Nassauische Allgemeine Zeitung.
â SS«.
Mittwoch len 22. September
7^9.
Bestellungen auf das vierte Quartal der „Raffaursche« Allgemeinen Zeitung" werden baldigst erbeten.
Sie „Sktff«is»r yUgirmtfnf Zeitung" mit dem beüetristiscl-en Beiblatt „Der Wanderer" erfdteint, SonntaqS ausgenomnien, tägfidi und beträgt der PränuulerationSpreis für Wiesbaden und, nach dem neuen Postregulativ nunmehr auch für den ganzen Umfang des rturn- und lanS’fiirn PerwaltunqSbeziikS mit Inbegriff de« Postaufschlags 2 ft., fit die übrigen bänder des deutsch-österreichischen PostoereinS, wie für das Ausland 2 fl. 24 fr. — Inserate werden die vierspaltige Petitseile oder deren Raunt mit 3 fr. berechnet. — Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Fr ikdri ch, banggaffk 42, auSwärtS bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.
■n».»»i.»ima«jmmmM»-am.u«MjMiimM^M«MmiMM»m»i«Hiii«M8mcrTOMi™wMMmm.-r!rjg-CT-~»mrg-2\^^ .. r^- -.- ^— ::-~7r:rtT^r~rw- jn”»K^L?y;amsnmzjKj.mrmiu^»w<a^ji»j....i .^. ----
Amtlicher Theil.
D i e n 6 rr a ch r i ch t e rr.
Seine Hoheit der Herzog haben den Baurath Faber zum Oberbaurath und den AccWficn O l- feniuS M Secretär bei der MmisteM-Abtheilung der Finanzen zu ernennen geruht.
Höchstdieselben haben den Negierungsrath Dr. Sec- bo de auf fein' Ansuchen von den Functionen bei der philologischen Prüflings Commission zu entbinden und den Nefereuten der Mimsterial-Abtheilung des Innern in Schulsachen, Professor Schmitt zum Dirigenten dieser Prüfungs-Commission zu ernennen geruht.
Seine Hoheit der Herzog haben dem Me- dicinal Assistenten Dr. Bertrand zu Oestrich die nachgesuchte Erlaubniß den von Seiner Majestät dem Kaiser von Rußland ihm verliehenen St. Stanislausorden 3. Classe annehmcn und tragen zu dürfen, ertheilt.
Hochdicsclbcn haben den von Seiten Seiner Durchlaucht des Fürsten zu Wied erfolgten Präsentation des Pfarrvicars Mügge zu Freirachdorf zum Pfarrer daselbst die Bestätigung zu ertheilen geruht.
Seine Hoheit der Herzog haben dem Decan Hart m a n n zu Rennerod, in Anerkennung seiner langen und treu geleisteten Dienste, die goldene Verdienstmedaille gnädigst zu verleihen und den Caplan Müller zu Drenasienheim zum Pfarrer in Werschau zu ernen- ueu geruht.
Aichtamtlicher Theil.
Die Lollfrage.
* Der am 16. unter den Bevollmächtigten in München stattgehabten Berathung folgte heute die förmliche Eröffnung der Conferenz, die, so glaubt man, einige Tage dauern werde. Da die zu fassenden Beschlüsse dann noch der Ratification der betreffenden Regierungen bedürfen, so dürfte deren Angabe im Zollcongresse zu Berlin kaum vor den letzten Tagen dieses Monats zu erwarten sein. Der F. P.-Z. wird darüber von dort geschrieben: Ohne mir anzumaßen, in die Geheimnisse der hier stattfi denden Conferenz eingeweiht zu sein, glaube ich Ihnen doch mittheilen zu müssen, daß nach verschiedenen Anzeichen zu schließen, die Darmstädter Verbündeten von der beanspruchten Gleichzeitigkeit der Verhandlungen über Reconstituirung des Zollvereines und über einen Zoll- und Handelsvertrag mit Oesterreich, nicht ab gehen werden. Es wird dies von sonst immer gutunterrichteten Personen mit solcher Bestimmtheit gemeldet und wird dies auch gerade heute wieder von der „Neuen Münchener Zeitung" in der bestimmtesten Weise erwähnt, daß kaum daran zu zweifeln seyn dürfte. —• Ferner heißt cs in den „Neuesten Nachrichten": Unter den hier anwesenden Abgeordneten der Coalitionsstaaten herrscht entschiedene Einigkeit und eö dürfte die zu Stande zu bringende schließliche Erklärung jener der preußischen Regierung vom 30. Aug. nicht günstig seyn. Wenn bisher mehrfach behauptet wurde, daß König Max in der Zollvereinsangelegenheit nicht in allen Punkten mit Herrn v. d. Psordten übereinstimme, so vernimmt man jetzt, daß jedenfalls zur Zeit eine völlige Uebereinstimmung zwischen dem Monarchen und seinem Ministerpräsidenten herrsche.
