Nassauische Allgemeine Zeitung
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Dienstag dm 14. September
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Die „Nassauische Allgemeine Zeitung" mit dem belletristischen Beiblatt „Der Wanderer" erscheint, Sonntag- ausgenommen, täglich und beträgt der PrânumcrationspreiS für Wiesbaden und, nach dem neuen Postregulaiiv nunmehr auch für den ganzen Umfang deS Lburn- und Tar>s'schen PerwaltungSbezirkS Mit Inbegriff des Postausschlags 2 ft, für die übrigen Länder des dcutsch-bsterreichischen PostvereinS, wie für das Ausland 2 fl. 24 fr. — Inserate werden die vierspaltige Petit- teile oder deren Raum mit 3 Ic. berechnet. — Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgaffe 42, auswärts bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.
Amtlicher Theil.
Dienttnachrichten.
Dem provisorischen Lehrvicar Kilian zu Hettenhain ist die dasige Lehrvicarstclle definitiv übertragen worden.
Der provisorische Lehrvicar Koch zu Haiern ist definitiv zum Lehrvicar daselbst ernannt worden.
Nichtamtlicher Theil.
Die ZsUfrage.
* Die freibändlerische Hamburger Börsenhalle erinnert daran, daß der englische Economist den vor einem Jahre zwischen Preußen und Hannover abgeschlossenen Vertrag von Anfang an für Maculatur angesehen habe, und schreibt: „Wir können also im 'günstigsten Falle die jetzige Sachlage nur als dieselbe bezeichnen, welche schon im April bei Eröffnung der Conferenzen sich ergab. Zu unserem Bedauern hat die Zögerung, die Laugmuth, oder wenn man will, die Versöhnlichkeit der preußischen Regierung deren Lage nicht verbessert und sie einem principiellen Standpunkte (dem Freihandel), von dem allein wir uns einen schließlichen Erfolg versprechen können, näher gebracht. Die Erklärung Hannovers, deren Schwerpunkt in der Betonung der zwölfjährigen Dauer des Zollvereines, „welche zu verlassen die hannover'sche Regierung sich nicht in der Lage finden würde," liegt, läßt vielmehr erkennen, daß dasselbe nur ein bedingter Bundesgenosse ist und daß der Haupt- Differenzpunkt für Preußen — der Beitritt Oesterreichs — nicht auch ein Haupt-Disferenz- punkt für Hannover ist."
In ihrer Morgennummer vom 9. d. M. bespricht die amtliche „Hannover'sche Zeitung" einen Artikel der „Kölnischen Zeitung", worin sie geäußert hatte, Hannover sei durch den Septembervertrag rechrsgiltig gebunden, und könne ihn ohne Schaden an seiner Ehre nicht brechen. Die „Hannover'sche Zeitung" sagt: Darin hat die Kölnische ganz recht, nur daß sie ihrerseits etwas in Betracht kommendes vergißt, nämlich, daß man nicht auf der andern Seite den Septembervertrag wider den unfraglichen Sinn desselben als Vehikel zur Verengung und Trennung statt der Erwei- terung und Einigung und zur Erneuerung der unio- nistischen Pläne darf benutzen wollen, und daß man dies nicht thun kann, ohne seinerseits den Vertrag zu brechen. Preußen ist durch den Vertrag rechtsgiltig gebunden, die Erreichung des Vertragszwecks einer größeren Einigung zu erstreben und dabei nicht lediglich seine Machtstellung und sein Interesse, sondern auch das Interesse seiner Verbündeten vor Augen zu haben. Möglichste Nachgiebigkeit, thunlichstes Entgegenkommen, damit der Bruch verhütet werde, ist dabei nothwendige Bedingung. Die Anreizungen zu dem entgegengesetzten Verhalten waren und sind eben so viele Anreizungen zum Vertragsbruch auf preußischer Seite.
