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Nassauische Allgemeine Zeitung

M 809. Samstag den 28. Aagast /?.

DieNassauische öligemrine Zeitiinft" ^^ dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntags ausgenommen, täglich und beträgt der PrânumerationSpreiS für Wiesbaden und, nach dem neuen Postregulaiiv nunmehr auch für fern ganzen Umfang des Thurn- und Tarts'schen Verwaltungsbezirks mit Inbegriff des Postaufschlags 2 fl., für die übrigen Länder des deutsch-österreichischen PostvereinS, wie für das Ausland 2 fl. 24 kr. Inserate werden die viersxaltige Petit« jkile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgasse 42, auSwärtS bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

Die Versammlung drutcher Veschichts- und Zlterthumsforscher in Dresden.

Die Versammlung deutscher Geschich tö­nn d A l t e r t h u m s f o r s ch e r hat zwar schon am 17. ihre Schlußfcier begangen: aber erst mit dem folgenden Tage schloß die schöne, an Ergebnissen wie an Anre­gungen reiche Festzeit, welche sie hier zugebracht.Nicht Worte, sondern Thaten!" war die Losung, mit welcher der hohe Protector und Leiter der Versammlung dieselbe be­grüßte. Die Verhandlungen erhielten gleich anfangs die Bürgschaft eines bedeutsamen Resultats durch die Vorlage des Freiherrn von Aufseß, dessen Plan zur Gründung eines germanischen Museums in Nürnberg großartig ist, er wäre cs schon durch die Intention des Urhebers, er ist es »oUcnS durch die klaren, festen Bestimmungen, in denen uns nicht blos seine Ausführbarkeit verdeutlicht, sondern bereits die Grundlage der Ausführung gegeben wird. Zweck und Durchführung sind hier auf das Be­stimmteste vorgezeichnet. Ersterer wird als ein dreifacher hingestellt: die Beschaffung eines wohlgeordneten Gene­ralrepertoriums über das ganze Quellenmaterial für die deutsche Geschichte, Literatur und Kunst, vorläufig von der ältesten Zeit bis zum Jahre 1650; die Errichtung eines diesem "Umfange entsprechenden allgemeinen Mu­seums, bestehend in Archiv, Bibliothek- Kunst- und Al­terthümersammlung; endlich die Verbreitung gründlicher Kenntniß der vaterländischen Vorzeit durch Herausgabe der vorzüglichsten Quellcuschätze unu belehrender Hand­bücher. In der zweiten Sitzung wurde von der Com- missiou der Antrag befürwortet, die Ausbildung des germanischen Museums auf jede Art zu fördern, und soweit dessen Gründung durch die Kräfte eines Privat­mannes möglich, dasselbe nunmehr als begründet zu be­trachten. Herr von Aufseß verfehlt nicht, das Maß seiner Kräfte für diesen Anfang näher zu bestimmen. Seine Bibliothek von 10,000 Bänden, seine Sammlun­gen überläßt er dem Museum auf die Dauer von zehn Jahren; er hat bereits Actionäre gewonnen, ein Local in Nürnberg gemiethet. Die Frage über das Hauptziel der Versammlung wurde lebhaft erörtert. Auf einen Centralpunkt für die Wirksamkeit der einzelnen Vereine, bei Aufrechthaltung ihrer Selbstständigkeit, drängte Al­les hin; nur über die Beschaffenheit desselben waren die Meinungen getheilt. Die Commission empfahl zu jähr­licher Zusammenkunft in einer wechselsweise zu bestim- menden Stadt einen Centralausschuß aus Abgeordneten der historischen und Alterthumsvereine, während ein ständiger Ausschuß die laufenden allgemeinen Geschäfte zu besorgen, überhaupt die wissenschaftlichen Gcsammt- interessen der Vereine zu wahren und die Jahresver­sammlungen einzuleiten hätte, zu denen übrigens auch Nichtvereinsmitglieder zuzulassen waren. Andererseits beantragte Archivar Dr. Lisch aus Schwerin einen Cen­tralverein, zu welchem die einzelnen Vereine sowohl als außerhalb derselben stehende Forscher zusammenträten. An diese beiden Anträge knüpfte sich im Gegensatze zweier Principien eine Discussion über die Grenzen der Versammlung. Der Geheimrath Olsers aus Berlin engte dieselbe etwas zu bureaukratisch ein; er wollte vereintes Wirken ausschließend im Vereiuswirken sehen und daher nur Mitglieder bestehender Vereine an den Versammlungen theilnehmen lassen. Dagegen wurde nach dem warmen Einspruch Ernst Förster's aus Mün­chen das Princip freier Einigung geltend gemacht. Pro­fessor Höfler aus Prag warnte mit treffendem Witz vor demPhilisterthum" des Vereiuswesens. Director Waagen aus Berlin hob die in England gemachten Erfahrungen hervor, wo gerade der Wegfall der Cor- porationsbeschränkung sich am ersprießlichsten und för­derlichsten erwiesen hätte. Bei der Abstimmung wurde das zwischen jenen Gegensätzen in der Mitte liegende Votum der Commission angenommen und demgemäß die Bildung eines Centralausschusses mit ständigem Ausschuß beschlossen. Zu letzterem ernannte die Ver­sammlung auf den Antrag des Herrn von Olfers zu­nächst den derzeitigen Vorstand des hiesigen Alterthums­vereins. Fernere Beschlüsse der zweiten Sitzung waren: die nach dem Vorschläge des Dr. Lisch zu treffenden Anstalten zur Abformung, Verbreitung und Aufbewah­rung der Denkmale deutscher Vorzeit; sodann die an die deutschen Regierungen zu richtende Bitte um Ernennung von Konservatoren der alten Kunstdenkmale, damit letz­tere gegen Zerstörung, Verderben und Verschleppung gesichert würden. In der dritten Sitzung (am 18. Aug.) kamen hauptsächlich die Anträge der Sectionen zur Be­rathung, sie trafen die Einzelnen mit den bereits ge­faßten Beschlüssen zusammen und mehr oder minder mit

