regeln, welche einfach zum Zwecke haben, dem Rechte Geltung zu verschaffen, in Schutz nehmen und für derartiges'Gebühren in die Schranken treten, so würde man sich in Berlin in eine ähnliche unhaltbare Position begeben, wie die war, welche man zum eigenen größten Schaden bezüglich der Zerwürfnisse in Sckleswig-Hol- st -in und Kurhessen im Herbste 1850 dem deutschen Bunde gegenüber eingenommen hatte. ~
Gleichzeitig mit dem entscheidenden (?) Schritte gegenüber den Coalitionsstaatcn sind prcußffcherseits, wie die „Voss. Zeitung" versichert, auch von neuem Verhandlungen mit Hannover begonnen worden, um einige, freilich nur unwesentliche(?)Modificationen in dem Septembervertrag über diejenigen Punkte zu erzielen, welche bei den vorläufigen Berathungen über diesen Vertrag innerhalb der Zollconferenz den süddeutschen Staaten besonders Anstoß gegeben haben.
Nach dem N Korrespondenten ist 'dieses ganz zuverlässig irrig. Man denkt nicht an Verhandlungen zur Modificationen des Vertrages; wollte man dieses aber, und zwar nach den geäußerten Wünschen der Coalitions- fiaaten, so möchte von dem Verträge nicht mehr viel übrig bleiben; denn die Hauptpunkte der Ausstellung der Koalition find das Prâcipuum in seiner bestimmten Höhe und die Modification der einzelnen Tarifsätze auf Cvlonialwaären, nach Separatartikel 14 des Vertrages. Beide Punkte, außer noch anderer untergeordneten, sind aber der Art, daß Hannover sowohl wie Preußen nicht davon abgehen werden, obgleich Hannover sicherlich bereit wäre, in untergeordneten Punkten Modificationen des Vertrages einketcn zu lassen.
Die „Neue Preuß. Ztg." vom 21. enthält eine Korrespondenz aus Leipzig über die Handclsfragc, die an Lächerlichkeit Alles überbietet, was in dieser Sache bereits vorgekommen. Da sollen die Nachrichten, welche die N. Pr. Ztg. (in ihren confiscirten Blattern) über eine angebliche Nachgiebigkeit Preußens gebracht hätte, in Leipzig'große „Bestürzung" erregt haben. Es werden dann eine Menge Tollheiten über Oesterreich vorgebracht, und schließlich heißt es: es sei am 18. Juli in ■ einer Leipziger Gesellschaft entschieden worden, daß, wenn Preußen sich Oesterreich- ansckließc, alsdann nur durch Braunschweig und Hannover eine Rettung möglich sei, insofern diese beiden Staaten bewogen werden könnten, Preußen nicht auf dem Wege nach Wien zu folgen", und cs sei „alles Ernstes bereits die Rede, daß im Falle sich jene Nachrichten bestätigen, von Seite unserer hervorragendsten und reichsten Fabrik- und Kaufherren nach Hannover und Braunschweig Deputationen geschickt werden sollen! So steht es wörtlich zu lesen in der N. Pr. Ztg. vom 21. Juli!
Auf die Differenz welche zwischen Württemberg und Baden einerseits und ihren Darmstädter Verbündeten andererseits bei der Coalitions-Erklärung vom 20. d. M. zu Tage gekommen ist, legt die Allg. Z. keinen besonderen Werth, solange die übrigen Verbündeten zusammenhalten; die Vertreter der letzteren halten speciell die Position die Württemberg neuerdings eingenommen für eine vorübergehende, die nur von der Sorge geschaffen ist die Jnconvenienzeu eines süddeutschen Zollvereins ertragen zu müssen. Die Stellung Badens erlaubt seiner Regierung schon eher ein unabhängiges Handeln (?), wobei wir jedoch in Erinnerung bringen, daß die Darmstädter Verhuudeten sich zu gemeinsamer Action in Zollvereinssachen verpflichtet haben.
