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Nassauische Allgemeine Zeitung.

^ »5. Mittwoch Leu 28. Zti /S ü?.

DirNassauische SIttaemeine Zeitung" mit dem bclletristischeu BeiblattDer Wanderer" erscheint, Sonntaqs ausgenommen, täglich und beträgt der Pränumerationspreis für Wiesbaden und, nach dem neuen Posiregulaiiv nunmehr auch fér den ganzen Umfang des Thurn- und Tans'scken Verwaltungsbezirks mit Inbegriff des PoffaufschlagS 2 fL, für die übrigen Länder deS deulsch-vfferreichischen PoffvereinS, wie für das Altsland 2 fl. 21 fr. Inserate werden die dreispaltige Petit- zeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W.. Friedrich, Langgasse 42, auswärts bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

Amtlicher Theil.

D i e n st n a ch r i ch te n.

Lehrer Althen zu Bang und Selbenhausen ist in den Ruhestand versetzt, zum Lehrer daselbst Lehrvicar Hermann von Lochum ernannt und die Lehrvicar- stelle zu Lochum dem Schulcandidaten Korn von Nie­deranrosf provisorisch übertragen worden.

Nichtamtlicher Theil.

Die IoUsrage.

Dem Frankfurter Journal 'wird aus Stuttgart vom 24. Juli geschrieben: Die Stellung unserer Ne­gierung zu der darmstädter Coalition hat die Presse, btsonders die preußische, in letzter Zeit sehr beschäftigt. Es sollte eine Aenderung in derselben cingetreteu sein, und auf diese Angabe sich stützend, erzählte man schon laut in gegnerischen Zeitungen von einem Bruche in der darmstädter Coalitiou. Ich kann Ihnen auf das be­stimmteste mittheilen, daß das würtcmbergische Ministe­rium noch keinen Augenblick daran sdachte, vonderCoa- litionspolitik abzuweichen, und daß Alles, was Entgegen­gesetztes darüber in den Zeitungen umläuft, der Be­gründung entbehrt. Man hat allzu großes Gewicht auf vermeintliche Differenzen über die Kissinger Antwort gelegt: denn Differenzen wären ja keine über die darm­städter Verträge selbst, durch welche alle Theiluehmcr sich nach wie vor gebunden, und zwar gerne gebunden erachten, und das ist es, worauf es vor Allem ankommt. Der Wunsch Sr. Majestät des Königs, die diplomatische Verbindung mit Berlin wieder hergestellt zu sehen, ist unstreitig vorhanden; allein Diejenigen, welche aus dem Vorbandensein dieses Wunsches auf eine Bereitwilligkeit des Königs schließen wollen, sich um jeden Preis in der handelspolitischen Frage mit Preußen zu verständi­gen, übersehen, daß die Erfüllung jenes Wunsches eine solche Bereitwilligkeit gar nicht bedingt, die, nebenbei bemerkt, auch keineswegs vorhanden ist. Was der Kö­nig unter deutscher Gesinnung versteht, und wie er den deutschen Beruf Würtembergs auffaßt, dieß hat er zu deutlich gezeigt, so oft er in den letzten Jahren in Deutschlands Geschichte eingriff, als daß noch'ein Zwei­fel darüber aufkommen könnte. Er wünscht eine allge­meine Versöhnung auf gereckten und billigen Grundla­gen, wie seine anderen darmstädter Verbündeten; aber man wird wohl thun, diese versöhnliche Stimmung nicht in irgend einem particularistischen Sinne zu mißverstehen. In solchen Kreisen, in welchen man sie etwa mißver­stand, dürfte man sich auch bereits über deren wahre Bedeutung eines Richtigen belehrt haben.