den in den Statuten desgermanischen Museums" ent­haltenen Vorschlägen: Sammlung und Veröffentlichung von Urkunden, Regesten, Repertorien. Conservatorenan- stelluug, Herausgabe gründlich belehrender Werke, und so noch viele andere, auf Verbreitung der Alterthums­und Gcschichtskunde , auf Forderung alles wissenschaft­lichen Forschens, auf Erhaltung der jetzt noch vorhan­denen Denkmale (gleichviel ob in Erz, Stein oder Schrift) gerichtet, die denn auch einstimmig angenom­men wurden.

Soweit die Arbeiten der Versammlung. Die Fest­stunden, die sich unmittelbar daran reihten, waren nicht weniger ergcbnißreich, wenn überhaupt das wichtigste Resultat solcher Versammlungen die persönliche, nach weiten Kreisen verbreitete Anregung ist. Der Abend des 17. August, wo Prinz Johann die Mitglieder in seinem Garten zu einem Souper vereinigte, an welchem fürstlicher Glanz und herzliche Einfachheit Hand in Hand gingen; die Schlußfeier in dem Prachtsaale des könig­lichen Palais im großen Garten, wo vor nahe an tau­send Zuhörern, in Anwesenheit deS Königs und der Königin Vorträge (vom Prinzen Johann, Dr. Lisch und Professor Piper) mit ergreifenden und unmuthi­gen Gesängen aus alter Zeit wechselten (Hymnus de nativitate Jesu Christi ; alldeutsches Marienlied; iv Motette von Palestrina; weltliches Madrigal von - Thomas Morley; weltliches Lied von Laurentius Lem- blin; zwei Festlieder von Johannes Eccard; Passions­gesang von Heinrich Schütz); endlich die Elbfahrt nach Meißen, wo Prinz Johann die Genossen der Fahrt durch die freundliche Stadt nach der hohen Albrechts­burg und in den majestätischen Dom führte, wo der Hoforganist Schneider mit gewaltigen Orgeltönen die Herzen erschütterte, und später der erlauchte Präsident der Versammlung mit sämmtlichen Theilnehmern sich an schlichter Wirthstafel zu einem traulichen Abschiedsmahle niederließ, welches die heiterste Laune, sprudelnder Witz und Beredtsamkeit würzten. Alle diese festlichen Mo­mente boten eine gleiche Fülle erhebender Eindrücke und des edelsten Genusfes. Und gewiß, der Nachhall der­selben ist so bleibend, wie die Thätigkeit der Versamm­lung von nachhaltiger Wirkung sein wird.

