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Nassauische Allgemeine Zeitung.

â »/S. Donnerstag den 16. September ISS».

DieNassauische Allgemeine Zeitung" mit dem delletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntags ausgenommen, täglich mit beträgt der Pränumeratronspreis für Wiesbaden und, nach dem neuen Postregulaiiv nunmehr auch für den ganzen Umlang des £6um* und T-MS'schen UlerwaltungsbezirkS mit Inbegriff des Poslaufschlags 2 ft, für die übrigen Länder des deutsch-österreichischen PosloereinS, wie für daS Ausland 2 fl. 24 fr. Inserate werden die »ierspaltige Petit, gelte oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgasse 42, auswärts bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

13. Versammlung der deutschen Land- und Forstwirt He.

Bis zum Abend des 6. Sept. betrug die Anzahl der Mitglieder der V e rs a in m l u u g deutscher L a n d - und Forstwirthe 930, sodaß die dießjährige Ver­sammlung eine der am zahlreichsten besuchtesten ist. Heute früh wurde in dem Georgsgarten der Kaffee gemein- scimftlich eingenommen und dann von da nach Herren­hansen gegangen, um die daselbst in den königlichen Orangeuehäuiern ausgestellten Gerâthe, Maschinen, Pro- Luete und Fabricate zu besehen, resp, einer Prüfung zu unterwersen. Der Eingang in den königlichen Garten ist mit einer Pforte versehen, von deren hohem Bogen Flaggen in den Farben aller deutscher Länder herav- wehM. Die Ausstellung an land- und forftwirthschaft- lichen und Garteugeräthen und Maschinen, sowie an Producten und Fabricaten aus den Fächern der Land- und Forstwirthschaft, des Gartenbaus und der technischen Gewerbe ist eine so überaus reiche und reichhaltige, wie eine solche in Deutschland wohl noch nicht stattgefunden hat. Insbesondere gilt das von den landwirthschaftlichen Gerätheil und Maschinen, welcher Theil der Ausstellung seine Reichhaltigkeit namentlich dem hannoverschen Mi­nisterium des Innern, welches eine größere Anzahl der neuesten und belangreichsten Maschinen in England hat ankaufen lassen, dem englischen Maschinenbauer Garret, dessen Associe mit einer sehr reichen Answahl von Ma- ftbinen anwesend ist, und den Wäschiucnbauanstalten von Pfaff in Chemnitz und Weiße in Dresden und Prag zu verdanken ist. Wir gedenken nur der hervorragendsten Erscheinungen der Ausstellung. Außer einem ganzen Heer von Pflügen , Eggen und Walzen nehmen das Interesse besonders in Anspruch verschiedene Hand- und Göpeldreschmaschinen , Trainröhrenpressen, Schrot- und Häcksel-, Heuwende-, Getreidemähcmaschinen nach dem Garret'schen Princip construirt, eiserne Gestelle zu Ge­treide- und Heufeimen, Handgeräthe zum Drainiren, Kar­ren für flüssigen Dünger, Getreidesortir- und Reini- gungsmascbinen, Centrifugalbuttermaschinen, Kraftmesser, tragbare Jauchenpumpen, Haferquetschmaschinen, zwei transportable Dampfmaschinen von drei bis vier Pferde­kraft zum Betriebe von Dresch-, Schrot- und Häcksel­maschinen rc., von Pfaff in Chemnitz und Garret in London, Wagen zum Vcrvflanzen großer Waldbäume rc. Sehr reichhaltig ist auch die Wollausstellung, die Aus­stellung forstwirtbschaftlicher Geräthe und Forstpflanzeu nach den verschiedenen Culturmethoden , wohin auch die landwirthschaftlichen und Gartenbauproducte und Fabri- cate, namentlich an Seide, Flachs, Leinenfabricaten, Holzschnhen, Wachs, Käse, Pumpernickel (ein Brot von 71 Pfd. Gewicht), porösen Ziegeln, Mühlfabricaten, Bockbier, Liqucnrcn, Aepfelwein, Erdthccr, Torf, chcmi. scheu Producten, Mineralien, Feld- und Garten fruchten (ein Sortiment von 188 verschiedenen Kartoffeln), Obst, Blumen re. gehören. Viele der ausgestellten Maschinen wurden in Thätigkeit gesetzt, so namentlich die transpor­tablen Dampfmaschinen , welche vortrefflich arbeiteten, und die Garret'sche Mähemaschine, welche an einem Ha? ferfelde probirt wurde, ohne aber glänzende Resultate ihrer Wirksamkeit abzulegen.