Wie der F. P.-Z. geschrieben wird, hat auch am 18. Vormittag wieder eine Sitzung der Zollconferenz stattgefunden. Allem Anschein nach wird die Conferenz nicht bloß eine Antwort auf die Erklärung der preußischen Regierung vom 30. August berathen, sondern sich auch mit'weiteren Maßnahmen beschäftigen, namentlich mit solchen, die einzuschlagen sind, wenn eine Auslösung des Berliner Zollcongresses erfolgen sollte. Heute wurden die Herren Conferennnitglieder von Sr. Mäj. dem König Ludwig empfangen und von demselben zur Tafel gezogen.
Die „N, M. Z." enthält in ihrer Beilage einen Artikel, der auf den Inhalt der in München zu erwartenden Coalition auf die preußische Erklärung vom 30. v. M. schließen läßt. Derselbe lautet: „Das thatsächliche Entgegenkommen der Darmstädter Verbündeten, beurkundet durch ihre Erklärung vom 21. August, hat von Seite Preußens nicht die gleiche thatsächliche Erwiderung gefunden. Wir bleiben bei dieser Ansicht stehen. Denn wie versöhnlich auch die Form der preussischen Antwort vom 30. August gehalten sein mag, ein
thatsächliches Entgegenkommen, geschweige Nachgeben, ist darin in keiner' Weise zu finden. — Wir wollen von der abermaligen Aufstellung eines Präjudizes gar nicht sprechen, uns lediglich an die übrigen Hauptsachen halten. — Preußen erklärt sich zwar bereit zur Einleitung von Unterhandlungen mit Oesterreich über einen Zoll- und Handelsvertrag auf Crundlage der Wiener Entwürfe; aber cs will zugleich von vornherein aus diesen Wiener Entwürfen nicht nur Alles beseitigt wissen, was auf die künftige Zoll- und Händelseinigung Bezug hat, obgleich es selbst diese als stets im Auge zu behaltendes Ziel bezeichnet, sondern cs will auch Alles daraus beseitigt wissen, wodurch ein solcher Vertrag überhaupt erst einen Werth erhalten könnte; es will bloß einen Handelsvertrag, wie man ihn mit jedem fremden Staate, mit der Türkei zum Beispiel abschließen könnte! nicht einen Zoll- und Handelsvertrag, wie er sich mit einem deutschen Bundesbruder geziemt; nicht einen Vertrag, der die Verwirklichung der großen allgemeinen deutschen Zoll- und Handelseinigung im Sinne des Art. 19 der deutschen Bundesakte anbahute; schon dazu könnten die Darmstädter Verbündeten nun und nimmermehr ihre Zustimmung geben. — Aber Preußen gibt ferner nicht einmal die geringste Garantie für das wirkliche Zustandekommen eines solchen Zoll- und Handelsvertrages mit Oesterreich: denn cs erklärt sich ja nur mit der Einleitung von Unterhandlungen einverstanden, womit nicht die geringste Verbindlichkeit für einen wirklich darauf folgenden Abschluß derselben übernommen ist; damit können die Darmstädter Verbündeten offenbar eben so wenig sich begnügen. Und auf solche ungewisse, vage, daher durchaus ungenügende Grilndlagen hin, die Preussen bietet, verlangt es wiederholt, daß die Unterhandlungen mit Oesterreich erst „nach Abschluß der Verträge über Erneuerung und Erweiterung des Zollvereins" beginnen sollen. Die Darmstädter Verbündeten sollen sich also von vornherein und noch dazu sogleich auf den langen Zeitraum von 12 Jahren hinaus, nach der einen Seite die Hände binden, die Freiheit ihres Handelns sich selbst entziehen, um nach der andern Seite