Nassauische Allgemeine Zeitung.
E AAS'. Sonntag dm 26. September 1853.
Bestellungen auf das vierte Quartal der „Nassauischen Allgemeinen Zeitung" werden baldigst erbeten.
Die ,,Naffamsff>e Slilqemeine Zeitung" mit dem belletristischen Beiblatt „Der Wanderer" erscheint, Sonntags ausgenommen, täglich und beträgt der PlänumerationSpreiS für Wiesbaden und , nach dem neuen Postregulati» nunmehr auch ir den ganzen Umfang des Ddurn- und Taris'schen PerwaUungSbezirkS Mit Inbegriff des Postausschlags 2 ff„ für die übrigen Länder des deutschebsierreichischen PostoereinS, wie für das Ausland 2 ff. 24 Ir. — Inserate werden die Sierspaltigi Petitseile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. — Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgasse 12, auswärts bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.
Amtlicher Theil.
D i e u st n a ch r i ch te n.
Lehrer Staat in Ewighausen ist zum Lehrer in Niederbrecheu, Lehrvicar Kcxel zu Molsberg zum Lehrer in Ewighausen ernannt, der provisorisch Lehr- gehülfe Pauly zu Winkel in gleicher Eigenschaft an die Lehrvicarstelle zu Molsberg versetzt, Lehrvicar Wöllstadt zu Friedrichsthal zum Lehrgchnlfen in Winkel ernannt, der provisorische Lehrgehülfe Schütz zu Sindlingen an die Lehrvicarstelle zu Friedrichsthal provisorisch dirigirt, Lehrvicar Ruppel zu Eschelbach zum Lehrgehülfen in Sindlingen ernannt und dem Schulcandidaten Steinbach zu Kablbach die Lehr- vicarstelle in Eschelbach provisorisch übertragen worden.
Lehrvicar G a r ck zu Mittelhofen ist zum Lehrer in Limburg ernannt und an die Lehrvicarstelle zu Mittelhofen der Schulcandidat Staudt zu Dorndorf provisorisch dirigirt worden.
Todesfälle.
Lehrer Gläsner zu Alsbach ist am 24. August, Lehrer Sängen zu Niederbrecheu am 30. Juli und Lehrer Kexel zu Limburg am 4. Sept, mit Tod abgegangen.
Nichtamtlicher Theil.
An das veeehrtiche Mitglied des öiifltw- Adolph-Vereins in der Mittelrheinischen
Leitung vom 18' September Ar 223.
Geehrtester Herr! Ihre Entgegnung vom 14. l. M. in Nr. 223 der „Mittelrheinischen Zeitung" auf meinen Artikel vom 11. d. M. in der Nummer 214 dieses Blattes enthält in der That so vielen unverdaulichen Stoff, daß ich ein Brochürchen schreiben müßte, wenn ich denselben analysiren und die darin enthaltenen Entstellungen, Verdrehungen, die Unwissenheit und Perfidie alle zn Tage legen wollte.
Und wenn ich mir nun auch wirklich die Mühe nehmen und dies sauere Stückchen Arbeit verrichten wollte, was hätte ich gethan? Glauben Sie mir es, mein Lieder, ich würde nur leeres Stroh gedroschen haben! Das muthen Sie aber wohl Niemanden zu, nicht wahr mein Bester? Damit Sie aber nicht auf den Gedanken kommen können, ich wolle mich durch gänzliches Stillschweigen einer Unhöflichkeit gegen Sie schuldig machen, so will ich Ihnen mit ein paar Worten dienen.
Sie sagen, Sie seien aus Süddeutschland. Ich will es Ihnen auf's Wort glauben und nicht unterstellen, daß Sie uns näher wohnen, denn das macht ja im Ganzen nichts aus.
