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Nassauische Allgemeine

E ^SS Freitag -ea 6. AugM /W9.

DieNaffamscke Maemrinr Zkilnn^" mit »tm beUetrifiifdien BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntags ausgenommen, tâglick und beträgt der PrânumerationSpreis für Wiesbaden und, nack dem neuen Postregulativ nunmehr auch fut btn ganzen Umfang des Thurn- und TariS'schen BerwaltungâbeziikS mit Inbegriff deS Postausschlags 2 fl., für die übrigen Länder des dcutsch»öste>reichischen Postoereins, wre für das Ausland 2 fl. 24 fr. Inserate werden die dreispaltige Petit« teile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von 20. Friedrich, bhnggaffe 42, auSwâriS bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

Amtlicher Theil.

Dien st nach richten.

Der Kollaborator Hermann Wagner am Pädago­gium zu Dillenburg hat die zweite (praktische) Prüfung in den philologischen Wissenschaften bestanden.

Nichtamtlicher Theil.

Die Zoilfrage.

* In der Nr. 184 des Frankfurter Journ. wird in einem Artikel vom Rhein die Zollfrage von dem natio­nal-ökonomischen und politischen Gebiet ans das confes- sionclle hinüber gezogen und mit allen Glocken gegen daSösterreichische römisch-katholische Kaiser­reich" und gegen dierömisch-katholische Pro- p a g a n d a " Sturm geläutet, deren Ziel die Niederwerfung des Protestantismus sei. Zuerst wurde die Demokratie zum Bundesgenossen geworben, jetzt soll auch noch der reli­giöse Fanatismus aufgeboten werden. Wenn je ein Artikel geeignet war, das Gemeingefährliche eines Blat­tes nachzuweiscu, welches sich nicht entblödet , offenbare Unwahrheiten, Verdächtigungen in die Oeffentlichkeit zu schleudern und subversiven Tendenzen von den ver­schiedensten Seiten und der gefährlichsten Art seine Unterstützung angedeihen zu lassen, so ist cs dieser. Die D. Allg. Ztg." hatte Recht, als sie derWeser-Ztg." bemerkte, man könne den Korrespondenten^ nicht wehren, Ungereimtheiten zuschrcibeu, es sei aber Sache der Re­dactionen, solchen Unsinn nicht aufzunehmen. DieD. Allg.Ztg." hatte aber nur derWeser-Ztg." gegenüber Rech?; bei demFrankf. Journ." verfängt so etwas nicht und wäre es Unrecht sich in einem einzelnen Falle darüber aufzuhalten, was den Gegenstand allgemeiner Klage gegen dieses Blatt abgibt.

Es ist nicht unsere Ansicht, das Frankfurter Jour­nal zu widerlegen, wir wollen nur einige Stellen des Artikels hervorheben, um zu zeigen, mit welcher Per­fidie dieses Blatt verfährt.

Nach dem erwähnten Artikel erstrebt Oesterreich mit seinen Zollplänen nicht blos ein deutsches, sondern ein römisch-katholisches Kaiserreich, und geht dabei Hand in Hand mit der römisch-katholischenPropaganda" (!), deren Ziel die Niederwerfung des Protestantismus i|t und die an der Spitze ihres Programms den Satz trägt, daß der Katholik zuerst Katholik und dann erst Angehöriger eines bestimmten Staates sei. Das Frank­furter Journal hat wohl nur solche Protestanten vor Augen, die ufir nebenbei Protestanten sind und sich selbst dessen nur dann erinnern, wenn es ihnen zweck­dienlich scheint. Uebrigens hat, so viel wir uns zu er­innern wissen, ein römisch - katholisches Kaiserreich be­standen , aber das Entstehen und die Verbreitung des Protestantismus durchaus nicht gehindert.

Ueber solche Behauptungen läßt sich noch hinweg- scheu, was soll man aber zu der nachfolgenden Stelle des Artikels sagen:Wie könnte man nun zu irgend einem Vorgehen einer Politik Zutrauen fassen, die, in­dem sie im Bund mit der römisch-katholischen Propa­ganda die Jesuiten wieder anfuimmt, zugleich dem Pro­testantismus den Krieg erklärt?"