Aus Karlsruhe wird demselben Blatte berichtet: Die Anwesenheit Sr. Hoheit des Prinzen-Regenten fiu Berlin hat keineswegs zu einer Aenderung des Standes der Zoll- und Handelsfrage beigetragen. Schon der Umstand, daß der Prinz-Regent ohne Minister in Berlin verweilte, deutet darauf hin, daß sein dortiger Besuch nur einen privaten Charakter hatte. Wenn Zeitungen versicherten, es habe der Prinz in Berlin positive Zu­sicherungen im particularistisch-preußischen Sinne gege­ben , so möchten solche Zusicherungen wohl in dem Wunsche dieser Zeitungen liegen; allein gegeben wurden, wie von glaubwürdiger Seite verlautet, -Zusicherungen keiner Art. Ausgesprochen soll cs der Prinz-Regent wohl haben, wie Baden bereit sei, sein Möglichstes zu einer allgemeinen Verständigung bcizutrageu. Da aber der Zweck der Coalition, zu welcher Baden gehört, kein anderer als derjenige der Vermittelung und Versöhnung des stark hervorgetretenen Dualismus - der Großmächte i|tz sv läge in einer solchen Erklärung keine Desavoui- rung der Coalition, sondern ein Anerkennen ihrer Zwecke. Baden hat, wie früher bei der Ratification des darm­städter Vertrags, so auch jetzt mit der Abgabe seiner Antwort auf die preußische Erklärung vom 7. Juni ge­zögert. Daß sie jedoch nicht anders lauten dürfte, als diejenige der anderen Coalirten, wird schon jetzt in un - terrichteten Kreisen als bestimmt angenommen.

Daß die beiden Artikel aus guter Quelle herzurüh­ren scheinen, braucht wohl nicht hervorgehoben zu werden.

Nach der Fr. P.-Z. enthält die Rückäußerung der Staaten der Darmstädter Uebereinkunft (mit Ausnahme Badens und Württembergs, wie bekannt) die Erklärung, daß sie einen bindenden Beschluß über die Erneuerung des Zollvereins und die Vereinigung mit dem Steuer­

verein so lange nicht fassen könnten, als nicht klar vor- I liege, in welchem Umfange ein Zoll- und Handelsver­trag mit Oesterreich zu Stande kommen werde, und wie die künftige Zolleinigung mit Oesterreich zu sichern wäre. Es wird in Bezug auf die Sicherung der Wiederher­stellung des Zollvereins von den in Rede stehenden Re­gierungen angedeutet, daß, wenn man unter dieser Si­cherung die Vollendung der Verhandlungen über die Erweiterung des Zollvereins verstehe und nicht etwa den Abschluß der Verträge über die Reconstruction des Zoll­vereins, ein Einverständniß leicht zu bewirken sein werde. Die preußische Erklärung läßt indessen binsichts der An­schauung Preußens keinen Zweifel übrig, indem sie zwei Punkte als solche bezeichnet, deren Erledigung bei dem Wiederbeginn der Verhandlungen für den Fortgang der letzteren und für die fernere Betheiligung der einzelnen Regierungen an denselben präjubiciell sei. Der erste sei die Ertheilung der noch rückständigen Erklärungen über die preußische Präposition wegen Vereinigung des Steuervereins mit dem Zollverein. Der zweite entschei­dende Punkt sei die Zustimmung dazu, daß die auf einen Zoll- und Handelsvertrag zu beschränkenden commerciel- len Verhandlungen mit der österreichischen Regierung erst nach Abschluß des Vertrags über Erneuerung und Erweiterung des Zollvereins eröffnet würden.

