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Nassauische Allgemeine Zeitung.

^ »04. Dienstag den 31. Anglist 455».

DieNaffamschc Nllftcmeine Zeit«!!»" mit dem belletriflifdten BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntags ausgenommen, täglich und beträgt der PrânumerationSpreiS für Wiesbaden und, nach dem neuen Postregulakiv nunmehr auch für den ganzen Umfang des Thurn- und Tares'sche» Verwaltungsbezirks mit Inbegriff des Postaufschlags 2 fl., für die übrigen Länder deS deutsch-österreichischen PostnereinS, w>e für das Ausland 2 st. 21 kr. Inserate werden die dierspallige Petit- gtj[e oder deren Naum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgaffe 42, auSwârlS bei den nächstgelegene» Postämtern, zu machen.

Programm der »9. Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte zu Wiesbaden.

Die vorigen Jahres in Gotha versammelten deut­schen Naturforscher und Aerzte haben für die Abhaltung ihrer 29. Versammlung Wiesbaden ge­wählt. Wir geben nachstehend das von dem ersten Ge­schäftsführer der Versammlung, Herrn Professor Dr. R. FrescniuS, uns mitgetheilte Programm der­selben :

§. 1. Die Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte wird statutenmäßig vom 18. bis 24. Sep­tember hier abgehalten werden.

8. 2. Ausländischen Gelehrten ist die Theilnahme an den Versammlungen gestattet und ist ihre Betheili­gung au denselben sehr erwünscht.

8. 3. Die Versammlung besteht aus Mitgliedern und Theilnehme.ru. Mitglied mit Stimmrecht ist nach den §§. 3 und 4 der Statuten nur der Schriftsteller im naturwissenschaftlichen und ärztlichen Fache; eine Jnaugural-Dissertation berechtigt jedoch nicht dazu. Theilnehmer ohne Stimmrecht kann Jeder sein, der sich mit den genannten Fächern wissenschaftlich beschäftigt.

8- 4. Das Aumeldebureau befindet sich im Tau­nushotel, gegenüber dem Bahnhöfe, und ist vom 15. September an Morgens von 7 bis 1 und Nachmittags von 4 bis 8 Uhr geöffnet. Daselbst haben sich Alle, Mitglieder und Theilnehmcr, persönlich zu melden, ein­zuschreiben und ihre Legitimationskarten gegen Erlegung von 2 Thlr. pr. Cour. oder 3 fl. 30 kr. rheiu. in Em­pfang zu nehme«.

8. 5. Auf dem Anmeldebureau wird sich zugleich die Logis-Commission befinden, um den verehrten Gä­sten die nöthige Auskunft über Wohnungen zu erthei­len. Diejenigen Herren, welche Wohnungen vorausbe­stellen wollen, werden gebeten, sich deshalb frühzeitig an die Geschäftsführer zu wenden.

§. 6. Herr Dr. phil. Fridolin Sandberger und Herr Dr. med. B. Huth waren so gefällig, die Secretariatsgeschäste zu übernehmen. Außerdem hatte eine Anzahl von Freunden der Naturwissenschaft und Heilkunde die Güte, zu einem größeren Comilee zusam­menzutreten, um die Geschäftsführung bei ihren Arbei­ten zu unterstützen. Dieselben tragen eine blau und orangefarbene Bandschleife.

8. 7. Die allgemeinen Sitzungen werden am 18., 21. und 24. September im großen Saale des Kurhau­ses abgehalten werden; dieselben dauern von 9 Uhr Morgens bis halb 1 Uhr Nachmittags, und ist der Eintritt nur gegen Vorzeigung der Legitimationskarte gestattet.

8. 8. Nur die stimmfähigen Mitglieder haben das Recht, in den allgemeinen Sitzungen Vorträge zu hal­ten. Diese Vorträge müssen ein allgemeines, wissen­schaftliches Interesse haben, dürfen nicht zu lange aus­gedehnt sein, und müssen mindestens Tags vorher bei den Geschäftsführern, wenigstens im Auszuge, abgegeben werden.

