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Nassauische Allgemeine

M WO. Dieostag deü 7. September fSS».

DieNassauWk Allqemeink ZUtmig" mit Dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntags ausgenommen, täglich und beträgt der PränumeratmnSpreiS für Wiesbaden und, nach dem neuen Postregulari» nunmehr auch sät Hn ganzen Umfang des Thurn» und TariS'schen Verwaltungsbezirks mit Inbegriff des Postausschlags 2 fl,, für die übrigen Länder des deutsch-österreichischen PostvereinS, wie für das Ausland 2 fl. 24 fr. Inserate werden die einspaltige Petit» |(ilr oder derenRaum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe matt in der Buchhandlung von 5(5. Friedrich, Langgaffe 42, auSwärtS bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

Die Jollfrage.

DerA. Allg. Ztg." wird aus Berlin vom 1. Scptbr. geschrieben: So weit sich die Aufnahme, welche die diesseitige Erlärung in der Zoll-Conferenz vom 30. v. Mts. hier im Allgemeinen gefunden hat, übersehen läßt, kann man dieselbe keineswegs eine einhellige nen­nen. Namentlich sind es die Anhänger der Freihandels­schablone, welche daran anssetzen, daß Preußen der Gründer des Zollvereins, die oberste Leitung der Zoll- vereinsverhältuisse durch Anerkennung des von den Vcr- einsstaatey am 25. Mai vorgelegten Handels- und Zollvertrages mit Oesterreich mit den letzten faetisch ge­theilt und somit auf konsequente Durchführung , selbst auf weitere Annäherung an das Freihandelsprinzip Ver­zicht geleistet habe. Daß cs einige Punkte in dem ge­dachten Vertrage nicht als Grundlage weiterer Verhand­lungen gelten lassen wolle, mache in der Hauptsache nichts aus, da neben dem Septembervertrag der vorge­legte Entwurf bei den Verhandlungen gleicherweise in Betracht komme. Ium Glück begegnet man aber auch zahlreichen und beachtenswerthen Stimmen, die zwar nicht übersehen, daß, wie sie sagen, Preußen sich bis an die Gränze der Nachgiebigkeit begeben habe, jedoch das Hauptgewicht nicht auf die Form, sondern auf die Sache, nämlich auf die Erhaltung des Zollvereins legen, und daher mit diesem in Gemeinschaft des hannoverschen Ministerpräsidenten von Herrn v. Manteuffel gethanen Schritt zufrieden find. Es ist alle Ursache zu der j An­nahme vorhanden, daß der bei Weitem größere Theil der hiesigen Presse die Sachlage in diesem Sinne auf- fassen wird, was seine Wirkung auf die allgemeine Stinnnung niemals verfehlt. Weniger läßt sich von den Ansichten über die künftige Haltung der Vereins- staaten der Erklärung gegenüber sagen, wenn man dahin nicht etwa das gestern von der erstgenannten Partei viel ausgesprengte Gerücht, von der erfolgten Abreise sämmtlicher Zollconferenzbevollmächtigten rechnen will. Daß mehrere dieser Herren noch heute hier sind, kann âls Thatsache gemeldet werden; wäre daher dieser oder jener abgercist, so könnte dies nicht als ein Zeichen offe­nen Bruches, wie vorgestellt wurde, angesehen werden.

Ein anderer Correspondent dieses Blattes meint nach Zusammenstellung der Bestimmungen, welche Preußen aus dem Vertrage A ausgeschieden haben will: Es ist nach Uebersicht dieser Punkte klar, was Preußen will und was cs nicht will. Es will den Handelsvertrag mit Oesterreich, wie er nach dem Wiener Entwurf fest- gestellt war, so weit es ein reiner Handelsvertrag ist, wie ihn der Zollverein mit jedem andern Staate ab­schließen könnte. Er will aber den Handelsvertrag nicht, so weit er zusammenhängt mit dem Entwürfe B, und insofern er unbedingte Verpflichtungen für dir künftige Zollcinignng enthält. Nach unserem Dafürhalten trägt der Entwurf A selbst nach Wegfällen der von Preußen gestrichenen Punkte die künftige Zollcinignng in sich. Mit diesem Handelsver­träge schon knüpfen sich Fäden, die nie wieder gelöst werden können. Diese Wirkungen will Preußen ab- w arten, es will die Konsequenzen des Handelsvertrages reifen lassen, ohne sich aus einen bestimmten Sennin zu verpflichten.

