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Nassauische Allgemeine Zeitung.

M 180. Freitag den 13. Augist 18£2.

DieRaffauffSie Mtlnemrine Zeitigst" mit dem belletristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, SdnntaqS ausgenommen, täglich und beträgt der PränumerationSpreis für Wiesbaden und, nach dem neuen Postregulaiiv nunmehr auch fât den ganzen Umfang des Thurn- und TariS'schcn Verwaltungsbezirks mit Inbegriff des PoffausschlagS 2 fl., für die übrigen Länder des deutsch-österreichischen PostoereinS, wie für das Ausland 2 ff. 24 fr. Inserate werden die dreispaltige Petit- zeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgaffe 42, auswärts bei den nächstgelegeneu Postämtern, zu machen.

AmtlicherThcil.

Verfügung, betreffend die ordentlichen Asstsen des Hofgerichtsbezirks Wiesbaden im vierten Quartale 1852.

Der Unterzeichnete verfügt hierdurch in Gemäßheit der Artikel 7, 8 und 11 des Strafproceßgesetzes:

daß die ordentlichen Assisen des Hofgerichts Wiesba­den im vierten Quartale des Jahres 1852, Montag den 25. Oetober 1852, Morgens 9 Uhr, eröffnet werden sollen, ernennt den Herzoglichen Hof- und Appellationsgerichtsrath Herrn Trepkazu Wiesbaden zum Präsidenten und den Herzoglichen Hof - und Appellationsgcrichtsrath Herrn Forst daselbst zu dessen Stellvertreter bei diesen Assisen, und überläßt es dem Herzoglichen Generalstaatsprocurator Herrn H e r g e n h a h n, diese Verfügung öffentlich bekannt zu machen.

So geschehen Wiesbaden, den 10. August 1852.

Der Präsident des Herzogs. Nass. Cassationshofs.

(L.S.) (gez.) M u s s e t.

Für die richtige Ausfertigung: Der Secretär des Cassationshofs.

(gez.) Hofmann.

Verkündigt.

Wiesbaden, den 10. August 1852.

Der Geueralstaatsprocurator.

Hergenha h n.

Nichtamtlicher Theil.

Die 13. Versammlung der deutschen Land- und Forstwirthe.

Die im Anfänge des k. Monats September in Han­nover, unter demPräsidio der Herren B. Gr. v. Bern­storff und J. v. Düring tagende Versammlung deutscher Land- und Forstwirthe, schreibt die Hannoversche Ztg., macht augenblicklich so viel von sich reden, daß es den Lesern angenehm sein wird, etwas Näheres über den Zweck und das Wesen dieser Wandergesellschaft zu er­fahren. Die Gesellschaft wurde im Jahre 1837 (hauptsächlich auf Anregung des damaligen großherzogl. Hessischen Oekonomicraths Pabst, jetzigen Direktors der k. k. österr. landwirhschaftlichen Academie zu Ungarisch- Altenburg) gegründet und hielt ihre erste Versammlung zu Dresden im October jenes Jahres. War auch die Theilnahme an jener ersten Versammlung nur gering, so zeigte schon das folgende Jahr, wie sehr die Fachge­nossen den Zweck des Unternehmens, Anknüpfung per­sönlicher Bekanntschaften und Austausch der Ideen, An­sichten und Erfahrungen zur Berichtigung von Irrthü­mern und zur Förderung des gemeinschaftlichen Wissens zu würdigen wußten; während die erste Versammlung ungefähr nur 145 Theilnehmer zählte, fanden sich zur Versammlung des folgenden Jahres zu Karlsruhe im September 1838 schon 289 Mitglieder ein. Seit­dem hat sich die Wandergesellschaft in jedem Jahre, mit Ausnahme des Jahres 1848, in verschiedenen Städten Deutschlauds versammelt, und zwar 1839 zu Potsdam mit 834, 1840 zu Brünn mit 383, 1841 zu Doberan mit 909, 1842 zu Stuttgart mit 528, 1843 zu Alten­burg mit 921, 1844 zu München mit 535, 1845 zu Breslau mit 951, 1846 zu Gratz mit 1505, 1847 zu Kiel mit 2498, 1849 zu Mainz mit 155, 1850 zu Magdeburg mit 535 und 1851 zu Salzburg mit 311 Mitgliedern.

