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Nassauische Allgemeine Zeitung.

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7Vr SSL Mittwoch den 1. September 1839,

DieNassauische Allgemein^ Zeiiunst" mit dem bellcrriNischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntag« ausgenommen, täglich »nd beträgt der PrânumerationSpreiâ für Wiesbaden und, nach dem neuen Postregulauv nunmehr auch für den ganzen Umfang des Thurn- und TariS'schen Verwaltungsbezirks mit Inbegriff des PostaufschlagS 2 fL, für die übrigen Länder des dentsch-âsterreichischen PostvereinS, wie für das Ausland 2 fl. 24 fr. -- Inserate werden die vierspaltige Petit» teile oder deren Raum mit 3 kc. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, banggaffe 42, auSwärtS bei den nâchstgelcgenen Postämtern, zu machen.

EonfesftsneU Wirren

Wiesbaden, 31. Aug. Ein Artikel in Nro. 189 unseres Blattes über die in Langenschwalbach vom Gemeinderath nicht gestattete Ausrichtung eines Cruci­fixes an der katholischen Kirche hat eine allem Anschein nach officiöse Entgegnung veranlaßt, welche uns zur Veröffentlichung zugekommen ist. Diese Entgegnung ist vor Kurzem in der Mittelrhcinischcu Zeitung und nun auch in denBlättern für Geist, Gemüth und Publi- rität" des Frankfurter Journals erschienen. Die Re­daction der Nass. Allg. Ztg. hatte erklärt, daß die Auf­nahme dieser Entgegnung erfolgen werde, daß sich die Redaction Vorbehalte, ihre Gegenbemerkungen zu dersel­ben zu machen und nur ersuche, den Artikel von einigen anstößigen Stellen zu säubern, indem der erste Artikel nicht ausgenommen worden wäre, hätte derselbe in der ThatSchimpf und Schmutz" enthalten. Die Verfasser der Entgegnung scheinen, besonderen Werth auf -diese KrastausdUicke gelegt, dagegen aber eine besondere Scheu vor den in Aussicht gestellten Gegenbemerkungen gehabt zu haben. Die Entgegnung wurde anderen Blattern zugesendet und von diesen ohne Bemerkungen aufgenom- men. Wir können nicht umhin, jetzt die vorbehaltencu Gegenbemerkungen zu machen. Wir sind zwar nicht berufen, die Verfasser der Entgegnung zu bevormunden, aber wir bedauern, daß sie sich ein solches Zeugniß gei­stiger Armuth ausgestellt haben. Wie der betreffende Be­schluß des Gemeinderaths zu Stande kam, wie die Abstim­mung der katholischen und evangelischen Glieder dessel­ben lautete, ist uns nicht bekannt. Wir haben cs mit der Motivirung dieses Beschlusses zu thun. Der Ge- meindcrath will dabei von der Rücksicht geleitet worden sein,daß es die Ehre und Würde des Gegenstandes erheische, ihn vor allen Verunglimpfungen rc. zu bewah­ren , was aber zu verhüten bei der Lage dieses Ortes an einer, zu jeder Zeit sehr belebten Straße, auch bei der sorgfältigsten Ueberwachung, unmöglich ist".