§. 9. Der erste Geschäftsführer eröffnet die erste öffentliche Sitzung am 18. September mit der Bewill­kommnung der Versammlung. Sodann verliest der zweite Geschäftsführer die Statuten der Gesellschaft, berichtet über etwa eingegangene Druckschriften und sonstige die Versammlung betreffende Correspondenz, und fordert zum Schluß die Sectionsführer auf, die unten genann­ten Sectionen mit den ihnen bestimmten Localen be­kannt zu machen.

§. 10. In dèr zweiten öffentlichen Sitzung erfolgt die Wahl des Ortes der nächsten Zusammenkunft durch absolute Mehrheit der stimmfähigen Mitglieder.

8. 11. In der dritten öffentlichen Sitzung wird nach Beendigung der angekündigten Vorträge die Ver­sammlung durch den ersten Geschäftsführer geschlossen.

§. 12. Nach dem Vorgänge früherer Versammlun­gen wird die Bildung folgender 7 Sectionen vorgeschla­gen. Die neben jeder Section genannten Herren wer­den die Section in ihr bestimmtes Local einsührcn und bis zur Wahl des Präsidenten, Vicepräsidenten und der Secretäre die nöthigen Geschäfte leiten.

8. 13. Sectionen. 1. Section: Physik, Ma­thematik und Astronomie. (Theater.) Schulrath Dr. Mülller. 2. Section: Chemie und Pharmacie. (Theater.) Dr. Casselmann. 3. Section: Minera­logie, Geognosie und Geographie (Nassauer Hof.) Dr. Guido Sandberger. 4. Section: Botanik, Land- und Forstwissenschaft." (Kleiner Saal im Kurhause.) Pro­fessor Dr. Medicus. 5. Section: Zoologie, Anato­mie und Physiologie. (Kleiner Saal in den 4 Jahres­

zeiten.) Medicinalrath Dr. Müller. 6. Section: Me­dicin , Chirurgie und Geburtshülfc. (Großer Saal in den 4 Jahreszeiten.) Medicinalrath Dr. Haas. 7. Section: Anthropologie und Psychiatrie. (Kleiner Saal in den 4 Jahreszeiten.) Obermedicinalrath Dr. V o g ler.

§. 14. Die Sitzungen der Sectionen finden am 20., 22. und 23. September von 8 Uhr Morgens bis 1 Uhr Nachmittags, mit einer Pause um 10 Uhr, statt.

§. 15. Diejenigen Herren, welche Vorträge halten wollen, sowohl in den allgemeinen, als in den Sec- tionssitzungen, werden dringend ersucht, ihre Vorträge vollständig oder im Auszuge noch während der Dauer der Versammlung an das Sekretariat, beziehungsweise an die Bureaux der Sectionen, zur Abgabe an die Ge­schäftsführer gelangen zu lassen ; nur dann können diese für vollständigen Abdruck der Vorträge im amtlichen Berichte cinstehcn; sie werden die Manuscripte nach Beendigung des Drucks den Verfassern auf Verlangen wieder zustellen.

8. 16. Herr Buchhändler Chr. Wilh. Kreid el hat die Gefälligkeit, vom 15. bis 24. September inet ein Auskunftsbureau zu errichten, in welchem die verehr­ten Gäste jede Auskunft über Sehenswürdigkeiten, est- lichkeiten rc. erhalten können; dasselbe befindet sich in der Chr. Wilh. Kreid el'schen Buchhandlung, Lang­gasse Nr. 25.

8- 17. Alle diejenigen verehrten Mittgliedcr, welche Vorträge in den Sectionen zu halten wünschen, werden gebeten, dieselben Tags vorher bis Nachmittags 2 Uhr, bei den betreffenden Sectionspräsidenten anzumclden. Letztere aber werden ersucht, deren Anzeige bis Nach­mittags 3 Uhr in die Kreid el' sche Buchhandlung zu senden, damit sie in das nächste Tagblatt ausgenommen werden kann.

8- 18. Zur Bequemlichkeit der Gäste wird ein Lesezimmer, sowie ein Zimmer zum Briefschreiben mit den nöthigen Materialien versehen, geöffnet sein.

8- 19. Das Tagblatt wird jeden Morgen dm Mitgliedern und Theilnehmern am Eingänge der be- sireffeudeu VerfnnE^ gr^üs zugeftellt. Das­selbe enthält die Lifte der neu angekommenen Gäste, die Anzeige der zu haltenden Vorträge und der für den Tag beabsichtigten Festlichkeiten.