Die demokratisch - freihändlerischeNationalzeitung" ist mit der letzten preußischen Erklärung, in der han­delspolitischen Frage sehr unzufrieden. Es würde, sagt dasMainzerJournal"" uns leid thun, wenn die Nationalzeitung" damit einverstanden wäre! Wenn übrigens das Blatt meint:Die Zolleinigung mit Oesterreich soll (nach der preußischen Erklärung) nur Vorschwcbuug", d. h. so viel alseine schöne Idee" bleiben:" so mag Das allerdings eine Berliner Idee sein, der p r e u ß i s ch e n R e g i e r u n g trauen wir indessen Besseres zu!

Preußen hat in seiner Erklärung die ganze An­lage I. näherer Erwägung Vorbehalten. Diese Anlage enthält die Abänderungen der beiderseitigen Zolltarife, welche für den Eingang, Ausgang und Durchgang von Waaren im Verkehre beider Zollgebiete mit einander und mit dem Auslande vom Tage der Wirksamkeit des Zoll- und Handelsvertrages ab in Kraft treten sollen. Der Tarif d e s H a n d e l s v e r t r a g e s ist also d u r ch w e g beanstandet. Wir können deßhalb den Bevollmächtigten der Coa l i ti o u ssta ate n nicht Vorsicht genug empfehlen und geben ihnen namentlich zu bedenken, daß in allen Tariffragen Han­nover nicht mit den s ü d d e utsch e n Staaten, sondern aus bekannten Gründen mit Preußen stim- M e n w i r d.

In der Erklärung Preußens vom 20, Juli, sagt

ein Correspondent des Frankfurter Journals, ist bereits auf das Protocoll der Zollvercinsconferenzen, welche im Jahre 1851 zu Wiesbaden stattgefunden, Bezug ge­nommen. Gleiches ist in der letzten preußischen Erklä­rung vom 30. v. M. geschehen. Cs dürfte deßhalb nicht ohne Interesse sein, von dem Inhalt jenes Pro- tocolls vom 7. V. I., so weit es den mit Oesterreich abzuschließenden Handelsvertrag betrifft , nähere Kenni- niß zu nehmen. In demselben ist nun von dem preu­ßischen Bevollmächtigten erklärt: man sei preußischer­seits vollkommen damit einverstanden, daß von Seiten des Zollvereins auf Unterhandlungen Mit Oesterreich eingegangen werde, welche eine commercielle Annäherung zum Gegenstände haben , und für deren Richtung die künftige Herbeiführung einer Zolleinigung als leitender Gcsichtspuncl vorschweben müsse. Ganz mit denselben Worten ist auch in der neuesten preußischen Erklärung vom 30. v. M. gesagt, daß die preußische Regierung hoffe, sich mit den Coalitionsstaaten über den mit dem österreichischen Kaiserstaat abzuschließenden Zoll- nnd Handelsvertrag in allen wesentlichen Puncten im Einverständniß zu befinden", da sie in dem Protocoll d. d. Wiesbaden 7. Juni 1851 bereits ausgesprochen habe,wie für die Richtung jenes Vertrags die künftige Herbeiführung einer allgemeinen Zolleinigung als lei­tender Gcsichtspunct vorschweben müsse". Wann dieser Moment eintreten werde, ist weder in der Erklärung vom 7. Mai v. I., noch in der vom 30. August d. J. ausgesprochen, und daß er gegenwärtig nach der preu­ßischen Ansicht noch nicht gekommen, ergibt sich mit Be­stimmtheit sowohl aus der Erklärung vom 20. August selbst als aus der vom 7. Juni d. I., in welcher ge­sagt wird:Die preußische Regierung befindet sich nicht im Stande, in Verhandlungen mit Oesterreich über den in Wien berathenen Entwurf zu einem Zolleinigungs- vertrage einzutreten. Sie hat bereits zu wiederholten Malen Gelegenheit gehabt, ihre Ueberzeugung dahin auszusprechen, daß die Verschiedenheit der volkswirth- schaftlichen Zustände und Interessen zwischen dem Zoll­verein und Oesterreich zu groß s«, um schon jetzt Maß­regeln zu vereinbaren, deren Ausführung, wenn dadurch ein dauerndes und allseitig befriedigendes Verhältniß geschaffen werden soll, die Gleichartigkeit dieser Zustände und Interessen in hohem Grade voraussetzt". Aus der Erklärung, welche Hannover, Braunschweig, Oldenburg und die thüringischen Staaten am 30. Aug. abgegeben haben, geht hervor, daß Preußen mit dieser Auffassung nicht isolirt dasteht, sondern mit diesen Verciusgenossen in der Zollfrage überhaupt und in der Frage vom Han­delsverträge mit Oesterreich besonders sich einer völligen Uebereinstimmung erfreut. Wir glauben diesen Umstand schließlich hervorheben zu müssen, da er ohne Zweifel für den ferneren Verlauf der Verhandlungen von gro­ßem Gewichte sein wird.

