der Saale wird derLeipziger Zeitung" geschrieben: Der Magdeburger Korrespondent läßt sich aus Leipzig von einerAuswanderung in Masse nach Preußen" der dortigenhöheren Gewcrbtrcibenden und Fabricanteu" schreiben. Außer Berlin habe man na­mentlich Eilenburg ins Auge gefaßt, das schon früher, vor dem Abschlusse des Zollvereines, den sächsischen Fabricanteu zumZufluchtsorte" gedient habe. Dieses letztere Ansuchen stellt die Sache in das ihr gebührende Licht, indem sic zeigt, daß der Manu eben von der Sache nichts versteht, wie er denn auch nicht zu wissen scheint, daß Leipzig keine Fabrik, sondern eine Handels­stadt ist, deren Messen übrigens unter allen Umständen nicht zu den Naumburger werden würden. Wenn vor dem Zollvereine einzelne sächsische Industrielle Fabriken 'in Preußen anlcgteu, so thaten sie es, weil sie dort die Schutzzölle fanden, die man damals in Sachsen nicht hatte, und weil sie dem preußischen Zolle entgehen woll­ten. Würde nun, was wir keineswegs fürchten, der Zollverein aufgelöst, so würde doch damit nicht der frühere Zustand hergcstcllt, bei welchem Preußen den Schutzzoll voraus hatte, sondern die Coalitionsftaatcn würden das zeithcrige Zollsystem förtsetzcu, während Preußen, um die Nordseestaateu zu gewinnen, die Zölle herabsetzcn müßte, und so die Position gerade die ent­gegengesetzte von der damaligen wäre.

DieNeue Preußische Zeitung" vom 28. bemerkt: Die Nückäußerung der Coalitious-Re- g i e r u n g e n auf die preußische Erklärung vom 30. August ist, wenn auch noch nicht o f f i c i e l l überge­ben, doch bereits zur Kenntniß der diesseitigen Regie- rung gelangt. Dieselbe befleißigt sich augenscheinlich einer versöhnlichen Sprache, hält aber der Sache nach fast in allem Wesentlichen an dem seitherigen Standpunkte der DarMstMer Verbündeten fest. Na­mentlich besteht die Weigerung.einer unbedingten Er­neuerung der Vereinsverträge auf zwölf Jahre fort, während zugleich in Bezug auf die Annahme des in Wien ausgestellten Tarifentwurfs Anforderungen gestellt werden, deren Erfüllung lediglich eine Steigerung des Schutzzoll - Systems mit sich bringen und den volks- wirthschaftlicheu Interessen Norddeutschlands (!) unab­sehbaren Schaden zufügen müßte. Im hiesigen Mini­sterium des Auswärtigen haben vorgestern und gestern über den Inhalt der Nückäußerung und über die in der Zollfrage nunmehr zu thuenden Schritte zwischen den betreffenden Ministern unter Zuziehung mehrerer 'Räthe, sowie der preußischen Commissarien Berathungen stattgefundeu^ lind es sollen,. ohne die officielle Ueber» gäbe der Coalitionserklarung abzuwarten, bereits der Sachlage entsprechende definitive Beschlüsse gefaßt wor­den sein. Wie die Dinge liegen, kamen naturgemäß eine mildere Tonart in der gegnerischen Aeußerung nicht den Effect haben, Preußen zu Concessionen zn vermö­gen, welche den deutschen Norden im Voraus an ganz unübersehbare Verpflichtungen binden würden."

DieKasseler Zeitung" findet die von derD. A. Z." gebrachte Version über die Collectivantwort der in Darmstadt verbündeten Regierungen auf die preußische Erklärung vom 30. August ziemlich richtig.

Der x Corresp. der D. A. Z. will wissen, daß außer dem schwierigen Punkte in der Erklärung der Coalition, der den 12jährigen Abschluß der Verträge ablehnt, noch ein anderer wichtiger Punkt enthalten ist. Die Coalition wünscht, um der Bedeutung des mit Oesterreich abzuschlicßeuden Handelsvertrags einen be­stimmter ausgeprägten Charakter zu geben, welcher der dcmuächstigeu Zolleinigung schon jetzt einen Stützpunkt gibt und diesen nicht als einen gewöhnlichen Handels­vertrag in der Kategorie derjenigen mit Belgien, Hol­land re. erscheinen läßt, sondern demselben einenna­tionalen" Anstrich verleiht, die Annahme des gcgensei- seitigen Ucbergangstarifs, wie solcher in der zweiten Anlage zu dem Wiener Confercuzvertrage A. beigefügt ist. Der Corrcspondcnt meint, jedoch mit Unrecht, da bereits die Zolleinigung in der zuletzt abgegebenen Er­klärung beseitigt worden war (?) dieser Antrag aber die Annahme eines Stückes der Zolleinigung involvirt und somit einen einmal als beseitigt angenommenen Gegen- staiid wieder von neuem vorbringt.

