Nassauische Allgemeine Zeitung.
tVr F§M. AsMaz Sch 1. August FKSS.
Die „Nassauis,ffe ?IUormeinc Zeikun^^ mit dem belletristischen Beiblatt „Der Wanderer" erscheint, Saniitastâ ausgenommen, täglich und beträgt der Prânnmerationspreis r Wiesbaden und, na^ dem neuen Postregulaiis nunmehr auch für den ganzen Umsang des i^hurn- und Tarrs'schen Berwattungöbezirks mit Inbegriff des Postaufschlags 2 fL, für die übrigen Länder des deutsch.osterreichischen Postoereins, wie für das Ausland 2 st. 24 fr, - Inserate werden die dreispaltige Petit, teile oder deren Raum mit l! kr. berechnet. — Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Frledri K« LguvstaK 42, auSwärtS bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.
Die Iollfrage.
Bei der jetzt so lebhaft besprochenen Frage, ob ein näherer Zollanschluß an Oesterreich wünschenswerth sei, ist es von Interesse, Kenntniß zu nehmen von einer im württembcrgischen Staatsanzeiger mitgetheilten Uebersicht der Waaren, welche im Jahre 1850 aus der übrigen österreichischen Monarchie nach Ungarn und dessen Ne- beniäuder (Siebenbürgen, Serbien, Temcser Banat, Kroatien, Slavonien und der Militärgrenze) eingeführt und welche von da nach dem übrigen Oesterreich aus- geführt worden sind. Das Facit läßt sich mit zwei Worten geben: Ungarn und seine Nebenländer liefern viele Rohprodukte , sind aber großartige Abnehmer für Fabrikate aller Art. Dies Verhältniß wird noch lange Jahre dasselbe bleiben ; denn noch sind weite Strecken des fruchtbarsten Bodens in Ungarn nicht angebaut, noch lange wird also der Arbeiter daselbst in dem Landban eine lohnende Beschäftigung finden, daß er nicht leicht den Fabriken oder dem Handwerk sich zuwenden dürfte. Auf welcher Stufe der Laudbau in Ungarn noch ist, gebt unter Andern: daraus hervor, daß Hopfen zu den Einfuhrartikeln Ungarns gehört. Damit aber unsere Industriellen etwas näher kennen lernen, welche Aussicht sich ihnen böte, wenn die bisherigen Hindernisse des Verkehrs mit Ungarn beseitigt wären, setzen wir nachstehende, jener amtlichen Uebersicht entnommenen Ziffer hier bei:
L Ungarn und. dessen Nebenländer haben mehr aus- als eingeführt: Dürres Obst, im Anschlag von 53,196 fl. MK, Nüsse 31,248 fl, Tabak 1,510,150 fl, Lein-, Reps-, w.-Oel 104,805 £.; Getreide: Weizen, Kernen 3,603,912 fl., Mais 474,747 fl., Roggen 211,875 fl., Gerste 236,034 fl., Haber 318,865 fl., Reps 594,084 fl.; Samen verschiedener Art 65,310fL, Gemüse 10,941 fl., Stroh 111,054 fl, Wein 199,422 fl.; Fische 20,020 fl., Butter 10,437 fl., Knoppern 623,722 fl., rohe Wolle 16,060,960 fl., Felle 7,202,250 fl., Roßhaare 46,760-ft, Bettfederu 336,700 fl., Horn 222,250 fl., Klauen 24,080 fl., Unschlitt 6710 fl., Wachs 124,570 fl.
