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Nassauische Allgemeine Zeitung.

TVr /?«. Donnerstag den 29. Juli /*.»?.

©ifNaffauls^e ?lUjirmeine Zeitung" mit tem belletrifltsdieti BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntags ausgenommen, täglich mit beträgt der PränumerationSpreis für Wiesbaden und, nach dem neuen Postregulaiiv nunmehr auch für den ganzen Umfang des Thurn- und Tarns'fchen Verwaltungsbezirks mit Inbegriff deS Poffaullchlag« 2 fl., für die übrigen Länder des deutsch-österreichischen PostVereins, wie für daS Ausland 2 fl. 21 fr. Inserate werden die dreispaltige Petit- zeile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von 28. Friedrich, Langgasse 42, auSwärtS be, den nächstgelegene» Postämtern, zu machen.

Die Zollfrage.

Aus Frankfurt a. M. schreibt man der Augsb. Allg. Ztg,:Was das preußische Wochenblatt von Vorschlägen des Grafen Nesselrode in der Zollfragc sagt, wobei die Namen der Coalitionsminister der Ge­schichte denuncirt werden sollen, ist wohl in der Sache wahr, der Form nach aber durchaus unrichtig. Das russische Cabinet hat, wie ich höre, allerdings durch den russischen Gesandten, Baron Budberg, in Berlin die Mittel und Wege insinniren lassen, welche ihmzurVcr- standigung zwischen allen Theilen geeignet schienen; dies ist aber auf eine ganz natürliche Weise zugegangen, da, wie besannt, Graf Nesselrode sich seit länger schon in Kissingen aufhält, und im täglichen Verkehr mit den dort anwesenden CoalitionSministern von den wahrhaft loyalen deutschen Gesinnungen derselben sich überzeugt hat. Es bedurfte keines Angehens des russischen Cabi- ners eine Vermittlerrolle in der Sache zu übernehmen; es bedurfte nur der einfachen Darlegung der Interessen und Verhältnisse, um den kaiserlichen Staatskanzler aus eigenem Beweggründe zur Jnterponirung seiner Ansich­ten zu veranlassen, in welcher Art der völlige und für lange noch empfundene Dissens der beiden deutschen Großmächte verhütet werden könnte. Ob diese dem rus­sischen Gesandien in Berlin aufgetragene Meinungskund­gabe zum Ziele führe, steht immer noch dahin; sie ist aber gewiß keine förmliche Vermittelung, sie bedarf ja, streng genommen, nach völkerrechtlichen Principien nicht einmal einer Erwiderung von Seite des preußischen Cabincts, auch wenn die Vorschläge des Stantskanzlers schriftlich übergeben worden wären. Es ist ein besam- mernswerthes System, das als undeutsch zu bezeichnen, was das allgemein Deutsche herbeiführcu und formelle Schwierigkeiten beseitigen soll, die ohne stichhaltige Recht­fertigungsgründe dem anerkannt guten Materiellen cnt= gegengestepimt werden.

Au s Berlin 21. Juli wird dèmLloyd" ge­schrieben: Wo sind nun die tollen Faufaronaden über augenblickliche Präclusivfristen und drohende Noten! Die Zollvereinsconferenz hat ihre Berathungen wegen des Septembervertrages in aller Rnhe und Gemüthlich­keit beendet und nun tritt sic eben so ruhig ihre Ferien an, um am 16. August wieder zusammen zu treten. Daß unsere Regierung in der letzten durch Herrn von Pommer-Esche erklären ließ, sie erwarte bis zu diesem Termine eine definitive Rückäußerung auf ihre Erklä- rnngen vom 7. Juni und 1. Juli, heißt doch gewiß nicht drängen und eilen, zumal da die Coalitivnsstaa- ten, nachdem sie hinlängliche Muße gehabt, Alles reif­lich in Erwägung zu ziehen, ihrerseits mindestens ein ebenso großes Interesse als Preußen haben, bis zum 16. August endlich zu wissen, wie sie daran sind. Auch versteht es sich von selbst, daß die Bevollmächtigten von ihren Vollmachtgebern die Weisung erhielten, über die Ergebnisse der den Septembervertrag betreffenden Ver­handlungen umfassenden Bericht zu erstatten. So we­nig haben unsere Heißblütigen Recht behalten und am Ende wird es sich doch zeigen, daß man, wenn auch durch lange Umwege, auf die Vorschläge Oesterreichs zurückkommt.

