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REauische Allgemeine Zeitung.

M 314. Samstag de« 11. September 1853.

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DirzMaaisâ Allffemci^r Mtii««" mit brm. l'ellelrisliscken SribldttDer aBmrrrr" erscheint, Sonntagd auflßcnommrn, täglich und beträgt der PrânumerationSprei« für Wiesbaden und, nach dem neuen Postregulativ nunmehr auch fit bett ganzen Umfang des Thur», und TatiSVdien BerwaUungtibeznks mit Inbegriff des PoslaufMagS 2 fl für die übrigen Länder des deutsch-österreichischen PostvereinS, wie für das Ausland 2 fl. 24 kr. Inserate werden die dierspallige Petit- teile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Lauggasse 42, auswärts bei den nächstgelegenen Postämtern, zu macken.

3 Ein Mort zur religiösen und politischen Oricntèruttg.

DieMittelrheinische Zeitung" bringt in ihren letz­ten Nummern zwei Vorschläge voneinem Mitgliede der Gustav-Adolph-Stistung aus einer großen Stadt. In dem ersten Vorschläge wird zu dessen Begründung von den Gefahren geredet, welche der evangclisch-prote- stantischen Kirche, theilsvon der Hierarchie in der rö­mischen Kirche", theils aus ihrem eigenen Schooße drohen, und zur Thätigkeit und Wachsamkeit aufgefor­dert. Nebenbei wird auch vonbetheten und miß-. brauchten Machthabern" und von derVerblendung in den höheren staatlichen Regionen" gesprochen. Der zweite Vorschlag findetheute, wo der Erb- und Erzfeind der protestantischen Kirche wie zum Kampf auf Leben und Tod immer ungestümer hcrandränze", für räthlich, dem Gustav-Adolph-Verein einen andern Namen zu geben, weil gegen denSchweden" eben noch alte Vorurtbeile bei den katholischen Bevölkerungen beständen und der Name, da er allzusehr an den dreißigjährigen Krieg er­innere, ohnehin auch viele Protestanten genire.Die Protestanten so fährt er fort sollen endlich durch diese Abänderung der katholischen Friedenspartei die Hand bieten und ermöglichen, daß an die Ausführung des Gedankens gedacht werden dürfe, einen Verein von Katholiken und Protestanten zu gründen, der sich, unbeschadet der Verschiedenheiten der Bekennt­nisse und der Kämpfe auf dem Felde der Theologen, im Interesse des gemeinsamen Vaterlandes zur Aufgabe setzt, im Hinblicke auf den RechtSzustaud in Deutschland und die ihm zu Grunde liegenden Urkunden, mit allen Kräften dahin zu wirken, daß dieser Rechtszustand auf­recht erhalten und allem entgegen gearbeitet werde, was das friedliche Nebcueinanderwohnen von Katholiken und Protestanten stören, Zwietracht unter denselben säen oder gar noch Schlimmeres bereiten könnte". Der zweite Vorschlag schließt sodann mit den Worten:Es bedarf aus Seite der katholischen Friedenspartei nur der Tren­nung von der kgthoWcil Hricgspartei durch dasoffene Bekenntniß dèr zwei Wabrheilen, dass der Katholi­cismus nicht identischste mit dem Jesui- t i s m tt s u n d daß die Parität zwischen den Katholiken und Protestanten auf dem festen Grund von Friedensschlüssen und Grundgesetzen beruhe.

Wir haben weder Beruf, noch weniger aber Neigung, uns irgendwie bei den religiösen Kämpfen der Gegen­wart, mögen sie in derselben Kirche oder zwischen zwei verschiedenen Confessionen Vorfällen, zu bctheiligcn, wol­len daher auch nicht näher dasjenige hervorheben , was in den beiden Vorschlägen, die in ihrer thatsächlichen Begründung übrigens äußerst schwach sind und größten- tHeils nur Expectoratiouen einer allzusehr geängstigten Seele enthalten, uns wahr oder unwahr, übertrieben oder doch mindestens gefärbt dargestcllt zu sein scheint: uns berührt nur die politische Seite dieser Kämpfe.