hin ein- gegangeucu Verpflichtungen, denen Gegenverpflichtungen gegenüberstehen, ungetreu zu werden, und damit alle Vortheile, die von Oesterreich ihnen geboten werden, sowie überhaupt alle Vortheile ihrer Stellung zu verlieren und preiszugeben. Daß die Darmstädter Ver-' bündeten solches weder mit ihrer Ehre und Selbstständigkeit, noch mit den Interessen ihrer Völker, noch mit denen von Gesammtdeutschland überhaupt verträglich erachten können, darüber kann im Mindesten nicht ein Zweifel obwalten, und sie werden vielmehr unter allen Umständen auf der Gleichzeitigkeit der Verhandlungen mit Oesterreich, mit jenen über Erneuerung und Erweiterung des Zollvereins, und auf Gleichzeitigkeit des Abschlusses beider Verträge bestehen müssen. — Wir glauben nicht zu irren, wenn wir unsere Meinung dahin aussprechen, daß in diesem Sinne auch die collective Antwort der Darmstädter Verbündeten auf die preussische Erklärung vom 30. August ausfallen dürfte. Von der Ausnahme, welche ihre jetzt zu ertheilende Antwort in Berlin finden wird, wird es wohl abhängen, ob dieses Wort ihr letztes ist. — Unter allen Umständen wird ihnen das Zeugniß nicht versagt werden können, so viel an ihnen war, versöhnlichen Geist und Geneigtheit zur Verständigung bethätigt zu haben; aber Alles hat seine Gränzen, und an diesen angelangt, gebietet die Pflicht, inne zu halten, ohne darüber hinauszugehen.
Ein Leipziger Korrespondent der „Kölner Zeitung" will etwas Positives über die augenblickliche Stellung der sächsischen Regierung in der Zollvereinsfrage berichten können. Sie schreibt: Zunächst bestätigt sich, daß über das Fallenlassen des Zolleinigungsplanes (B) die sämmtlichen coalistrten Regierungen einig sind. Auch gegen die Ausscheidung der auf diesen sich beziehenden Punkte des Planes A, wie Preußen solche vernommen, will man, wie sich das hiernach von selbst versteht, keine Opposition erheben. Dagegen besteht Bayern hartnäckig darauf, daß Preußen zuvor über den letzteren Plan sich erkläre und einen förmlichen Vertrag mit Oesterreich abschließen solle, ehe der Concours der Zollvereinöver- träge erfolge. Sachsen dagegen versucht eine vermittelnde Stellung in so fern einzunehmeu, als es, von dieser streng formellen Forderung abgehend, sich schon damit begnügen würde, wenn Preußen nur in vertraulicher Weise in Verhandlungen über den Plan A ein= träte und diejenigen Punkte bezeichnete, gegen welche es noch Bedenken trage, und so eine Handhabe zur
Beseitigung dieser Bedenken und zur Herbeiführung einer materiellen Verständigung über den beregten Plan böte. Unter dieser Voraussetzung solle die' Coalition ihrerseits sich zur Erneuerung der Zollvereinsverträge verpflichten.
Bezeichnend ist, daß die officiösen Berliner Organe die Erklärung Preußens vom 17. noch mit keiner Sylbe erwähnt haben. Die „Zeil" hat nur das Abhalten der Sitzung gemeldet.
Deutschland.
* Wiesbaden, 21. Sept. Heute wird die zweite allgemeine Sitzung der Versammlung deutscher Aerzte und Naturforscher gehalten. Auf der Tagesordnung steht der (in der vorigen Sitzungwegen Unwohlseins nicht gehalten.) Vortrag des Prof« Heidingeraus Wien über die k. k. österreichische geologische Reichsanstalt.
