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Nassauische Allgemeine Zeitung.

E EED. Dienstag den 28. September IS&^

Bestellungen auf das vierte Quartal derNassauischen Allgemeinen Zeitung" werden baldigst erbeten.

Die,,Naffauis»c'A!laemki»k 3eitunn<' mit dem betktriflifdien BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntaqâ ausgenommen, täglich und beträgt der PränumeraiionSpreiâ für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulaii« nunmehr auch ür den flamen Umfang deS Tdurn- und Tar>S'schen Verwaltungsbezirks mit Inbegriff des Poffaufscklags 2 fl., für die übrigen Länder des deutsch-österreichischen PostvereinS, wie für daS Ausland 2 fl. 24 fr. Inserate werden die merspaltige Petitteile oder deren Raum mit 3 tr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgaffe 12, auswärts bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

Amtlicher Theil.

D è e n st u a ch r i ch t e rr.

Der provisorische Lehrgehülfe Maurer zu Ncnters- bausen ist definitiv zum Lehrgehülfen daselbst ernannt worden.

Nichtamtlicher Theil.

3it das verehr! ichs Mitglied des ©tt^iw- Adslph-VcreinS in der MiUelrheinifchen Leitung vom 19. September Nr. 223.

(Schluß.)

Ich habe in meinem Artikel vom 11. L M. gesagt: Seiner (Oesterreichs) Politik ist eine andere, größere und verdienstlichere Ausgabe geworden, nämlich die Durchführung und Cousolidirung seines Einheitsstaates. Oesterreich muß diesen kolossalen Einheitsstaat auf das deutsche Element basiren und bedarf zu dem Ende der Sympathie für und von Deutschland." Sie, werthe­ster Herr! wollen aber glauben machen:ich . predige damit für nichts mehr und nichts weniger, als für österreichische Hegemonie in Deutschland, und dafür, daß letzteres Oesterreich nichts weiter sein solle, als ein Mittel zu dessen Zwecken".

Wissen Sie denn nicht, bester Herr, daß Oesterreich noch nie mit Unionsgelüsten sich getragen hat? Ist es Ihnen denn gänzlich. unbekannt, daß vor der letzten Revolution verschiedene Staaten mittelst der Per­sonalunion unter dem österreichischen Scepter vereinigt waren, und daß Oesterreich mit der Niederwerfung der Revolution in Italien und in Ungarn damit beschäftigt ist, die Besonderheit seiner uniirten Staaten aufzulösen und sie mittelst der v o l l e n Union in einem ein­fachen Staat umzubildcu, und daß mau diesen den österreichischen Einheitsstaat nennt?

Also nur pure Unkenntnis) staatsrechtlicher altbekann­ter Ausdrücke und der neuesten Geschichte oder aber perfide Berdrehung, kann der Grund sein, aus welchem Sie mich einer Predigt für österreichische Hegemonie geziehen haben.

Ich bin so wenig für eine österreichische, wie für eine preußische Hegemonie, vielmehr ein Vertheidiger des deutschen Staaten - Bundes und damit der Unab­hängigkeit und Selbstständigkeit aller deutschen Staa- tuj. Ich habe dieselbe Meinung ausgesprochen und in Wort und Schrift vertheidiget zu einer Zeit, als man bei uns, wie anderwärts, für eine preußische Union schwärmte und die wenigen Leute anseindete und ver^ dächtigte, die sich für berechtigt hielten, zu denken und nicht zu schwärmen.

