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ser genießt, so ist dieser seiner Unterstützung in St. Pe­tersburg doch nicht benöthigt, da Graf Nesselrode, voll­kommen rüstig an Geist wie an Körper ist.

Der preußische Gesandte in Wien, Graf Arnim, ist nach Dresden gegangen.

Das Unternehmen der Breslauer Industrieausstellung entwickelt sich immer glänzender: die Zahl der Besucher erreicht beinahe 80,000, und man darf noch auf 10 15,000 rechnen. So sind denn nicht allein sämmtliche Kosten gedeckt, sondern man hat neben einem bedeuten­den Ueberschusse, den man als Fond für eine künftige Ausstellung niederlegen kann, auch den wichtigen Zweck erreicht, unsere Industriellen zu weiterem Fortschritte zu spornen. Dazu trägt insbesondere der Ankauf von einem großen Theile der ausgestellten Gegenstände bei, der nicht allein von vielen Privatpersonen, sondern auch Behufs der Verloosung gemacht worden ist. Bereits sind schon 65,000 Loose â 10 Sgr. verkauft, und es wird die Zahl über 70,000 steigen, wodurch dann eine Summe von etwa 24,000 Rthlru. einkommt, die ganz zum Ankäufe verwendet wird und an welcher viele arme Handwerker Theil nehmen, die sich im Anfänge kaum getraut hatten, etwas cmzuliefern. Bei dem Besuche herrscht die Provinz vor, denn aus der Hauptstadt sah man bis jetzt immer kaum den vierten Theil.

Aus Posen, 27. Juli, wird derFr. P.-Z." ge­schrieben: Obgleich es hier bisher Niemand glauben mochte, daß die in jeder Beziehung gänzlich geschwäch­ten Polen noch an eine neue nationale Schilderhebung denken könnten, so ist dem doch so, wie ans einer so eben erschienenen Bekanntmachung unseres Oberpräsiden- ten v. Puttkammer, die außerordentliches Aufsehen macht und unter der polnischen Bevölkerung eine allgemeine Bestürzung erweckt hat, unwiderleglich hervorgeht. Die­selbe sagt ausdrücklich, daß in neuester Zeit wiederholt Wahrnehmungen gemacht worden, welche den Beweis liefern, daß in hiesiger Provinz durch polnische Flücht­linge im Sinne und im Auftrage der demokratischen Propaganda agitirt werde. Der Zweck dieser Agitation gehe dahin, einmal in der Bevölkerung demokratische und überhaupt regierungsfeindliche Gesinnungen zu er­halten und zu verbreiten, sodann eine dauernde Berbin­dung mit dem im Auslande weilenden Centralcomite herzustellen , und endlich die Mittel aufzubringen, um die in Aussichr gestellte Umwälzung demnächst ins Werk zu setzen. Dann wird hinzugefügt, daß für diesen Zweck mehrere durch Answeisungsordres bereits aus der Pro­vinz entfernte Emigranten, und zwar lauter Individuen, welche durch Theilnahme an früheren Verschwörungen oder offenen insurrectiouellen Kämpfen in hiesigen Lan­den compromittirt waren, thätig gewesen, außer welchen nun aber drei der gefährlichsten Emissäre: Paul Da- rascz (alias Dr. Pawel), Leo Zionkowicz (alias Szals- zynöki) und Ludwig Bulewski namhaft gemacht und steckbrieflich verfolgt werden. Ihre bisherige revolutio­näre Thätigkeit wird dabei genau auseinandergesetzt. Ihrer Verhaftung haben alle drei sich zu entziehen ge­wußt, doch scheint die Behörde der Ansicht zu sein, daß sie sich hier noch verborgen aufhalten, indem am Schluß der Bekanntmachung ausdrücklich die Eingesessenen der Provinz gewarnt werden, unter Androhung der gesetz­lichen bis zu fünfjährigem Gefängniß steigenden Stra­fen, den Emissären durch Aufnahme oder sonst zu ihrer Verheimlichung und Flucht behilflich zu sein. Wer die Polen nicht kennt, muß diesen neuen Aufstaudsversuch für einen Act des Wahnsinnes halten, da ihnen alle Mittel zu einer wirksamen und erfolgreichen Erhebung abgehen; indessen der Pole hat ein unerschütterliches Vertrauen zu seiner Sache und seiner Kraft, sowie zu der Schwäche seiner Gegner. Wahrscheinlich glaubt er, daß der 15. August in Frankreich neue Unruhen hervor­rufen werde, die dann sich über den europäischen Con- tinent verbreiten und schließlich zur Wiederherstellung Polens führen müssen!