Herrn Professors Nees von Esenbeck, Gruß der leopoldinisch-carolinischen Academie an die Versammlung
Die Vorträge des Herrn Obermedicinalraths Dr. Jäger aus Stuttgart, die geschichtlichen Momente des Ursprungs und Fortgangs der leopoldinisch-carolinischen Academie und des Herrn Dr. Posner, Redacteurs der Medicinischen Centralzeitung, über die Stellung der Medicin zur Lösung der socialen Frage — endlich Wahl des Ortes des nächsten Zusammenkunft durch absolute Mehrheit der stimmfähigen Mitglieder.
Die Gesammtzahl der bis jetzt angemeldeten Mitglieder und Theilnehmer beträgt 689.
Höchst, 20. Sept. Gestern Abend entstand in der hiesigen Altstadt ein Braud, welcher ein Seitengebäude und einen Stall verzehrte.
Das gestrige Feuer hat dieselben unglücklichen Leute heimgesucht, welche bei dem vorgedachten Brande, int Hause des Kaufmanns Lina, schon einen großen Theil ihrer Habe. verloren hatten.
* Mainz, 18. Sept. Die hier anwesenden Ge- schichts- und AlterthumSforscher verbrachten den gestrigen Tag in vielseitiger Thätigkeit. Vormittags von 9 bis 10 Uhr war ihr engerer Ausschuß zu einer näheren , Besprechung mit der zur Erwägung des in Dresden beschlossenen Entwurfs der Satzungen des Ccnträlver- eins der deutschen Geschichts- und Alterthumsvereine ernannten Redactionscommission, im ehemaligen kurfürstlichen Schlosse versammelt- Von halb 10 bis 12 Uhr folgten ebendaselbst die Arbeiten der verschiedenen Sec- tionen und nach denselben eine öffentliche Sitzung im Akademiesaale, in welcher die oben angedeuteten Satzungen allseitig erörtert und einstimmig angenommen wurden. Um halb 2 Uhr war Mittagstafel im holländischen Hof, von 3 bis halb 5 Uhr abermals Sitzung der vereinigten Sectionen im Akademiesaale.
Nach Mittheilung der Tagesordnung und der Anzeige einer von Herrn Dr. Malten aus Frankfurt überreichten Abhandlung über die wirkliche Richtung der römischen Wasserleitung bei Mainz, erhielt Herr Graf N o b i a n o aus Brüssel das Wort, um in einem Vortrage die deutschen Geschichts- und Alterthumsforscher auf ein großes, die wichtigsten Urkunden und Concor- date enthaltendes Cartulaire der Domkirche zu Lüttich aufmerksam zu machen, welches Cartulaire wahrschein- vor der auch Belgien überfluthenden alten französischen Revolution geflüchtet worden sei, aber Niemand wisse wohin. Zwanzigjährige Nachforschungen hatten leider zu keinem Resultate geführt, und darum stelle der Redner an die Versammelten das Ersuchen, zur Auffindung jenes so kostbaren historischen Schatzes gefälligst mitwirken zu wollen, eine Bitte, die bereitwilligst gewährt wurde.
Noch stellte Herr v. Quast aus Berlin den Antrag, die Generalversammlung möge beschließen, daß man die deutschen Regierungen ersuche, den deutsch u Geschichts- und Alterthumsvereinen Portofreiheit zu gewähren, zumal dieses in Preußen theilweise bereits der Fall und, nach Aussage des Herrn Regierungsrathes Schulz aus Dresden, auch im Königreiche Sachsen den Alterthumsvereinen Portofreiheit gewährt sei. Dieser Antrag wurde allseitig unterstützt und zum Beschlusse erhoben, worauf die Versammlung sich um ein Uhr trennte.
Sehr interessante Erörterungen reiheten sich über das wirkliche Alter der St. Gotthartskapelle und des ältesten Theiles des Domes zu Mainz, über die hiesige heilige Geistkirche (jetzt Privateigenthum), die Sala zu Niederingelheim, die Wiederherstellung des Münsterportals zu Ulm rc., an denen vorzüglich die Herren Pro-