Unter Bezugnahme auf eine Harburger Correspon- denz der Hamburger Börsenhalle und des hiesigen Cor- respondenz-Bureau, welche gemeinschaftlich melden, daß Hannover gesonnen sei, schon mit dem 1. Januar 1853 den größten Theil des neuen Zolltarifs einzuführen und die Meldung des ersteren Blattes, daß zur selbigen Zeit der Harburger Freihafen aufgehoben werde, meldet die „K. Z.", daß, was den ersten Punkt anbetrifft, man ein solches Ansinnen Seitens der preußischen Regierung an Hannover gar nicht gestellt, in Hannover selbst aber nichts weniger als eine so auffällige Beschleunigung des höheren Tarifs beabsichtigt wird, besonders da die Verhältnisse noch so unsicher stehen; vielmehr liege es in der Absicht Hannovers, nur für die im September-Verträge stipulirten Gegenstände mit dem 1. März 1853 die Zollerhöhung eintreten zu lassen. Was den Harburger Freihafen betrifft, so wurde der diesseitige Antrag auf Aushebung desselben von Hannover unter Hinweis auf die späteren allgemeinen Verhandlungen über den Septembervertrag abgewiesen; und so steht die Sache noch heute.
Der „K. Z." wird versichert, daß unmittelbar nach dem Bekanntwerden der preuß. Erklärung in Wien, aus dem dortigen Ministerium des Auswärtigen, ein Schreiben an sämmtliche Regierungen der Coalition abgegangen ist, worin die in jener Erklärung enthaltenen Bedingungen als nicht annehmbar zurückgewiesen werden. Als hauptsächlichster Grund wird angeführt, daß keine Garantie für den Abschluß
des Handels-Vertrages gegeben, indem der Zeitpunkt für den Abschluß „absichtlich" nicht darin bemerkt sei; auch ist man mit den vielen gestrichenen Paragraphen unzufrieden. Es ist jedoch eine Rückäußerung von den Coalitions-Regierungen verlangt. Im preußischen Ca- binette herrscht die vollständigste Unthätigkeit in der Zoll- Angelegenheit.
Das ministerielle „Dresdener Journal" vom 8. d. Mts. erklärt in einem längeren Artikel die bekannte preußische Rückäußerung für einen „erfreulichen Schritt zur Verständigung", die versöhnliche Sprache der preußischen Erklärung sei Bürge dafür, „daß die königlich preußische Regierung, aufrichtig den Wunsch der ihr gegenüberstehenden Regierungen, den drohenden Bruch zu vermeiden, theilend, auch aufrichtig von der Absicht geleitet war, auf die durch die Stuttgarter Erklärung dargebotene Vermittelung einzugehen." Preußen habe sich schon factisch auf Unterhandlungen über den Vertragsentwurf A mit Oesterreich eingelassen, die preußische Erklärung sei kein Ultimatum, das Weitere sei Sache fortzusctzender Unterhandlungen und einer endlichen thatsächlichen Ausgleichung.
Die ministerielle österreichische Corre- spoudenz vom 9. d. M. erklärt die letzte preußische Erklärung für nicht annehmbar, daher die Grundlagen zu weiteren Verhandlungen in der Zollfrage, so wünschenswerth sie auch seien, fehlen.