Darnach wäre die Abschaffung der Jesuiten eine Concession für den Protestantismus gewesen. Wir hal­ten dafür, daß die Wiederaufnahme oder Abschaffung dieses Ordens , mit derPolitik" nichts zuj schaffen hat. Was für ein Zusammenhang zwischen der Richtung, welche ultramontane Blätter in der Zollfrage einge- schlagcn haben und ihren religiösen Ansichten bestehen, vermögen wir nicht einzusehen, und wollen nur darauf hindeuten, daß es noch andere nicht ultramontane Blätter gibt, die der deutsch-österreichischen Zolleinigung ohne alle und jede Nebengedanken das Wort reden.

Wir ehren jede Ueberzeugung , wir müssen cs aber für eine Herabwürdigung der Presse erklären, wenn man mit unehrlichen Waffen für dieselbe kämpft. Wie läßt es sich rechtfertigen, daß man um die Haltung ein­zelner Staaten in der Zollsrage zu erklären, die freche Lüge wagt, die Premierminister von He ff endarm­stabt, Nassau und Würtemberg (?) seien Katholiken und ständen mehr oder weniger unter österreichischem Einfluß. Einer solchen Behauptung gegen­über sind wir in der unangenehmen Lage bas Frank­furter Journal entweder einer großen Unwissenheit oder einer absichtlichen Entstellung der Wahrheit zu be­zichtigen.

Der Wes.-Ztg. wird aus Berlin vom 30. Juli geschrieben: In sonst gut unterrichteten Kreisen will man ans dem Umstande, daß der russische Reichskanzler, Graf Nesselrode, sich in Kurzem von Kissingen nach Ischl begibt, auf wichtige Verhandlungen schließen, welche an dem letztem Orte stattfinden würden. Wir lassen die Richtigkeit dieser Combination dahingestellt sein, glauben aber kaum, daß den in Aussicht stehenden Ver­handlungen eine besonders gewichtige Bedeutung beizn- legen ist. Graf Nesselrode hat während seines diesma­ligen Aufenthaltes in Deutschl nid der schwebenden han­delspolitischen Frage ein besonderes Interesse zngcwen- det, und wie bekannt, auch eine Vermittelung der Dif­ferenzen in dieser Angelegenheit versucht; anscheinend jedoch ohne den gewünschten Erfolg. Verhandlungen über diesen Gegenstand, dürfte, bei der vollständig bc- kanntcu Stellung der Parteien, auch jetzt kein Erfolg mehr beizumessen sein, da Preußen entschlossen ist , an der Eiklärung vom 20. d. M. festzuhalten. Der Aufenthalt des Grafen Nesselrodc in Ischl wird nur von kurzer Dauer sein; derselbe begibt sich dann über Berlin nach St. Petersburg.

In der Erklärung, mit welcher Preußen die Zoll- conferenz zu Berlin am 20. Juli vertagte, ist zwei sächsischer Anträge Erwähnung gethan , die sich auf die Artikel 5 und 18 der Grundverträge beziehen. Wel­chen Inhalts jene Amendements sind, ist nicht gesagt ; auch ist über dieselben noch kein Beschluß gefaßt, weil angeblich darüber noch erst Instructionen einzuholen sind. Schon aus diesem Umstände geht hervor, daß sie nicht unwichtig sind; und es muß daher für unsere Leser von Interesse sein, schon jetzt zu erfahren, wovon jene Artikel handeln. Die Wcser-Ztg. theilt die wich­tigsten Stellen ihrem Wortlaute nach mit. Artikel 18 heißt:Die contrahirenden Staaten wollen auch ferner gemeinschaftlich dahin wirken, daß durch Annahme gleich­förmiger Grundsätze die Gewerbsamkeit befördert und der Befugniß der Unterthanen des einen Staates, in dem andern Arbeit und Erwerb zu suchen, möglichst freier Spielraum gegeben werde."