Höchst auffallend erscheint es uns, wie der Herr Verfasser mit seinen Vorschlägen in dieMittelrheinische Zeitung" gerathen 'konnte; denn war deren Abdruck da- riil für unser Land bestimmt; so erscheint er ganz zweck­los. In Nassau, dessen Landesherr, dessen Staatsmi- iiiftcr, sämmtliche Mintstcrialvorstände und große Mehr­zahl aller Beamten der evangelischen Kirche augehören, kann wohl dem Protestantismus um so weniger eine Gefahr von Seiten des Katholicismus drohen, als es darin keinekatholische Kriegspartei", wenn deren über­haupt in Deutschland cxisiiren sollten, gibt, es müßten denn solche in der geringen Anzahl katholischer Beamten bestehen, welche auf protestantischen Schulen und Uni­versitäten ihre Bildung erlangt haben. Wenn der Herr Verfasser sich in Unsere katholischen Städten Limburg, Hadamar, Montabaur, Höchst rc. verfügen und sich dort unter der Bevölkerung Hinsehen wollte; so würde er sicherlich sich davon überzeugen, daß die katholischen Ein­wohner des Herzogthums Nassau ein sehr tolerantes Volk sind, und an nichts weniger denken, als^an einen Krieg mit ihren evangelischen Mitbürgern wegen der einen oder andern Verschiedenheit der religiösen Ansicht.

Die nassauischen Katholiken können auch vernünftiger Weise weiter nichts erstreben als Parität mit den Pro­testanten, insofern ihnen solche bereits noch nicht durch­gängig geworden sein sollte. In unserem Lande leben Katholiken und Protestanten schon bald ein Menschen­alter lang im tiefsten religiösen Frieden, und so weit wir seine Bevölkerung kennen, glauben wir die Ansicht aussprcchcn zu dürfen, daß es nickt leicht einem Fana­tiker von der einen oder andern Religionöpartei, im

schwarzen oder blauen Rock gelingen wird, diesen Frie­den zu trüben. Dem Verfasser der Vorschläge müssen deßhalb unsere nassauischen Verhältnisse gänzlich unbe­kannt geworden sein, sonst würde er sich derMittel­rheinischen" zu deren Verbreitung als ganz zwecklos für unser Land nicht bedient haben; denn wir können und wollen nicht unterstellen, daß er die Absicht gehabt habe, die Gemüther unserer evangelischen Nassauer zu beun­ruhigen.

Hatte der Verfasser den Abdruck seiner Vorschläge für diejenigen deutschen Staaten, in welchen möglicher Weise dem Protestantismus Gefahr durch den Katholi­cismus drohen könnte, z. B für Oesterreich und Bayern, bestimmt; so hat er in derMittelrheinischen Zeitung" ein ganz verkehrtes Organ zu deren Verbreitung ge­wählt; denn nach diesen Ländern ist bis jetzt noch keine einzige Nummer derMittelrheinischcn" vorgedrungen. Der Verfasser der Vorschläge erkennt es selber als eine Wahrheit an, daß der Katholicismus mit dem.Jcsuitis- MUS nicht identisch sei,' und wir begreifen nur nicht wozu er des offenen Bekenntnisses einer anerkannten Wahrheit bedürfe, für welche überdieß die ganze Ge­schichte spricht.