Die Zollfrage.

* Die Mittelrhein. Zeitung hat nicht verfehlt, die Nachricht über den Abbruch der Berliner Zoll-Conferen- zen nach einer Mittheilung ihres Berliner Bv. Korre­spondenten vom 23. August in einer, wir glauben um 12 Uhr Mittags ausgegebenen Extra-Beilage ihrer Num­mer vom 26. resp. 27. zu veröffentlichen, trotzdem, daß aus den Mittheilungen ihrer Bundesgenossin, der Neuen Preuß. Ztg., (welche zu früher Morgenstunde hier ein­trifft) nicht nur die Unzuverlässigkeit und Unrichtigkeit derselben zu entnehmen war, sondern auch die gegensei­tigen Nachrichten resp, die Berichtigungen derselben ein- getroffen waren und mit diesen sogar ihre eigene berich­tigende Korrespondenz des obigen Bv. vom 24. August eingetroffen sein mußte.

Sie sah sich deshalb auch bemüßigt, diese Nachricht in ihrem Hauptblatt, unmittelbar darauf in einem Mit­tags datirten Redactiousartikel zu widerrufen! Wir fragen, warum wird eine solche Nachricht mitgetheilt oder nicht rechtzeitig noch zurückgezogen? Wir wollen eine böse Absicht nicht unterstellen, und darin blos einen Mangel an Aufmerksamkeit und Gewissenhaftigkeit er­blicken. Wir machen nur darauf aufmerksam, daß die Nachricht vom Abbruch der Zollconferenzen, resp, an die Zollsrage bezüglicher Unterhandlungen nun schon zum d r i t t e n m a l e in die Oeffentlichkeit geschleu­dert wurde und daß sich dieselbe bis jetzt stets als un­wahr herausgestellt hat.

Vou Puttbus ist, wie die Allgem. Ztg. berichtet, keine definitive Entscheidung in der Zollsrage gekommen. Die tiefe Bedeutung einer Zertrennung Deutschlands durch eine Zolllinie werde geeigneten Ortes namentlich unter den gegenwärtigen Verhältnissen, gehörig gewür­digt und der Lärm der Neuen Preuß. Ztg. sei durchaus nicht maßgebend für die Beurtheilung der Frage an ent­scheidender Stelle.

DerZtg. s. Nordd." wird berichtet, daß in Ber­lin das Gerücht verbreitet gewesen sei, Herr von Man­teuffel habe dem König in Putbus die Auflösung der Zoll-Konferenz vorgeschlagen und im Falle der Ab­lehnung dieses Vorschlages nm seine Entlassung bitten wollen.

Man sagt, der würtembergische geh. Nath v. Klind­worth sei direct nach Putbus gereist, um eine Audienz

bei dem König zu erlangen und dort Vorstellungen zu machen.

Hr. v. Scheele wurde um 26. d. M. in Berlin erwartet.

Das Mannheimer Journal bringt heute folgende telegraphische Depesche aus Berlin vom 25. August: Vou Hannover und Württemberg ist eine Vermittlung versucht, aber noch nichts darüber beschlossen. Der gestrige Beschluß ist den Einzelnen blos vertraulich kund gegeben und von diesen nach Hause telegraphirt. Bis Samstag wird Antwort erwartet und soll Entscheidung erfolgen. Preußen wird au seiner Erklärung vom 20. Juli festhalten. Die Spener'sche Zeitung hält die Annahme der von der Koalition ausgesprochenen Be­dingungen für eine noch größere Unmöglichkeit als eine österr. Zolleinigung und glaubt, daß ihre Ablehnung in der nächsten Zollconferenz geschehen soll.

