Nassauische Allgemeine
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â /»0. Samstag den 14. August M48.
Die „NaffamsLe ALaemcmt ZeiUinft" mit dem belletristischen Beiblatt „Der Wanderer" erscheint, Sonntags ausgenommen, täglich und beträgt der PränumerationspreiS für Wiesbaden und, nach dem neuen Postregulariv nunmehr auch fit ben ganzen Umfang deS Thern» und TariS'fcktn Verwaltungsbezirks mit Inbegriff reâ PostauffcklagS 2 fl., für die übrigen Länder deâ deutfch-bsterreilbischen PoffuereinS, wie für das Ausland 2 fl. 24 fr. — Inserate werden die dreispaltige Petit« geile ober deren Raum mit 3 fr. berechnet. — Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgaffe 42, auSwärtS bei den näckstgelegenen Postämtern, zu machen.
AmtlicherTheil.
Loncessisn
zur Vermittelung des Transportes von Auswanderern.
Dem J. L. Dern Hammer zu Birken als Haupt- agenten der Schiffsrheder und Schiffsbefrachter Lüdering und Comp. zu Bremen ist die Erlaubniß zum gewerb- mäßigen Betriebe der Vermittelung des Transportes von Auswanderern aus dem Herzogthum unter den in der Verordnung vom 31. Januar 1849 enthaltenen näheren Bestimmn ngen ertheilt worden.
Wiesbaden, den 9. August 1852.
Herzogliche Ministerial-Abtheilung deS Innern.
Schepp.
vdt. Grimmel.
Dienstna chrichten.
Der an der Realschule zu Mosbach-Biebrich beschäftigte Lehrgehülfe Müller ist zum Lehrer daselbst ernannt worden.
Dem provisorischen Lehrvicar Hölper zu Dahlen ist die dasige Lehrvicarstelle definitiv übertragen worden.
Nichtamtlicher Theil.
Sur Lollvertinsfrage.
O Die „Mittelrh. Zeitung" vom 8. l. Mts. mißhandelt den in Nr. 184 dieser Blätter unter obiger Aufschrift erschienenen Artikel in ihrer bekannten Weise, d. h. sie sucht du>ch Herausziehen einzelner Stellen aus ihrem Zusammenhang, Auslastungen, Verdrehungen, ihrem Publicum anschaulich zu machen, daß sie die wahren Volksinteressen, Oesterreich aber und die coalirten Regierungen^ sowie diejenigen Blätter, welche mit deren Verhalten in der Zollangelegenheit übereinstimmen, das Gegentheil davon vertreten.
Unsere Absicht kann es natürlich nicht sein, aus eine ausführliche Widerlegung der genannten Zeitung hier einzugehen, oder gar den Versuch zu unternehmen, dieselbe von der Richtigkeit unserer Ansicht zu überzeugen; zu einer solchen „Mohrenwäsche" verspüren wir in uns nicht den mindesten Beruf! Nur soweit uns jener Artikel Veranlassung und Anknüpfungspunkte zu weiterer Aufklärung der Sache gibt, wollen wir denselben berühren.