Die meisten derselben haben aber auch Oesterreich gegenüber eine solche Lage, daß eine Einverleibung mit ihm gar nicht möglich ist. Oesterreich muß und kann ver­nünftiger Weise nur dahin streben, seine außerdeutschen Länder auf die Stufe der Cultur zu bringen, welcher deren zum großen Theile noch jugendfrische Völker fähig sind. Dazu bedarf der deutschen Bildung und deß­halb muß cs den Schwerpunkt seines Einheitsstaates in seine deutschen Länder verlegen. Und um dies zu kön­nen, bedarf es des deutschen Elements. Wenn solches aber in seiner vollen Kraft wirksam werden soll, muß der zu Deutschland gehörige Theil Gesammtösterreichs sich von dem übrigen Deutschland nicht abschließen; die­ser deutsche Theil, wie Gesammtösterreich, muß vielmehr Sympathie für Deutschland haben und muß sich dadurch dessen Sympathie erwerben. Diesen Weg schlägt Oester­reich soeben ein und dadurch muß cs immer einer noch nie gekannten Größe und Stärke zu seinem und Deutsch­lands Heil entgegen gehen.

Wie Sie aber, mein lieber Herr! meinen angeführ­ten Worten den Sinn haben unterlegen können; Deutsch­land solle blos Mittel zu Oesterreichs Zwecken sein, das könnte nur der begreifen, der die Ehre hätte, Sie, Ihre politische Redlichkeit, Ihre politische Sympathie und Ihre Fassungskraft näher zu kennen.

Da wir aber gerade an diesem Capitel sind, so er­laube ich mir, Ihnen meine Herzensmeinung dahin auS- zusprechen: daß Deutschland Oesterreichs und Preußens und daß Oesterreich und Preußen, und zwar jeder bei­der Staaten gleichmäßig, des ganzen übrigen Deutsch­lands bedarf, und daß, wenn nicht alle deutsche Staa­ten Hand in Hand gehen, ganz Deutschland großen Schaden darunter, leidet.

Wenn Sie mein Bester! behaupten, der Kampf des 19. Jahrhunderts sei kein Kampf zwischen der Monar­chie und der Demokratie; so schlagen sie der Geschichte seit 1789 bis heute in das Angesicht. Sie meinen, daS gegenwärtige Jahrhundert ringe nurnach europäischen Umbildungen und neuen socialen Gestaltungen". Diese Redensarten sind Gemeinplätze, auf welche sich jetzt auch der Theil der Demokratie herumtummelt, der sich vor der Hand nach allen Seiten hin in Numero Sicher hal­ten will, nämlich der schlechteste und niederträchtigste.

Es steckt aber auch wirklich gar nichts in diesen Redensarten! Was ist der Staat denn anders, als ein ethischer Organismus? Und muß nicht jede Ab­änderung und Umbildung seiner Verfassung und sonsti- gcr Gesetze und Einrichtungen auf organischem Wege geschehen, wenn man nicht seinen Organismus und so mit ihn den Staat selber zerstören will? Was haben Sie nun, Bester! mit ihren Wortennach orga­nischen Umbildungen ringe das laufende Jahrhundert" gesagt? Gar nichts! Ich glaube, Sie wissen es selber nicht, was Sie damit haben sagen wollen. Es lautet aber so etwas recht hübsch, namentlich, wenn man den Mund recht voll nimmt und auf das große Publicum speculirt.

Was sindsociale Gestaltungen" ? Legen Sie einmal diese Frage L. Blanc, Proudhon, A. Ruge, Fröbel und denen Genossen einerseits und Thiers, Bastiat, Stahl, Ahrens u. A. anderseits zur Beant­wortung vor, und Sie werden hören, welche ganz ver­schiedene Ansichten diese Leute vonsocialen Gestaltun­gen" haben, Dev Communismus und Socialismuc- bestreitet die Rechtmäßigkeit des Eigenthums. Dieser strebt eine neue gesellschaftliche Organisation, jener den Untergang der individuellen Freiheit, die Zer­störung jeglicher Cultur und die Auflösuuglder Familie, also einen so barbarischen Zustand an, wie ihn die Welt noch nicht gekannt hat. Die Communisten und Socialisten bedienen sich aber, bester Herr! wie Sie der Wortesociale Gestaltungen".