In der allgemeinen Sitzung am 7teil kam die Frage zur Berathung :Steht der Ackerbau in Deutschland bereits auf einer solchen Stufe, daß die Auswanderung als eine Nothwendigkeit angesehen werden muß, oder erfolgt dieselbe aus andern Gründen ?" Die Mehrzahl der Redner stimmte darin überein, daß der Ackerbau in Deutschland noch keineswegs auf einer solchen Stufe stehe, daß derselbe die Nothwendigkeit zur Auswanderung hcrbeiführe; auch die Ucbervölkerung und die Ueberfül- lung der verschiedenen Berufszweige sei nur eine schein­bare. Die hauptsächlichste Ursache zur Auswanderung wäre der Wunsch, in den Besitz von Grund und Boden zu kommen; dieser Wunsch könne aber noch für viele Tausende rüstiger Hände in Erfüllung gebracht werden, denn noch gebe es überall im deutschen Vaterlande große Strecken bisher unbenutzten Bodens, der nur des Pflugs und der Hacke warte, um productiv zu werden. Und so könnten all die Tausende bleiben und Erwerb finden, wenn der Staat, wenn das Vaterland sich ihrer annâh- me, wenn sie selbst den festen Willen zeigten, dem Hei- mathlande ihre Kräfte als treue Bürger zu widmen. Man solle es sich nur nicht verbergen, daß man auf dem Punkte angelangt sei, die sociale Frage in das Bereich der Berathungen zu ziehen, jene Frage, deren Definition in allen Zeiten lauter werde: wie kommt man zur Auf­findung solcher Mittel, welche der menschlichen Gesell­schaft Institutionen geben, wodurch sowohl der Einzelne

als auch die Gesammtheit wahrhaft glücklich werden? Diese Mittel wären nun Ansiedelung, Gründung eines eigenen Hausstands mit Beihülfe des Staats und der Vereine. Der Staat solle in den ersten Jahren der Bewirthschaftung Abgaben- und Pächterlaß von Grund und Boden eintreten lassen; ferner solle der Staat selbst bisher öde gelegene Strecken cultivircn lassen, und zwar mit Hülse der Soldaten. Durch Colonisation int In­nern des Landes wurde ein großer Theil des hülflosen Proletariats verschwinden und zu wahren Bürgern des StaatS werden. Außer dem Staate könnten in angc- dcutcter Weise auch besondere Vereine wirken. Dort, wo noch keine Cultur hingedrungen fei, auf jene wüst liegenden, urbar zu machenden Landstrecken stehe mit großen Lettern die Antwort auf die Frage: ob der Acker­bau in Deutschland bereits auf einer solchen Stufe stehe, daß die Auswanderung als eine Nothwendigkeit ange­sehen werden muß. Durch Urbarmachung der wüsten Gründe, durch Colonisation im Innern würde bald neues Leben erstehen, wo bisher kein lebender Odem fühlbar geworden; neue Höfe und Dörfer würden zwi­schen wogenden Getreidefeldern und Gärten auftauchen, und wenn dann die Segnungen des Friedens alle Na­tionen vereinigten, wenn die staatlichen Einrichtungen dem Wohle der Gesammtheit entsprechend gemacht wür­den, wenn der Handel frei, die Gewerbe überall jedem Mßigeu, tüchtigen und geschickten Arbeiter zugänglich wären, wenn der Sittenlosigkeit durch kräftige Maßre­geln ein Ziel gesetzt, wenn der Erziehung der Jugend die erste Stelle in der sittlichen Cultur der Staaten an­gewiesen würde dann werde die sociale Frage ihre Lösung erhalten haben, dann daS Glück der menschlichen Gesellschaft erstrebt sein.

AeuLschkaud.

