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Nassauische Allgemeine Zeitung.

Wr SS» Donnerstag den 30. September /^ »S.

Bestellungen auf das vierte Quartal derNaffanischen Allgemeinen Zeitung" werden baldigst erbeten.

Die,,Nassauische Allgemeine Zeilung" mit öem bcllelrjstischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, SonnlaqS ausgenommen, täglich und beträgt der PränumerationSpreis für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulari» nunmehr auch ür den ganzen Umfang des Zburn» und TariS'fchen Verwaltungsbezirks mit Inbegriff deS PostaufschlagS 2 fl., für die übrigen Länder deS deutsch-österreichischen Poswereins, wie für das Ausland 2 fl. 24 fr. __ Inserate werden die Sterspaltigt Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgaffe 42, auSwärlS bei den nächttgelegeneu Pottämtern, zu machen.

Amtlicher Theil.

Dienttnachrichten.

Seine Hoheit der Herzog haben dem Ober­lehrer I o h'a n n Jacob Kunz zu Wiesbaden, in An­erkennung seiner langjährigen treuen Dienste, die silberne Vcrdiest-Medaille gnädigst zu verleihen geruht.

Nichtamtlicher Theil.

Die ZoUsragc.

DerA. A. Z." wird aus Hannover geschrie­ben : Es ist eine hier allgemein als begründet aner­kannte Thatsache , daß der Abschluß des Septcmberver- trages durch das Ministerium Münchhausen in der un­mittelbarsten Wechselwirkung mit der Durchführung der neuen Organisation des Landes stehe. Diese Organi­sation bedingt nämlich eine jährliche Mehrausgabe von etwa einer halben Million Thaler, deren Aufbringung zu ernstlichen Schwierigkeiten der Regierung, ja viel­leicht dann zu einer umfassenden Modifikation dieser Gesetzgebung geführt haben würde, wenn die Regierung die Erhöhung der directen, namentlich der Grund- und Gewerbesteuer der Kammer hätte Vorschlägen müssen. Als in den Kammern, längst vor dem Abschluß des Septcnibervertrages, der Kostenpunct der Organisations- gesetzc bei deren Berathung zur Sprache gebracht wurde, sah sich die Regierung schon damals zu der beschwich­tigenden Erklärung genöthigt, daß keinenfalls zu einer Erhöhung der direkten Abgaben zur Deckung der dem- nächstigen bedeutenden Mehrausgaben für den Civiletat geschritten werden solle, obgleich der bereits unter Stüve versuchte Ausschlag des Zolltarifes auf einige bedeuten­dere Eingangsartikel des Steuervereines an dem Wider­stande Oldenburgs gescheitert war. Es schien nun also nur noch der freilich nichts weniger als populäre An­schluß an den Zollverein übrig zu bleiben, um das nöthige Geld zu den liberalen Neuerungen herbeischaf­fen zu können. In Dresden (zur Zeit der freien Con- ferenzen) konnte der diesseitige Commissarius für die materiellen Angelegenheiten, Herr Generaldirektor Dr. Klenze, deßhalb mit seinen bereits früher unter der Hand mit Preußen vorbereiteten Zolleiniguugsplancn um so willkommener dem hannoverischen Ministerpräsi­denten entgegenkommen, als, wie man sagt, dieser sich von dem Fürsten Schwarzenberg nicht in der erwünsch- tcn Weise empfangen glaubte. Das Präcipuum konnte wenigstens für die .nächsten zwölf Jahre aus der Noth helfen, und die Kammern mußten den Vertrag in sei­nem Wesen schon genehmigen, wenn sie eben das um­fassendste Product ihrer Richtung, nämlich die kostspie­lige Organisation des Landes, nicht an dem Kosten­punkte scheitern sehen, wenn eine große Zahl ihrer Mit­glieder bereits zugesichcrte Obergerichtsraths- und Amts- richterstellen nicht im Nebel zerfließen sehen wollten. Die Rechnung war im Kleinen richtig; wir haben ge­sehen, daß das gegenwärtige Ministerium hauptsächlich deßhalb nicht im Stande war, in den Kammern er­sparende Modificationen der Organisationsgesetze durch­zusetzen, weil der involler Loyalität" acceptirte Sep- rembervertrag ja die auskömmlichsten Mittel gewähre! Wir haben sogar das Schauspiel erlebt, daß die Neue preußische Zeitung, und ihr nach die gesummte reaktionäre specifisch-preußische Presse, von dem Augen­blicke an, wo der Septembervertrag in der Luft war, von der ärgsten Widersacherin, derdemokratischen" han­noverischen Gesetzgebung, plötzlich und bis auf diese Stunde zu ihrer entschiedensten Fürsprecherin metamor- phosirt worden, Die große Popularität, die der ver­storbene König Ernst August während der letzten zehn Jahre seiner Regierung in Hannover genoß, schrieb sich hauptsächlich von dem Augenblicke her, wo er erklärte, niemals" seine Zustimmung zum Anschlusse an den preußischen Zollverein geben zu wollen. Die Kammern und das Land stimmten damals bei. Also auch hier die politische Seite der Zollfrage. Der Septemberver­trag, noch unausgeführt, hat den politischen Einfluß Preußens auf Hannover schon damals zu steigern ver­mocht, daß ihm zwei Minister weichen mußten, und na­mentlich da) Finanzministerium so besetzt wurde, wie es in Berlin beliebt ward. Was steht zu erwarten, wenn wir mit demselben Preußen,mit Wenigen" unirt werden?