Die BerlinerLith. Corr." erwähnt, es sei dieAb- sich Oesterreichs, die Verhandlungen über die Zollfrage an den Bundestag zu verlegen. Sie meint, daß der Bundesbeschluß aus dem Mai 1848, welcher die durch verschiedene Zollsysteme getrennten deutschen Staaten zur Abordnung von Sachverständigen nach Frankfurt Be­hufs Herstellung eines einheitlichen Handels- und Zoll­systems auffordert, den erforderlichen Rechtsboden nicht bieten könne, indem dieser Beschluß, der im Sturme und Drang der Märzereignisse des Jahrs 1848 gefaßt wie manche andere Beschlüsse der Bundesversammlung aus jener Zeit eine taube Frucht geblieben ist (!)

Die Leitartikel derN. Pr. Ztg,^ ergehen sich seit einigen Tagen in den insolentesten Redensarten gegen Oesterreich, dem die Absicht, Preußen zu unterdrücken, den Zollverein schließlich mitPulver" zu sprengen, unterlegt wird. Eineeuropäische Großmacht", die solche Absichten ihrerGegner" für möglich hält, muß aus schwachen Füßen stehen. Der N. Pr. Ztz. zuckt übrigens der von derElberfelder Zeitung" seiner Zeit anbefohlene Todesmuth in allen Gliedern. Wagener ruft ganz pathetisch aus:

Wenn wir gestern die letzten Schritte des Preußischen Gouvernements in der Zollvereinssache entschieden ge­billigt, so ist dies nicht, wie uns Manche so gern unter­schieben möchten, um deßwillen geschehen, weil wir im Allgemeinen unsere Stellung zu dem von uns zur Ge­nüge bezeichneten System und gegen bestimmte Per­sönlichkeitengewandelt". Wir schreiben so, obschon wir dieselben geblieben; wir verschmähen es aber, Opposition quand méme zu machen oder relativ untergeordneten Personalien einen bestimmenden Einfluß auf die objec­tive Behandlung der Lebensfragen unseres Vaterlandes zu gestatten. Mag ein Jeder für sich verantworten,

was er verantworten zu können meint. Es versteht sich dabei von selbst, daß für die schließliche Beurtheilung der Sache erst das letzte entscheidende Wort und die entsprechenden Thaten der Preußischen Regierung den Ausschlag geben, und daß wir unserer Sekts nicht gewillt sind, auch nur ein Tütelchen (?) an unserem Programm zu ändern. Hoffen wir, daß auch unser Gouvernement mit der gleichen Festigkeit auf Alles vorbereitet und ge­rüstet ist, auf Alles, selbst einen Krieg nicht ausgenom­men, denn einen gerechten Krieg haben wir noch nie­mals gescheut oder gefürchtet.

Schlägt man in Oesterreich an den Degen, wir werden das Echo nicht schuldig bleiben. (!)