Wie wir vernommen , sind zur diesjährigen Ver­sammlung schon so zahlreiche Anmeldungen eingelaufen, daß man ans mindestens 1000 Mitglieder glaubt rech­nen zu können. Hannover ist in der That durch seine Eisenbahnverbindungen mit dem übrigen Deutsch­land zu einer solchen Versammlung so gelegen, daß letz­tere sich gewiß den meistbesuchtesten Versammlungen der Vorjahre anreihen wird, um so mehr, als der nordwest­liche Theil Deutschlands, die Kieler Versammlung ab­gerechnet, des Besuchs der Wandergesellschaft sich noch nicht zu erfreuen hatte. Wir werden gewiß aus allen deutschen Gauen, namentlich aber aus den Nachbarlän­dern, Land - und Forstwirthe, sowie Gartenbaukundige Herbciströmen sehen; hoffen wir, daß ihnen, seitens der Einwohner unserer Stadt, dieselbe freundliche Aufnahme werde, die ihnen noch überall, wo sie sich versammelten, so reichlich zu Tbcil geworden ist. Daß der Zweck der Wandergesellschaft ein edler und segensreicher ist, wird von denjenigen nicht verkannt werden, die den Gang der Fort- und Ausbildung, den die Landwirthschaft in

dem letzten Decennium genommen hat, mit Aufmcrksam- keit verfolgt haben; unverkennbar danken wir mit das regere Streben der landwirthscdaftlichen Industrie Deutschlands, welches sich seit jener Zeit überall bekun­det, jener Versammlung, ihrem erweckenden, hebenden und fördernden Wirken.

Die Wandergesellschaft erschließt sich übrigens nicht nur den Männern vom Fach, sie ist auch geöffnet für- alle Freunde der Land- und Forstwirthschaft, für alle, die sich für Land-und Forstwirthschaft und deren Zweige interesstrcn. Die Zahlung des Beitrags (4 Thaler) gibt Jedem das Recht der Mitgliedschaft, das Recht, an den Versammlungen und Excursionen der Gesellschaft Theil zu nehmen, die Ausstellungen zu besuchen u.s.w.

Das vorliegende Programm der Versammlung zeigt, wie die mit bei Vorbereitung desselben Vertrauten sich bestreben, den Gästen den Aufenthalt in Hannover so angenehm wie möglich zu machen; ernstere Verhand­lungen wechseln mit Ausflügen und Exkursionen, die bestimmt sind, den Gästen ein hoffentlich erfreuliches Bild der hannoverschen Land- und Forstwirthschaft zu gewäh­ren ; die Locale, die sich der Gesellschaft geöffnet haben, sind der Art, wie sie wohl wenige frühere Versammlungen aufzuweifen haben; der schöne Concertsaal im neuen königlichen Hoftheater zu den allgemeinen Sitzungen, die Räume der polytechnischen Schule zu den Sitzungen der nach einzelnen Zweigen der Landwirthschaft geson­derten Abtheilungen, die untern Säle des neuen könig­lichen Zeughauses zum gemeinschaftlichen auf 1000 Personen berechneten Mittagsmahl , als Versammlungs­ort für die Abende zur heitern und ungezwungenen Unterhaltung die Hanstcin'schen Säle.

Die Versammlung beginnt mit der allgemeinen Sitzung am 6. September; doch wird der größte Theil der Mitglieder schon am Sonntage, den 5. Sept., hier eintreffen, wo ein besonderes Comite in dem auf dem Bahnhöfe eingerichteten Empfangsbüreau die Gäste auf­nehmen und begrüßen, auch die etwa gewünschte Nach­weisung über Quartier rc. geben wird. Am 6., 7., 9. und 10. September werden die Morgenstunden den Berathungen und Verhandlungen im Allgemeinen und Sectionssttzungen gewidmet sein, während die Zeit nach dem Mittagsmahle durch Besichtigung einer in Herren­hausen veranstalteten Ausstellung von Früchten, Blumen, Maschinen und Werkzeugen in Anspruch genommen werden wird; der Abend wird die Mehrzahl der Theil­nehmer im Convcrsationslocale vereinen.