Es kann nicht geleugnet werden, daß die Gegen­wart einer besseren ökonomischen Organisation dringend bedarf. Solche darf aber nicht durch eine ökonomische Organisation der ganzen menschlichen Gesellschaft (sociale Gestaltungen?), sondern kann und muß lediglich nur durch eine Organisation des Ge­werbe wese ns erzielt werden.

Mit der Erledigung dieses dringenden Bedürfnisses wird aber noch lange nicht der Kampf des gegenwärti­gen Jahrhunderts, sondern er erst alsdann beendigt sein, wenn die göttliche^ und die aus ihr fließende monarchische Autorität wieder allgemein anerkannt und hergestellt sein wird.

Sie sagen, freundlicher Süddeutscher!der Dämon der Revolution lasse sich nur durch den wohlthätigen Geist der Reform bändigen." Veränderungen in der Staatsverfassung auf dem Wege der gütlichen Ueber- einkunft und nach einem bestimmten Plane nennt man Reformen. Nun haben wir aber in Deutschland schon seit Jahren reformirt, und der Geist der Revolu­tion ist immer noch nicht ausgerottet. Sic sehen daher, daß sich mit reformirten Verfassungen allein kein gedeihlicher Zustand im Staate Herstellen läßt. Die Reformen müssen nur wirkliche Verbesserungen sein. Waren aber alle Reformen Verbesserungen? Ich sage nein! Sie bezweifeln, daß sich die Wissenschafleu täg­lich conservativer gestalteter!. Wenn sie mit den neue­ren Erscheinungen auf dem Gebiete der Rechtsphiloso­phie und der übrigen Staatswissenschaften vertraut wä­ren; so würden sie sich keine so empfindliche Blösen gegeben haben, dieß zu läugnen. Sie scheinen selbst nicht ein Mal zu wissen, daß gerade auch die prote­stantische Theologie sich auf den deutschen Universitäten jetzt täglich conservativer gestaltet, und der schale Ra­tionalismus dort nicht nur fast gänzlich überwunden ist, sondern auch Theologen heraugebildet werden, welche nicht nur der evangelischen Kirche, sondern auch dem Staate die ersprießlichen Dienste leisten werden. Eine solche Unwissenheit auf ihrem eigenen Felde hätte man in der That von ihnen nicht erwarten dürfen. Oder wollen Sie etwa von dieser Richtung aus dem Grunde nichts wissen, weil sie ihnen nicht gefällt?

Noch eine Probe, bester Herr, von Ihrer erstaun­lichen Ignoranz in der Theologie, in der Geschichte, und in den Staatswissenschaften.

Sie behaupten:in der katholischen Kirche befänden sich demokratische Elemente und geistliche Würdenträger

trieben auf der Kanzcl oder in Schriften Socialismus 3 la Cabct oder Communismus inoptima forma, Sie beschuldigen also die katholische Kirche der Lehre des Communismus und des Socialismus. Wenn sie aber wüßten, daß die Verfassung der katholischen Kirche eine aristokratische ist; wenn Sie etwas oder doch nur so viel von der Rechtsphilosophie verstünden, daß Sie wüßten, daß die socialistischen und communistischen Theo­rien der Neuzeit weiter nichts sind, als Consequenzen aus dem Materialismus und Pantheismus und mit beiden zusammenlaufen; und wenn Sie auch nur die erhaschten Grundbegriffe von der Glaubens- und Sit- tculehre der katholischen Kirche besäßen: so würden Sie, geehrter Herr! dessen bin ich fest überzeugt, kein so lächerlich dummes Zeug schreiben können. Nach dcm Stand Ihres politischen Wissens will ich es Ihnen übrigens nicht hoch annehmen, daß Sie den crassen Communisten Cabet für einen Socialisten ausgegeben haben.