Wir waren bis jetzt der Meinung, daß dieser Ge­genstand durch die Verehrung, die er durch seine Heilig­keit einflögt, am besten geschützt sei und daß, wo diese Verehrung wider alles Vermuthen nicht ausrcichen sollte, die Strafgesetze dafür sorgen, ibn vor Verunglimpfungen zu schützen. Welche Begriffe müssen in Langenschwal­bach herrschen, welcher religiöse Sinn muß in der dorti­gen Bevölkerung verbreitet sein, wenn die städtische Be­hörde solchen Frevel für möglich und den Hang dazu für so mächtig hält, daß er sich für zu schwach erklärt, diesen Attentaten bei der sorgfältigsten Ueberwach­ung vorzubeugen. Wer schützt dann die Crucifixe, die aus Kirchhöfen, an einsamen Feldwegen stehen? Man sollte meinen, wir lebten nicht in einem christlichen Staat, wo das Bild des Welterlösers der Gegenstand gleicher Verehrung bei allen christlichen Consessionen ist. Sind denn im Herzogthume die Verbrechen gegen die Heiligkeit der Religion, sind den Gotteslästerungen so häufig, kommen sie überhaupt vor, daß eine Corporation es für nöthig findet, palliativ einzuschreiten; ist es nicht ein Schimpf für die ganze Bevölkerung, ihr solche vcr- abscheuungswürdige Gesinnungen zuzumuthcn? Wie müßte der Schulunterricht beschaffen sein, wie traurig müßte es um die religiöse Bildung der Jugend stehen, wenn solche Ansichten, wie der Langenschwalbacher Ge­meinderath sie voraussetzt, wirklich beständen. Wer sollte denn in Langenschwalbach das Crucifix verunglimpfen, die Katholiken? die Evangelischen, in deren Kirche selbst sich ein großes steinernes Crucifix befindet ? Wie uns die Sachlage geschildert wird, so geht die ganze Agita­tion von einer Anzahl Deutschkatholiken und Freige- meindler aus und diesen steht cs wahrlich übel an, von dem Frieden zwischen den Confcssioncn, von christ­licher Liebe zu sprechen und die evangelische Kirche vor den D e m o n st r a t i o n e n der katholischen Kirche (als solche wird die Aufrichtung des Crucifixes an der erwähnten Stelle bezeichnet) bewahren zu wollen. Wir glauben nicht, daß der Gemeinderath sich durch diesen Ein­fluß bei seinem Beschlusse leiten ließ, wir hätten aber gewünscht, daß er in der Lage gewesen wäre, seinen Ausspruch durch triftigere Gründe zu motiviren und daß er einen Vertreter gefunden hätte, der so viel Einsicht besitzt, zu erkennen, daß es Dinge gibt, bei denen die Vertheidigung eines Mißgriffes, wir wählen absichtlich diesen gelinden Ausdruck, mißlicher für den Vertheidigten ist, als der Mißgriff selbst.

Was hat es denn in Bezug auf confessionelle Rei­bungen im Herzogthum überhaupt auf sich. Seit wann datirt denn die' angebliche Animosität? Seitdem die Demokratie sich dieses Gegenstandes zu ihren Zwecken

bemächtigt hat, seitdem diese den einzelnen Confessionen vorspiegelt, daß ihre heiligsten Interessen durch die An- strcbungeu der anderen gefährdet worden. Es ist eine schöne Sache um wahre Religiosität, um den Eifer- für den Glauben, es ist aber empörend, sehen zu müs­sen, wie diese edle Regung zu Partcizwccken gemiß­braucht, wie die religiöse Gesinnung der achtbarsten Leute, wie so viele chreuwerthe Kräfte von einer Classe von Leuten, denen nichts heilig ist, nur als Hebel be­nutzt werden, um die Schwierigkeiten, die sich ihren ver­derblichen Plänen entgegenstellen, hmwegzuräumen, als Mittel,' um ihnen die Wege für ihre Umsturzgelüste zu ebnem, Mögen alle, die von wahrhaft religiösen Ge­fühlen durchdrungen sind, erst über ihre so plötzlich aufge- tauchtcn Bundesgenossen sich klar werden; mögen sie vorerst ihre hohe Sache vor der Schmach, von solcher Seite vertheidigt zu werden, bewahren, dann werden auch die geträumten Gefahren schwinden, und dann wird wieder wahrer Friede und wahre Eintracht herrschen, wie jeder rechtlich denkende cs wünscht und wün­schen muß.

Vie Iottrage.