8- 20. Es werden drei gemeinschaftliche j'Mittag- essen im großen Saale des Kurhauses stattfinden und zwar nach jeder öffentlichen Sitzung. Das Couvert kostet 1 fl. rhein. oder 17 Silbergroschen preuß. Da­mit den einzelnen Herren möglichst viele Gelegenheit zu persönlichen Bekanntschaften gegeben ist, werden alle Mitglieder ersucht, an diesen Mittagsmahlzeiten regel' mäßig Theil zu nehmen.

8. 21. Den Mitgliedern und Theilnehmern steht das hiesige Casino offen.

8. 22. Zu den öffentlichen Versammlungen, sowie zu den allgemeinen Mittagessen und sonstigen geselligen Zusammenkünften der Gesellschaft haben Nichtmitglieder nach Zulässigkeit des Raumes Zutritt; die betreffenden Karten werden in dem Aufnahmebureau ausgestellt.

8. 23. Für die Mitglieder und Theilnehmer der Gesellschaft gilt überall die Legitimationskarte, welche dieselben daher bei sich zu tragen und auf Verlangen vorzuzeigen gebeten werden. Wiesbaden im Juli 1852. Die Geschäftsführer: Prof. Dr. Fresenius. Dr. Braun.

Die ZoUfrage.

*Es ist interessant, zu sehen, wie die einzelnen Blät­ter die vom Schwäbischen Merkur gebrachte telegraphische Depesche ephemeren Andenkens auffassen und mittheilen. Die Kasseler Zeitung bewundert den Kladderadatschstyl derselben. Die N. Pr. Z. meint: Die Schwaben müs­sen doch immer etwas Apartes haben; der Schwäbische Merkur läßt sich seine Enten, um den Vorzug der ersten Mittheilung zn haben, jetzt per Telegraph kommen. Es heißt sonst, die Schwaben würden mit Dem vierzigsten Jahre klug, dieser Schwäbische Götterboote scheint aber mit den gewöhnlichen Schwaben nichts gemein zn haben, denn er zählt, so viel wir wissen, schon weit über hun­dert Jahre. Die Weser-Zeitung sagt: DerSchwä­bische Merkur" macht sich das Vergnügen, seine Schwa­ben mit einer telegraphischen Depesche zu überraschen: Wir brauchen nicht hinzuzufügen, daß der berliner Ab­sender dieser Botschaft den Merkur mit einer reinen Erfindung dupirt hat; wir geben heute schon Nachrich­ten von den beiden folgenden Tagen, die nichts weniger als solche fürchterliche Dinge melden. Preußen hat den Bevollmächtigten ihre Pässe nicht zristellen lassen: die Nachricht wird freilich in Württemberg trotzdem ihren Effect nicht verfehlen.

Auf diesen Effect scheint auch dieMittelrh. Ztg." gezählt zu haben. Sie hat jene Nachricht, trotzdem, daß sie von ihrer Unrichtigkeit überzeugt war, daß schon die gegentheilgen Berichte in ihren' Handen waren, den­noch setzen, drucken und verbreiten lassen. Es läßt sich dies genau berechnen, wenn wir auch annehmen, daß die betreffende Beilage schon um 12 Uhr Mittags und nicht, wie wir nachträglich erfahren haben, gegen 1 Uhr erst ansgegeben und noch um 2 und halb 3 Uhr durch den Bahnzug und die Post an die auswärtigen Abon­nenten befördert wurde. Es ist nun das dritte Mal, daß die Mittelrheinische Ztg. solche falsche Nachrichten aussprengt. Wir haben nus jeden Urtheils über die einem solchen zweideutigen Benehmen zu Grunde liegende Absicht enthalten und wollen es nur dadurch erklären, daß ihre Wünsche der Wirklichkeit vorauseilen. Welche diese Wünsche sind, ist unschwer zu errathen.