Auch die Köln. Ztg. v.rmag inderprenß. Erklärung einen Präclusivtermin' nicht zu finden. Sic sagt, der 16. August ist allerdings in so fern Präclusivtermin, als diejenigen Staaten, welche bis ju jenem Tage überhaupt keine Erklärung abgegeben haben, eo ipso als aus der Konferenz geschieden betrachtet werden; aber nun, wenn Erklärungen cintreffen, welche nicht ohne Weiteres mit dem ursprünglichen vrcuß. Programm übereinstimmen, sondern vermittelnde Bedingungen stellen rc.? Ist auch dann jede Verhandlung mit diesen Staaten abgebrochen, oder bleibt ihnen immer noch die Gelegenheit, ihrem Programm getreu die Verhandlungen in die Länge zu ziehen? Wie jeder Unbefangene zugeben wird, standen schon nach Bekanntwerden der darmsiadtec Pro- tocolle die Sachen so, daß Preußen zu erklären hatte, es werde nur mit denjenigen Staaten über die Recon- stituirung des Zollvereins in Verhandlung treten, welche von vorn herein erklärten, daß sie diese Reconstituirung nicht von der Rücksichtnahme auf eine Zolleinigung mit Oesterreich abhängig machten; ob cs jetzt endlich so weit gekommen, ob der Präclusivtermin wirklich diejenigen auèschlicßt, welche nicht pure auf das ursprüngliche preuß. Programm eingehen (das bekanntlich durch die nickt widerlegten Nachrichten über eine neue Basis in Etwas modificirt ist), dies bestimmt zu beantworten wäre eine dankenswerthe Aufgabe der officiellen Blätter, wenn sie es nicht vorziehen, den Wortlaut der letzten preuß. Erklärung zu veröffentlichen.
Deutschland.
* Wiesbaden, 23. Juli. Präsident Voll - Pracht ist gestern Abend von Berlin dahier eingetroffen, derselbe wird sich dem Vernehmen nach Morgen mit den übrigen Ministerialvorständen zum Vortrag bei Se. Hoheit dem Herzog nach Oran ienstein begeben.
Wie wir hören, ist in diesen Tagen der verantwortliche Herausgeber der „Mttclrh. Ztg." , Buchhändler Ritter dahier wegen Schmähung des Königs von Würtembcrg (die Mittelrh. Ztg." hatte dem König bekanntlich vor mehren Wochen seines Verhaltens in der Zollfrage wegen „Rheiubundsgelüste" augeschuldigt) zu einer zweimonatlichen Corrcclionshausstrafe von dem hiesigen Hofgericht vernrtheilt.
Von demselben Gerichte soll auch kürzlich Scribent Feibel, bei Prokurator Leisler dahier in Kondition , Präsident des früher dahier bestandenen gegen Ende vorigen Jahres aufgelösten Arbeitervereins wegen versuchten Hochverraths in eine einjährige CorrectionS- Hansstrafe vernrtheilt worden sein.
tt Wiesbaden, 24. Juli. (Assisenvechandlung gegen Wilhelm Jähn von Nassau wegen ausgezeichneten Diebstahls.) Der Angeklagte wurde von den Geschwornen für schuldig befunden und von dem Assisen- Hofe zu einer Zuchthausstrafe von 4 Jahren verMtheilt. Die Kosten betragen 84 fl. 47 fr.
ff Wiesbaden, 24. Juli. Assisenverbandlung gegen Philipp Pfeiffer 20 Jahre all,Taglöhner von Niederseelbach, wegen Diebstähle.
Pfeiffer ist angeklagt, in der Nacht vom 11. auf den 12. April in die Küche der Pfarrerswittwe Reiz in Niederseelbach durch das erbrochene Küchenfenster einge- stiegen und dort Lebensmittel im Werth von 1 fl. 30 fr. und andere Kleinigkeiten im Werth von 12 fr. in derselben Nacht durch eine gewaltsam erbrochene Kellerloch- verschallung in das Haus des Heinrich Maurer eingestiegen und dort einen Laib Brod im Werth von 16 fr. und ein Stück Kuchen im Werth von 4 fr., endlich in derselben Nacht dem ältesten Sohn des Niederseelbacher Gemeinderathes Peter Maurer einen Kittel im Werth von 1 fl. gestohlen zu haben.