So viel ist aber gewiß, verehrter Herr, daß Sie nach allem Dem, was Sie in der Mittelrheinischen Zei­tung von sich gegeben haben, kein Kirchenlicht, noch weniger aber eine Staatsleuchte sind, also keinerlei Be­ruf hatten, sich mit Ihren Vor- und Rathschlägen in unsere Nassauische Verhältnisse, von denen Sie überbieg gar nichts verstehen, zu mischen; bleiben Sie damit künftighin zu Hause und suchen Sie dort Ihre Weis­heit an den Mann zu bringen! Wenn Sie aber von mir einen wohlwollenden Rath annehmen wollten; so bestände der darin: selbst in Ihrer Heimath Ihr Licht unter den Scheffel zu steilem Es wäre wahrlich gut für Sie und Ihr süddeutsches Vaterland, wenn Sie das thäten!

Die LoUfrage.

Sollte Preußen (schreibt man derBvtzffchen Zei­tung" aus Wien) mit den Coalirten sich nicht einigen können, so dürfte die Fortsetzung der Verhandlun­gen in Frankfurt, nicht hier, geschehen; denn der Kaiserstaat betrachtet die endliche Einigung in der han­delspolitischen Frage als die Spitze seiner gesammten Staatsthätigkeit und wird unfruchtbaren Einzelcongressen nicht das Wort reden.

Ueber die, Verhandlungen der Coalitionsminister er­fährt dieNat.-Ztg." Folgendes: Hr. v. d. Pford- ten verharrte, in Gemeinschaft mit den beiden Hessen und Nassau, in seiner particulären Stellung. Hr. V. Beust legte einen Vermittlungsvorschlag vor, der da­hin ging, den Septembervertrag anzunehmen, aber un­ter allen Umständen denselben auf kürzere Zeit als 12 Jahre zu ratificiren. Von der Gleichzeitigkeit der Un­terhandlungen mit Oesterreich stand dieser Vorschlag gleichfalls ab. Die Erklärungen von Baden und Würt­temberg sollen nicht bezweifeln lasten, daß dieselben dem Zollvereine treu bleiben werden. (Was heißt das eigent­lich? daran hat Niemand gezweifelt, daß diese beiden Staaten, gleich den übrigen Coalitionsstaaten, den Zoll­verein erhalten wollen.)

Ein Korrespondent derFrankfurter Post-Zeitungs schreibt derselben aus Hannover vom 23. Sept.: Die hiesigen oppositionellen Blätter beanstandeten im Interesse ihrer Polemik den officiellen Charakter der Hannoverschen Zeitung". Jetzt laufen Aeußerungen und angeblich aus guter Quelle stammende Versicherun­gen durch preußische und den preußischen Interessen hingegebene Blätter, welche die Haltung des Regie- rnngsorgans lediglich auf die individuelle Ansicht und Tendenz des Dr. Jürgens zurückzuführen suchen. Glau­ben Sie getrost von dem Allen kein Wort. Es gibt sich darin lediglich der Eindruck, den die Haltung Han­novers macht, und das Bestreben zu erkennen, wenig­stens glauben zu machen, daß dieselbe eine andere sei, als sic wirklich ist. In den höchsten Kreisen Berlins weiß man sehr genau, wie es damit steht, wenn schon man den hiesigen Korrespondenten der Adlerzcitung in einem anderen Sinne schreiben läßt. Als das jetzige Ministerium eintrat, wollte es, daß die Zeitung genau seine Bahn innehalte und namentlich nichts bringe, was seiner Ansicht entgegen wäre, und das thut sie auch in Wahrheit nicht. Dr. Jürgens nahm seinen Abschied, weil er sich daraus nicht einlassen wollte. Die Ansich­ten der Regierung in der Zollsache betreffend, kann ich sagen, daß sie eben ganz genau diejenigen sind, welche in der Zeitung ihren Ausdruck finden. Die Haupt­punkte darin sind die: man steht auf Seite Preußens, sofern dieses sich dawider wehrt, daß die Zolleinigung