Die Oesterreichische Correspondenz sagt: „Wir glauben nicht, daß im Laufe anhängiger Verhandlungen für die periodische Presse ein großes Feld nützlicher Thätigkeit gesteckt ist; wir haben im Gegentheil bemerkt, daß die öffentlichen Discussionen die Verständigung erschweren. Die österreichische Presse war daher seit Abgabe der preußischen Erklärung sehr vorsichtig in ihrem Urtheile. Dieses Beispiel wird an der Spree nicht nachgeahmt. Im Gegentheile, die dortigen Zeitungen spannen ihren Ton und Affect jeden Tag höher, je weniger Stoff von unserer Seite dazu geliefert wird und je größer sich die Theilnahmlosigkeit des Publikums bei diesen Symptomen erkünstelter Leidenschaft erweiset. Wir haben aus der preußischen Antwort nichts Günstiges entnommen, als die Geneigtheit des Berliner Cabinets, die Verhandlungen fortzusetzen. Wir gestehen aber aufrichtig, daß der übrige Inhalt der Note unsere Hoffnung, daß die Fortsetzung der Verhandlungen zu einem erwünschten Ziele führen werde, sehr herabstimmt. Die alten Gegensätze sind unverändert geblieben. Von Seite Oesterreichs und der zu Darmstadt verbündeten Regierungen das unveränderte Bestreben, eine Zolleinigung zwischen Oesterreich und allen übrigen Staaten des deutschen Bundes herbeizuführen. Von Seite Preußens die Weigerung, auf irgend etwas einzugehen, was als eine Einleitung, eine Vorbereitung, um sich diesem Ziele zu nähern, angesehen werden könnte. Aus dem Vertrage A. werden von Preußen alle jene Punkte ausgeschieden, die eine künftige Zolleinigung herbeizuführen geeignet wären, mithin gerade jene Punkte, um derentwillen Oesterreich überhaupt jene Propositionen gemacht und einen Vertrag abzuschließen bereit wäre. Den Staaten der Darmstädter Convention gegenüber wird auch in der Erklärung vom 30. August die Gleichzeitigkeit des Abschlusses des Handels- und Zollvertrages mit Oesterreich und der Reconstruirung des Zollvereines verweigert und die Forderung gestellt, daß vor Allem der Zollverein auf die weitere Dauer von 12 Jahren erneuert werden müsse. Daß Preußen zugleich seine Geneigtheit ausspricht, mit Oesterreich einen Vertrag unterhandeln zu wollen, auf den Oesterreich in der von Preußen proponirten Fassung nicht eingehen wird, kann doch unmöglich von den verbündeten Staaten als eine Bürgschaft für die Erfüllung der in der Stuttgarter Erklärung ausgesprochenen Wünsche ausgenommen werden. Unter solchen Verhältnissen scheint eine gemeinsame Basis der Unterhandlung gänzlich zu fehlen, und wir glauben, daß man dieß nicht bloß in Wien, sondern auch iu den übrigen betheiligten Staaten erkennt. Oesterreich hat für den Augenblick keine Veranlassung, aus seiner zuwartenden Stellung herauszutreten. Es ist mehr als irgend ein Staat in der Verfassung, den Erfolg der Verhandlungen mit Ruhe, abzuwarten. Wenn die öffentlichen Blätter in Berlin von Krieg sprechen und das Publicum gegen Oesterreich in Leidenschaft zu setzen suchen, so war dazu nie weniger Veranlassung, als in diesem Augenblicke. Wir sind auch weit entfernt, die preußische Regierung oder das preußische Volk für diese Großsprecherei einiger Zeitungen verantwortlich machen zu wollen, ultd haben die vollkommene
Unschädlichkeit dieser Sorte von Prahlerei aus Erfahrung kennen gelernt".
Deutschland.
2s Wiesbaden, 11. Sept. Auf erhobene Nichtigkeitsbeschwerde von Seiten der Ehefrau des Peter Hecker, Lucie geb. Westheim vou Seeburg, Herzogs. Justizamts Selters, gegen das Urtheil des Ässisenhofs zu Dillenburg, in der Untersuchung gegen dieselben und die Ehefrau des Johann Wegler, Katharine geborne Hecker, wegen KindeSmords und Mords, hat der Cassationshof öffentliche Sitzung auf Mittwoch den 29. September Morgens 9 Uhr, im Sitzungszimmer des Herzogs. Oberappellationsgerichts, anberaumt.