Die österreichische Regierung hat, nach einer Angabe des Berliner Cor. Bureaus, das Project, die früheren Wiener Zollconferenzen jetzt fortzusetzen, ernstlich aufge­nommen und in dieser Richtung nicht blos den Coali- tions-, sondern auch andern Staaten vorbereitende Mit­theilungen resp. Einladungen zugehen lassen, so auch der k. hannoverschen Regierung. Mit der officiellen Einladung zu dies.m fortgesetzten Wiener Zoll- und Handelsconferenzen wurde dem Vernehmen nach auch eine mehrfach in Aussicht gestellte allgemeine Veröffent­lichung über die Zoll- und Handelsconflicte der k. östr. Regierung, namentlich auch darüber, iw wie weit sie eine Verbindung zwischen den deutschen und italienischen Zollverbündeten herzustellen beabsichtigte, erfolgen.

Deutschland.

München, 17. September. Im Befinden deS Herrn Ministerpräsidenten v. d. Pfordten ist einige, wenn auch nicht bedeutende, Besserung eingetreten und sind die Aerzte mit dem Stand der Krankheit sehr zu­frieden.

Münster, 22. Sept. Nachmittags fand im Saale die erste besondere Versammlung der Abgeordneten und Mitglieder auswärtiger Vereine statt. Durch Acclama- tion wurde Hofrath Zell aus Heidelberg zum ersten Präsidenten, und Frhr. Wilderich v. Ketteler aus Thüle zum Vicepräfldenten gewählt. Es wurden dann fünf Abtheilungen für Formalia, Bildungszwecke, Charitas, Aeußcres und für den Bonifaciusverein gebildet. Die vorliegenden Anträge wurden unter diese Ausschüffe vertheilt; dieselben betreffen: Deckung der Newman'schen Prozeßkosten, das Krankenhaus in Berlin, Provinzial­versammlung in den verschiedenen Kirchenprovinzen, Demeritenhäuser, die Katholikenverfolgung in Mecklen­burg, Auswanderung deutscher Katholiken nach Ungarn, Stellung des Vincenzvereins in Deutschland zn dem Pariser Centralrathe, Gründung einer katholischen Uni­versität, Missionshaus für den Bonifaciusverein, Kna­benseminare, das Verhältniß der Marianischen Sodali- teiten und Gesellenvereine, die katholische Presse und den katholisch-conservativen Prcßverein/ christliche Kunst und Kunstvcreine, Herausgabe eines Organs des Ka­tholischen Vereins, Errichtung eines ständigen Vororts. Die öffentliche Versammlung, welche auf Abends 7 Uhr anberaumt war, wurde von Hofrath Dr. All mit einer Rede über den Geist und Zweck der Versammlung, so­wie die Art und Weise der Wirksamkeit des katholischen Vereins eröffnet. Lic. Wieck aus Breslau spricht die Bitte aus, daß der Verein sein Gebet für die Erhal­tung des bedenklich erkrankten Cardinals v. Diepenbrock zum Himmel sende, und erzählt,wie die Gegner in Schlesien versuchten, durch die ungereimtesten Beschul­digungen die Strömung zur katholischen Kirche aufzu- halten, wie aber dies nur bewirke, daß die Protestan­ten zahlreicher hinströmten." Caplan Ruland malt die trostlose Lage" der zerstreut wohnenden Katholiken in Brandenburg, Pommern und Mecklenburg aus, und fordert zugleich zu Beiträgen für den Bonifaciusver­ein auf.

Auf die von Münster abgegangene, mit 1048 Unter­schriften versehene Adresse um Zurücknahnie der Ver­fügung vom 16. Juli betreffs des Besuchs auswärtiger katholischer Untcrrichtsanstalten ist nach derD. VH," folgende Antwort eingegangen:

Ew. Wohlgeboren erwidern wir Folgendes auf die Immediateingabe vom 13. v. M., die Reisepâsie nach Nom rc. betreffend, welche uns von des Königs Majestät zur Verfügung zugefertigt worden ist. Nach mehrfachen Bestimmungen ist zur Ertheilung von Reisepässen nach Rom behufs des Studiums auf dem Collegium Germa- nicum rc., sowie für Ertheilung von Naturalisationsur­kunden an ausländische Jesuiten eine vorgängige Erlaub­niß erforderlich. Ueber Anträge der Art kann nicht un­mittelbar von den königlichen Kreisbehörden resp, den königlichen Regierungen verfügt, derartige Gesuche müssen vielmehr den Ministern zur Entscheidung eingereicht wer­den. Diese Anordnungen beziehen sich lediglich auf den innern Geschäftsgang der königlichen Behörden, und be­treffen Gegenstände> Paßertheilung, Verleihung deS preußischen Unterthanenrechts, welche dem Gebiete der Staatsverwaltung angehören. Auf diese Bestimmung weist die diesseitige Verfügung vom 16. Juli d. I. hin, indem sie weder eine Erweiterung noch Verschärfung, sonoern lediglich die fernere Gültigkeit jener, auch bisher immer angewenveten Vorschriften ausspricht. In dem Specialfalle, der zu der Verfügung vom 16 Juli d, J.