. Ueber die handelspolitische Frage zu referiren, ist eben bei dem Mangel neuer thatsächlicher Anhaltspuncte ein undankbares Geschäft. Es ist ein Laufen und Ren­nen und Conferiren, wie es kaum je dagewesen und der unbefangene Zuschauer kann sich des Gedankens nicht erwehren, daß man bei einer Bereitwilligkeit von preu­ßischer Seite das Alles viel wohlfeiler hätte haben kön­nen. So viel steht fest, daß Preußen sich in der größ­ten Verlegenheit befindet, weil Hannover durchaus nicht mit Preußen allein, sondern mit Deutschland und Oesterreich znsammengehen will. Bemerkenswerth ist auch, daß Blätter, welche seither auf die arroganteste Weise in die Lärmtrompete zu stoßen pflegten, schon viel bescheidener auftreten und ihre Anmaßungen be­deutend herabstimmen. So wird der Kölner Zeitung 3 B«tm vom 27. geschrieben: Nachdem gestern Abends der hannoverische Ministerpräsident, Freiherr v. S ch e l e von Ischl hier eingetroffen, hatte derselbe heute Vormittags eine Besprechung mit unserem Ministerpräsi­denten in den Zollangelegenheiten, zu welcher auch der hiesige Gesandte am Hannover'schen Hofe, General von Nostiz, der General-Steuerdircctor Dr. Klenze und der hiesige Gcncral-Steucrdirector v. Pommer-Esche zuge­zogen waren. Es galt, eine Uebereinstimmung Hanno­vers mit den diesseits entworfenen Schritten in der Er­klärung gegen die CoalitionSstaaten herbeizuführen. Es wird behautet, d a ß H an n o ver z u mehr vermittelnden als zu energischen Schritten gerathen habe. Nach den Berathungen fand ein Zollvereins-Diner bei dem Ministerpräsidenten zu Ehren des Hrn. V. Schele statt, an welchem die Minister der Finanzen und des Handels, die UnterstaatSsecretäre dieser Ministerien, die hiesigen Conferenzbevollmächtigten, General v. Nostiz, Dr. Klenze und der hiesige hannoversche Gesandte Theil nahmen. Da demnach die Erwiderung noch nicht ganz feststeht, so ist die Abgabe derselben erst in nächster Woche zu erwarten. Ueber die Parteistellung, welche Hannover in der streitigen Zollfrage einnimmt, kann ich Ihnen eine ganz zuverlässige Mittheilung machen. Vor­erst hält Hannover unter allen Umständen (?) an dem Scptcmbervertrage entschieden fest, hat aber ein sehr ge­wichtiges Interesse, es zu verhindern, daß der Zollverein verkleinert und ohne die Darmstädter Coalition recon- stituirt werde, vor Allem wegen alsdann eintretender Reduction des Präcipunms. Nachdem cs aber die Re- constituirung des Zollvereines durchgesetzt, ist es ein entschiedener Anhänger des Handelsver­trages mit Oesterreich, den es nicht nur in ei­nem bedeutenden Umfange abgeschlossen zn haben wünscht, sondern auch dessen Ueber gang zu einer Zoll- einigung herbeiführen möchte, jedoch ledig­lich für den Fall, daß die im Scptcmbervertrage stipu- lirten Tarifsätze keine weitere Erhöhung und die Hanno- ver'schen Zolleinnahmen und anderweitige Steuerfähig­keit des Landes nicht dadurch pccuniäre Verluste erlei­den. Dieses Programm steht beim hannover'schen Mi­nisterium fest, weßhalb denn auch von dieser Seite eher eine Schwächung als eine Stärkung der preußischen Gegenerklärung der Coalition zu erwarten steht.

Heute fordert dieK. Z" dagegen, Preußen müsse endlich Ernst machen. Nach seiner Erklärung vom 20. Juli hat es keine Wahl mehr; es muß danach han­deln. Alles, was gute Patrioten von der Versöhnlich­

keit der Coalition unter österreichischer Leitung(!)sagen- kann nichts Anderes beweisen, als daß Preußen ebenso versöhnlich in der Form sein muß, als fest in der Sache. Es wäre nimmer so weit gekommen, wenn die verbündeten Regierungen an den Ernst der preußischen Regierung geglaubt hätten. Es muß ihnen der Wahn genommen werden, daß, wie Georg II. über Friedrich Wilhelm I. spottete, Preußen immer ziele, aber niemals losdrücke.

DieNeue Preuß. Zeitung" schweigt ganz über dir Zollfrage. ____________

Deutschland.

2p Wiesbaden, 30. August. Auf die erhobene Nichtigkeitsbeschwerde des Johann Meudt von Bilk­heim, herzogl. Justizamtes Wallmerod, gegen das Er-« kenntniß des Assisenhofs in Dillenburg in Untersuchungs- sachen gegen denselben wegen Diebstähle hat der Cassa­tionshof Termin zur öffentlichen Verhandlung der Sache ans Dienstag den 8. September, Morgens 9 Uhr, bestimmt. Die Sitzung findet im herzoglichen Oberappellationsgerichts-Saale statt.