II. Ungarn und dessen Nebenländer haben niehr ein- als ausgeführt: Zucker 1,673,328 fl., Reis 143,019 fl., Erbsen, Linsen 33,360 fl., Bier 35,208 fl., frisches Obst 54,280 fl, Branntwein 548,328 fl, Obstmost 24,393 fl., Geflügel 350,000 fl., Rindvieh 1,014,011 fl, Schafe, Ziegen 384,531 fl., Schweine 3,510,409 fl, Käse 21,460 fl, Schmalz 17,080 fl, Pferde 254,200 fl, Farbwaaren 174,200 fl, chemische Präparate 104,345 fl, Hopfen 162,464 fl., rohe Seide, Seidenfaden 321,600 fl., Borsten 61,800 fl.; Garn und Zwirn: a) Baumwoll- 1,916,900 fl, b) Leinen- 908,876 fl, c) Wollen- 58,800 fl, zus. 2,894,656 fl, Baumwoll -Waaren 16,995,200 fl, Leinen - Waaren 4,636,467 fl, zus. 21,630,667 und 28,600 fl, Wol- lenwaaren 8,155,000 fl., Seideuwaarcu 2,516,800 fl., Halbseidene ditto 309,000 fl., Kleidungen und Bett- geräthe 1,515,546 fl., Putzwaaren 171,660 fl., Posamentierarbeiten 31,986 fl., Leder 837,285 fl, Hand- schuhmacherarbeit 265,600 fl., Schusterarbeit 612,500 fl., Sattlerarbeit 292,800 fl., Hüte 153,901 fl., Bürsten 11,171 fl., Holzwaaren 17,180 fl, Tischlerarbeit 179,525 fl, Drechslerarbeit 83,927 fl., Kämme 23,600 fl., Papier 143,699 fl, Papiertapeten 50,400 fl., Spielkarten 12,366 fl., Krämereiwaaren 244,456 fl., Ga- lanteri waaren 201,318 fl., Parfümeriewaaren 63,467 fl, Goldwaaren 52,984 fl, Silberwaaren 75,016 fl., Confect 103,800 fl., Bücher 87,455 fl, Bilder (auf Papier) 63,600 ft, Gemälde (auf Holz, Leinwand re.) 41,200 fl., gröbere Gußeisenwaaren (ohne Schienen) 276,489 ft, Schmicdwaaren 1,619,650 fl., Schlosser- waaren 580,000 fl, Zcugschmiedwaaren 102 565 fl., Nähnadeln 52,200 fl., Messingwaaren 327,600 fl, Kupferwaaren 25,344 fl, Blechwaaren 123,200 fl, Uhren 137,421 ft, Maschinen 83,777 fl., Wagen und Schlitten 36,737 ft, Glaswaaren 662,823 fl., Porzellan, Steingut 435,720 fl, Unschlittlichter 42,276 fl.
Ans Berlin vom 26. Juli schreibt man der „Allgemeinen Zeitung": Ein Brief aus Wien in dem Journal de Francfort spricht unverholen aus, was von Anfang an kein Geheimniß war: Oesterreich wird ohne die Garantie einer vollständigen Zolleinigung weder mit dem vergrößerten noch dem verkleinerten Zollvereine einen Handelsvertrag schließen. Es wird sich die Concurrenz der vereinsländischen Industrie nicht auf den Hals laden; wenn es nicht als Ersrtz dafür die volle Realisirung seiner im Bundesrechte vorgezeichucten Stellung erhält. Einige Zweige
der österreichischen Industrie werden damit nicht unzufrieden sein, da ihnen bereits die seit dem 1. Februar d. J. begonnenen und stets z u n e h m e n d e n Einfuhr en' v er ein sländ i scher Fabrikate unbequem werden. Ein Circular eines großen österreichischen Hauses an seine Geschäftsfreunde, das uns zufällig zu Händen gekomnibu ist, kündigt die Preisherabsetzung feiner Wollcnstoffe um 15—20 Proccm an, „als solche inclusive Zoll vom Auslande zu stehen kommen; wir werden hierdurch jener aimcbMeii Concurrenz mit einem Male ein Ende machen. u. s. wb" Dieser Erfolg ist jedoch nicht erreicht, viTmehr die Einfuhr der preußischen Fabricate in bedeutender Zunahme begriffen, da der Absatz in Ungarn und der Lombardei außerordentlich groß ist. Und das geschieht trotzdem, daß die Tarifsätze des neu vingefühüen österreichischen Systems bis zum 1. Februar 1854 um 10 Procent erhöht sind, und die Steuerbehörde die Einfuhr unserer Waaren, gelinde gesagt, nicht erleichtert. Denjenigen vereinsländischen Fabricanten aber, welche in den k. k. österreichischen Staaten Fabriken zu errichten beabsichtigen, wird von der Wiener Behörde sehr zuvorkommend begegnet. (Und trotz alle Dem setzt Preußen Himmel und Erde gegen die österreichischen Vorschläge in Bewegung!)
Die Haussuchungen, die kürzlich in Berlin stattge- fundcn, sollen, nach Angabe der „Wes.Ztg.", den Herrn Hersch, früheren Redacteur der Neuesten Nachrichten, als Verfasser der handelspolitischen Briefe aus Berlin in der Deutschen Allg. Z. herausgestellt haben. Sie gra- tulirt zu diesem Funde und ist überzeugt, daß die Koalition jetzt verloren ist.