Der Angeklagte 'wurde von den Geschworenen für schuldig befunden und von dem Assisenhofe zu einer Cor- rectionshausstrase von 1 Jahr 6 Monaten verurtheilt. Die Kosten betragen 44 fl. 44 fr.
tt Wiesbaden, 25. Juli. (Assisenvechandlung.) Christian Keuchen, 58 Jahre alt, Badewirth von Ems, ist der Verletzung des Offenbarungscides und des Betruges angeklagt, indem es sich bei Verhandlung des gegen ihn eröffneten Concurses heransgestellt hat, daß derselbe nach am 13. November 1848 bei der Land- oberschultheißerei in Nass u abgelegten Offenbarungseid, er habe alles zu seinem Vermögen gehörige gewissenhaft angegeben und werde das nachträglich zu seiner Kenntniß gelangende später angeben, eine Anzahl von Schmucksachen im Werthe von HO fl., die er in Frankfurt für 48 fl. resp, da er auf den Pfandschein ein Darlehen von 35 fl. erlangte, für 83 fl. verpfändet hatte — bei der am 27. November 1848 vorgenommenen Inventarisation entweder absichtlich verschwiegen oder nachträglich nicht angegeben habe, um dieselben seinen Gläubigern zu entziehen. Der Angeklagte behauptet, daß diese Gegenstände das Eigenthum seiner Gattin resp, seiner Kinder seien.
Die Verhandlung leitet der Assisen - Vicepräsident Jeckeln, als Staatsanwalt fungirt Staatsprocurator- Snbstitut Flach, als Vertheidiger des Angeklagten Pro- curator Dr. Leisler.
< Biebrich, 24. Juli. Heute wurde der Geburtstag Sr. Hoheit unseres allgeliebten Herzogs von der hiesigen Real- und Elementar chule gemeinschaftlich auf eine der Wichtigkeit des Tages angemessene Weise gefeiert. Noch nie war die Feier des Tages bei hiesigen Schulen eine öffentliche. Es wurde jedoch das Bedürfniß einer öffentlichen Feier in der letzteren Zeit lebhafter als je gefühlt, einestheils, um anderen Schulen des Herzogthums nicht nachzustehen, anderntheils mit allen zu Gebote stehenden Mitteln dahin zu wirken, den Kindern die größte Achtung vor dem geliebten Landes- vatcr einzuflößen. Des Morgens um 8 Uhr versammelten sich sämmtliche Schüler — über 600 — und Lehrer, festlich geschmückt, in dem Schulgebäude. Gegen halb 9 Uhr traten alle in den ziemlich geräumigen Schulhof, woselbst das „Heil unserm Herzog Heil" dreistimmig gesungen wurde. Nach Beendigung des Gesanges trat der Oher-Reallchrer, Herr Maus, der sich hauptsächlich sehr verdient gemacht hat, die Feier so viel als möglich, angemessen zu machen, in den Schülerund Lehrerkreis und sprach einige die Wichtigkeit des Tages betreffende Worte. Den Schluß der Rede bildete ein Hoch dem Landesvater, in das alle Versammelten aus voller Kehle einstimmten. Nun setzte sich der Zug in Bewegung und es wurde ein Spaziergang gemacht durch Biebrich, an dem Herzoglichen Schlosse vorbei durch den Schloßgarten und durch Mosbach wieder in die Schule.
Der Nachmittag des Festes wurde von den Schülern der Realschule und deren Eltern, von sämmtlichen Lehrern der Real- und Elementarschule, sowie von der Schützengesellschaft auf eine einfache, aber herzliche Weise gefeiert. Bei einem gemeinschaftlichen Abendessen wurde von allen Anwesenden Seiner Hoheit dem Herzoge ein dreimaliges Hoch gebracht.