* Wiesbaden, 14. Sept. DieMittelfreie ZeE tung", deren demokratische Tendenz seit dem Siege des monarchischen Princips offen nicht mehr zu Tage treten konnte, fand in der ZjvIfraar, wie schon oft erwähnt, einen willkommenen Anlaß und die trefflichste Gelegen­heit, unter dem Vorwand der Besprechung der natio­nal-ökonomischen Interessen gegen die Regierung loszu­ziehen, Mißtrauen in die Zweckmäßigkeit ihrer Politik zu erwecken, Zweifel an der Aufrichtigkeit ihrer Sorge für das Wohl des Volkes zu erregen und dadurch Un­zufriedenheit gegen die Negierung hervorzurufen und nach Kräften zu nähren, in der Hoffnung, das Ansehen der Negierung zu schwächen, die Autorität derselben zu untergraben und die demokratischen Grundsätze wieder zur Geltung zu bringen. Sie griff zwar die Regierung nicht unmittelbar an, sie erlaubte sich aber gegen sie unter dem Sammelnamen der Eoalitionsstaaten die gröbsten Schmähungen und beschuldigte sie der Sonderpolitik. Sie war in dieser Beziehung so wenig wählerisch in ihren Ausdrücken, daß sie sich nicht entblödete, plumpe Witze desKladderadatsch" über die Eoalitionsstaaten zu adoptiren.

Wie weit, sich dieselbe der württcmbergischen Re­gierung gegenüber vergaß, ist bekannt. In ihrer Num­mer 218 liefert sie ein Seitenstück. Sie sagt:Man konnte von Anfang an, besonders aber seit dem beispiellosen Act der Darmstädtischen Kammerauflösung, nicht daran zweifeln, daß d y n astische viel mehr, als staatswirthschaftliche Gründe, das Auftreten der Koalitionsregierungen gegen Preußen bestimmen. Im­mer neue Beweise dafür liefern die Coalitions-Zeitun- gcn, welche diesen Standpunkt immer entschiedener ein- nehmen."

Aus der Wahrung der dynastischen Interessen wird Niemand, der sich das Wesen der Monarchie vergegen­wärtigt, der Regierung einen Vorwurf machen, wenn aber ein demokratisches Blatt diesen Vorwurf wagt, so weiß man auch, was man davon zu denken hat; er in- volvirt die Beschuldigung, daß die Interessen des Vol­kes darüber vernachlässigt werden zu Gunsten deö Re­genten, den die Demokratie so gerne seiner Hoheits­rechte entkleiden und zum obersten Beamten des Staa­tes, zum Vollmachtsträger des Volkes herabwürdigen möchte. Wenn noch ein Zweifel über die eigentliche Bedeutung des Vorwurfes obwalten könnte, so verschwin­det dieser bei dem Umstande, daß den dynastischen In­teressen von derMittelrh. Zeitung" diestaatswirth- schaftlichen" entgegengesetzt werden und daß die Be­hauptung ausgestellt wird, daß letztere unter der Wahrung der ersteren leiden müssen. Wir wollen über ein solches Treiben keine weiteren Betrachtungen anstellen, uns ge­nügt, von diesem neuen Beweise von Preßfrechhcit Act genommen zu haben.

Wir müssen auch von dem weiteren Umstande Act nehmen, daß dieMittelrh. Ztg.", die sich Anfangs als das Organ des Gupav-Adolph-Vereins gerirt, umfassende Berichte über denselben gebracht, Extrafeuilletonbeilagen ausgegeben, den umfangreichen Vorschlägen eines Mit­gliedes ihre Spalten geöffnet hat, auf einmal darüber ganz verstummt ist. Es läßt sich dieses nicht anders erklären, als daß die Mitglieder des Gustav-Adolph- Vereins eingesehen haben, wie unpassend es fei , ein Blatt wie dieMittelrh. Zeitung" zu ihrem Organ zu wählen, welch sonderbares Licht auf die Tendenz und die Ansichten des Vereines dadurch fallen müsse,' oder die Mittelrh. jZeitung hat die Richtung des Gustav- Adolph-Vereins zu reactionär gefunden und hat es für rathsam gehalten, mit diesem Verein zu brechen, um ihr demokratisches Lesepublicum nicht vor den Kopf zu stoßen. Vielleicht hat die kräftige Rede des Herrn Professor Schenkel gegen Rationalismus und Secti- rerei diese schnelle Umwandlung bewirkt.

