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wo diese Gemarkung an jene von Flörsheim grenzt. Vom dem jenseitigen Rüsselsheim ist der Hülferuf der unglücklichen Frau gehört worden, und dies hat zur Entdeckung des Mörders beigelragen. Dieser ist gleich an das Justizamt in Hochheim abgeliefert und heute zu der Leiche seiner von ihm ermordeten Frau geführt worden, soll jedoch die That geleugnet haben. Cr­ist als übel berüchtigtes Subject bekannt und sein Leug­nen dürfte von wenig Nutzen für ihn fein. Wahrschein­lich wird er die Zahl der Kostgänger im Zuchthause zu Diez vermehren.*)

0 Aus dem Amt Selters, Ende August. Neulich wurde in der über eine Viertelstunde von Herschbach befindlichen Capelle der Opferkasten erbro­chen, und der darin befindliche geringe Geldvorrath entwendet; ein Bursche aus Herschbach wurde auf der That betroffen, und nach vergeblichem Fluchtversuche in dem nahe gelegenen Walde verhaftet. Kurze Zeit da­nach wurde in die vom Orte entfernt stehende Kirche von Breitenau, wie bereits vor mehreren Jahren, des Nachts eingebrochen, und aus derselben mehrere Altar- gcräthschaften und Paramente von jedoch nicht bedeu­tendem Werthe entwendet. Der Thäter ist bis jetzt noch nicht entdeckt.

München, 2. Sept. Unser heute erschienenes Regierungsblatt Nr. 43 publicirt einen zwischen Bayern und der Schweiz abgeschlossenen Vertrag über Ausliefe­rung von Verbrechern, der bereits am 28. Juni v. I. abgeschlossen wurde, aber erst vor einiger Zeit die ge­genseitige Genehmigung erhielt. Die hiesige Ge­schäftswelt ist heute durch eine diesen Morgen aus Wien hier augelangte telegraphische Depesche bewegt, da derselben zufblge die österreichische Regierung die Creirung eines neuen üprocentigen Anlehens beschlossen habe. Da als den Zweck dieses Anlchens Rückzahlun­gen an die Bank und Einziehung von Papiergeld be­zeichnet wird, so hofft man von derselben den günstig­sten Einfluß auf den Stand der Valuta. Das vom Schwurgericht von Oberbayern gegen den Raubmörder Treiber gefällte Todesurtheil hat die allerhöchste Be­stätigung erhalten und wird nächste Woche hier vollzo­gen werden.

Vom Bodensee, 2. Sept. Der flüchtig gewe­sene frühere Bürgermeister und revolutionäre Civilcom- lnissär Strasser von Frickingen, Amts Salem, hat sich vor einigen Tagen in der Bruchsaler Strafanstalt eingesunken, um seine Strafe von vier Jahren Zucht­haus auzutreten. Ebenso hat sich kürzlich der frühere Rechtsanwalt Fuchs von Villingen gestellt, welcher wegen seiner Thätigkeit als revolutionärer Civilcommis- missär zu einer sehr schweren Strafe vernrthellt wor­den ist.

Hannover, 30. August. Den Land- und Forst- wirthen rücken die Tage des landwirthschaftlicheu Festes näher, und erfreulich ist cs, zu sehen, wie von allen Seiten sich der größte Eifer zeigt, den Gästen den Be­such der Versammlung dahier so angenehm und lehrreich als möglich zu machen. Die Gerätbe - Ausstellung in Herrenhauseu wird viel Neues oder doch bisher Unbe­kanntes liefern; namentlich wird eine reiche, erst neulich durch die königliche Regierung angekaufte Sammlung der neuesten englischem Äcker-Instrumente,. unter denen neben anderen eine Mähmaschine, mehrere Drehmaschi­nen, Schrotmühlen, eine Dampfmaschine auf Rädern zu landwirthschaftlicheu Zwecken, besonderes Interesse ge­währen. Sämmtliche Maschinen werden arbeiten. Die unteren Räume des neuen Zeughauses sind zu einem großartigen Speisesaale, in welchem über 1000 Personen, speisen können, hergerichtet.

Göttingen, 29. August. Die hannover'sche Südbahn von Hannover nach Kassel schreitet in ihrem Baue erfreulich vorwärts. Von Hannover bis Sarstedt wurden bereits Probefahrten gemacht und sind gut aus­gefallen.