Der Leipziger Zeitung schreibt man aus Berlin: Die confusionspolitischeu Organe machen jetzt wieder eine neue Coufnsion, indem sie die Erklärung, welche von Seiten einiger Zollvercinsstaatcn in der Sitzung der Zollconferenz am 20. abgegeben worden, mit der angeblich zu Kissingen entworfenen Antworts- erklärung ans die diesseitige Anfrage über den Septem­bervertrag vermengen und vermischen, und nun einen großen Accent darauf legen, daß jene nicht von Württemberg und Badenunterzeichnet" sei, sowie, daß das Wort: Zolleinigung nicht darin vorkomme. Das Wahre an der Sache ist, daß die erstere Erklärung lediglich in einer entsprechenden Rückäußerung des baverischen Be­vollmächtigten auf die, eben erst in der Sitzung vom 20. abgegebene Erklärung Preußens, wonach dieses bis zum 16. August eine Antwort auf seine früheren An­fragen und bis dahin eine Vertagung der Conferenzen wünschte, bestaub und sofort in der Sitzung selbst gege­ben ward. Dieser zustimmenden Rückäußerung, welche mit den materiellen Fragen gar nichts zu thun hatte, traten in derselben Sitzung einige Bevollmächtigte aus­drücklich bei, während auch die, welche es nicht ausdrück­lich thaten, nicht weniger damit einverstanden waren, wie ja der Erfolg gelehrt hat. Diejenige Erklärung, bei welcher es sich zeigen wird, ob die darmstädter Coa- lirten fest zusammenhalten, ist nicht die bereits erstattete, sondern die bis zum 16. August erwartete. Alle die

Nachrichten über die seitherigen Entwürfe einer solchen und die darüber gepflogenen Verhandlungen scheinen uns jedenfalls sehr ungenau und unzuverlässig.

Der Fr. P.-Z. wird aus Berlin geschrieben: In der Note, welche die Coalitionsregierungen mit Aus­nahme Bayerns und Württembergs durch ihre Abgcord- ; liefen bei der Zollvereinsconferenz auf die letzte Erklä­rung Preußens hin übergeben ließen, wird von der An­sicht ausgegangen, nach der Berathung des September- vertrags und im Hinblick auf die wenigen beanstandeten Puncte desselben, die sich nach ber Versicherung des hannoverschen Ministerpräsidenten ohne Mühe werden heben lassen, wäre der günstige Augenblick gekommen, nur die Fortdauer des Zollvereins als gesichert zu be- trachten und nunmehr den Zoll- und Handelsvertrag mit Oesterreich ins Werk zu setzen. Eine ihrerseits bindende Zusage, auf die preußischen Vorschläge einzu- gehen, auf die Gefahr hin, daß die Unterhandlungen mit Oesterreich zu keinem Resultat führten, ist den Ab­sichten der genannten Regierungen durchaus entgegen und wird man sich wohl zu hüten haben, den Stand der handelspolitischen Frage in ehrtet'1 so günstigen Lichte zu betrachten, wie dies häufig geschieht. Vom Ziel sind beide Theile noch weit entfernt, da der Punkt noch gar nicht gefunden ist, von welchem ans eine Vermittelung zu gewinnen wäre. Auf die passive Haltung Württem­bergs und Badens glauben solche, die in den Gang der Unterhandlungen eingeweiht sind, darum kein besonderes Gewicht legen zu dürfen, da sich darin bloß der lebhafte Wunsch einer Verständigung mit Preußen ausspricht, ohne daß auch nur von ferne daran zu denken wäre, die beiden Länder würden sich von den übrigen Coali- tionsstaaten trennen, falls der Zollverein sich anflöste. Dagegen kann man darauf rechnen, daß Württemberg und Baden in Gemeinschaft mit Hannover sich alle Mühe geben werden, einen befriedigenden Austrag des fatalen Streites herbeizuführen. Die hannoversche Regierung hält es für ihre Pflicht, in ihrem so wie im Interesse Deutschlands selbst mit Opfern den Bruch zu vermeiden. Herr v. Klcnze, der Abgeordnete Hannovers bei den Zollvereinsconserenzen, hatte zu diesem Behuf noch eine längere Besprechung mit dem Herrn V. Schele vor dessen Abreise von Hannover, und ist unverweilt wieder nach Berlin zurückgekehrt, wo er mit den hier verbliebenen Abgeordneten der Coalitionsregierungen in fortwährender Berbindung steht. So wird von beiden Seiten unun­terbrochen daran gearbeitet, Versöhnung und Frieden zu stiften.

