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Verhandlungen am 12. d. schon geschlossen worden und sämmtliche Bevollmächtigte am folgenden, Fürst Witt­genstein noch an demselben Tage abgereist.

Wie einem Stuttgarter Berichterstatter derAllge- gemeinen Zeitung" versichert wird, wäre in dem von Herrn von der Pfordten verfaßten Entwürfe einer Ant­wort an die preußische Regierung zurächst davon ab­gegangen, die Zolleinigung mit Oesterreich bei Erneue­rung des Zollvertrages zu bedingen, dagegen der gleichzeitige Abschliß eines Handelsvertrages mit Oester­reich und die Sicherung gewisser Ansprüche der Coali- tionsstaaten verlangt.

DemFr. I." wird geschrieben: Die Minister- conferenz der Coalirten wurde gestern geschlossen. Wie man von unterrichteter Seite vernimmt, ist eine gemein­schaftliche Einigung erfolgt. Die Meinunsver- schiedenhciten von Kissingen sind, wieman erwartete, vollkommen ausgeglichen. Der Geh. Rath hielt heute eine Sitzung, die sich aus die gestrigen Eonfrrenz-Beschlüsse bezog. Bis übermorgen werde» sämmtliche Minister Stuttgart verlassen haben.

Die offictelleHannoverische Zeitung" vom 14. August will Zeichen wahrgenommen haben, welche ans die baldige erwünschte (großdeutsche) Erledigung der über die Zoll- und Handelsfrage entstandenen Wirren deuten sollen, und sie meint diese Erledigung jetzt in einem wahren b und es freu ndlich en Einvernehmen der deutschen Regierungen, besonders der Großstaaten" zu finden.

Aus Franken wird derAugsburger Postzei­tung" geschrieben: Daß die Zollverhandlungen auf die Neige gehen, das -sieht man aus den Gründen, die für die preußischen Plane zu guter Letzt aufgetischt werden. So sagt die preußische ministerielle Zeitung, dieZeit", daß der deutsche Bund nicht mehr genüge, daß eine festere Einigung an seine Stelle treten müsse, und diese festere Einigung statt des Bundes sei der deutsche Zoll­verein, in welchem auch die materiellen Interessen in den Vordergrund treten. Wir nehmen cs an. Wenn Preußen so gesinnt ist, dann ist die Zolleinigung von ganz Deutschland sicher. Aber nein, sagt die ministe­rielleZeit", so ist es nicht gemeint; ich meine Deutsch­land ohne Oesterreich, Oesterreich gehört nicht zu Deutsch­land. Ah so, wir verstehen; ein anderer Versuch, Oester­reich aus Deutschland hinauszudrängen und den Bund aufzulösen. Nur sind die Gründe dafür so ungeschickt gesetzt, daß sie ihnen offenbar ein Feind dictirt haben muß. Wenn die Köpfe an der Spree einmal so con- fus werden, dann ist Babylon fertig.

Ein anderer.preußischer Schriftsteller läßt sich im Franksuter Journal bei der Aufnahme Liechtensteins in die österreichische Zolleinigung, welche praktisch gezeigt hat, daß die Schwierigkeiten einer solchen Operation nicht sehr groß, geschweige denn unüberwindlich seien, folgendermaßen vernehmen: Das könne bei Liech­tenstein gehen; die Liechtensteiner seien katholisch, aber dies könne nicht bei den Deutschen gehen, denn diese feien protestantisch. Das geht in's Asch­graue, als ob die Zölle und Steuern, die Waaren und Märkte katholisch oder protestantisch wären! So gehts; wenn euch die Vernunft ausgeht, so greift ihr zur Unvernunft. Aber die Sache hat doch eine sehr ernste Seite. Seitdem die Umsturzpartei erlegen ist, sucht sie um jeden Preis Zwietracht zu säen, ob sie vielleicht in den daraus entstehenden Wirren wieder obenauf kommen könne. Ihre Diener sind in den Hütten und Palästen und auch an manchem Hofe stark vertreten. Jetzt su­chen sie die Protestanten gegen die Katholiken zu hetzen wie aus vielen Erscheinungen sattsam hervorgeht. Daß sie aber im Unsinne so weit kommen würden, diese Hetzerei sogar auf das Zollgebiet auszudehnen, zeigt, daß sie ihren Lesern bereits so viel eingebläut haben, daß nichts mehr als unmöglich erscheint. Sie merken gar nicht mehr, wie sie schwärmen. Wo ist es denn geschrieben, daß Deutschland protestantisch sei? Auch ohne Oesterreich zählen wir noch 12 Millionen Katho­liken in Deutschland, in Preußen allein 6'/r Millionen. Aber noch einmal: was gehen denn die Zölle das Re­ligionsbekenntniß der Consumenten an?