Wiesbaden, 26. August. (M. I.) In der vor­läufigen Hausordnung für das hiesige Versorgungshaus alter Leute sind unter anderen folgende Bestimmungen enthalten:Ohne Erlaubniß des Hausvaters darf Nie­mand das Haus verlassen oder Besuche annehmen. Zu dem Essen haben sich Alle in dem dazu bestimmten Lo­cale znr festgesetzten Zeit einzufinden. Den Beschäfti­gungen, die jeder Person nach ihren Kräften und Fähig­keiten zugewiesen werden, hat sich dieselbe unweigerlich zu unterziehen. Wer zu Zank und Streit Veranlassung gibt, kann, wenn Zurechtweisung fruchtlos bleibt, von der Anstalt ausgeschlossen werden. Für gute Erbau- ungSbücher und deren zweckmäßigen Gebrauch werden die Geistlichen Sorge tragen". In einer uns heute zur Hand gekommenen Nummer des Frankfurter Journals aus voriger Woche lesen wir zu unserem Erstaunen« fol­gende rührende Bemerkungen hierzu:In der vorläu- - figen Hausordnung sind indeffen einzelne Bestimmungen enthalten, die gewiß nicht vom Stifter herrühren, denn diesen kannten wir zu gut, als daß man von ihm glau­ben könnte, daß er solche, die persönliche Freiheit dieser alten unglücklichen (?) Leute beschränkende Anordnungen getroffen hätte. Wir wollen hoffen, daß es durch eine zahlreiche Betheiligung an diesem Liebeswerke gelingen wird, die Stiftung im Sinne ihres Gründers erblühen zu lassen, der nie ein Frömmler gewesen ist, und dessen Absicht es sicherlich auch nicht war, eine Betschule mit klösterlichen Beschränkungen zu errichten." Gesinnungs» genossen des Correspondenten des Frankfurter Journals pflegen sich bei dergleichen Liedeswerken nicht sehr zu bethciligcn, es wird daher die Anstalt auch nicht im Sinne des Herrn Correspondenten verwaltet werden. Abgesehen übrigens davon, daß kein vernünftiger Mensch aus der erwähnten Hausordnung eine Betschule mit klösterlichen Beschränkungen herausfinden wird, hätten wir hierzu nur zu bemerken, daß die ftagliche Versor­gungsanstalt ihre Entstehung nicht Einem Stifter, son­dern zwei ganz gleich bethciligten Stiftern zu verdanken hat, und daß die dermalen noch lebende und bei der Gründung der Stiftung thätige Mitstifterin, die Schwe­ster des zweiten verstorbenen Stifters, doch wohl besser wissen möchte, ob die Hausordnung in ihrem und ihres verstorbenen Bruders Sinn entworfen sei, als der bummelnde Correspondent des Frankfur­ter Journals, welcher, im Vorgefühle, vielleicht einmal Bewohner der Anstalt werden zu müssen, schon jetzt wegen seiner Freiheit besorgt Hi.

):( Vom Mai«, 28. August. Die Getreide­ernte ist vollendet und im Ganzen nicht allein eine be­friedigende, sondern an vielen Orten sogar eine der Garbenzahl nach reiche zu nennen; davon zeugen die häufig im Felde aufgesetzten Feimen, weil eben der Scheunenraum nicht genügt. Um so bedauernswerther ist dies für die Gemeinden, die von dem bedeutenden Hagelschlag dieses Sommers mit betroffen wurden, wie dies namentlich von Griesheim zu sagen ist. Unter denen, welche zur Milderung des Verlustes beitrugen, ist auch Graf Bose zu Hof Goldstein zu nennen, wel­cher durch seine Gutsverwaltung an das Herzog!. Kreis­amt zu Höchst 400 fl. auszahlen ließ. Wenn in diesen Blättern öfters hervorgehoben wurde, wie eS weiter vorzugsweise Sache des grundbesitzenden Adels fei, in Sachen der Landwirthschaft mit der Zeit voranzu­schreiten, so war dies seit Jahren schon die Aufgabe des