Ueber den Inhalt der Münchener Er­klärung ist man, wie dieD. A. Z." meldet, aube­treffender Stelle bereits vollständig im Klaren, und es ist richtig, wenn der Inhalt derselben von der einen Seite als durchaus versöhnlich, von der andern Seite hingegen als bei der alten Unversöhnlichkeit verharrend und auf die Sprengung des Zollvereins gerichtet be­zeichnet wird.

Sie sagt: Beide Parteien können den Inhalt von ihrem gegenseitigen Standpunkte so auslegen, und wir werden demnächst sehen, wie beide Theile dies mit Er­folg thun werden. Von Seiten der Coalition ist aller­dings wieder eine Concession gemacht, freilich nur in sehr geringem Maße, iildem man zunächst auf Verhand­lungen behufs Reconstiluirung des Zollvereins eingehen will; nach einem bestimmten Zeitpunkte aber, und sobald die wichtigsten Theile dieses Vertrags berathen, soll der Handelsvertrag in Angriff genommen, eine Annahme und Ratification jedoch nur mit beiden Verträgen ge­meinschaftlich genehmigt werden. Das ist eben nnr eine sehr bedingungsweise gemachte Concession. Im Punkte des 12jährigen Abschlusses der Verträge hat sich die Coalition jedoch auf ihren alten-innegehabten Stand­punkt gestellt und kommt bei dieser Gelegenheit wieder mit der Zolleinigung zum Vorschein, die sie nach einem Zeiträume von sechs bis acht Jahren in Angriff zu nehmen beabsichtigt und weßhalb sie sich nicht auf längere Zeit vorerst binden will. Hier ist die ganze alte Forderung erneuert und man kann sagen, daß man in nichts nachgegeben hat. 'Das Aktenstück ist wie­der in sehr feinem und möglichst vieldeutigem Stile gehalten und provocirt eine neue Erklärung seitens Preußen. Was darauf folgen wird, liegt noch im Dunkel der Zeit; allein ich glaube kaum, daß Preußen dieses Actenstück wird ignoriren und sich auf seinem eingenommenen Standpunkte halten können; vielmehr wird eine Erwiderung schon durch die Etiquette gebo­ten, wenn nicht noch eine Anzahl innerer Gründe dafür sprächen.