Sehen wir von unserem Nassau, in welchem wir, Katholiken und Protestanten, stach wie vor friedsam und tolerant neben einander leben wollen und werden, ganz ab und ans andere deutsche Staaten; so will cs uns bedünken, als wenn auch darin dem Protestantismus bis jetzt keine Gefahr drohe. In Oesterreich hat man von einer Bedrückung der Protestanten seitens des Staates bis' jetzt noch nichts vernommen und wir möch­ten es recht sehr bezweifeln, - daß sein Kaiser und seine leitenden Staatsmänner sich um theologische Zänkereien kümmerten. Seiner Politik ist eine andere, größere und verdienstlichere Aufgabe geworden, nämlich die Durchführung und Consolibirung seines Einheitsstaates, welches zweifelohne gelingen und alsdann in der Welt­geschichte Epoche machen wird. Oesterreich muß diesen kollossaleu Einheitsstaat auf das deutsche Element basi- rcu und bedarf zu dem Ende der Sympathie für und von Deutschland. Würde nun Oesterreich seine pro­testantischen Unterthanen irgendwie beeinträchtigen, so müßte es nothwendiger Weise diese Sympathie und damit seinen politischen Einfluß in den protestantischen Theilen Deutschlands gänzlich verlieren. Oesterreich müßte nun in der That mit Blindheit geschlagen sein was wohl Niemand glauben wird. wenn es sich gegen seine protestantische Unterthanen intolerant beneh­men wollte.

In Bayern ist der regierende König Maximilian dem sogenannten ultramontanen Treiben abhold und der Ministerpräsident von der Pfordten ein guter Pro­testant, obwohl man ihn neuerlich mit andern gut pro­testantischen Staatsministern und zwar nicht Sei­tens der Katholiken mit aller Gewalt katholisch ma­chen wollte.

Sachsens königliches Haus ist zwar katholisch, es selber aber die Wiege des Protestantismus und die Mehrzahl seiner Bewohner zählt zu demselben.

In diesen drei Staaten scheint also dem Protestan­tismus auch keine Gefahr zu drohen. Lichtenstein bringt den Protestantismus auch nicht um und die übrigen Fürsten Deutschlands sind evangelisch und werden ge­wiß nicht ihre eigene Kirche bekämpfen und unter­drücken.

So wenig der Schwedenkönig Gustav Adolph le­diglich aus dem Grunde in Deutschland einfiel , um seinen bedrängten protestantischen Glaubensgenossen Hilfe zu leisten, so wenig war der dreißigjährige Krieg über­haupt ein reiner Religionskrieg. Statt vieler That­sachen wollen wir zur Begründung unserer Behauptung nur die Einzige anführen, daß das erzkatholische Frank­reich im dreißigjährigen Kriege auf der Seite der Pro- testanten stand und gegen den katholischen deutschen Kai­ser focht.

Noch weniger aber wird es jemals irgend einer Partei gelingen, in Deutschland wieder einen Religions­krieg zu entzünden.

Die deutschen Fürsten können keinerlei Motive dazu haben und alle Politik spricht mit den schlagendsten Gründen dagegen. Ohne Unterstützung einer weltlichen Macht können aber Religionskriege nicht ausbrechen und die theologischen Controversen werden auf dem Felde, wohin sie gehören, nämlich auf den Kathedern der Höch- schulcn und in den Schriften der Theologen geführt und ohne alles Blutvergießen beendigt werden. Es ist eine geschichtliche Erfahrung, daß nach jeder politischen Abspannung die Controversen auf dem Gebiete der

Theologie wachsen und blühen, sobald aber wieder ver­schwinden oder doch sich ermäßigen, als die Politik wie­der anfängt, die Geister zu beschäftigen.

Der Kampf, wef^t de- z. nw artige Jahrhundert kämpft, ist der Kamp; zwischen der Monarchie und der Demokratie. Obwohl die Monarchie aus dem letzten Kampfe geläutert und gestärkt hervorgegangen ist, so ist er nnsercn Erachtens nach nicht gänzlich beendigt. Täuschen wir uns nicht allzusehr, so stehen noch neue Kämpfe früher oder später bevor, aus welchen aber die Mo­narchie noch glorreicher und reiner hervorgehen wird, als sie aus dein letzten Kampfe gegen die Revolution hervorgegangen ist. Denn außer der bewaffneten Macht erscheinen für die Monarchie auf dem Kampfplätze fast alle die nämlichen, nunmehr von ihren früheren Ver­irrungen abgekommencn und sich täglich conservativer gestaltenden Wissenschaften, welche früher gegen die ge­sunde Vernunft und gegen die göttliche Weltordnung das monarchische Princip lockerten und dadurch der Re­volution in die Hand arbeiteten.

