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Nassauische Allgemeine.

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DieNaffams^e Nllnemeinc Zeitunft" mit dem belielristischen BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntags ausgenommen, täglich und beträgt der Prânumcratiâpreis für Wiesbaden und, nach dem neuen Poffreglllaiiv nunmehr auch für den ganzen Umfang deS Thun- und TariS'schcn Verwaltungsbezirks mit Inbegriff des Postaussckiags 2 fs., für die übrigen Länder deS deutsch«offe>reichifchen Postvereins, wie für das Ausland 2 fl. 24 fr. Inserate werden die dreispaltige Petit, zcilc oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung Son W. Friedrich, Langgasse 42, auswärts bei den nächstgtlegentu Postämtern, zu machen.

AmtlichcrTheil.

Seine Hoheit der Herzog haben den Präsidenten Faber und den Hofgerichtsrath v. Preuschen zu Walmerod von ihren Functionen bei der Prüfnugscom- mission I. Abtheilung zu entbinden , sodann den Mini- stcrialrath Dr. Bertram zum Director dieser Prü- fungscommisston und den derselben bisher provisorisch beigegebenen Hofgerichtsrath Jeckeln definitiv zumMit- gliede derselben zu ernennen geruht.

Der Necepturaccessist Ullrich zu Obcrlahnstein ist in gleicher Eigenschaft nach Montabaur versetzt worden.

Der an der Realschule in Limburg beschäftigte Schulcandidat Schaab von da ist zum provisorischen Lehrgehilfen ernannt worden.

Nichtamtlicher Cheil.

Die Schule und die Aevolutiun.

G Die Nr. 161 d. Bl. enthält einen Artikel mit der Ueberschrift:Wie und auf welchem Felde kann die Revolution besiegt werden?", der einerseits auch die Schule unter Anerkennung ihrer Bedeutung als den Boden bezeichnet, von welchem aus die Demokratie bekämpft werden könne; anderer­seits aber auch den schweren Vorwurf gegen sie erhebt, daß in ihren Räumen wie in denen der Kirche die Re­volution ihre Truppen geworben habe. Am Schluffe jenes Artikels wird, vielleicht zur Milderung zder gegen die Schule erhobenen Beschuldigung, die Frage aufge­worfen, ob unsere Schulen dermalen so ein­gerichtet seien, daß dem revolutionären Geiste nicht nur kein Vorschub geleistet werde, sondern auch die Jugend von dem Gifte der Revolution bewahrt bleibe.

Bis jetzt hat keiner unserer vielen Schulmänner, trotz der ausdrücklichen Aufforderung, geantwortet; füh­len sie sich etwa durch die Frage getroffen?

Wir wollen daher, gestützt auf Jugenderinnerungen und spätere Beobachtungen, sowie auf das, was die eigenen Kinder aus der Schule schwatzen, eine Ant­wort geben, die freilich nicht zu dem gehören wird, wonach Manchem die Lehrer nicht ausgenommen die Ohren jucken.

U ns e r e S ch ulen sind im Allgemeine n revolutionär, von unten bis oben, von oben bis unten, wenn nämlich, was wohl nicht bestritten wird, das Auflehuen gegen jedwede Autori­tät als revolutionär bezeichnet werden muß. Sie sind es und dadurch mildert sich die Anklage weil die Zeit überhaupt revolutionär ist.

Die Schule gebiert nicht das Volk, sondern das Volk die Schule." Daß man heutzutage der Schule «inen so hohen Werth beimißt, ist nur ein Beweis da­für, daß das Volksleben kränk und kraftlos geworden, daß wohl gar eine lebensgefährliche Krankheit an ihm ausgebrochen ist, welche cs ihm unmöglich macht, seine Jugend zu erziehen. Man sieht sich deßhalb nach Mit­teln um, um wenigstens die Jugend, das Volk der Zu­kunft, zu retten. Da klammert man sich an die Schule an, die soll helfen, die soll die Welt aus den Angeln heben und eine »neue Aera des Heils herbeiführen.' Man hat gemerkt: aus den Schulen ist dem Volk viel Un­heil gekommen, also, schloß mau, muß das Heil wieder von den Schulen kommen und ist dann, seitdem die Volkskrankheit entdeckt worden, mit Macht über Schul­verbesserung hergewesen.

Regierungen und Volksvertreter, Pädagogen und Demagogen, Philosophen und Nationalökonomen haben gewetteifert mit Gesetzen und Verordnungen, mit Systemen und Methoden, mit Geldverwilligungen und Geldver­schwendungen, der Schulen zu Hülfe zu kommen. Und nun, nachdem man mit all' dem es so herrlich weit ge­bracht und die Schulen nunmehrverbesserte" und gehobene" Schulen geworden sind, so lichthell und auf­geklärt, daß man bereits das ABE mit Politik und die Bibel mit deutschen Klassikern vertauschen kann, ja sogar in Hoffnung noch besserer Zeiten genöthigt ist, den Schullehrerzöglingen in den Seminarien Schiller's Wilhelm Tell philologisch, ästhetisch und kritisch zu com- mentiren, nun erwartet man mit Recht stündlich die Ausgeburt des Heils aus den Schulen; die Hebammen aber singen, bis die Stunde kommt, da das Heil er­scheinen soll, mit gläubiger Inbrunst ihre Päane zur Verherrlichung der heilsschwangeren Gebärerin und prei­

sen sie alsHauptschlagader des Volks­lebens", alsRetterin und Proteetotin der Civilisation", alsHort der Bil- d u n g", als Ursitz der H u m a u i t ä t " u. s. w.