Wir begrüßen diesen Umstand mit Freuden, er zeigt uns, daß der wahre Protestantismus, dessen Interessen und Ansichten wir jederzeit auf das bereitwilligste und kräftigste vertreten haben, sich endlich von dem hohlen Treiben der Rationalisten losgesagt und die Bundesge- nossenschafi der Demokratie, die ihm in so heuchlerischer Weise aufgedrungen werden wollte, so entschieden von sich gewiesen hat, oder daß die Mittelrheinische Zeitung endlich einmal mit ihren wahren Ansichten zu Tage tritt. Es ist stets eine erwünschte Sache, wenn die Verhält­nisse sich klären. Wenigstens wird die Mittelrheinische Zeitung es nicht mehr wagen dürfen, sich den Anschein eines evangelischen Kirchenblattes zu geben, und wird sie darauf beschränkt bleiben, wie früher, für die Verklä­rung des Deutschkatholicismus und Freigemeindlerthumö thätigst und so lange als möglich noch zu wirken und wieder gleichmäßig den Protestantismus wie den Katho­licismus bekämpfen.

8 Bad-Cms, 13. Sept. Nr. 46 der hier aus- gegebLuen Kurliften zählt 5131 Kurgäste; darunter 212 im Hospital Verpflegte. Wir können so ziemlich unsere Kur als geschlossen betrachten. Gestern hat auch der Spielpächter zum letzten Male das Roulett auf­gelegt. Die Weilburger Musik hat uns zur Hälfte schon verlassen, und der Rest wird diese Woche abziehen.

Dieser Tage verbreitete sich die bestimmte Nachricht von Coblenz hierher, daß die Eisenbahn durch das Lahnthal gebaut würde.

^ Weilburg, 10. Sept. Mit der gestrigen Aufführung des Musikvereins der hiesigen Gymnasiasten unter Leitung des Gesang- und Mustklehrers Herrn D r ö s im Weberschen Gartensaale haben die Festlich­keiten, deren das Gymnasium selbst in der schönen Jahreszeit mehrere geboten, für diesen Sommer ihr Ende erreicht. Die Pflichten der Dankbarkeit wie der Gerechtigkeit gebieten wenigstens eine kurze Erwähnung der Sache in Ihrem vielgelesenen Blatte. Es treten vor Allem die drei Festlichkeiten am hohen Geburtstage unsers verehrten Herzogs (24. Juli), die Erinnerungs- feicr für den am 22. Juli verstorbenen Prof. Menche und die gestrige Production des Musikvereins des Gym­nasiums als besonders beachtenswerth hervor. Denn sowol die Proben der Schüler in Gesang, Musik und Declamation als ganz besonders die zweckmäßige und geschmackvolle Wahl, die Anordnung und Ausführung aller Productionen an die beiden ersten Festen verdien­ten und erhielten den einstimmigen Beifall der Zuhörer. Neben den größeren Geist und Gemüth ansprechenden Vorträgen des Herrn Dircetors Metzler und den sin­nigen in gebundener Rede vorgetragen einleitenden Wor­ten des Herrn Oberschulraths Muth fand besonders auch ein Gedicht des Primaners Ernst, eine Ode an der Wiege unseres Erbprinzen, verdiente Anerkennung. Mehr aber noch als an jenen zwei Tagen treten die Leistungen des Musikvereins gestern Abend hervor. Sie waren, ich sage nicht zu viel, .glänzend. Sämmtliche mit größer Umsicht gewählten Piecen wurden so präcis und zart ausgeführt, daß der Dirigent des Vereins, Herr Drös, den allgemeinsten Dank für seine unermüd­lichen Bestrebungen erntete. Eine besondere Belobung verdient bei dieser Gelegenheit, sowie überhaupt, die sittliche, anständige Haltung der Gymnasiasten. Wir finden an unserm Gymnasium vollständig bestätigt, was sein Dircctor in die diesjährigen Landtagsprotokolle über den vor allen Dingen ins Auge zu fassenden reli­giös-sittlichen Geist einer öffentlichen Lehranstalt so richtig und schön niedergelegt hat. Allgemein spricht sich dahier der lebhafte Wunsch aus, mit welchem wir den nnsrigen verbinden, die Direktion des Gymnasiums