Aus Berlin wird dem WienerLloyd" geschrie­ben: Wenn die Hoffnung einer Ausgleichung und Ver­ständigung zwifcheir den streitenden Parteien des Zoll­vereines auf der von verschiedenen Seiten her bewiesenen Geneigtheit zu einer annehmbaren Vermittlung beruht, so ist gleichwohl von Seiten des kaiserlichen Cabinettes eben so wenig ein Schritt ohne Mitwifscu der demselben näher befreundeten Staaten geschehen, als von Seiten der letzteren in umgekehrter Weise verfahren worden. Daß von Seiten Württembergs und Badens bei der endgiltigen Abfassung der Coalitiousnote auf die preu­ßischen Erklärungen vom 7. Juni und 1 Juli einige Bedenken erhoben werden, dürfte wohl geschehen; nur läßt es sich nicht absehen, was für Preußen damit ge­wonnen sein soll, da es thatsächlich feststeht, daß jeder etwaige Widerspruch durch die 9iatur der Verhältnisse selbst sich heben muß, weit gerade Baden und Württem­berg am allerwenigsten von den übrigen Coalitionsstaa- ten sich trennen könnten und es auch offen ausgesprochen haben, daß sie den Beschlüssen der Änderen folgen wer­den. Mittlerweile füllt unser Handelsminister, v. d. Heydt, die Bombe, die er sofort platzen lassen wird, wenn der Bruch zwischen dem Norden und dem Süden entschieden ist. Nachdem die Gutachten der Handels- kammer über die Maßregeln gegen nichtpreußisckes Pa­piergeld vollständig eingegangen sind, ist man im Han- dclöministerium mit einer Würdigung der Grundlagen beschäftigt, auf welchen die zinslosen Creditpapiere der verschiedenen Staaten beruhen. Scheiden die meisten Staaten aus dem Zollvereine mit Preußen aus, so werden ihre nicht fundirten Papiere sofort bei uns ver­boten werden. Allein die Nachtheile einer solchen Maß­regel werden in reichstem Maße auf unser eigenes Land fallen, da in Folge derselben der Verkehr mit den Nach­barländern sogleich in's Stocken geriethe und eher Man­gel als Ucberfluß an Circulationsmitteln sich fühlbar macht. Einige der bedeutendsten Berliner Fabricanten haben ohnedies bereits alle Vorkehrungen getroffen, um nach Wien überzusiedeln, sobald der Zollverein gesprengt und ihnen der .Absatz nach Dem Süden abgeschnitten werden sollte. x

Deutsch land.

st Wiesbaden, 26. Juli. (Assisenverhandlung gegen Christian K c u ch c n von Ems wegen Verletzung des Offenbarungseides und Betrugs.) Der Angeklagte wurde von den Geschwornen für schuldig befunden und von dem Asstsenhofe zu zwei Jahren Zuchthaus verurtheilt. Die Kosten betragen 60 fl. 2 kr.

st Wiesbaden, 27. Juli. .(Assisenverhandlung.) Caspar Schwarz von Wehrheim, 30 Jahre alt, Tag- löhner, ist augeklagt, am 26. Februar 1852 vor dem Herzoglichen Justizamte zu Usingen in einem von Jacob Wehrheim zu Wehrheim wegen Forderung von 21 fl. nebst 3 pCt. Zinsen vom 20. Mai 1849 gegen ihn er­hobenen Processe einen Eid wissentlich dahin geschworen zu haben, daß die von Jacob Wehrheim zumBeweise seiner Forderung beigebrachte Schuldurkunde von ihm nicht unterschrieben worden sei. Nach der Aussage meh­rerer Zeugen hat der Angeklagte wiederholt geäußert, daß er den von seinem Gläubiger beigebrachten Schuld­schein unterschrieben habe. Auch ist durch Vergleichung

! der Handschriften dargethau, daß die Unterschrift auf dem Schuldschein von Caspar Schwarz herrühre.

Die Verhandlung leitet der Assisen - Präsident Flach; als Staatsanwalt fungirt Staatsprocurator Reichmann, als Vertheidiger des Angeklagten Procu- rator v. Eck.

< Wiesbaden, 26. Juli. Jetzt sieht es an­ders aus, rufen wir allen Denen zu, welche sich für die Nassauische Industrie iutcresfiren. Die Wahl, welche unser Herzog bei Wiederbesetzung der Präsidcntenstelle für die Ministerialabtheilung des Innern getroffen, ist für unsere Sache sehr günstig ausgefallen.' Es ist ein Mann , der Sinn hat, für Förderung der Industrie. Er weiß, daß nur dadurch des Volkes und damit des Staates Wohlstand zu heben ist. Es ist seitdem von der Ministerialabtheilung des Innern schon mehrmals zu erkennen gegeben worden, wie sehr man auf Förde­rung der Seidencultur im Herzogthum Bedacht nehmen möge. Die Gemeinde Camp, Amts Braubach, hat bei der Ministerialabtheilung des Innern um Verwendung nachgesucht, daß ihre Gemeinde als Mustergemeinde für den Seidenbau gewählt werden möge, und wir dürfen schon jetzt die Hoffnung aussprechen, daß darauf einge- gaugcu werden wird.