Wien, 26. Juli. Die drei hier bestehenden Preß- überwachungs-Bureaux, und zwar das im Ministerium des Innern, auf der Stadthauptmannschaft und das des Militärgouvernements werden aufgelöst, und da sich eine so vielfältige Ueberwachung nicht mehr als unumgäng­liches Bedürfniß herausstellt, in eines zusammengezogen, das der obersten Polizeibehörde untergeordnet und der Oberleitung des Sectiousrathcs von Lackenbacher (dem österreichischen Vertrauensmann zur Ausarbeitung des Bundespreßgesetzes in Frankfurt), untersteht. Gleichzeitig hört man, daß dieWiener Zeitung" nach Auflösung des mit den Ghelcn'scheu Erben geschlossenen Vertrags, als selbstständiges Negierungs-Journal nach Art desMo­niteur" in Paris, durch einen kaiserlichen Beamten re- digirt werden wird, und zwar durch den zum kaiserliche» Rath erhobenen gegenwärtigen Redacteur Dr. Schweitzer.

In Folge des neuen österr.-russischen Zollübereiukom- mens sind Seitens Rußlands fünfzehn neue Grenzzoll­ämter errichtet worden.

Se. f. k. Majestät haben auözusprechcn geruht, daß in der Wojwodschaft, Serbien, dein Temescher Banate und in Siebenbürgen die allgemeine Uniformirungsvorschrift für Staatsbeamte vom 24. August 1849 in Anwen­dung zu verbleiben habe.

Handelsberichte aus der Levante melden, daß fast ein Drittheil der gejammten diesjährigen Korinthenernte für verloren anzusehen ist.

I ' Den Gemeindevorständen in Ungarn, Siebenbürgen, Kroatien, der Wojewodina und dem Temescher Banate ist die Portofreiheit zugestanden worden.

DieNeue Pr. Ztg." vernimmt aus vollkommen sicherer Quelle, daß das Orgauiflrungs-Statut für die italienischen Provinzen Oesterreichs von dem hohen Reichsrathe bereits zur Unterbreitung für die allerhöchste Sanction vollendet ist.

/ratiktrtd).

Paris, 28. Juli. Am 20. jeden Monats pflegt von hier ein Cabinetscourier mit Depeschen an die Ge­sandtschaften in Karlsruhe, Stuttgart, München und Wien abzugehen. Statt des gewöhnlichen Cabinets- couriers ist jedoch diesesmal Herr Le Bay, höherer Mi­nisterialbeamter, nach Wien abgegangen. Da derselbe nur bei außerordentlichen Anlässen zu solchen Reisen ver­wendet wird, will man aus seiner Sendung schließen, er sei Ueberbringcr wichtiger Aufträge. Erkundigungen zu­folge, will unsere Regierung das kaiserliche Cabinet be­wegen, sich den Bemühungen Frankreichs anzuschließen, damit die Frage der heiligen Stätten einer für die Ka­tholiken günstigen Lösung entgegengeführt werde. Herr Lavalette hat unter Anderem die Instruction mitgenom­men gegen den großhcrrlrchen Ferman zu Gunsten der Griechen energische Einsprache zu erheben. Der Mar­quis de Turgot schmeichelt sich, es werde Oesterreich als katholische Großmacht, nachdem es bisher ziemlich passiv bei diesen Strcitigkeiten sich verhallen hatte, mit Frank­reich hierin gemeinsame Sache machen, wie auf der an­dere» Seite England mit Rußland. Da die beiden Gesandten dieser zwei Großmächte von Konstantinopel abwesend sind, erscheint der Moment besonders geeignet die Sache wieder auf's Tapet zu bringen und da Herr de la Cour, der Gesandte der französischen Republik am kaiserlichen Hoflager, auf Urlaub sich befindet, so scheint Herr Le Bay beauftragt »zu seyn, dessen zeitweiligem Vertreter die bezüglichen Instructionen zn überbringen und zu erläutern.