In Berlin hielt man, so spricht dasMainzer Journal", am 24. Juli die von Württemberg und Baden eingenommene Stellung füreines der bedeut­samsten Ereignisse in Bezug, auf die Zollvereinsangele- genheit". Wir möchten indessen die Herren bitten, nicht zu viel auf diese Stellung zu vertrauen und sich keinen neuen Illusionen hinzugeben. Bayern, Sachsen, das Großh èrz og thnm Hessen, Kurhesseu und N a s s a n halten an ihrem seitherigen Systeme unerschütterlich fest das Gegentheil wäre auch wohl nichts Anderes, als das officielle Eingestäudniß der Un­fähigkeit länger zu leben und aus dieser Thatsache ergibt sich wohl die künftige Stellung Badens und Württembergs von selbst. Was speciell Baden betrifft, so geht dieses mit Preußen, wenn es mit demselben gehen kann, und wird mit der Darmstädter Koalition gehen, wenn es mit derselben gehen muß. Baden, wel­ches einerseits Verbindlichkeiten gegen Preußen hat und andererseits durch seine geographische Lage beherrscht wird, konnte wohl nicht anders handeln und cs wird kein Vernünftiger an dieser durch die Verhältnisse ge­botenen Politik etwas auszusetzen finden. Anders ver­halten sich die Dinge mit Württemberg, wo in der That in Regionen, wo man schon von alter Zeit her persönliche Politik" zu treiben beliebte, ein Umschwung eingetreten ist, mit welcher indessen, so viel wir wissen, württembergische Staatsmänner und das württembergifche Ministerium nicht einverstanden find. Sei Dem wie ihm wolle: so viel ist gewiß, daß Hrn. v. Rochow's Mission in Stuttgart nicht ganz ohne Erfolg geblieben ist. Indessen ist das Verhalten Württembergs durch seine geographische Lage gerade so bedingt, wie jenes von Baden, unb man wird auch wohl daran thun, aus der im Ganzen blos neutralen Haltung der bei­den Regierungen nicht mehr zu deduciren, als in der­selben liegt.

Baden hat zwar, wie früher bei der Ratification des darmstädter Vertrags, so auch jetzt mit der Abgabe sei­ner Antwort auf die preußische Erklärung vom 7. Juni gezögert, Daß sie jedoch nicht anders lauten dürfte,

als diejenige ber anderen Coalirten, wird schon jetzt in unterrichteten Kreisen als bestimmt angenommen.

Deutschlands

st Wiesbaden, 28. Juli. (Assisenverhandlung gegen Caspar Schwarz von Wehrheim, wegen Mein­eid.) Der Angeklagte wurde von den Gefchwornen für nicht schuldig befunden und von dem Assisenhofe freige­sprochen.