DieOesterr. CorreSpoudenz" vom 1. September schreibt: Der Telegraph bringt die Kunde von einer seitens Preußens in der gestrigen Sitzung der berliner Zollconserenz abgegebenen Erklärung. Obschon jetzt selbst nach dieser in kurzen Umrissen entworfenen Mit­theilung doch so viel festzustchen scheint, daß das wahr­haft loyale und entgegenkommende Benehmen der unter sich und mit Oesterreich zu Darmstadt verbündeten Re­gierungen nicht die entsprechende Würdig­ung und Vergeltung von Seite der königlich preußischen Regierung gefunden hat: so müffen wir doch eine tiefer eingehende Besprechung bis zu dem Be- kanntwcrden des authentischen Textes der preußischen Declaration aufschieben.

In der Nummer vom 3. September beschränkt sich die Oestr. Corr, darauf, vorläufig einen Auszug der preuß. Erklärung zu geben und die beanständeten Be­stimmungen des Vertragsentwurfes A näher zu bezeichnen. Sie hofft übrigens, da über diese Puncte und nament­lich über die Beilage I des Entwurfes A, welche die von Oesterreich im Verkehre mit dem Zollvereine bean­tragten wechselseitigen Tarifänderungen umfaßt, nnd da­her unbestritten die Seele des gesammten Handelsver» lrages bildet, nähere Erwägung vorbehalten ist baldige Verständigung und sieht in dieser die zuverlässigste Ge­währ für das Zustandekommen eines befriedigenden Arrangements.

Von besonderer Wichtigkeit ist folgende Aeußerung, welche wir in der Ztg. für Nordd. finden:Die of- ficiösen Organe des preußischen Ministeriums legen, und mit Recht, ein großes Gewicht darauf, daß Hannover der preußischen Erklärung vom 30. v. M. beigetreten ist. Dieser Beitritt will aber keineswegs, wie jene Blät­ter wohl glauben machen möchten, so viel besagen, als werde Hannover auch indem Falle bei Preußen verharren, daß dieCoalition sich wirklich von dem Zollvereine trennte. Wir halten eS nicht für wahrscheinlich, daß Hr. v. Schele irgend welche Zu- sicherungen gegeben, die eine solche Annahme rechtfer­tigen ließen, und noch weniger ist in der hannoverschen Erklärung, welche sich der preußischen anschließt, ein Grund für dieselbe zu finden."

Deutschland.

t Wiesbaden, 4. Septb. Zu der in unserer Stadt am 18. Septb. beginnenden Versammlung der Natur­forscher und Aerzte sind schon zahlreiche Anmeldungen bedeutender Männer der Wissenschaft erfolgt, von denen wir heute nur anführen wollen: den Director der geo­logischen Reichsanstalt Haitinger, dessen große Ver­dienste um den Aufschwung der Naturwissenschaften in Oesterreich rühmlichst bekannt, sind; ferner gleichfalls aus Wien: Bergrath v. Hauer, v. Oettingshau- seu jun. und Franzl, Director des botanischen Gar­tens in Wien. Herr Haitinger wird in öffentlicher Sitzung einen Vortrag über die geologische Reichsan­stalt, Herr von Leonhard ans Heidelberg einen Vor­trag über Schlacken, als Stützpunkt geologischer Hypo­thesen halten. Auch aus Belgien sind bereits Anmel­dungen erfolgt.

Aus den» Justizamte Hochheim, 3. September. Eine mehr als schauderhafte That hat in dem Flecken Flörsheim stattgefunden. Der Vorfall, wie solcher erzählt wird, ist folgender: Ein Aufseher der Taunuseisenbahn, Namens Adam Appel, Bürger in Flörsheim, welchem seine zweite Ehefrau, mit welcher er erst vier Wochen getraut ist, sein Nachtessen gestern Abend an sein Wärterhäuschen brachte, hat diese, weil sie ihm kein Geld von ihren Eltern, bei welchen sie auf der Kirchweihe gewesen war, mitgebracht hatte, an das Mainufer gelockt, dieselbe dort arg mißhandelt und dann in den Main getragen, und zwar so weit, daß er selbst bis an die Hüften in den Fluß waten mußte. Du verruchte That geschah auf dem Hochheimer Gebier,