Es ist ohne Grund behauptet worden, das Napo­leonsfest vom 15. August werde drei Tage lang aus­gedehnt werden. Nach dem Programm, welches jetzt bekannt geworden, wird das Fest nur einen Tag wahren, aber um so glänzender ausfallen. Nachstehende Festbe- stimmungen find getroffen: Am Vormittag großes fei­erliches Hochamt in der Kirche Notre Dame, welchem der Prinz-Präsident mit allen Staatswürbenträgern und obersten Beamten beiwohnen wird; Musterung der Na­tionalgarde des Seine-Departements auf dem Marsfelde und Vertheilung der Adler an dieselbe durch den Prinz- Präsidenten; Gratisvorstellungen in den Haupttheatern von Paris und namentlich in der großen Oper; kolos­sale Gas-Illumination vom-Triumphbogen bis nach der Barriere du Trom, auf einer Strecke von 1'/, Stun­den Weges; in der Mitte des Triumphbogens wird ein Riesen-Abler in Gasflammen prangen, dessen ausgebrei­tete Flügel 60 Fuß lang sind; auf der Eintrachtsbrücke wird ein großartiges Feuerwerk abgebrannt werden; es wird den Kaiser Napoleon zu Pferd auf dem St. Bern­hardsberge nach dem Bilde von David darstcllen; der Seine-Strom wird mit reich geschmückten illuminirten Schiffen bedeckt sein. Die Vertheilungen von milden Gaben an die Armen sollen bei diesem Feste reichlicher, als bei jedem andern Nationalfeste, ausfallen.

Die ersten politischen Deportationsgefangenen, welche das Kriegsgericht von Lyon verurtheilt hat, und die am 20. December v. I. an Bord der Moselle einge- schifft worden sind, mögen jetzt wohl an ihrem Bestim­mungsorte Nukahiva angekommen sein. Ein Brief des Befehlshabers der oceanischen Station enthält Nachrich­ten über sie bis zum 22. April; damals befanden sie sich auf der Rhede vor Valparaiso. Die kleine Straf- colonic besteht aus drei Familien: Gent mit Frau, Longomazino und Ode, jeder mit zwei kleinen Kindern, zusammen zehn Personen. Die Familien folgten frei­willig, und auf ausdrückliche Bitten hatte man ihnen die Erlaubniß gewährt. Der Verfasser des Briefes ent­wirft von der Persönlichkeit und 6em Benehmen der Gefangenen eine Schilderung, die nichts weniger als günstig ist, er sagt: Gent, durch seine Intelligenz, seine Erziehung, durch die Rolle, die er gespielt hat, erscheint gleichsam als Haupt und Leiter. Sein langer und dich­ter Bart, seine dünkelhafte Haltung, wenn er seine Rolle nicht vergißt, geben ihm eine Erscheinung, wie sie in den Straßen von Paris seit der Februarrevolution so gemein ist. Er erkünstelt einearistokratische" Miene, und thut als ob er aus einer Sphäre wäre, die weit über der seiner Schicksalsgenossen stünde, er fühlt sich wie beschämt mit ihnen zusammengeworfen zu sein, und erträgt ihre Berührung nur mit Widerwillen. Longo­mazino, eine herkulische Gestalt, repräsentirt die Kraft und die That, aber in seinem gegenwärtigen Zustande von Uumacht äußert sich seine gewöhnliche Heftigkeit nur im finsteren Verziehen der Augenbrauen. Ode, der in Bezug auf Intelligenz unter Gent und in Bezug ans sein unansehnliches Acußere unter Longomazino steht, fügt sich, wiewohl mit sauerem Gesichte, unter die Herrschaft der beiden. Was die Weiber anlangt, so ist die Gent eine junge sehr unwissende Person, die sich in den Manieren ihres Mannes gefällt. Die Longo­mazino , eine tüchtige Hansfrau, würde allen Sorgen der Wirthschaft verstehen können, wenn sie von den an­

deren unterstützt wäre. Die Ode, eine Art Blaustrumpf, ist ohne eine ansprechende Eigenschaft, ohne ein Ele­ment der Anmuth noch praktischer Oekonomie für den Wirkungskreis, in den sie versetzt ist."

Gleich bei der Einschiffung gab cs Streitigkeiten über die Wahl der Kammern; sie endigten damit, daß Longomazino aus eigener Machtvollkommenheit von der größten Besitz ergriff, worauf Ode und Gent über die übrigen das Loos entscheiden ließen. Bald entstanden bittere Zänkereien über Haushaltungssachen, über Eier, Kohlen, welche Gent am Lande zurückgelassen, über den gemeinsamen Tabak, ddrüber, daß Gent sich in Teneriffa keine frischcnVorräthe verschaffe» konnre. Einmal geriethen Longomazino und Ode mit Faustschlägen aneinander, so daß es der Dazwischenkunft eines Gensd'armen bedurfte, um sie zu trennen. Ueberhaupt bildete sich kein freund­schaftliches Verhältniß zwischen den drei Familien, und war die gemeinsame Mahlzeit vorbei, so zog sich jeder Theil in seine Kammer znrück Für die Unterkunft der Gefangenen war gut gesorgt. Der Raum hinter der Batterie fiel ihnen fast ausschließlich zu. Sie durften eine Stunde Morgens und drei Stunden Nachmittags auf dem Verdecke spazieren gehen, später wurde noch eine Stunde nach Tisch binzugefügt. Der Mannschaft war der Verkehr mit ihnen streng verboten, und um jeder Gefahr einer Entweichung vorzubeugen, wurden die Stückpforten bei Nacht verschlossen und während des Aufenthaltes auf einer Rhede hinten und vorncn am Schiffe in der Höhe der Stückpforten zwei Kähne auf­gehängt, in deren jedem eine Schildwache mit gelade­nem Gewehre stand. Als Longomazino einmal Gelegen­heit fand mit einem der Unteroffiziere eine Unterredung anzuknüpfen, wurde dieser exemplarisch gestraft.