tt Wiesbaden, 28. Juli. (Assisenverhandlung.) Carl Poths, 39 Jahre alt, früher Briefträger zu Hattersheim, hat nach der Anklage 1) ein am 23. Juli v. Jahrs von dem Schreiner Georg Mohr in Hof­heim zur Aufgabe bei ber Post ihm übergebenes Pa- quet an Georg Mohr in Wien mit 18 fl. unterschla­gen und einen falschen Rccommandationsschein ausgestellt; 2) ein ihm von Heinrich Ulrich zu Hofheim am 16. Januar 1852 übergebenes Paquet an Martin Ulrich zu Averdou mit 15 fl. zu unterschlagen versucht; 3) einen ihm von dem Zimmermann Kippert zu Hof- hcim im Auftrag der Elise Rischer daselbst zur Auf­gabe bei der Post übergebenen Brief mit 11 fl. an Wilhelm Rischer zu Idstein unterschlagen; 4) einen von ber Wittwe des Lorenz Ruf im Monat November 1850 zur Absendung mit der Post an Heinrich Ruf zu Kriftel übergebenen Geldbetrag von 33 fl. sich wider­rechtlich ungeeignet; 5) ein Paquet mit Pelzwaaren im Werth von 15. fl., dessen Annahme von dem Adressa­ten Jacob Lottermann zu Hofheim verweigert wurde, sich zugeeignet; 6) einen an Isaac Jäger zu Hatters­heim zu bestellenden Brief mit 10 fl., 7) desgleichen einen Brief für Wendel Joh. Henrich zu Hofheim mit 4 preuß. Thalern unterschlagen; 8) in einer Quit- tung über einen Quartalsabonnementsbetrag der Mit- telrh. Ztg. die Summe von 2 fl. 24 kr. in 4 fl. 48 kr. verwandelt, diese letzte erhoben und nur die Hälfte ab- geliefert;P) eine falsche Quittung über einen Abouuements- betrag des Franks. Journals im Betrag von 5 fl. 48 fr. ausgefertigt, um den Mehrbetrag von 2 fl. 54 kr. sich zuzueignen.

Die Verhandlung leitet der Assisen - Vicepräsideut Jeckeln; als Staatsanwalt fungirt Staatsprocurator- Substitut Flach, als Vertheidiger des Angeklagten Prorator Dr. Großmann.

A Aus dem Kreisamte Höchst, 24. Juli. Mit ber neuen Ordnung der Dinge ist die frühere Landcöcrcditcafse" in eine Landesbank umgetauft wor­den; aber auch dieser Taufact kommt, mit Ausnahme ber größeren Geiverbtreibenden, welche Vorschüsse auf ihre Waaren erhalten können, den Privaten, und unter diesen dem geringen Bauernstand, wenig zu Gute, in­dem bei Errichtung von Hypotheken für die Landesbank absolut doppelte Versicherung in Immobilien verlangt wird.

Ein Mann hat z. B. ein Häuschen und mehrere Grundstücke in einem Gesammtwerth von 2000 fl. und an Schulden 1200 fl.; will nun dieser Mann eine Hypothek« errichten, so muß er sich, da ihm zur doppel­ten 400 fl. an der Taxe fehlen, einen Privaten auf­suchen, welcher ihm diese Summe, manchmal gegen hohe Procente, und öfter noch gegen einen Nachlaß, schießt, und findet er keinen Darleiher, so muß er sich gewär­tigen, daß ihm Hau- und Grundstücke zwangsweise ver­steigert werden. Es ist dieses ein wirklicher Uebelstand, umsomehr, als die Landesbank in einem solchen Falle gar kein Risiko hätte, wenn sie das Darlehn gäbe, in­dem in den meisten Gemeinden die Immobilien in der Regel bei einer Versteigerung mehr gelten, als dieselben taxirt sind, und in den andern doch wenigstens die Taxe, und sehr wenige Gemeinden dürften da fein, in welchen bei der Versteigerung von Immobilien nur % der Taxe erzielt würden, so, daß man als allgemeine Norm annehmen kann, daß auf die ganze Taxe % dar­geliehen werden können, ohne Schaden.befürchten zu müssen. Vielleicht, und wir hoffen dies, erleidet unser Bankgesetz auch noch eine Abänderung, welche auch für den Vortheil der gering Begüterten, und diese Classe ist groß, berechnet ist.

U Limburg, 27. Juli. Während seines jetzigen Aufenthaltes in Oranienstein hat Sr. Hoh. der Herzog am 15. b. Mts. in Gesellschaft Sr. Durchlaucht des Fürsten von Wittgenstein, und ein zweitesmal am Vor­abende seines Geburtstages, begleitet von der Frau Herzogin, der Frau Herzogin Mutter, den beiden Prin­zessinnen Helena und Sophie und mehreren Herren und Damen vom Hofe, den hiesigen Dom in Augenschein genommen. War es überhaupt erfreulich, bei diesem