Außer Bayern haben nach demselben Blatte nun auch Sachsen, Darmstadt und Nassau die Münchener Antwort ratificirt; die übrigen Ratificationen werden bald nachfolgen, nur die Badens scheine noch nicht ge­sichert.

Ueber die Stellung Frankfurts, das bekanntlich nicht zu der Coalition gehört und doch zu der letzten Sitzung der Zollconferenz' auch nicht geladen war, ist man noch nicht im Klaren. Nur so viel darf, der Schlesischen Zeitung zufolge, nach der Stellung, welche die freie Stadt Frankfurt in der fraglichen Angelegenheit ange­nommen, vermuthet werden, daß Herr Cöster Berlin verlassen wird, sofern sich für die nächste Zukunft die dortigen Conferenzverhandlungen auf diejenigen Staaten beschränken sollten, die an der Sitzung vom 17. Sept, theilgenommen haben.

Deutschland.

Wiesbaden, 27. Septbr. Während man in den Zeitungen von allen Seiten her (wohl häufig übertrie­bene) Berichte über das Umsichgreifen der Kartoffelfäule und den geringen Ertrag der Kartoffel-Ernte liest, wurde uns gestern von einem Bewohner des Westerwaldes die erfreuliche Nachricht, daß die Kartoffeln auf dem Westerwalde ganz vorzüglich gerathen seien, und daß man dort von der Karroffelkrankheit fast gar nichts ver­spüre. Aber auch hier scheint dieselbe nicht so stark ver­breitet zu sein, als man glauben machen will. Wir sa­hen auf mehreren Aeckern in hiesiger Gemarkung Kar­toffeln ausmachen; die als krank abgesonderten betrugen bei circa acht Malter etwa ein Virnsel. Die Kartof­feln selbst waren nicht sehr dick, dagegen hingen die Sträuche sehr voll, so daß die Ernte eine ergiebige ge­nannt werden kann.

Mainz, 25. Sept. In Folge einer am 21. d. zu Worms stattgehabten Verhandlung zwischen dem Verwaltungsrathe der hessischen Ludwigsbahn und dem dortigen Gemeinderathe ist nun die leidige Bahnhof­frage, welche seit vier Jahren der Entscheidung harrte, definitiv geordnet worden und kommt der Bahnhof nach dem Liebenauer Felde, wie es der Verwaltungsrath schon vor Jahren beantragt hatte.

Mainz, 27. Septbr. (M. I.) So schnell und unerwartet der Rhein gestiegen war, eben so rasch fällt nun wieder das Hochwasser an unserm Brückenpcgel nur noch 12 Fuß 5 Zoll. In dem diesen Sommer von schweren Gewittern und Hagelwettern heimgesuchten

Rheingau hat auch das Hochwasser des Rheins an den Feldern und Wiesen nicht unerheblichen Schaden ange­richtet und stehen längs des Stromes bis jetzt noch immer lange Streifen des fruchtbarsten Landes unter Wasser.

Frankfurt, 28. Sept. (Fr. P.-Z.) Der Prä­sidialgesandte, Graf von Thun, wird nach den letzten Mittheilungen zwischen dem 18. und 20. October hier­her zurückkehren, worauf dann die Sitzungen der Bun­desversammlung wieder beginnen werden. Die Hoff­nung auf endliche Liquidation der Bundesflotte ist von ihrer Verwirklichung noch weit entfernt und die Unter­haltung der Flotte wird die Bundeskaffe immerhin noch stark in Anspruch nehmen. Der von hier nach Nea­pel abgegangene k.k. Legationssecretär Graf v. Szechenyi wird vorerst hier nicht ersetzt werden.