Während der Ueberfahrt nach Rio Janeiro hatte das Betragen der Gefangenen gegen die mit ihrer Be­wachung beauftragten Gensd'armen mancherlei Beschwer­den hervorgerufcu, sie zählten auf ihre zahlreichen-Brü­der und Freunde dort; der Commandant Belle selbst, der ihnen einen Besuch machen wollte, um ihre Lage zu erleichtern, fand eine so unhöfliche Begegnung, daß er diese Bezeugung des Wohlwollens kein zweites Mal wiederholen mochte. Dieser Trotz wurde indessen bei der Fahrt um das Cap Horn mit der schwindenden Hoffnung des Entkommens, besonders durch die frostige Aufnahme, die sie bei ihren Landsleuten in Valparaiso fanden, mehr und mehr vermindert, und nur ein­mal sah sich der Commandant genöthigt, eine Strafe zu verhängen. Ode, wahrscheinlich unter dem Einflüsse geistiger Getränke, welche die Frauen vom Lande ge­bracht, durfte einige Tage nicht auf's Verdeck, weil'er sich gegen die Offiziere Ungezogenheiten erlaubt hatte. Als sie den Commandanten um einen Geldvorschuß ba­ten , um die auf der Ueberfahrt zerschlagenen Geräth- schaften zu ersetzen, bewilligte er ihn sogleich. Die Frauen wurden von dem Commandanten und den Of­fizieren mit allen Rücksichten behandelt, und in Valpa- paraiso durften sie an's Land, um einige Gaben zu sammeln, die daselbst mehr den Charakter eines Almo­sens als einer politischen Subscription hatten.

DiePatrie" versichert heute, daß die aus den Departementen eingehenden Berichte melden, daß al­lenthalben in Bezug auf die am 31. d. stattfindenden Wahlen sich die günstigsten Aussichten für die Regierung darbieten.

Der Prinz.Präsident soll entschlossen sein, in dem übertriebenen Schutzzollsysteme, welches gegenwärtig in Anwendung ist, und das so ziemlich dem Prohibitiv­systeme gleichkommt, eine wesentliche Milderung eintreten zu lassen, damit den Consumenten durch die ausländi­sche Coucurrenz eine Erleichterung zu Theil werde. In der bevorstehenden Cabinetsmodification will man eine Bestätigung dieser Handelspolitik des Prinz-Präsidenten finden; man behauptet, daß die austretenden Minister nicht mit dieser Wendung, die von den wichtigsten Fol­gen begleitet sein dürfte, einverstanden seien. Jnsbeson» dere soll die Kornscala wesentlich abgeändert werden. Ein solches Handelssystem liegt allerdings der Politik L. Napoleon's, welche sich auf die Volksmassen stützt, nahe. Allein es ist gewiß, daß die Verwirklichung jenes Systemes nicht unmittelbar bevorsteht.

Es hat einiges Aufsehen erregt, daß die Regierungs­blätter sich über das noch immer nicht ersetzte belgische Ministerium Rogier günstig zu äußern anfangen, nach­dem sie es früher mit einer gewissen Leidenschaftlichkeit bekämpft hatten.

Casabianca soll den ihm zugedachten Platz im Staats­rathe abgelehnt und eine mit 30,000 Fr. dotirte Sena­torstelle vorgezogen haben. Auch Lefebvre-Durufle wird in den Senat eintreten.

Der Leichenfeier für General Gourgaud wohnten mehr als 500 Offiziere bei. Der Verstorbene war in seiner Jugend Maler; sein von ihm selbst gemaltes Portrait hat er der Stadt Versailles hinterlassen.

Der Exkönig JeroMe, welcher nur, um dem Be­gräbnisse des Marschalls Excelmans beizuwohnen, noch hier geblieben war, ist heute nach Havre abgereist. Dort wird sich derselbe auf der FregatteHortense" einschiffen, um die Häfen der Bretagne zu besuchen.

Der pariser Advocate«stand zeichnet sich bekanntlich durch seine große Feindschaft gegen das neue Regime ans. Heute wurde der Rath der pariser Advocate» ge-