* Die „Neue Preußische Zeitung" gibt sich heute der Hoffnung hin, daß der Zollverein in seinem früheren Bestände erneuert werden wird. Sic fügt jedoch hinzu: Je wahrscheinlicher aber die Erneuerung der Form des Zollvereins ist desto mehr sei an die Nothwendigkeit einer Veränderung feines Wesens zu erinnern, weil ohne diese.Veränderung. der Zollverein nur eine Last und kein Vortheil für seine Bevölkerung und die Zolleinigung mit Oesterreich aller ihrer Nachtheile ungeachtet unabweisbar ist.
Es scheint bei diesen Ansichten, daß Oesterreich vollkommen Recht hat, auf die Garantirung der Zolleinigung vor Reconstruirung des Zollvereins zu dringen.
Ferner spricht der Artikel von der Nothwendigkeit, die Bestimmung der Geschäftordnung aufzuheben, nach welcher Aenderungen im Zollsystem rc. nur durch einstimmigen Beschluß aller Zollvercinsstaatcn vorgenommen werden können.
Preußen wenigstens, heißt es dort, kann unseres Erachtens kein Band sich gefallen lassen, welches sein Schicksal in die Hände irgend eines ausrangirten Professors oder verdorbenen Fabrikanten, der da oder dort Minister wird, legen würde. Das ist doch deutlich, vielleicht allzu deutlich gesprochen.
Deutschigrrd.
tt Wiesbaden, 30. Juli. (Affisenverhandlung gegen Caspar Weiter von Königstein,Postbote,wegen Veruntreuung im Dienste und Unterschlagung.) Der. Angeklagte wurde von den Geschwornen für schuldig befunden und von dem Assisenhofe zu einer Correctionshaus- strafe von 2 Jahren verurtheilt. Die Kosten benagen 119 fl 12 kr.
tt Wiesbaden, 31. Juli. (Assisenverhandiung gegen Phil. Heinrich Rink von Oberems wegen Versuch der Tödtung resp. Körperverletzung unter erschwerenden Umständen.)
Philpp Heinrich Rink ist 63 Jahre alt und hatte bei dem Obcremser Hirten Johann Phil. David gegen eine von der Gemeinde Oberems zu zahlende jährliche Vergütung von 44 fl. Kost und Wohnung und hütete für denselben die Schweine. Derselbe ist dem Trünke ergeben und wegen Diebstahls bereits dreimal und zwar mit einer Gefängnißstrafe von drei Wochen, einer Cor- rectionshausstrafe von drei Monaten und einer Zuchthausstrafe von zwei Jahren belegt. Er war früher Soldat und hatte als solcher mehrere Feldzüge mitgemacht. Mit seinem Kosthèrrn, der ebenfalls dem Trunk ergeben sein soll, lebte er in Zank. Schon im verflossenen Jahre kam es zwischen ihnen zu Thätlichkeiten, wobei der Angeklagte gedroht haben soll, seinen Gegner mit dem Messer zu erstechen. Am 31. März l. I. schien der Angeklagte Joh. Phil. David wieder sehr aufgebracht gewesen zu sein. Wenigstens machte sich fein Groll in mehreren Aeußerungen Luft. Er sagte
! It. 9 : „Wir friegen uns heute noch, wir kommen noch aneinander. Ich muß das Brod verdienen und wenn ich nach Hause komme, erhalte ich das Brod vorgeschnit- ten, das bin ich nicht mehr zufrieden." Bei dem Abendessen gab eine Botschaft, welche dem Angeklagten von Seite des Johann Kempf zu Oberems in Betreff eines beabsichtigten Klciderhandels ausgerichtet würde, dem Joh. Phil. David Anlaß zu der Frage, was der Angeklagte für Schleichhändel treibe. Bei dem Wortwechsel, her hierauf tulDD, drohte der Angeklagte abermals,' zu stechen. Diese Drohung führte' derselbe auch aus, indem er, .alâ Joh. Phil.' David sich von seinem Sitz' erhob, mir um deßhalb zur Rede zu stellen, ebenfalls aufsprang mr denselben mit seinem Zulcgemesser, dessen er sich Mi den: Essen bediente, in die Brust stach. Joh.' Phil. David erhielt dadurch eine tiefe Wunde unterhalb des SchlkffselbeinS, die bis in die Lunge gereicht haben muß und dem Verwundeten eine unheilbare Krankheit MMM-' d' Tie Anklage lautet daher auf eine im Affect versuchte Tödtung, eventuell auf eine in der" ohne Vorbedacht im Affect gefaßten und ausgeführten Absicht, den Joh. Phil. David zu mißhandeln, unter erschwer enden Umständen bcigebrächte Körperverletzung.