Die heutige Sitzung der gesetzgebenden Versamm­lung wird auf Antrag des Senats eine geheime sein. Der k. k. Generalmajor v. Schmerling ist nach Rastatt zur Jnspection des dortigen k. k. österreichischen Besatzungscontingents gereist. Während seiner Abwe­senheit sührt der königl. preußische Generalmajor von Herwarth das Obercommando über die hiesige Bundes­garnison. Wie man hört, beabsichtigte man, den demnächstigen ersten Gottesdienst in der nun vollkom­men hergestellten Panlskirche mit besonderer Feierlichkeit abzuhalten. Aus nahe liegenden Gründen soll man jedoch von bieier Absicht zurückgekommen sein.

Darmstadt, 27. September. Se. königl. Hoh. der Großherzog haben heute dem von dem Posten eines französischen Gesandten am hiesigen Hofe abberufenen Marquis von Tallenay zur Ueberreichung seines Abbe­rufungsschreibens und nachher dem an dessen Stelle von dem Prinz-Präsidenten der Republik Frankreich in der Eigenschaft eines außerordentlichen Gesandten und be­vollmächtigten Ministers am hiesigen großherzoglichen Hofe ernannten Grafen von Marescalchi, zur Uebergabe seines Kreditivs, besondere Audienzen zu ertheilen geruht. Beide Herren Gesandten hatten hierauf die Ehre, zur großh. Tafel geladen zu werden.

Karlsruhe, 25. Sept. (Schw. M.) Dem Ver­nehmen nach wird sich die Rückkehr Sr. k. Hoh. deS Regenten um einige Tage verzögern, und derselbe, statt, wie ursprünglich beabsichtigt, zu Ende d. M., erst am 5. oder 6. October hier wieder eintreffen. Weiter ver­nimmt man, daß die Rückreise von Wien über München und Stuttgart genommen werden soll.

München, 26. Sept. Neuerlich heißt es, der jüngste Bruder König Otto's, Prinz Adalbert, werde mit nach Griechenland reifen und alsbald den wenig bequemen Thron daselbst besteigen. Die Durchfüh­rung der Gerichtsorganisation soll nun bis 1. October 1853 verschoben sein. Dagegen wird eine neue durch Vereinfachung wohlfeilere Organisation des Forstwesens für den gleichen Zeitpunkt vorbereitet.

Nach demNürnberger Correspondent" dürfte es außer Zweifel sein, daß der Regierungspräsident Graf Reigersberg vom 1. Octbr. an das Portefeuille des Innern übernimmt.

Die MünchenerNeuen Nachrichten" sprechen von einer Verordnung der geistlichen Oberbehörde der Erz- diöcese München-Freysing, welche demnächst erscheinen soll und wodurch den Geistlichen der Besuch von Gast­häusern bei Strafe der ipso facto eintretenden Sus­pension untersagt würde, welche Strafe sich auch auf jeden Geistlichen, Decan, Pfarrer rc., der von solcher Verbotsübertretung Kenntniß hat und keine Anzeige macht, erstrecken soll.

Gotha, 26. Sept. Das hiesige Regierungsblatt macht bekannt, daß zu Riesa vom 1. October l. I. an ein königl. sächsisches Hauptsteueramt mit Niederlags­recht errichtet und eröffnet werden wird. Nach einer Korrespondenz derGothaischen Zeitung" ist derRechts- practikant Feodor Streit in Koburg, welcher früher die bereits seit mehreren Jahren eingegangeneNeue deut­sche Dorfzeitung" 'redigirte , wegen eines in derselben enthalten gewesenen, das Staatsoberhaupt beleidigenden Artikels zu viermonatlichem Gefängniß verurtheilt wor­den. Der Verurtheilte hat Appellation gegen dieses Erkenntniß des Coburger Justizcollegiums eingelegt.

AuS Thüringen, 26. Sept. (Fr. I.) Vor einigen Tagen wurde der Sattler des in Erfurt garni- sonirenden 6. Uhlanenregiments, Namens Joh. Ludwig Abesser, begraben. Da das genannte Regiment am Schluffe des Befreiungskrieges aus dem Lützow'schen Freicorps gebildet wurde, so war Abesser von denver-