Der andere Artikel 5 ist in dem Vertrage vom 8. Mai 1841 wegen Erneuerung des Zollvereins auf wei­tere zwölf Jahre enthalten und lautet folgendermaßen: In Bezug auf das Münzwesen haben die contrahiren­den Staaten sich bereits durch die Convention vom 30. Juli 1838 über die Annahme einer gleichen Grundlage für ihr Münzsystem und über die Ausprägung einer gemeinschaftlichen in allen Vereinsstaaten gleich dem eigenen Landesgeld anzunehmenden Vereinsmünze geei­nigt; und cs werden dieselben auch fernerhin der weite­ren Ausbildung ihrer Münzverfassung auf der hier­durch gegebene?! gemeinschaftlichen Grundlage ihre Sorg­falt widmen.

Bis dahin hat es bei den bisherigen Stipulationen sein Bewenden: 1) der Zolltarif nach dem 14-Thaler- fuße und 24f/r-Guldenfuße auögefertigt wird; 2) die Silbermünzen sämmtlicher Vereinsstaaten mit Ausnah­me der Scheidemünze bei allen Zollstellen angenommen werden. Was aber 3) die Goldmünzen betrifft, so bleibt einer jeden Vereinsregierung die Bestimmung, ob und in welchem Silberwerthe dieselben bei den Zoll­hebestellen ihres Landes angenommen werden sollen, überlassen."

Der X Korrespondent derK. Ztg." schreibt über die Anfangs September stattsindende Zusammenkunft des Königs von Preußen mit dem Kaiser von Oester­reich im Bade zu Ischl: Die Bemerkungen des Corr.- Bureau, daß dabei alle politischen Parteifragcn ansge- schlossen seien und daß diese eben den Beweis liefern soll, wie zwischen beiden Monarchen trotz der Differen­zen über einzelne Fragen ein herzliches Einvernehmen stattfinde, ist wieder eine schon jetzt der öffentlichen Meinung insinuirte Auffassung, daß nämlich die Zoll frage noch schwebe und dort in keiner Weise berührt werden soll. Dies ist indircct gesagt. Wir müssen Dem gegenüber bemerken, daß es Thatsache ist, wie seitens des Königs von Preußen seit dem Regierungsantritte des jungen Kaisers von Oesterreich, worauf sich auch sofort bisjetzt ununterbrochen Differenzen in der aus­wärtigen (deutschen) Politik zwischen beiden Regierungen herausstellten, jede persönliche Zusammenkunftabsicht­lich" vermieden wurde, was sich beiden! vorjährigen wie diesjährigen Besuche des Kaisers von Rußland, da jedes­mal die Grenzlinien genau eingehalten wurden, nur zu deutlich zeigte. Die Gründe liegen allerdings nicht aus­schließlich in den politischen Streitfragen, sondern zum Theil auch noch in andern persönlichen Auffassungen, doch bilden die erstern immerhin die Hauptnwtive, und

wir möchten doch wohl die Sache am richtigsten dar- stellen, weun wir sagen: daß die Zusammenkunft zu Ischl nicht projectirt sein würde, hätte nicht die Lösung der streitigen Zollfrage ihre Er­ledigung zwischen b cid en Regi c ru ngen be­reits gefunden.

Deutschland.

tf Wiesbaden, 4. August. (Assisenverhandlung gegen Johann Faust von Eltville wegen Diebstähle.) Der Angeklagte wurde von den Geschwornen für schul­dig befunden und von dem Assisenhofe zu einer Zucht­hausstrafe von 8 Jahren nebst Kostbeschränkung 'verur- theilt. Der Antrag der Staatsbehörde lautet nur auf fünf Jahre Zuchthaus. Die Kosten betragen 108 fl. 12 Kreuzer.