Diese Nachrichten bezogen sich stets auf den Abbruch der Unterhandlungen, auf den Bruch zwischen den bei­den Großmächten, auf das Nichtzustandekommen der Einigung zwischen den Regierungen Deutschlands. Jede darauf bezügliche Mittheilung greift sie mit Begierde auf, ihr Wunsch ist, Zerwürfnisse zwischen den Trägern der conservativen Ideen, wenn nicht selbst herbeizuführen, so doch entstehen, größer und unheilbar werden zu sehen: es ist dies das Geheimniß der von der Demo­kratie seither geübten. Politik. Sie hält es auch nicht der Mühe werth, in Abrede zu stellen, daß sie diese Politik verfolge, und ihre demokratischen Bestrebungen noch nicht "aufgegeben habe, sonst hätte sie unseren letzten Artikel, der diese Bebauptungen enthielt, beantworten müssen. Wir hoffen daher, daß es wenige geben wird, welche sich durch das vorschovene Streben nach Erhaltung des Zollvereins noch täuschen lassen und nicht die eigent­liche Tendenz dieses Blattes durchschauen und wenn wir uns mit der Ansicht jener einverstanden erklären sollen, die, dem gefunden Sinn des Volkes vertrauend, meinen, daß dieses Treiben immerhin geduldet werden könne, so wünschen wir nur, daß das Volk diesen seinen gesun­den Sinn bewahre und rechtzeitig bewähre. Die Prüfungen, die er täglich bei den offenen und versteck­ten Angriffen gegen die Regierung zu bestehen hat, sind wahrlich nicht unbedeutend.

ES kommt hier eigentlich darauf .an, wer die leiten­den Gedanken zu der Tendenz'dieses Blattes gibt. Ist es Bambergers Eleve, der in seiner gewohnten Thätig­keit fortfährt und im Sinne der Grundsätze der früheren Mainzer Zeitung wirkt; dann wäre es Pflicht der jetzt bei diesem Blatt Betheiligten einem Treiben entgegenzu­treten, daö in ihrer Absicht nicht liegen kann und schon eine Person, welche vor dem Riß stehen muß, der Strenge der Strafgesetze preisgab. Findet seine Geschäftsführung die Billigung der Theilnehmer oder handelt er nach ihren Weisungen, dann ist es allerdings unrichtig, in den Symptomen des bedauerlichen Uebels den Sitz der Krankheit suchen und die Mittel zur Abhilfe am unge­eigneten Orte anwenden zu wollen.

Die Z o l l f r a g e wird (so läßt sich dieLeip­ziger Zeitung" aus Berlin schreiben) bis nach der Rückkehr des Königs ruhen, die am 31. erfolgen wird. Unter dem Vorsitze desselben wird alsdann ein Minister­rath abgehalten werden, in welchem die definitiven Be­stimmungen über das Verhalten Preußens getroffen werden sollen. Man glaubt, daß die Confercnzcn, welche der hannoverische Premierminister, Freiherr v. Schele (derselbe ist am 26. in Berlin eingetroffen), in der Zollfrage mit dem Herrn v. Manteuffel halten wird, nicht ohne Einfluß aus die preußische Antwort bleiben werden, obschon sie sich fürs erste nur auf die Ausfüh­rung der Bestimmungen des Septembervertrages be­ziehen und nur zum zweiten Gegenstand Ausgleichungs- Versuche zwischen Preußen und den Coalitionsstaaten haben sollen.

Die heutige Nummer derSpener'schen Zeitung" enthält in einem sehr versöhnlichen Leitartikel folgendes: Verlangt die Stuttgarter Antwort etwa, daß Preußen den in Wien zu Stande gebrachten Entwurf eines Zoll- und Handelsvertrags mit Oesterreich einfach anerkennen soll? Nein, cs soll sich darüber anssprechen, in wie weit es den Entwurf als Grundlage der Verhand­lungen mit Oesterreich anzuerkennen, und in welcher Fassung cs den erwähnten Zoll- und Handelsvertrag demnächst anzunehmen bereit sei. Daran sehen wir nun wirklich nichts, was uns entwürdigen könnte, nichts, worüber Preußen sich alsbald zu erklären Anstand neh­men dürfte. Der Prüfung ist jedenfalls der Wiener Conferenzentwurf werth; er ist nicht ohne Verständniß beiderseitiger Bedürfnisse abgefaßt; und wenn Dinge