Der 8. und 11. September dagegen sind zu Ex­cursionen bestimmt, der erstere Tag zu einer allgemeinen Excursion der Landwirthe nach Celle zur Besichtigung des dortigen berühmten Landgestüts und einer Ausstel­lung von Hausthieren, deren Forstwirthe nach dem Sauparke bei Springe; der letztere Tag zu verschiede­nen Zweigexcursionen, für die Forstwirthe nach dem Harze, für die Landwirthe nach der untern Elbgegend, nach der untern Weser, nach der Wesergegend oberhalb Hameln, ins Leinethal und in das Hildesheimische. Hoffen wir, daß die Gäste von diesen Ercursionen in ihre Heimath eine freundliche Erinnerung an das Land Hannover mitnehmen werden, wenn auch demselben von der Natur nicht solche Reize zu Theil geworden sind, wie dieselbe andern Gauen Deutschlands so verschwen­derisch gespendet hat.

Die Zollfrage.

DieA. A. Z." bringt vom Neckar einen Arti­kel in der Zollfrage, in welchem wir die Bestätigung der in unseren Artikel, die Stellung des Herzogthums Nassau zum Zollverein betr. ausgesprochenen Ansichten finden. Es heißt in jenem Artikel: Die Presse be­schäftigt sich vielfach mit einem angeblichen Abfalle Württembergs und Badens von der Polit k in Sachen des Zoll- und Handelsvereines, zu welcher diese Staa­ten sich mit Bayern, Sachsen, beiden Hessen und Nassau durch die darmstädter Beschlüsse verpflichtet haben. Nie­mand aber, so däucht es uns, kann berechtigt sein, aus diesen oder jenen Jnzichten eine Vermuthung oder gar die Gewißheit zu folgern, es beabsichtige eine der ge­nannten Regierungen, oder beide im eigentlichen Son­derbunde eine That, welche einen Vertragsbruch in sich schließen würde. Es ist möglich, ja wahrscheinlich, daß Württemberg und nach ihm Baden in einzelnen Dingen andere Wege für zweckdienlicherhalten, um zu dem gro­ßen Ziele der handelspolitischen Einigung mit Oester­reich zu gelangen; wenn aber. eine gewisse Partei in der Presse und außerhalb daraus auf eine Abtrünnig­keit der beiden -südwestlichen Staaten Deutschlands von!