Wir sind nicht mehr ganz sicher vor einem Sturme aus Westen, und er wird um so früher und verderblicher kommen, je weniger wir einig sind." Es liegt im Interesse der Feinde Deutschlands, daß wir uns nicht einigen. Merkt es, o Staaten, die ihr das Werk der Einigung betreibet! Sind wir geeinigt, so halten wir auch im Kriege fest zusammen, schon aus materiellen Gründen, da die Grenzen eines Grenzlandes die Allen gemein­samen Zollgrenzen sind, an welchem Alle zu ge­winnen oder zu verlieren haben. Dieser sehr prosaische Grund ist und bleibt doch der festeste. Sind wir aber getrennt, haben wir Oesterreich so lange verhöhnt und beleidigt, und gelingt es uns (was ich aber nicht glaube, daß sich's der Kaiser gefallen lassen wird), gelingt es uns, Oesterreich aus Deutschland zu drängen, was ist dann unsere Lage? Gegen Frankreich ein schmaler Streif Süddeutschlands, gegen Osten, Süden und Nor­den von Oesterreich umschlossen, daß über Sachsen her­aus jeden Augenblick debouchiren kann, wohin es will, was bleibt uns als die Gefahr und dieUnselbstständig- kett, ja was bleibt selbst für Norddeutschland anders,

als das Nämliche, was sich für Süddeutschland gezeigt hat? Wenn es den Hetzern, die doch nur verkappte Demokraten sind, nachginge, so wäre das Schicksal Deutschlands besiegelt. Aber wir vertrauen, daß die coalirten Staaten einen Strich durch diese ziemlich weit- geführte Rechnung machen und die endliche und feste Einigung Gesammtdeutschlands herbeifübren werden, so­wohl in politischen als in materiellen Dingen.

Deutschland.

* Wiesbaden, 18. August. Der aus dem hiesigen Amtsgefängnisse entsprungene, gestern von den hiesigen Polizeidienern entdeckte und wieder zur Haft gebrachte Zollinger hat heute Nacht abermals einen Flucht- versuch gemacht. Derselbe mißlang und wurde Zollin­ger heute in das Diezer Zuchthaus zur Verbüßung seiner Strafe abgeführt.

v/ Ems, 14. August. Die heute ausgegebene Kurliste, Nr. 36, zählt 4630 Fremde. Unter den neu Angekommenen war auch der franz. General S a n t a Cruz, der sich von hier nach Hessen-Kassel begeben hat. Das sehr schlechte Wetter hat viele unserer Kur­gäste früher von hier vertrieben, als es in ihrer Ab­sicht lag.

An unserer Spielbank ist ein reges Treiben, beson­ders ist es der Fürst Hohenlohe, der Präsident des Vereins zum Schutze der deutschen Arbeit, der diesem fremden Industriezweige seine besondere Aufmerksamkeit schenkt.

Frankfurt, 14. August. Die in Bezug auf die politische Stellung der Bürger der Landgemeinden und Israeliten gefaßten Bundesbeschlüsse sind in der ange­gebenen Weise unserem Senate mitgetheilt, und dieser Mittheilung noch beigefügt worden, daß längstens inner­halb vierzehn Tagen die nöthigen Erlasse durch den Senat proclamirt sein müßten, widrigenfalls die Erle­digung dieser Angelegenheit von e i n e r C o m m i s - sionin die Hand genommen würde, welche die Bundes-Versammlung bereits ernannt hat.

München, 14. August. Morgen Nachmittag wird Ihre Majestät die Königin von Schweden, von Bad Kissingen kommend, zum mehrtägigen Aufenthalte dahier eintreffen.

Am 20. September kommen hier Juwelen und an­dere Pretiosen im Werth von 200,000 fl. zur öffent­lichen Versteigerung, die in dem hiesigen städtischen Leihhause versetzt wurden und nicht mehr ausgelöst worden sind.

Kassel, 15. Aug. Der bekanntlich wegen Ver­giftung eines Kindes in Untersuchungshaft befindliche Medicinalrath Dr. Schuchard hat am 12. August Mor­gens einen neuen Versuch gemacht, sich zu entleiben, indem er sich mit einer Scherbe am Oberschenkel eine der Haupt-Arterien zu durchschneiden suchte. Obgleich die Wunde bereits stark blutete, so bemerkte man doch noch zeitig genug das Vorhaben desselben und ver­eitelte es.