So großes kann die Schule nicht leisten. Daß man es ihr anmuthet, daran sind die Pädagogen schuld. Unsere Schulpädagogik hat sich gegen das Volksleben aufgelehnt, sie hat sich im wachsendem Uebermuthe so weit verstiegen, daß sie sich als die wahre. Allmacht der Zeit gebärdete und der W.'lten.twickelung ihre Gesetze vorschreiben zu können vermeint. Sie wollte den Schul­meister als den Weltmeister hinstellen und glaubte, die Welt aus dem Schulstaub regenerireu zu könnens

Diester weg hat es den Lehrern so oft gesagt, daß sie eigentlich d a s S a l z d e r E r d e s e i e n, und die Lehrer selbst haben den Satz so oft wiederholt, daß er zuletzt fast allgemein geglaubt wurde. Dieser Uebermuth wird nun gestraft; die .Geringschätzung an­derer Mächte, der Familie, des Staates, der Kirche rächt sich; die Schule soll alles Uebel heilen, nicht weil sie cs allein verschuldet hätte, sondern weil sie sich in stolzer Selbstüberhebung als Universalmacht, als alleinige Trägerin alles Heils ausposaunt hat.

Die Schule kann den jetzt an sie gestellten Anforde­rungen nicht genügen; sie kann aber ein Wesentliches beitragen zur Rettung der Menschheit, indem sie der Revolution und ihren Gräueln dadurch entgegenar- beitet, daß sie den revolutionären Geist, soweit er durch sie in die Welt gekommen, wieder austreiben hilft; denn:

Es ist ein Gesetz der Teufel und Gespenster:

Wo sie hereingeschlüpft, da müssen sie hinaus."

Wir müssen das Revolutionäre in unseren Schu­len genauer nachweisen, dabei aber etwas weiter ans­holen.

Dadurch, daß sich die Philosophie, die frühere Die­nerin der Theologie, emancipirtè, von der Theologie lossagte und gegen diese bald Opposition machte, indem sie auch an die göttliche Offenbarung den Maßstab des menschlichen Verstandes legte, schwand all- mählig die heilige Scheu vor der geoffenbarten Reli­gion und der Kirche. Das Beispiel wirkte: auch die Philologie trennte sich von der Theologie und ließ sich von der Philosophie ins Schlepptau nehmen, worin sie sich heute, wenigstens äußerlich, noch befindet, da sie es zu Anerkennung als eigener Facultät auf unseren Uni­versitäten noch nicht gebracht hat. Ihr Ringen nach Selbstständigkeit, das nur bezüglich der Theologie Er­folg hatte, ist aber insoferne von großer Bedeutung, als es die Idee der Trennung der Schule von der Kirche hervorrief, und wenn nun diese Idee so weit zur Gel­tung gekommen ist, daß die Schule mit ihren höheren Lehranstalten, sich wirklich von der Kirche losgesagt hat, darf man sich denn, bei der engen Verbindung der Philologie mit der Philosophie, wundern, daß die Leh­rer unkirchlich geworden sind und der Geist des Chri­stenthums aus ihnen und den Räumen der ihnen an- vertrauten Schulen gewichen ist? Bezeichnend ist, was wir hier nebenbei bemerken wollen, daß auch Mathema­tik und Naturwissenschaften zur philosophischen Facultät gehören, eine Verbindung, die wohl auch keine zufällige genannt werden kann und mit Rücksicht auf die Folgen für das Schulwesen alle Beachtung verdient.

Die niederen Schulen sind von den gott- und kir- chenfeindlichen Lehrern der neueren Philosophie nicht unberührt geblieben, und wenn die Gelüste zur Eman- cipirung von der Kirche zur Zeit auch noch auf Be­friedigung warten, so haben doch die Erscheinungen der letzten Jahre auch dem Blödsinnigstem gezeigt, wie es bei unseren Elemcntarlehrern, die doch auch etwas von dem vergötterten Menschenverstände der Philosophen zu besitzen meinen, mit dem Christenthum steht, und wo­hin cs gekommen wäre, wenn die Revolution gesiegt hätte.

Nach dieser Ausführung ist die Begründung des Satzes, daß unsere Schulen revolutionär seien, leicht. Wo die höchste Auctorität, die göttliche, nichts mehr gilt, wie kann da also eine blos menschliche gelten, Ehrfurcht vor dem Landesherrn, Achtung vor der Ob­rigkeit und dem Gesetze herrschen?