Sie identificiren mich mit der „Nassauischen Allgemeinen Zeitung". Damit thuen Sie aber solcher Unrecht, wir Beide sind öfters verschiedener Ansicht in der Politik und ich nehme nicht selten zu andern Blättern meine Zuflucht, wenn die Nassauische Allgemeine mir Schwierigkeiten macht. Was mich, lieber Süddeutscher! betrifft, so mache ich mich von keiner Zeitungsrichtung abhängig. Ebensowenig unterwerfe ich mich irgend einer politischen oder religiösen Partei. Ich gehe so ziemlich meinen eigenen Weg und bleibe da weg, wo es mir nicht gefällt.
Hinsichtlich meiner religiösen Richtung scheinen Sie auch auf falscher Fährte zu sein.
Ich kann Sie versichern, ich bin in der Religion so weitgehend tolerant, daß ich jedes Glaubeusbekennt- niß gleichmäßig achte und jcde Unduldsamkeit und jeden Zelotismus mit einem so entschiedenen Abscheu hasse, daß ich noch weniger Gnade vor Ihren Augen finden würde, wenn Sie mich persönlich kennten, als jetzt, wo Sie in mir einen Affiliirten wittern. Ich weiß es, bester Herr! ans vielfacher Erfahrung, daß Leute meines Schlages eingefleischten Zionswächtern, wie Sie offenbar einer sind, ein weit ärgerer Gräuel sind, als der durchtriebenste Jesuit. Doch, wie komme ich denn eigentlich dazu, so lange von mir zn sprechen? Das ist ja ganz unbescheiden, können Sie sagen, mein Guter, und alsdann haben Sie ganz recht.
Man hat Sie aber vollkommen getäuscht, besterSüd- deutscher! wenn man Ihnen gesagt hat, imHerzogthum Nassau existire eine „katholische Kriegspartei" Ich versichere Sie wiederholt, daß man in unseren ganzen Lande von einer solchen Partei nichts weiß und auch noch Nichts gewußt hat. Sie spuckt nur in dem Hirne eines
bekannten Wiesbadener Fanatikers und einiger wenigen seiner Anhänger, die seit Kurzem die Erstlinge ihrer Politik zu Markt bringen und in unserem Lande aber so wenig Abnehmer finden werden, als es Ihnen gelingen wird, durch Zelotismus den religiösen Frieben darin zu trüben oder ganz zu stören. Nur bei diesen paar Leuten mögen Sie' sich denn auch dafür bedanken, daß man Ihnen Etwas aufgeßunden hat, in Folge dessen Sie, sich stark genug fühlend, den religiösen Don Quixote spielten und gleich diesem ehrsamen und tapferen Ritter gegen Windmühlen fochten.
Sie sagen nun weiter: die im Herzogthum Nassau existirende „ katholische Kriegspartei" habe die Maske abgeworfen, als sie die Gestattung der Jesuiten-Missio- neu durchzusetzen gewußt habe. Sie sind auch darin wieder arg belogen worden. Die kompetente kirchliche Behörde hat die Mission nach Wiesbaden (diese ist doch wohl nur allein gemeint, nicht wahr mein Bester?) auf den Antrag des dortigen katholischen Herrn Decans angeordnet, und das ohne alle Concur- renz der Herzoglichen Regierung. Nur wurde die be- absichtigte Mission, was ganz in der Ordnung war, der Regierung seiner Zeit zur KenUlnißnahme gebracht. Sie, guter Süddeutscher! rechnen es unserer Nassauischen Regierung als einen politischen Fehler an, daß sie die Jesuiten-Mission gestattet habe. Sie haben aber so eben gehört, daß nicht die Nass. Regierung die Mission gestattet, sondern die zuständige geistliche Behörde solche angeordnet hat. Wenn unsere Regierung daher einen politischen Fehler — um mich in Ihrer Weise auszudrücken — begangen hätte, so könnte solcher nur darin bestanden haben, daß sie die von der geistlichen Behörde angeordnete Mission nicht verboten hatte. Zu einem Verbote lag aber keinerlei Grund vor und die Herz. Regierung hätte deßhalb ein solches nur alsdann erlassen können, wenn sie die Freiheit und die Selbstständigkeck der katholischen Kirche in Ausübung ihres Cultus mit Füßen hätte treten wollen. Was würden sie dazu gesagt haben, mein theuerer Süddeutscher ! wenn unsere Regierung das Tagen des Gustav- Adolph - Vereins in Wiesbaden verboten hätte? Hat dieser Verein etwa eine größere Berechtigung im Herzogthum Nassau als eine von dem Herrn Bischof zu Limburg angeordnete Mission? Antworten Sie darauf!