Köln, 12. Aug. Die Deputation, welche dem König Ludwig von Bayern entgegengesandt wurde, ist ohne be­stimmten Bescheid zurückgekehrt. Es scheint, derKönig liebt die Ueberraschung, und vermeidet gern Aufsehen.Ich komme wie eine Bombe" ! ließ er sich bei einer ähnli­chen Einladung in der Pfalz vernehmen.

Aus Thüringen, 15. August. Auch in Son­dershausen haben, wie man jetzt vernimmt, sieben Land­tagsabgeordnete ihr Mandat niedergelegt, weil sie cs nicht mit ihrem Gewissen vereinigten konnten, nach An­nahme des revidirten Wahlgesetzes im Landtag zu ver­bleiben. Es wird jetzt ofstciell bestätigt, daß das Gesammthaus der sächsisch-ernestinischen Linie neuerdings Schritte wegen der Ansprüche auf das Herzogthum Lauenburg gethan. Zurückgeführt werden diese Ansprüche auf den Begründer dieses Herzogthums, Johann L, da dieser ein Sohn des Kurfürsten Albert 1. zu Sachsen (j 1260) gewesen. Deßhalb haben denn auch schon nach Erlaß des offenen Briefes des letzten Königs von Dänemark die sächsischen Regierungen ihre Rechte aus Lauenburg gewahrt.

Der rühmlichst bekannte Schauspieler Marr aus Hamburg ist zum artistischen Director des Weimarer Theaters ernannt worden.

Wien, 10. Aug. Schaaren Neugieriger strömen allnachmittags dem 'Ausgange der prachtvollen Jäger­zeile zu, wo sich an der Einmündung der Chaussee, die von der Nordbahn zur Stadt führt, dasselbe heitere und lebensvolle Bild aufrollt das in mittelalterlicher Zeit ein werdendes Bauwerk darbot, um das sich unter Gottes freiem Himmel, unter leichtem Zeltdach , oder in soliderem Hüttenwerk alle nöthigen Gewerke rasch einander in die Hände arbeiteten. Als Mittelpunct ragt weit über 100 Fuß der Kern des Friedensbogens, durch den der rückkchreude Monarch die Stadt betreten soll. Der Bau, im reichen antiken Styl römischer Triumphbogen, wartet der decorativen Verkleidung, im- ponirt aber auch jetzt in seiner hölzernen Verschalung durch Größe und Tiefe seiner Dimensionen, unterbro­cheu inmitten durch einen hohen und beidseits durch et­was niedrige Thorbogen. In allen Höhen dieses Baues an Leitern kletternd, an Stricken klammernd, ein Ge­