Bremen, 2. Sept. Der evangelische Kirchentag wird in Gemäßheit des vorjährigen Beschlusses der El­berfelder Versammlung hier in nächster Zeit gehalten werden, indem die Sitzungen in den Tagen vom 12. bis 18. September stattfinden werden. Dem Ver­nehmen nach sind sehr zahlreiche Anmeldungen einge­gangen, worunter es an hervorragenden Persönlichkei­ten nicht fehlt.

Aus Holstein, 1. Septb. (Wes.-Z.) Dem an der Mündung des Kieler Meerbusens gelegenen Fort Friedrichsort ist noch ein herberes Schicksal als selbst der Feste Rendsburg zugedacht. Sämmtliche Wälle des­selben sollen dem Boden gleichgemacht und der Ort zu einem Ladeplatz umgewandelt werden. Dieses seltsame Vorhaben hat die Conturen eines bloßen Plans bereits überschritten. Der dortige Gastwirth hat auch bereits um seine. Concessioniruug zur Errichtung von Badean­stalten in Kopenhagen nachgesucht. Die kleine Meeres­feste, während der Revolution ein Hauptdepot unserer Waffenkrast und dann später in der Jnterimsperiode noch immer von einigen Compagnien besetzt, hat jetzt nicht mehr als 36 militärische Insassen, die von einem Hauptmann befehligt sind. Zur Ausführung obgcdach- ten Zerstöruugswerks aber werden binnen kurzem noch

*) Nach anderen Mittheilungen soll die Aufführung der Frau während und nach der Castler Kirchweihe die Ursache der begangenen Missethat sein.

1500 bis 2000 Mann neuer Mannschaften erwartet. Der Umstand, daß das Fort, welches vom jenseitigen Ufer nur 2500 Ellen entfernt ist, wohl das Einlaufen nördlicher Kriegsschiffe, aber nicht das Vordringen süd­licher Landarmeen abhalten kann, scheint den Plan in Kopenhagen zur Reife gebracht zu haben. Hierzu kommt freilich noch, daß mit Rendsburg auch Friedrichsort fal­len muß.Ohne beide Festungen", hörten wir dänische Militärs äußern,wäre nach der Schlacht von Idstedt die schleswig-holstein'sche Revolution zu Ende gewesen, unsere Festungen aber sind die Inseln." Mit der Schlei­fung beider festen Plätze werden Deutschlands Nord­grenzen bis Magdeburg bloßgestellt, und was daher jetzt die Dänen im Schilde führen, betrifft mehr als Hol­stein. Topographisch und historisch sei noch bemerkt, daß der feste Platz Friedrichsort zuerst 1632 von Christian IV. als Militärcolonic angelegt und ChristianprieS ge­nannt wurde. 1648, also zur Zeit des westfälischen Friedens, wurde er von Friedrich III. geschleift, aber schon 1663 dem Strande etwas näher wieder erbaut worauf er unter Friedrich V. den jetzigen Namen er­hielt. Die Stadt Kiel hat aus dem 14. Jahrhundert eine lateinische Urkunde aufzuweisen, worin die dänischen Könige anerkennen, daß Fricdrichsort zu ihrem Areal gehört, und die Gerichte jener Stadt üben noch bis zum heutigen Tag die Jurisdiction über diesen Flecken aus, weil er zu dem fast 2 Meilen laugen Kieler Hafen gehört.

Bertin, 4. Septbr, (N. Pr. Z.) Der Polizei- Präsident v. Hinkeldey ist heute abgerciff. Sein Reise­plan ist«, wie verlautbar wird, folgender: Nürnberg, München, Ischl, Wien.

Der hannöversche Ministerpräsident Frhr. v. Schele hatte am Montag Berlin verlassen, ist jedoch nur bis Magdeburg gegangen, von wo er hierher zurückgekehrt ist, um Se. Maj. den König bei seiner Rückkehr zu begrüßen.

Der Prinz Friedrich Wilhelm, der Sohn des Prin­zen von Preußen, hat bei seiner Anwesenheit in Peters­burg von Sr. Maj. dem Kaiser von Rußland ein hier schon viel bewundertes Geschenk, eine prächtige Droschke, mit einem durch seinen Werth und seine Schönheit.aus­gezeichneten Pferde, erhalten. Die Begleitung und Die­nerschaft des Prinzen ist ebenfalls .sehr reich von dem Kaiser beschenkt worden.

Heute früh ist der General von Schreckenstein nebst einem großen Theil des Gefolges des Prinzen Friedrich Wilhelm hier eingetroffen. Der General ist als völlig wicderhergestellt von seinem Unfälle zu betrachten.