Die Anordnung von kirchlichen Missionen, die Leitung religiöser Vereine und dergleichen hängt lediglich von der freien Selbstbestimmung der Kirche ab, und der kirchlichen Behörde steht die nächste Aufsicht und Controle darüber zu. Der Staat ist christlich, aber nicht confessionell. Deßhalb muß er es auch den Kirchen der verschiedenen christlichen Con- fessiouen überlassen, ihre Gegensätze auszubilden und selbst dogmatischen Streit zu führen.
Kraft seines A u f s i ch t s re ch t e s hat aber der Staat das Recht und die Pflicht, darüber zu wachen, daß dabei die eine Confession die andere nicht verletzt und beschimpft, und wenn und wo dieß geschehen sollte, mit seinen Strafgesetzen schützend einzuschreiten. Ich vindi- cire dem Staate auch das Recht und halte es für dessen Pflicht, religiöse Vereinigungen, kirchliche Missionen u. dgl. zu beschränken und sogar zn verbieten, wenn die Anwendung der Strafgesetze nicht für ausreichend befunden werden sollte, die öffentliche Ordnung und den religiösen Frieden gegen jene aufrecht zu erhalten. (Sie werden als Süddeutscher wohl wissen, daß die baierischen Bischöfe hiergegen heftig protestiren.) Als die Mission nach Wiesbaden angeordnet wurde, lag auch nicht ein einziger Fall vor, der die Nass. Regierung hätte berechtigen oder verpflichten können, solche zu verbieten. Darin, daß unsere Negierung sie nicht verboten, hat sie also nicht nur politisch weise, sondern auch ganz gerecht gehandelt.
Sollten Sie aber, geehrter Herr! meinen, daß eine jede Jesuitenmission dem bestehenden Staats- und Kirchenrecht zum Trotze von vorn herein verboten werden müßte, weil dadurch die protestantische Kirche Gefahr- laufe; so muß ich Ihnen ungesäumt erwidern, daß ich von dem Protestantismus eine viel bessere Meinung Habe, als Sie, der Sie ihn so gut zu vertheidigen glauben. Ich würde Ihnen diese meine Meinung kurz auseinander setzen, hätten mich nicht das Ergebniß der Abstimmung über diese Frage auf dem Bremer Kirchentage vom 15. l. M. und die Vorträge der Herren i Hengstenberg und Stahl darüber dessen überhoben. Sie werden wohl gelesen haben, daß Hengstenberg seine Ueberzeugung dahin begründete: „daß das beste und
wirksamste Mittel gegen die katholischen und namentlich die Jesuitenmissionen in der Stärkung und Kräftigung des eigenen Leibes des protestantischen Kirche zu suchen sei," Sie werden gelesen haben, daß Stahl die Ansicht Hengstenbergs getheilt und auf diesem Kirchentage die nämliche Ansicht ausgesprochen hat, die von mir in Nr. 215 diases Blattes vom 12. L M. bereits vertheidigt wurde. Jene zwei in den Wissenschaften ausgezeichnete Männer werden Sie doch wohl auch als gute Protestanten passiren lassen. Was deren Kenntnisse erlangt, so wäre es ein wahres Glück für Sie, wenn Sie eine Zeit zu solchen, namentlich zu Stahl in die Schule gehen könnten. (Schluß folgt«)
Die LoUfrage.