Die „Mittelrh. Zeitung" macht uns zum Vorwürfe, daß wir dem Zollverein die Schuld des in vielen Bundestheilen gesunkenen Wohlstandes bcimeffen. Wir haben nicht behauptet und behaupten nicht, daß der Zollvereine die alleinige Schuld hiervon trage; wohl aber behaupten wir, daß in demselben eine Haupt Ursache der zunehmenden Verarmung zu finden sei, und halten unsere Behauptung so lange für richtig, als man wird zugeben müssen, daß Verarmung eine nothwendige Folge des Mißverhältnisses zwischen Einnahme und Ausgabe ist. Zur Herbeiführung dieses Mißverhältnisses hat aber der Zollverein in doppelter Weise beigetragen, einmal dadurch, daß er durch hohe Eingangszölle den Preis nothwendiger, namentlich für die ärmere Classe des Herzogthums ganz unentbehrlicher Bedürfnisse, wie des Caffee's, des Tabaks und Zuckers, wie bereits früher erwähnt, um ein Drittheil, resp, die Hälfte steigerte, also die Ausgaben vermehrte resp, den Werth des Geldes oder die Einnahmen verminderte;*) theils dadurch, daß er den gerechten Anforderungen des bedeutendsten Industriezweiges des Herzogthums, der Eisenproduction, auf welche
Hier möchten wir uns jedoch zuvor die Frage an die Mlttelrheinlsche Zeitung erlauben: wie kann sie, „welche die Sache und nichts als die Sache will", sich den Anschein ae- den, als sei die in unseren Artikeln enthaltene Darlegung der Nachtheile , welche die Einwohner des Herzogthums durch den preußischen Zollverein erlitten, für sie etwas Nagelneues, während doch bereits von Abgeordneten der früheren Kammer, deren Erklärungen hierüber in einer der früheren Nummern dieses Blattes nochmals abgedruckt zu lesen waren, hiermit ganz übereinstimmende Ansichten öffentlich ausgesprochen wurden. Warum hat sie kein Wort des Tadels gegen diese? Diese Abgeordneten gehörten freilich der demokratischen Partei an, welche bekanntlich ein Monopol darauf hatte, ihre Ansichten für die „Stimme des Volkes auszugeben; die Mittelrheinische Zeitung aber, ebenfalls Organ der Demokratie und weit entfernt, ihre Ansprüche auf dieses Monopol aufzugcbeii, sinket es aber zufällig heutzutage vortheilhafter, das Gegentheil von jener früheren Volksstimme abermals wieder für die Stimme des Volkes aus- zugebtn!
Tausende von Familien ihre Existenz gründeten, auf angemessenen Schutz in keiner Weise entsprach.*)
Statt die von uns ausgesprochene Ansicht zu wie- dcrlcgen, denuncirt uns die „Mittelrheinische Zeitung" als Tadler des bisherigen Verfahrens der Regierung (!) und wirft zugleich die naive Frage auf:
„Wenn der Zollverein ein solches Verderben, warum ist denn Oesterreich so eifrig bemüht, bei demselben beteiligt zu werden?"
Hierauf antworten wir: Oesterreich will sich an dem preußischen Zollvereine mit Nichten betbei- ligen; Oesterreich und die coalirten Staaten wollen den Preußischen Zollverein zu einem deutschen umgestalten und hierdurch in die Möglichkeit versetzt werden, die Zoll- und Steuerverhältnisse Deutschlands nach richtigen national-ökonomischen Grundsätzen zu regeln, eine Möglichkeit, welche nach der Organisation des bisherigen preußischen Zollvereins nicht gegeben ist, indem nach dessen Statut bekanntlich eine dissenti- rende Stimme hiurcicht, jeden dem sich geltend machenden Bedürfnisse Rechnung tragenden Beschluß zu verhindern!
Die Mittelrheinische Zeitung meint ferner: „es bleibe uns bei den ausgesprochenen Ansichten nichts Anderes übrig als das radicale Freihandelssystem!
Es bleibt uns noch etwas anderes übrig, nämlich statt des bisherigen, theils wesentlich fiscalischen, theils nur auf Förderung der preußischen Interessen gerichteten Systems ein den volkswirthschaftlichen Interessen entsprechendes und zugleich gerechtes System; ein System, unter dessen Herrschaft die inländische Industrie dem Auslande, welches nur auf unsere Ausbeutung bedacht ist, nicht mehr schutzlos Preis gegeben wird; ein System, welches nothwendige Lebensbedürfnisse, die im Zollgebiete nicht producirt werden können,**) nicht mit enormen Steuern belastet, und so, wie oben bemerkt, gleichzeitig aus doppeltem Wege die Bevölkerung der Verarmung zuführt, und fürwahr die Quellen des Nationalwohlstandes untergräbt; ein System endlich, in welchem nicht das: sic volo sic jubeo eines einzigen Staates entscheidet, in welchem vielmehr jedem einzelnen Staate wie der Gesammtheit aller deutschen Staaten die Möglichkeit der Geltendmachung der verschiedenen Interessen und Rechte in bundesverfassungsmäßiger Weise gewährleistet ist.