Chemnitz, 1. Septb. Heute fand die feierliche Eröffnung der Eisenbahn von Riesa nach Chemnitz durch den König in Person in Begleitung der Königin, mehrer Mitglieder des königlichen Hauses Statt. Der Festzug wurde durch einen sehr traurigen Unglücksfall getrübt. Der den Festzug begleitende Ober­schaffner wurde nämlich kurz nach der Abfahrt von Mitt­weida, indem er von seinem oben auf dem Waggon be­findlichen Platze aufgestandeu war, dermaßen mit dem Kopfe an eine Brückenmauer geworfen, daß er sofort leblos zusammensank und so vom Waggon, nachdem der Zug zum Stehen gebracht worden war, blutend herab­gelassen werden mußte. Erst nach einiger Zeit gelang cs, in einem der Wagen ihn wieder zur Besinnung zu bringen. Die Allerhöchsten Herrschaften bezeigten dem Unglücklichen die huldvollste und erhebenste Theilnahme und bethätigten dieselbe auf die zarteste und wohlthu- enste Weise. Der königliche Leibarzt, Geh. Medicinal- rath Dr. v. Ammon, verfügte sich sofort zu demselben und blieb ununterbrochen bei ihm dis Chemnitz, wo der am Kopfe jedenfalls sehr schwer Verletzte ins Militär­hospital gebracht wurde.

Wien, 1. September. Der Gnadenact, mittelst dessen Se. Majestät der Kaiser den Rekrutirungs-Flücht- lingen vom Littorale, die schifffahrtskundig sind und frei­willig in die kais. kön. Staaten zurückkehreu, vollständige Befreiung von allen Strafen ertheilt hat, wurde durch sämmtliche Konsulate und Gesandtschaften im üblichen Wege veröffentlicht.

Es ist hohen Orts eine Sichtung der unter dem ungarischen Ministerium geführten, hierher gebrachten Acten ungeordnet. Jene, welche für die Geschichte Ungarns von einiger Bedeutung sind, werden besonders gesammelt und für den künftigen Gebrauch aufbewahrt.

Der Lloyd berichtet aus Mailand vom28 Aug.: Ein Mann, der wegen Waffenverhehlung zum Tode verurtheilt worden war, wurde auf den Richtplatz ge­führt, daselbst aber in Anbetracht seiner sonstigen un­tadelhaften Aufführung und in Berücksichtigung, daß er der einzige Ernährer seiner zahlreichen und dürfti­gen Familie ist, gänzlich begnadigt und sogleich in Frei­heit gesetzt.

* Wien, 2. Sept. Sc. Maj. der Kaiser ist heute 8 Uhr Morgens von Ischl zu Schönbrunu im erwünschten Wohlsein eingetroffen. Ueber die Reise des Kaisers nach München wird von verläßlicher Seite berichtet, daß dieselbe keineswegs aufgegeben, kaff jedoch gegenwärtig noch kein Zeitpunct bestimmt ist, wann die­selbe angetreten werden soll. Auch ist der Zweck dieser Reise durchaus kein militärischer, sondern besteht einzig und allein darin, den Prinzen Luitpold und dessen Ge­mahlin, die Prinzessin Augnsta, zu besuchen, da bekannt­

lich Se. Maj. der Kaiser bei dem am 6. Juli d. I, geborenen Sohne des Prinzen Luitpold Pathenstelle vertreten hat.

Die heutigePresse" sagt:Wir werden (wahr­scheinlich amtlich) ersucht, die ans norddeutschen Blät­tern auch in hiesige übergegangene Nachricht, als wider­spreche die Verlegung der "deutschen Truppen aus Hol­stein nach Kopenhagen entschieden den betreffenden Be­stimmungen der Bundesmilitärverfassung, und es fei dem­nach eine Berathung und Beschlußnahme der Bundes­versammlung in dieser Angelegenheit zu erwarten, als eine durch aus irrige zu bezeichnen, da solche Be­stimmungen eben gar nicht vorhanden seien, es daher keiner deutschen Macht in den Sinn kommen könne, den König von Dänemark in der freien Disposition über seine gesammte Armee zu hindern."