Zur Einführung der Strohflechterei im Herzogthum sind bereits die ersten ernsten Schritte geschehen. Es wurden zwei -Mädchen, die Maria Engel aus Caub und Johanna Arnold aus Limburg nach Todtenauberg an der Schweizergrenze in die dortige Strohflechteschule ge­sendet, um dort sich mit diesem Industriezweige praktisch bekannt zu machen. Die beiden Mädchen sind bereits am 15. Juli dahin abgegangen. Die Ministerialab- theilung des Innern hat bereitwilligst die Kosten dafür verwilligt. Sobald die Mädchen ausgelernt haben und zurückgekchrt sind, werden sie einstweilen in der Filanda zu Wiesbaden beschäftigt; sie werden aber auch auf Verlangen in jede Gemeinde des Herzogtums gesendet, nur da, wo man e£ wünscht, in den Industrieschulen der Jugend in der vr-trohflechterei Unterricht zu erthei­len. Wie manche müßige Stunde der Landleute in den langen Wintermonaten wird dadurch Beschäftigung finden. Die gefertigten Strohflechten, wovon eine Flechte von 24 Ellen schon ein verkaufbares Stück ist, können in beliebiger Anzahl in die Filanda zu Wies­baden verkauft werden, indem diese Anstalt die Verwen­dung der cingekauften Strohflechten besorgen wird.

Wenn die Gemeinden zahlreiche Betheiligung zei­gen , so steht zu hoffen, daß die Ministerialabtheilung des Innern eine Strohflechteschule im Herzogthum er­richten lassen und eine Schweizerfamilie, welche sich der­malen in der Flechtschule zu Todtenauberg befindet, in das Land ziehen wird. Auch für größere Verbrei­tung der Industrie in Holzarbeiten ist gesorgt und wird auch damit manche.Hand Beschäftigung und damit eine Erwerbsquelle erlangen.

In Filetarbeiten in Seide werden dermalen meh­rere atme Mädchen aus dem Lande in der Filanda unterrichtet, um jenen dadurch Verdienst zu verschaffen. Stoffe und Filetararbeiten sind dermalen so sehr gefragt, daß die Filanda damit nicht Hände genug zu beschäftigen vermag.

A Aus dem Instizamte Hochheim, 25. Juli. Bei Eddersheim ereignete sich vor kurzer Zeit folgender Vorfall. Ein junger Mann von Weilbach, 21 Jahre alt, hatte sich im Main gebadet und war im Begriff, sich wieder anzuklciden, als einige Bursche aus Edders­heim ihn nöthigten, sich noch einmal ins Wasser zu be­geben, um, wie sie sagten, zu schwimmen. Der junge Mann aus Weilbach soll sich entschuldigt haben, daß er nicht schwimmen könne, jedoch von den beiden Andern ins Wasser gezerrt und seinem Schicksal überlassen wor­den sein. Es geschah, was man unter solchen Umstän­den erwarten konnte, nämlich, daß der junge Mann aus Weilbach ertrank und so das Opfer eines rohen Muthwillens wurde. Die gerichtliche Untersuchung soll im Gange sein, und wird deren Resultat wohl später veröffentlicht werden.

Es liefert dieser Unfall abermals den Beweis, wie schlecht es seit dem Jahre 1848 um jegliche Art der Polizei steht; denn vor dieser Zeit waren an den Flüs­sen bestimmte Badeplätze bezeichnet, welche nur eine solche Wassertiefe hatten , daß sich ein Unglück der be­merkten Gattung nicht so leicht ereignen konnte.

iip Bad Broden, 25. Juli. Die höchsten und hohen Herrschaften, welche unsern ländlichen Kurort die­sen Sommer mit Ihrer Gegenwart beehrten, haben uns zwar wieder verlassen; allein immer noch herrscht ein reges Kurleben dahier, welches nach Ausweis unserer