Die Verhandlung leitet Asfisen-ViceprMdent Jeckeln; als Staatsanwalt ffunglvt Staatsprocura'tör - Substitut Flach, als Vertheidiger deS Angeklagten Proc.v. Eck.
Rink ist zu 2 Jab.cn Correctionshaüs verurtheilt.
X Bom Lâtrbs, 29. Juli. Es dürfte wohl hier nicht am unrechten Orte sein, einen Mißstand in dem neuen HilfsbollstrecknngSoerfahren hervorzuheben, welcher sich seither Ausführung desselben als solcher, mit'mitunter n'achtbe'ilftskn Folgen, gezeigt hat. Es ist dies bei dem Ausschreiben der Zwangsversteigerungen, welche bekanntlich nur dem Kläger und Beklagten, nicht aber dem bestellten Steiggeld-Erheber mitgetheilt werden, was dann zur Folge hat, daß dieser keine Kenntniß davon erhält und' also auch zur Geldempfaugnahme nicht immer bereit und anwesend sein kann. — Da nun aber die Vcrsteigcrungsbediugungeu gleich baare Zahlung vorschreiben, so muß nothwendig auch die Möglichkeit gegeben sein, diese Bedingung erfüllen zu können, und dies ist mir möglich, wenn der bestellte Gelderheber (der ja seine Gebühr bekommt) in einer ihm mitzuthei- lenden Ausfertigung der Versteigcrungsäusschrciben von dem Termin Nachricht erhält und sich also zu dieser Zeit zur Empfangnahme der Steiggeldcr entweder im Versteigerungslocal oder doch in seiner Wohnung bereit hält. — Vielleicht möchten diese Zeilen Hinrcichen , betreffenden Ovts die entsprechenden Vorschriften in Anregung zu bringen:
△ Bnö dp«: Krsisamt Höchst, 28. Juli. Seitdem die Feldschützen keine Pfandgelder mehr erhalten und der Dienst eines Feldschützen an den Wenigst- nehmenden vergeben werden darf, haben sich die Felddiebstähle in manchen Gemeinden auf eine außergewöhnliche Art vermehrt; auch scheint man hin und wieder altersschwache Leute zu Feldschützen blos um deswillen zu nehmen, bamit dieselben der Armencasse n'cht zur Last fallen, und hintennach bezahlt dann die Gemeindecasfe doppelt und dreifach so viel, gegen frühere Jahre gerechnet, als der Armenfond bei dieser verkehrtem Sparsamkeit gewinnt. Früher durften nur anerkannt tüchtige Männer zu Feldschützen verwendet werden, und ihr Lohn wurde durch keine Versteigerung bestimmt. Heute bietet Einer den Andern ab, der Dienst wird wohlfeil gethan, und was ist nun natürlicher, als dies, daß der Feldschütz, welchem feine Mühe am Tage schon allzukärglich belohnt wird, am Abend das Bett sucht und den mächtigen Fclddiebcn freien Spielraum läßt. Würde dem Mann noch bei der Anzeige eines Felddiebes eine An- zcigegebühr bezahlt, so wäre dieses noch ein Sporn, welcher ihn antreibt, mit mehr Aufopferung sich feinem Berufe zu unterziehen.
In einigen Gemeinden hat man dieses dann auch tingesehen, und bewilligt dem Feldschützen, welcher sich in dieser Beziehung verdient macht, mehrmals kleine Gratisicationcn; da indessen diese nicht zu verwerfende Methode keine allgemeine werden dürfte, so wäre es im Interesse der Landwirthschaft zu wünschen, wenn den Feldschützen für jegliche Anzeige eines schweren Feldfrevels eine entsprechende Gebühr durch ein Gesetz gesichert würde.
Gleiches möchte bei schweren Forstfreveln für die Förster gelten, um so mehr, als auch diese für ihre Mühe durch das gänzliche Wegfallen der Pfaudgcldcr, meistens eine allzugeringe Belohuuug genießen.
Z Dillenburg, 28. Juli. Heute batten wir die