Die Demokratie ist zwar jetzt norft c^ tiger, aber im­mer noch mächtig. Sie arbeitete seither nicht nur mit der schwebenden Zollfrage, sondern sie, die früher von keiner anderen als nur von einer alle Religion auflösen­den Gesellschaft etwas wissen wollte, wirft sich neuer­dings auch mit aller Vehemenz unter allerlei Formen und Gestalten auf die Religion, offenbar in keiner an^ dern Absicht, als die verschiedenen Confessionen aufein­ander zu hetzen, um deren Conflicte für ihre Zwecke auszubeuten. Der gemeinsame Feind aller Religions- Parteien ist die Revolution und es daher deren Auf­gabe und zwar jeder auf ihrem Gebiete, diesen Feind nach Kräften zu bekämpfen und dadurch der weltlichen Macht unter die Arme zu greifen. In diesem löblichen, übrigens auch zu ihrer Selbsterhaltung durchaus erforder­lichen Bestreben sollen alle Confessionen mit einander wetteifern inib sich nicht durch kleinliche Zänkereien rm- ter einander abschwächen.

Die ZoUsrage.

*In den preußischen Organen tritt jetz, wie die N. M. Z. hervorhebt, sichtlich das Bestreben hervor, die Aufmerk-- samkeit von dem Hauptpuucte, um den es sich in der handelspolitischen Frage zwischen Preußen und den Darm­städter Verbündeten handelt, ab und dagegen auf secun-' däre Puncte zu lenken. Dieser Haupt- und Capi­ta l' p n n c t ist aber die von Preußen auch in seiner Erklärung vom 30. August verweigerte Gleichzeiti g^ seit d es Abschlusses des Handels- und Zollver- tragcs mit Oesterreich mit der Reconstruirung des Zoll­vereines. DasDresdener Journals" hat die entschei­dende Wichtigkeit dieses Punctes unwiderleglich darge- than und wir unsererseits haben bereits unter Hinweisung auf den klaren Wortlaut des Schlußprotocolles der Wiener Zollconfereuzcn auf die unausbleiblichen Folgen hinge- wiesen, welche für die Darmstädter Verbündeten eintre­ten müßten, wenn sie durch Eingehen auf das von Preußen gestellte Verlangen der Reconstituirung deS Zollvereines vor dem Beginne der Verhandlungen über einen Zoll- und Handelsvertrag mit Oesterreich eingingen. Wir werden auf diese Taktik der preußischen Organs zurückkommen, glauben aber schon jetzt die Aufmerksam­keit aus dieselbe hinlenken zu müssen, damit Niemand sich irreführen lasse.

Das Berliner Corr. Bureau läßt sich heute als» vernehmen: Es mag betrübend erscheinen, daß der Jahrestag der Vereinigung des Steucrvereines mit dem Zollvereine (7. Sept.) die Zukunft dieses von einens großen Theile der Station mit Freudigkeit begrüßten lange ersehnten Schrittes noch immer in Frage gestellt findet. Ja es fehlt nicht an Zweiflern, welche, unge­achtet der zustimmenden Erklärung, die Hannover am 30. August der preußischen Antwort folgen ließ, Be­denken, wo nicht gegen den Willen, so doch gegen die Macht der hannoverschen Regierung in Betreff bet' un^ geschmälerten Aufrechthaltung des geschlossenen Vertta- gcs äußern. Die hannoversche Presse, zumal die für officiell geltende, ist karg und einsylbig, wenn es gilt, die Hoffnungen, welche sich auf die Ausführung des Septembervertrages richten. zu bekräftigen. Da mag denn die Thatsache sprechen, daß in Kreisen, welche über die Erwartungen und Befürchtungen der Coalition un­terrichtet sein können, die Ausführung des September­vertrages als unter allen Eventualitäten gesichert be­trachtet wird. Hannover hat bei den Vermittelungs­versuchen, die eS unternommen, cS niemals an den ent­schiedensten Ausdrücken darüber fehlen lassen, daß es sich an den Vertrag vollständig gebunden erachtet. So'