DerSchwäbische Merkur" vom 26. d. bringt fol­gende, seine, in einem Extrablatte gestern mitgetheilte telegraphische Depesche (s. unser gestr. Bl.) berichtigende neue telegraphische Depesche;Berlin rc. Abgegangen in Berlin den 25. August, 10 Uhr 36 Minuten Vormittags, angekommen in Stuttgart den 25., 12 Uhr 50 Minuten Nachmittags. Einer b e - - freundeten Macht gelang es, Preußen von dem '.vorgestern feststehenden Entschlusse, die Koali­tion sv orschlâge zu verwerfen, vorläufig abzu­bringen".

Nach derLeipz. Ztg." ist die russische Diplomatie noch fortwährend hemüht, in der Zollfrage eine Aus­gleichung zwischen den beiden Großmächten, sowie zwi­schen Preußen und den Mitgliedern des Zollvereins her- beizuführen.

DieNeue Preuß. Ztg." ist fortwährend gegen die coalirten Staaten, namentlich gegen Bayern, impertinent im äußersten Grade. Denn sie schwebt in der gloriosen Täuschung oder um richtiger zu sprechen, sie schwebt in dem Wahne, die Welt mit der Erfindung täuschen zu können, daß Preußen durch Aufhebung der Zollgemein- schaft mit Mittel- und Süddeutschland großen Geldge­winn haben werde. Im Gegentheile liegt es auf der flachen Hand, daß der Geldgewinn auf Seite der coa­lirten Staaten liegen würde, da ja bei weitem mehr preußische Industrie-Erzeugnisse dahin gehen, als umge­kehrt, und forthin besteuert würden, was jetzt nicht der Fall ist.

DieDeutsche Kronik" bemerkt zu der gestern mit­getheilten Depesche desSchwäbischen Merkurs": Gut denn! Preußen hat also Hoffnungen gehegt, welche von den süddeutschen Zollgenossen nicht getheilt werden konn­ten. Würtemberg versucht noch einmal eine Vermitte­lung; diese ist also mißlungen, und die Krisis be­ginnt jetzt erst. Das ausschließliche preußische In­teresse hat gehofft und hofft jetzt wieder aus unsere totale Hingebung. Wir aber hoffen, die süddeutschen Regierungen (die Darmstädter Koalition) werden in­nere Kraft genug h aben, um diese Krisis zum Heile ihrer Industrie und ihres Handels zu überwin­den. Auch wir haben Interessen, auch wir haben eine Ehre; auch wir werden beide zu retten suchen, wenn wirklich diese Extremität eingetre- ten ist.

Die Neue Preuß. Ztg. bringt heute nichts in Be­treff der Zollfrage. Sie theilt blos den Wortlaut der Stuttgarter Erklärung mit

Wir verweisen auf eine in die neuesten Nach­richten unseres Blattes aufgenommene Mittheilung des Berliner Correspondenzbureau vom 25., die uns schon um 10 Uhr zugekommen ist. Wir bemerken hierhei, daß die heutige Berliner Post ausnahmsweise mit einem späteren Bahnzuge als sonst von Frankfurt hierher be­fördert wurde.

Deutschland.

Wiesbaden, 24. August. Lady Cowley, die Gemahlin des englischen Gesandten in Paris, ist zum Gebrauche der Kur hier eingetroffen und Ä denVier Jahreszeiten" abgestiegen.

v/ Ems, 23. August. Die heute ausgegebene 40. Kurliste zählt 4682 Nummern, und zwar 68 Neu angekommene seit den letzten drei Tagen.

/X Aus dem Kreisamte Höchst, 23. August. Ehe die Stockbücher in Angriff genommen wurden, hat man viel darüber gestritten, ob deren Anlage jetzt schon zweckmäßig sei, oder nicht, gegenwärtig jedoch, wo die­selben in Arbeit sind, stellt es sich klar heraus, daß es hohe Zeit war, durch Anlegung von Stockbüchern wie-