Die „Dosflsche Zeitung" läßt sich ans Wien berichten: „So wie auf telegraphischem Wege, nach Wien gemeldet worden, ist der Verlauf des Münchener Zoll« congresses ein durchaus einmüthiger im Sinne des Programmes der Siebener-Coalition. Es wird eine Collectivnote an Preußen erlassen werden, von durchaus entschiedenem aber versöhnlichem Charakter. Zugleich sind die Präliminarien eines gemeinsamen Zusammengehens für den Fall aufgenommen worden, daß Preußen auf die neuen Vorschläge der Coalition nicht ein- geht. Die zuwartende Stellung der österreichischen Regierung dürfte dem Vernehmen nach schon mit Ende d. M. sich ändern."
Die „Zeit" enthält heute einen sehr scharfen Leit- Artikel gegen die Kreuzzeitung und deren „absichtlich" falschen Zusatz zu der preußischen Erklärung vom 17. d«, daß Preußen die Verhandlungen mit der Coalition abgebrochen habe, was durchaus nicht die Absicht der Regierung gewesen sei, sondern dieselbe hat nach wie vor die Hoffnung auf eine Ausgleichung mit der Coalition noch nicht aufgegeben. Der Kreuzzeitung wird vorge- worfen, daß sie absichtlich den Zollverein sprengen will, die Industrie vernichten, um den Feudalismus in seiner alten Form herzustellcn. Schließlich wird sie sogar mit Administrarivmaßregeln ernstlich bedroht.
In einem Artikel über die handelspolitische Frage verwahrt die „Hannoverische Zeitung" vom 22. d. M. ihre Regierung vor dem Vorw.irfe einer zweideutigen Haltung und präcisirt die Stellung derselben in folgendem Satze: Hannover will nicht, daß der Septembervertrag zu Resultaten führe, die beim Abschluß desselben nicht beabsichtigt worden sind, mögen sie in einem Souderbunde, den es nicht wünschen, oder in einer sofortigen Zolleinigung mit Oesterreich bestehen, worauf es sich nicht einlassen kann.
Die „Kölner Zeitung" will von einem neuen Vermittlungsgedanken wissen, der zwischen den Herren v. Scheel und v. Beust zur Sprache gekommen und von ihnen ergriffen sein soll. Es würde, wie man glaupt, derselbe darauf hinauskommen, daß Preußen und Hannover sich mit der Wiederherstellung des Zollvereins auf eine kürzere Dauer als die von zwölf Jahren begnügen, und daß Oesterreich und die Coalition sich damit zufrieden stellen, von Seiten Preußens eine feste Zusicherung auf Herstellung des Handelsvertrags mit Oesterreich zu empfangen, ohne daß sie auf der „Gleichzeitigkeit" der Verhand- lungen und des Abschlusses eines Handelsvertrags mit der Erneuerung des Zollverbandes weiter bestanden. Wenn Hannover für diesen Vermittlungsvorschlag stimmt, so wird auch Preußen sich denselben vielleicht willig gefallen lassen könnnen; das Erste für Preußen ist, daß am Septembervertrage nicht gerüttelt werde.
Ein anderer Corresp. desselben Blattes sagt: In München haben die Verbündeten nach hier eingegangenen Nachrichten noch kein Resultat erreicht, und die Aussicht auf die Möglichkeit einer Verständigung scheint dadurch zu wachsen, daß Sachsen, in Erwägung der Gefahren einer Sprengung des Zollvereins, sich bereit erklärte, auf seine Forderung der gleichzeitigen Verhandlungen mit Oesterreich zu verzichten, jedoch unter der Bedingung einer ZoUcinigung mit Oesterreich im Jahre 1859. Dagegen hat sich Baden erklärt, welches die zwölfjährige Dauer des Zollvereins aufrecht halten will. Auch Württemberg soll sich den Anträgen Preußens geneigt gezeigt i haben. Die Ausgleichung der Differenzen und die glückliche Lösung der Angelegenheit soll nur an dem entschiedenen Widerstande Bayerns und seines Nachtreters Kurhessen scheitern.