Wir haben in unserm neulichen Artikel behauptet, und wie wir glauben, dargethan, daß das Herzogthum beiVertheilung der Zollvereinsintraden verkürzt werde, wobei wir selbstverständlich nur den Vert Heilungsmaßstab nach Inhalt des Zollvertrags im Auge hatten, ohne an dessen Vollzug zu denken; auch haben wir, vom Standpuncte der Souveränität der einzelnen ZollvereinSstaatett aus, es als unzulässig bezeichnet, daß die Regierung und die Beamten eines anderen Staates über einen so bedeutenden Theil der Staatseinnahmen disponirtcn. Dieß gibt der Mittelrhei» nischen Zeitung Veranlassung zu folgenden Phrasen: „Bisher haben wir stets und zwar von allen Parteien die Loyalität der preußischen Regierung wie die Redlichkeit der preußischen Beamten rühmen hören. Die Nass. Allg. Zeitung ist anderer Ansicht rc."
Wir würden uns tief zu erniedrigen glauben, wenn wir auf diese Art von Polemik ein Wort mehr erwiderten, als daß wir uns einfach auf den Inhalt unseres Artikels beziehen. Wenn dagegen die Mittelrheinische Zeitung davon spricht, wie sie stets vor allen Parteien die Loyalität der preußischen Regierung rühmten, gehört, so hätte sie hierbei doch, wenn sic der Wahrheit Ehre gehen wollte, ihre eigene, die demokratische Partei, ausnehmen müssen; sie müßte es denn nicht gehört haben, was sie selbst noch vor wenigen Jahren über die preußische Regierung geäußert hat, oder müßte es schon vergessen haben, welche Urtheile diese ihre demokratische Partei allenthalben und namentlich in der vorntali- gen nassauischen Kammer über die preußische Regierung gefällt hat!
Mittelst gleich elender Wort Verdrehung will die „Mittelrheinische Zeitung" eineu Vorwurf gegen
*) Wir verweisen noch auf den in der gestrigen Nummer d. Bl. iniigethtilten Artikel aus Rr. 222 der Augsb. A. Zig. „vom Neckar", worin die von uns neulich ausgesprochene» Ansichten, zum Theil wörtlich, ihre Bestätigung finden.
**) Dies gilt nun freilich nicht vom Zucker, indem dieser bekanntlich in Preußen auch vielfach aus Rüben produeirt wird, und um die dort bestehenden Rübenzuckerfabriken, welche sehr gute Geschäfte machen, zu erhalten, muß der hohe Ein- " gangszoll auf Colonialzuckcr von den Einwohnern des Zollvereins bezahlt werden.
uns daraus herleitcu, „daß wir gegen Preußen ein Argument ans der Bundeshülfe schmieden wollten, die es drei Dynasticen in bedrängter Zeit geleistet," während wir nur tadelnd erwähnten, daß sich Preußen für seine daher rührenden Forderungen durch Abrechnung resp. Einbehaltung des Antheils an den Zollintraden habe bezahlt machen wollen; und Niemand bereitwilliger sein kann, als wir, das große Verdienst anzuerkennen, welches sich die preußische Regierung und das preußische Heer durch Niederwerfung des von der demokratischen Partei angestachelten Aufruhrs nicht blos um die deutschen Staaten, sondern um die ganze europäische Cultur und Civilisation dadurch erworben, daß sie die Segnungen, welche die Demokratie den Völkern zugedacht, mit ihren und ihrer Verbündeten glorreichen Waffen denselben abgewendet hat!
Wenn ferner die „Mittelrheinische Zeitung" uns auffordert, unsere Beweise für die erwähnten „klingenden Gründe" zu veröffentlichen; so müssen wir gestehen, daß wir dies für etwas höchst UeberflüsfigeS halten, da das von uns angedeurete Verhältniß ein genügend öffentliches bereits geworden ist!