den Grundsätzen schließt, zu welchen sie sich in dieser großen Frage freiwillig und öffentlich bekannten, auch gegen ihre Mitcontrahenten verpflichteten, so liegt darin eine Beleidigung dieser ehrenhaften Regierungen. Doch auch abgesehen von diesem entscheidenden Rechtsgrunde, liegen materiell die dringendsten unabweislichsten Motive in den Zuständen Württembergs und Badens, welche den Anschluß, die Einigung Oesterreichs mit dem Zoll­vereine gebieten und weigert Preußen diesen beharr­lich das selbstständige Handeln mit ganz Süd- und Mitteldeutschland dem einsichtsvollen Staatsmanne zur wichtigsten Aufgabe machen. Wie in der -Politik im engeren Sinne, so ist auch in handelspolitischen Din­gen die Herrschaft der Phrase zu Ende und die Er­kenntniß der wirklich vorhandenen Zustände und Be­dürfnisse verlangt dringend Hilfe von oben. Wir verkennen nicht den hohen Werth des Zollvereines und wünschen lebhaft und redlich seine Erhaltung und Ausdehnung. Aber das schöne Wortdie Segnungen des Zollvereines" ist leider für unsere Länder zur bit­teren Täuschung geworden. Unsere Gewerbe liegen tief darnieder, unsere Industrie bis auf einige wenige Zweige schmachtet dahin. Seit einer Reihe von Jahren (nicht erst seit dem verhängnißvollen Jahre 1848!) rufen unsere Gewerbsleute laut und eindring­lich um Abhilfe, und wie wenig wir auch geneigt sind, unbegründeten Klagen Rechnung zu tragen, so können und dürfen wir doch die Augen vor der peinlichen Thatsache nicht verschließen, daß die Verarmung, na­mentlich in Schwaben und am Oberrheine, immer mehr zunimmt und nachgerade erschreckende Progressionen macht. Das Grundeigenthum, der Boden unserer schö­nen Länder, ist seit zehn Jahren durchschnittlich um 25 bis 33 Procent im Werthe gefallen, in manchen und vielen Gegenden auf die Hälfte und darunter. Unter solchen Umständen findet natürlicherweise der fleißige ehrbare Gewerbsmann immer schwerer und unter im­mer lästigeren Bedingungen das nöthige Betriebs- Capital, und der Credit des Ackerbauers und des Gutsbesitzers ist von 4 auf 5 Proc. Zins gestiegen. und selbst zu diesem Zinsfüße, der bei der geforderten, min­destens doppelten Sicherheit nahezu die ganze Boden­rente verschlingt, sind die Capitalien in vielen Gegen­den schwer zu finden. Diese Thatsachen, die von kei­ner Seite bestritten werden können, wiegen schwer in der großen Frage, welche gegenwärtig die deutschen Re­gierungen beschäftigt, und angesichts derselben muß es ein wehmüthiges Lächeln erregen, norddeutsche mnd ex­clusiv-preußische Blätter behaupten zu sehen, das leb­hafte Verlangen Süddeutschlands auf den Anschluß von Oesterreich rühre lediglich von politischen Sympathien her! Es gehört das in die Kategorie der Versicherung eines Artikelsvom Rheine" im Frankfurter Journal: die ganze Anscblußfrage sey von der katholischen Pro­paganda ausgegangen oder gefördert, deren Werkzeuge die katholischen Minister desAeußern von Württemberg, Großherzogthum Hessen und Nassau seyen: die Herren v. Neurath, v. Dalwigk und Fürst Wittgeustein alle drei Protestanten und gute feste Protestanten. Wenn wir dann hinüber blicken nach Oesterreich, von allen Sachkennern hören wie lebhaft dort, seit der Auf­hebung des Prohibitivsystemes, Handel und Verkehr ge­worden, welche große Bestellungen vereinsländische Ge­werbe dort erhallen, während wir im südöstlichen Deutsch­land von preußischen Fabricaten und Handelsreisenden überschwemmt sind; wenn wir uns fragen, woher es wohl rühre, daß die großen österreichischen Eisenbahn­linien 10 bis 15 Procent Reinertrag abwerfen; daß di- Preise der Güter jenseits der gewissen Leuten so ver­haßten schwarz-gelben Grenzpfähle, sicherem Vernehmen nach, in raschem Steigen begriffen sind; wenn wir den größten Strom Europa's, die Donau, ansehen, deren Lauf uns wie ein Fingerzeig der Natur auf das große Oesterreich verweist für unseren Handel und un­seren Gewerbefleiß: wenn wir ferner lesen in preußischen Blättern, daß die letze Messe in Frankfurt an der Oder deswegen eine gute gewesen, weil die süddeutschen en gros Käufer sich in Mehrzahl eiugcfuuden,kann man da noch fragen, ob die Regierungen Süd- und Mittel- deutschlands nur im wohlerwogenen Interesse ihrer Un­terthanen zu dem Schlußprotocolle der Wiener Confe- renzen und zu der Darmstädter Uebercinkunft ihre Zu­stimmung gegeben haben? Auch der Beitritt zum Zoll­vereine fand seiner Zeit heftigen Widerstand, denn die Gewohnheit wird leicht zur zweiten Natur und cs wäre allerdings behaglicher, die bezeichneten Krebsschäden un­serer volkswirthsHaftfichen Zustände fortwucheru, und cs "feinbeim Alten zu lassen," als kräftig und selbstbe-