Wiesbaden, 11. Sept. (Fr. I.) Zum Schluffe der drei Festtage fand gestern die Rheinfahrt von Biebrich bis St. Goar auf dem festlich geschmückten Dampfboote der Düsseldorfer Gesellschaft „Adolph" statt. Zu St. Goar wurde die älteste evangelische Kirche am Rhein besucht, worin einst Gustav Adolph mit jdem Glaubensschwerte eine Ecke des Altars abhieb, um damit die früher entrissene Kirche wieder zur evangelischen zu weihen. Pastor Dr. Großmann hielt nach dem Gesänge eine geeignete Pilgerrede. Auch zu Bingen wurde der Betsaal besucht und sofort ein Gottesdienst gehalten. Prediger Dr. Voigdt aus Königsberg in Ostpreußen sprach da tiefergreifende Kernworte acht christlicher Glaubensliebe; wie auch nachher an den drei Festessen in drei Gasthöfen manch erhebendes und erheiterndes Wort gesprochen wurde. Die Rheinfahrt wurde durch den Quartettverein, der sich mit seiner Fahne eingestellt hatte, noch verschönert und das Schiff von manchen Orten, namentlich Bacharach, Caub, St. Goarshausen, St. Goar rc., feierlich begrüßt.
< Biebrich, 10. Sept. Ihre kaiserl. Hoheit die Erzherzogin Elisabeth fund Se. kais. sHoheit- Erzherzog Stephan waren gestern an unserem Hofe zu Besuch. Die Hohe Dame setzte schon gestern Abend 9 Uhr die Reise fort und begab sich mit der Eisenbahn nach Frankfurt. Se. k. Hoheit der Erzherzog Stephan ist heute Morgens um 8 Uhr mit dem Dampfboote von hier abgereist, um sich über Koblenz wieder nach Schaumburg zu hegeben.
A Hochheim, 12. Septbr. Verwichens Macht gegen 12 Uhr weckte der gräßliche Ruf: „Feuer" die hiesigen Einwohner aus dem ersten Schlafe und das Geläute aller Glocken verkündete den erschrockenen Bürgern, daß es in der Stadt selbst brenne. Leider war dem auch so. Die Scheuer des Oekonomen Georg Diener in der Hintergasse stand in lichten Flammen und verbreitete eine solche Helle, daß man in entfernt stehenden Häusern keines weiteren Lichtes in den Zimmern bedurfte. Weit über andere Gebäude hinweg trieb ein Funkenmeer von verbranntem Stroh und Getreide. Der Anblick war, besonders in der stillen Nachtzeit, grausenerregend. Haufenweise strömten die Bürger zusammen. Bereitwillig öffneten die näher und entfernter wohnenden Bürger ihre Thore, gaben Züber, Eimer und sonstige Gefäße her, um Wasser aus den Höfen auf die Brandstätte zu tragen. Wasser aus dem Brandweiher wurde in Fässern beigefahren und unsere zwei tüchtigen Feuerspritzen waren in angestrengter Thätigkeit. Die Gefahr war sehr groß in diesem Stadttheile, wo Häuser und Scheunen dicht zusammengebaut sind. An Rettung der brennenden Scheune selbst war nicht zu denken, weil die brennbaren Stoffe, Stroh, Heu u. bergt, dies unmöglich machten, und so mußte sich die Löschmannschaft darauf beschränken, die angränzenden Gebäude zu schützen. Die Scheuer und Stallung des Georg Diener, so wie jene des Thomas Duchmann und ein Stall des Joh. Munk, welch letztere schon mit vom Feuer ergriffen waren, brannten von Grund aus ab und erst gegen 3 Uhr Nachts gelang es den hiesigen Bürgern, so wie den mittlerweile herzugeeilten auswärtigen Löschmannschaften mit ihren Feuerspritzen des wüthenden Elements Meister zu werden. Noch jetzt, um 7 Uhr Morgens, ist man mit Löschung der glimmenden und rauchenden Trümmer beschäftigt, welche, wenn gelöscht, gleich außerhalb der Stadt gefahren werden, und diese Arbeit wird wohl noch den ganzen Tag dauern.
Eine große Gefahr hat der Fleiß der Löschenden von der Stadt abgewendet, denn wenn das Feuer noch eine Scheuer ergriffen hätte, so wäre ein Stadtviertel vielleicht jetzt schon ein Aschenhausen. Hart hat der Vorfall diejenigen betroffen, welchen die abgebrannten Gebäude gehörten, und unter diesen ganz besonders den Thomas Duchmann, welcher seine Früchte noch nicht gedroschen hatte.