Endlich meint die „Mittelrheinische Zeitung", die von Oesterreich und den Coalitionsstaaten angestrebte Reguliruug der Zoll - und Handelsverhältnisse Deutschlands durch den Bundestag sei gleichbedeutend mit dem Eintritte Gesammtösterreichs in den Bund. Abgesehen davon, daß sie den Beweis für diese kühne Behauptung schuldig geblieben ist, könnten wir mit gleich vielem Grunde behaupten, die Erneuerung des preußischen Zollvereins mit Ausschluß von Oesterreich sei gleichbedeutend mit der vormals angestrebten Union, von welcher die Demokratie bekanntlich seiner Zeit behauptete, daß sie die größte Schmach sei, die dem deutschen Volke hätte zugefügt werden können!
Wenn die Mittelrheinische Zeitung zum Schluffe ihres Artikels eine, gerade ihr sehr wohl anstehende salbungsvolle Ezhortation an uns richtet, „die Debatte über eine so wichtige National-Angelegenheit doch ja in würdiger Weise zu führen", so gibt sie unmittelbar darauf in ihrem Schlußworte, worin sie unsre Auffassung der deutschen Einheit bewitzelt, eine praktische Nutzanwendung des ihr innewohnenden „sittlichen Ernstes", früher: „Gesinnungstüchtigkeit" benannt.
Wir aber müssen uns lediglich beziehen auf die am Schluffe unsers neulichen Artikels ausgesprochene Ansicht, daß sich die Regierungen von Oesterreich und den Coalitions-Staaten kein anderes Ziel gesetzt haben, sich auch kein schöneres Ziel setzen konnten, als: die Zollfrage zur Bund es-Angelegeuheit zu machen; indem hierdurch nicht nur jede wünschenswerthe Garantie für allseitige und gerechte Berücksichtigung der materiellen Interessen gegeben, sondern auch der einzige Weg zur Beseitigung des so verderblichen Zwiespaltes unter den Großmächten eingeschlagen ist.
Wie wir auf diese Eintracht, zu deren glücklicher Erreichung, wenn nicht alle Zeichen trügen, gerade jetzt die begründeteste Aussicht vorliegt, unsere besten Hoffnungen bauen; so natürlich finden wir es auch, daß den inneren Feinden des Vaterlandes, zu welchen wir in erster Linie die Demokratie, zu Deutsch Aufrührer-Partei zählen, diese Eintracht ein Gräuel ist, weil zugleich mit dem Eintreten dieser Eintracht die Todesstunde Jenen geschlagen hat; daher jetzt der das Gepräge der Verzweiflung an sich tragende Eifer der Organe dieser Partei, (deren Koryphäen, wie wir nachgewiesen haben, noch ganz kürzlich die gerade entgegengesetzte Ansicht verfochten) für Recon- struirung des preußischen Zollvereins, indem sie in dem Ausschlusse Oestreichs mit Grund eine nie versiegende Quelle von Zwistigkeiten zwischen diesem und den zollvereinten Staaten erblickt, auf diese Zwietracht aber ihre verderblichen und verbrecherischen Plane für die Zukunft baur!
Wenn es gelingt, diese, unserem, von Parteien f» gerissenen Vaterland so sehr Noth thuende Eintracht und Einigkeit wieder zu geben, was wir von der Weisheit der Staatenlenker zuversichtlich hoffen, und von dem Walten der göttlichen Vorsehung erflehen; so hat die Nassauische Regierung durch ihre vornherein gewonnene klare Einsicht der Verhältnisse und eingenommene entschiedene Haltung in der Zollfrage wahrlich nicht den kleinsten Antheil an diesem verdienstliche» Werke: der Dank sowohl des eigenen Landes, wie der übrigen deutschen Stämme, Preußen selbst nicht auögc- nommeu, wird ihr nicht entgehe», wenn einst die, mp-