fch Wiesbaden, 5. August. (Assisenverhandlung gegen Johann Bapttst Mever aus Catzenelubogen, wegen Unterschlagung und Betruges.) Joh. Baptist Meyer, 40 Jahr alt, früher Bcrgverwalterin Privat- diensten, gegenwärtig ohne Geschäft, ist angeklagt, im Jahr 1850 unter' die Statuten einer von ihm und An­deren projectirten sog. Unionsgewerkschaft die Unter­schriften verschiedener, von ihm fälschlich als Mitglieder des Berwaltangsratheö jener Gesellschaft bezeichneten Personen (des Apoth. Dr. Erlenmeyer, des Gerbers Dünkelberg, des Dr. Haupt, Medicinalassistenten zu Nassau, des Procurators Hilf zu Nassau und des Bürgermeisters Michel zu Rettersheim) nachgemacht und von dieser so gefälschten Urkunde Gebrauch gemacht zu haben, daß er dieselbe durch den Druck vervielfältigt und unter dem Vorgeben, die Gesellschaft sei bereits definitiv constituirt mit Benutzung dieser Abdrücke ver­schiedene Personen zur Zeichnung von Acticn und Ein­zahlung von Geldbeträge bewogen und in Folge dessen auch von 26 verschiedenen Personen 80 fl. und 5 preuß. Thaler übernommen habe und zwar:

1) von dem Schiffer Daniel Dougue zu Nieder­lahnstein 2 st, 2) von dem Herzoglichen Amtssecretär Jung zu Montabaur 2 st, 3) von Kaufmann Daniel Joseph Adami zu Hadamar 1 fl., 4) von Bierbrauer Johann Anton Menges zu Limburg 4 st, 5) von Wirth Joseph Menges daselbst 1 fl., 6) von Gutsbesitzer Jo­hann Michael Schraudenbach daselbst 6 st, 7) von Pro­kurator Braun zu Dillenburg 2 fl., 8) von Schichtmei­ster Lorenz Soest zu Diez 2 fl., 9) von Gemeinderech­ner Philippar zu Freiendietz für sich und eine Anzahl anderer Personen, welche bei diesem Actien gezeichnet und Einzahlungen geleistet hatten, zusammen 20 fl., 10) von Gerber Balthaser Mohr zu Hofheim 4 st, 11) von Kaufmann Hohann Wilhelm Kuhn zn Nassem 20 fl., 12) von Ludwig Wilhelm Künzler zu Diez 1 st, 13) von Carl Lorenz daselbst 1 fl., 14) von Jacob Seel zu Freiendiez 1 fl., 15) von Steiger Peter Hild daselbst 1 fl., 16) von Philipp Reh, Namens seines Bruders des Obersteigers Friedrich Reh daselbst 1 fl., 17) von Carl Stotz daselbst 1 fl., 18) von bei Wittwe des Philipp Wilhelm Stotz daselbst Ist, 19) Jacob Römer daselbst 1 st, 20) von Wilhelm Bender zu Kirberg 1 st, 21) von dem Herzogl. Medicinalacces- sisten Forell daselbst 1 st, 22) von Uhrmacher Friedrich Hesse daselbst 3 fl., 23) von Weinhändler Philipp Müller zu Coblenz 1 st, 24) von dem Schmiedemeister Wendelin Nix daselbst 1 st, 25) von dem Kaufmann Heinrich Eckstein daselbst 5 Preuß. Thaler, 26) von dem Kaufmann Jacob Feuerbach daselbst 1 fl.

Ferner, daß er in einer ebenfalls s gewinnsüchtigen Absicht d.d. Braunfels, 16. April 1848, mit der fal­schen Unterschrift eines gewissen Herrn L. Völkel als angeblichen Hauptagenten eines Unterstützungscomites (für Schleswig-Holstein) habe drucken lassen und einen solchen an den Procurator Vers lassen in Limburg für 2 Preuß. Thaler verkauft habe.

Wegen einer weiteren Anklage, dahin gehend, daß er den Joh. Wilh. Kahn zu Nassau durch falsche Vor­spieglungen bezüglich der Fertigung und des Debits einer Zahntinctur,Chamette" genannt, um 10 Preuß. Thaler betrogen habe, ist der Angeklagte außer gericht­liche Verfolgung gesetzt.

Die Assisenverhandlung leitet der Assisenviceprâsident Jeckeln; als Staatsanwalt fungirt Staatsprocurator- Substitut Flach, als Vertheidiger des Angeklagten Procurator Wilhelmi junior.

< Biebrich, 4. August. Schon seit einer langen Reihe von Jahren geht das Bestreben mancher ein­sichtsvoller Männer dahin, durch Unterricht und Er­ziehung das Heranwachsende Geschlecht für den künfst-