wimmel lärmender Zimmergesellen. Ein paar Schritte davon ist in einem thurmartigen hölzernen Hause das Atelier des trefflichen Bildhauers Gasser, der im In­nern hoch auf schwankem Lattenwerk schaukelnd den Segenskranz in der Hand der Friedensgöttin befestigt, die er hier in großartiger lebensvoller Conception zu schaffen übernommen hat. Einunddreißig Fuß hoch, wird die über einen hölzernen eisenbefestigten Kern staf- sirte Statue über den Mitteltheil des Ehreubaues zu stehen kommen. An der Seite colossale Ruhmcsgenicn, und an den Ecken ebenso riesige Adler. Die Friedens­göttin ist noch ohne Kops, in dem Hauptbalken ihres Kerns ist oben ein Haken angebracht, an dem sie in die Höhe des Baues gefahrlos gebracht werden kann, wo ihr sodann erst das Haupt aufgesetzt wird. Kurz vor meiner Ankunft war dasselbe in einem über der Straße liegenden Zelt trocken und wohlgerathen ans der Form genommen und zur letzten Ausarbeitung in ein nahes Praterhaus gebracht worden, das ehemals zu Panora­men diente, während jetzt in dem runden Saal Män­ner und Mädchen mit der Staffirung der Theile, aus denen die Adler zusammengesetzt werden, emsig beschäf­tigt, andere in der Zurechtlegung des eben erwähnten klafter- hohen Hauptes und des seine Stirne umstrahlenden Ster­nendiadems begriffen waren, ringsum auf grüner Wiese die fertigen Posaunen der Ruhmesgenien und ihre Flügel au der Augustsonne trockneten. Quer über der Hauptallee des Praters, vor und in dem großen Jnnenraum de- Reitcircus werden die architektonischen Glieder und Zier­den der Ehrenpforte, die Malereien und sonstigen Ver­kleidungsstücke von rührigen Künstlern und Handwerkern aller Art unter der Oberleitung des rühmlich bekannten Decorateurs Jachimswitz hergestellt. Als wir zur Frie- denspfortc zurückkehrten, waren flinke Gesellen in voller Arbeit an der Estrade die gegenüber liegt, und auf wel­cher der Kaiser die Huldigung der Stadtbehörden ent­gegennehmen wird. Sie ist von mäßiger Höhe und Ausdehnung, allenthalben mit schlanken Masten und flatternden Wimpeln umstellt. Zu beiden Seiten dcs Bogens erheben sich, den Kreisabschnitten altrömischer Amphitheater nachgebildet, halbmondförmige Tribünen für das gewählte Publicum. Allein nicht auf diesen Punkt allein concentriren sich die Vorbereitungen zum festlichen Empfang. Das Innere der Nordbahn, Säle und Treppen fangen an, sich in blühende Gärten zu verwandeln, erfrischt von drei Springbrunnen, die aro­matische Wasser enthalten, während über den Schienen­weg selbst vier reichgeschmückte Bogen sich spannen. Die Jägerzeile wird kaum ein Haus ohne Schmuck lassen; die Kunstacademie, der österreichische Kunstverein, die Nationalbank, die Privatwohnung des Unterrichtsmiin- sters am Graben, des Bankiers Coiths Palast und das Haus des Zimmermeisters Fellner sind unseren bedeu­tendsten Künstlern zur Ausschmückung, größtentheils ohne Beschränkung der Kosten, anvertraut. Die Vorstadt Mariahilf, durch deren Mitte die Straße nach Schön­brunn führt, läßt einen prächtigen Ehrenbogen errichten, selbst der altehrwürdige Stephansthurm wird von oben bis unten in tausend und tausend Flammen strahlen. Pomp und Pracht hat Wien oft entfaltet, jetzt hat es und seine Künstler Gelegenheit zu zeigen, daß sie auch an Geschmack und Sinn sich mit jeder andern Stadt und Künstlerschaft zu messen vermögen.

t Wien, 13. Juli. Ihre Majestät die Königin der Niederlande ist gestern den 11. d. zu Prag einge­troffen, von wo sie nach mehrtägigein Aufenthalte nach Ischl abreisen wird.

Triest, 10. August. (B. N.) Diese Nacht haben die FregatteNovara" und das DampfbootCerie" unseren Hafen verlassen, in welchem nur ein kleines Wachtschiff, die Seemöve," zurückgeblieben ist. Die Ordre zur sofortigen Einschiffung kam vorgestern durch den Telegraphen von Wien, und innerhalb 24 Stun­den war Alles bereit. Die verschiedensten und aben­teuerlichsten Gerüchte über die Ursache einer so plötz­lichen Expedition durchkreuzen die Stadt. Die Marine selbst weiß nichts Zuverlässiges, da der Commodore ver­siegelte Instructionen erhalten hat, die erst auf hoher See zu öffnen sind.

Soviel ist gewiß, daß die nächste Bestimmung der abgegangenen Fahrzeuge die Bucht von Cattaro ist, wo Conflicte mit den Türken bevorstehen. Der lange, schmale Küstenstrich Dalmatiens ist nämlich an zwei Stellen ober- und unterhalb Ragusa von einem Strei­fen türkischen Gebietes unterbrochen, welcher von der Grenze der Herzegowina bis an das Meer hinausläuft und somit den Zusammenhang des österreichischen Ter­ritoriums unterbricht. Es stammt dies aus den Zeiten, wo Ragusa noch eine Republik war, zum Schutze ge­gen die Herrschsucht Venedigs sich unter türkische Ober­herrlichkeit stellte und dieser sogar eine Umgrenzung des kleinen Freistaates als Besitz einräumte. Als die Fran­zosen in's Land kamen, kehrten sie sich wenig daran und incorporirlen sowohl Ragusa, als die türkischen En­claven ihrem neuen Reiche. Im Jahre 1815 wurde das alte Verhältniß wiederhergestellt. Der türkische Gebietstheil ist auf beiden Stellen etwa eine Stunde breit, meist wüste und ohne Anbau, von einigen Fischern und Hirten bewohnt und hat an der Küste so gut wie keinen Hafen. Da indessen das Wasser sehr tief ist, so kann bei ruhigem Wetter recht gut selbst mit größeren