Wie die Lehrer unserer Schulen selbst, meist ohne es selbst zu wollen, den revolutionären Geist bei der Jugend nähren, indem sie sich auch im Angesichte der Schüler gerne über jede göttliche und menschliche Auc­torität Hinwegsetzen, das gedenken wir, ins Einzelne ge­hend, nächstens weiter auszuführen und dabei darzuthun, daß die mit der neuen Philosophie eng zusammenhän­gende Richtung des Erziehungs- und Unterrichtswesens

hauptsächlich von Preuße n gepflegt worden ist und von da aus in einem großen Theil des übrigen Deutsch­lands Eingang gefunden hat.

Ob sie wohl auch wieder den Ausgang durch Preu­ßen nehmen wird,? Wir glauben es, aber ohne ge­waltige Konvulsionen wird es nicht abgehen; die dro­henden Anzeichen lassen sich bereits ohne Scherangen erkennen.

Die IoUfragc

Nach einer Frankfurter Corr. der Kass. Ztg. ist ein neuer Vermittlungsvorschlag in der Zoll­frage zwischen den Staaten des Steuer- und des Zollvereins in letzter Zeit gemacht worden. Er scheint Aussicht zu haben, eher zu dem erwünschten Ziele allgemeiner Verständigung zu führen, als die bis­her gestellten Anträge; er geht dahin, zwischen den Staaten des Steuer- uud Zollvereins eine Ueber- gangsperiode von mehreren Jahren fesizusetzen, wäh­rend welcher Periode die Steuervereinsstaaten zwar eine gesonderte Gruppe bildeten, zugleich aber ihre Tarifsätze mit denen des Zollvereins auf möglichst gleichen Fuß brächten. Die Erhebung der Zölle geschähe im Steuer­verein unter Controlle von Zollvereinsbeamten, wie um­gekehrt im Zollverein unter Controle von Steuervereins­beamten. Auf diese Art würde sich die Cousumtion in beiden Zollgruppen auf sichere Art ermitteln und der richtige Maßstab zur Vertheilung der Re­venuen bei der künftigen Zolleinigung finden lassen. Ohne eine solche Uebergangsperiode dürfte es, glaubt man, völlig unmöglich sein, einen richtigen Maßstab zur Vertheilung dieser Revenuen aufzustellen, und setzte sich der Gefahr aus, einen Theil Deutschlands auf Kosten des andern zu übervortheilen. Während der Ueber- gangsperiode würde ein weitgreifender Handelsver­trag die Handelsverbindung zwischen beiden Zollgrup­pen in liberalster Weise zu vermehren und zu erleich­tern trachten.

Bezüglich der Stellung Württembergs zu den Re­gierungen des Darmstädter Bündnisses versichert die officiösePfälzer Ztg." in ihrer neuesten Nummer, daß der württembergische Minister v. Neurath , bei seiner Anwesenheit in Kissingen, die nachträgliche Unter­zeichnung der Antwort d er Darm städter Ver­bündeten an das Berliner Cabinet in bestimmte Aus­sicht gestellt habe, so daß sich zwar eine Unentschieden­heit der württembergischen Regierung in der Zollfrage, keineswegs aber ein festes Anschließen an Preußen dar­aus folgern läßt.

Nach derA. A. Z" habe sich Herr v. Beust mit dem Grafeu Buol über die nächste Haltung der Darm­städter Coalirten vollständig geeinigt.

Deutschland.

TT Wiesbaden, 7. August. (Assisenverhandlung gegen Joh. Jos. Görg von Arzheim bei Ehrenbreit­stein, wegen ausgezeichneten Diebstahls.) Der Ange­klagte wurde von den Geschworenen für schuldig befun­den und von dem Assisenhofe zu drei Jahren Zuchthaus, geschärft durch Kostbeschränkung während 14 Tagen eines jeden Vierteljahres der Strafzeit, vernrtheilt. Die Ko­sten betragen 213 fl. 27 fr.

Mit diesen Verhandlungen sind die Asstsen des III. Quartals geschlossen.

*Wiesvaden, 7. August. Gegen die Urtheile des Assisenhofs dahier vom 20'. und 22. v. M., in Unter­suchungssachen gegen Jacob Simon I. von Ems, wegen ausgezeichneten Diebstahls, und gegen Heinrich Lauth III. von Mönstadt, wegen Schrift- fälschung, hat die Staatsbehörde die Nichtigkeitsklage erhoben. Der Herzogl. Cassationshof hat hierauf zur öffentlichen Verhandlung beider Sachen Termin auf Mittwoch den 18. August l. J. Morgens 8 resp. 9 Uhr anberaumt und findet die Sitzung wie gewöhnlich im Sitzungszimmer H. Oberappellationsgerichts statt.

V Dillenburg, 6. August. Assisenverhandlung gegen Anton Müller aus Müschenbach wegen Dieb­stähle.

Präsident: HofgerichtSrath v. Bierb rauer, Staats­anwalt: Substitut, Amtssecretär Schröder, Vertheidi­ger: Procurator Schenck.

Anton Müller von Müschenbach, Amts Hachen­burg, Dienstknecht und Soldat, ist sieben verschiedener Diebstähle, meistens im December 1851 verübt, ange­klagt. Die hierüber abgehörten Zeugen, dreizehn an der Zahl, bestätigen insgesammt die Anklage vollkom-