Innsbruck, 29. August. Am 28. August wurde das Dorf Zirl in Tyrol, in dessen Nähe die berühmte Martinswand ist, von einem furchtbaren Gewitter heim- gesucht; in solchen Massen fiel der Regen, daß mehrere Häuser ganz zerstört wurden. Ein Stück Wald, daS vorher auf einer Anhöhe stand, wurde von den Fluthen mitten in die Straße versetzt.

t Triest, 1. Sept. Die americanische Dampffre­gatte Hyacinth ist gestern mit den in der Sache deS Missionärs King bevollmächtigten Commissär der Ver- cinsstaaten, Herrn Marsh, am Bord hier von Athen eingelaufen. Ueber den Conflict in den Dardanellen bringt die Triester Zeitung folgendes Nähere: Am 17. lief die brittischeKricgscorvetteModeste" Capitän Lord Villiam Compton bei der Dardanellenengc ein. Da sie Miene machte auszulaufen, wurden vom Fort 2 Kanonenschüsse auf sie abgefeuert, wodurch sie sich ver­anlaßt sah, wieder auf der Rhede Anker zu werfen. Der Commandant ging an's Land und erhob, begleitet von dem brittischen Consularagenten, bei Hassan Pascha Einsprache gegen dieses Verfahren, das er der englischen Gesandtschaft in Constantinopel auzeigeu wollte. Die Corvette liegt hier noch vor Anker und hat bisher nicht die Bewilligung der Pforte zur Fahrt nach Constanti­nopel erhalten.

Frankreich.

Paris, 2. Sept. Der Polizeiminister stattet einen Bericht über die vorbereiteten Maßregeln zur Un­terdrückung des Banditenwesens in Corsica ab, und schlägt vor, da die Beihülfe und Zusammenwirkung mehrerer Ministerien dazu gehört, die Zusammensetzung einer gemischten Commission vor, welche sich mit den Mitteln zur radicalen Ausrottung dieser Geisel der Insel Corstka beschäftigen soll, und die vom Präsident genehmigt ist. Ein specielles Decret bestimmt die Uniformirung der Polizeicommissärs von Paris und in den Departements. An mehrere Mitglieder des diplomatischen Corps sind Decorationen der Ehrenlegion vertheilt worden. DerMoniteur veröffentlicht heute nur den einzigen Beschluß des Generalrathes vom De­partement der Hohen Alpen, der sich offen für die Wie­derherstellung des Kaiserreichs ausspricht. Von den be­kanntgemachten 3 Arrondissementsräthen haben 2 den­selben Wunsch ausgesprochen. Herr Coste, Mitglied der Academie hat sich im Auftrage der Regierung nach Mühlhausen begeben, um dort die Einrichtung des groß­artigen Etablissements zur künstlichen Fischerzeugung in Stand zu setzen. Er wird von da alle Ströme und Seen Frankreichs bereisen, um die praktische Anwendung der oben erwähnten Anstalt so fruchtbringend als mög­lich einzuleiten. Der Bey von Tunis, der lebensge­fährlich krank darnieder lag, ist in der Wiedergenesung begriffen. Ein auf gestern angekündigter Versuch mit einer neuen Luftschifffahrtsmaschine konnte un Hyppo- dromj nicht stattfinden, weil ein Arbeiter beim Auf­machen der Sicherheitsklappe den Ballen gesprengt hat. Nach dem Berichte des Commandanten Malte der Inseln des Heils hat ein Deportirter Namens Carrä bei der Ertrinkung eines Soldaten, der ins Meer fiel, einen außerordentlichen Muth bewiesen. Trotz des Gegenbefehls des Cvnimandanteu warf er sich mehrmals hintereinander ins Meer, das dort in furchtbarer Brandung seine Wellen an den Felsen bricht und brachte den Soldaten glücklich ans Land, was Niemand für möglich gehalten hatte. Der Gcneral-Commissär hat dem muthigen Retter unmittelbar die Freiheit geschenkt.

Die derPresse" ertheilte zweite Verwarnung hat große Sensation gemacht. Aber Emil v. Girardin setzt nichtsdestoweniger muthig seine Fehde gegen dasPaps" fort, die ihm die strenge Maßregel zugezogen hat; nur daß er sich hinter zwei vormalige Minister des Prinz- Präsidenten verschanzt, hinter v. Thorigny und Daviel nämlich, aus deren vor der legislativen Versammlung gehaltenen Reden er Auszüge bringt. Daviel war bekanntlich Justiz- und Thorigny Minister des Innern.

Man schreibt aus Bordeaux und Mittelfrank­reich, daß die Weinlese in Folge der cingctretenen warmen Tage doch besser zu werden verspricht, als man geglaubt hatte, und daß die Preise der feinen Weine wieder fallen.

Der Finanzminister ist gestern Abends wieder hier angclaugt. L. Napoleon wird, wie es heißt, St. Cloud am 11. September verlassen, um vor der Ab­reise nach dem Süden noch einen Ausflug auf eines seiner Güter zu machen.