Aus dem Nheingau, 22. Juli. (M. I.) Die Trauben entwickeln sich außerordentlich und die Hoffnung des Winzers steigt von Tag zu Tag, nachdem der langersehnte Regen endlich die dürren Felder und
Weinberge neu belebt hat und die wieder darauf folgende heiße Witterung das Wachsen der Trauben ungemein fördert. Die Kartoffeln versprechen, wenn sie noch einigen Regen erhalten, eine vollkommene Ernte, von der Karroffelkrankheit hört man noch nichts. Die Kornernte hat bereits begonnen und ist eine gesegnete. Die Furcht vor längerer Theuerung des Brodes und der übrigen Lebensmittel schwindet immer mehr und man glaubt zuversichtlich, daß die Fruchtpreise sehr bald bedeutend weichen werden.
□ Höchst, 23. Juli. Geehrter Herr Redacteur! Die Berichte, welche Ihnen über die vom Hagelschlag in der Gemarkung Griesheim angerichtete Verheerung zugegangen sind, beruhen leider nur zu sehr auf Wahrheit. 9ii^t minder wahr und traurig ist es aber, daß derselbe Unglücksfall die ohnehin bedrängte Gemeinde Harheim mindestens in demselben Maaße, sowie auch, jedoch viel weniger umfangreich, die Gemarkung Schwanheim betroffen hat. — Das Herzog!. Kreisamt zu Höchst hat daher an lie wohlhabenden und von diesem Unfall verschont gebliebenen Kreiseingesessenen einen eindringlichen Aufruf erlassen, bei der großentheils reichlichen Erndte, welcher sie selbst entgegen gehen, zur Linderung der Noth ihrer bedrängten Nachbarn Beisteuern zu leisten. — Zu diesem Zwecke sind die Bürgermeister des Kreisamtes ermächtigt und ersucht worden, Cvllecten in ihren Gemeinden zu veranstalten und die eingehenden Gaben, soweit sie an Geld geleistet werden, an das Herzog!. Kreisamt zur demuächstigen Verth e i l u n g und öffentlichen V e r r e ch n u n g alsbald einzusenden, sowie auch Beisteuern an Früchten ec. dankbar anzunehmen.
Wenn aus der einen Seite das Herzog!. Kreisamt mit feuern Aufrufe nicht über die Grenzen des Kreisbezirks hinaus zu gehen für gut fand; dagegen auf der andern Seite darauf Bedacht nahm, daß die zur Milderung des fvlgeschweren Unfalles eingehenden Beiträge, den sämmtlichen Beschädigten des hiesigen Amtes in verhältnißmäßig gleichem Maaße z u f l i e ß en, so kann beides nur gebilligt werden, indem mit den drei Nassauischen Orten noch viele andere aus den Nachbarstaaten von dem Hagelschlag betroffen worden sind, die allgemeine Mildthätigkeit daher nicht für Griesheim und Harheim allein in Anspruch zu nehmen ist, dagegen von den drei Gemei- den des hiesigen Amtes eine gleiche Berechtigung hinsichtlich der von ihren Mitbürgern zu erwartenden Gaben nach den Gesetzen der Billigkeit angesprochen werden kann.
Es kann daher nur zweckmäßig erscheinen, daß das Herzogliche Kreisamt die Sachen in die Hand geuonr- men
nächstigen Vcrcheilnng der Gaben bereit erklärt, sämmtlichen Beschädigten des Amtsbezirks verhält- nißmäßig gleichen Antheil an den erfallenden Unterstützungen g'arantirt hat
Da nun Sie, Herr Redacteur, auf den von Griesheim aus an Sie ergangenen Nolhruf so bereitwillig die Hand geboten haben, das Werk der Nächstenliebe zu fördern, so hofft Einsender Dieses, indem er Namens der übrigen Besckädigten, insbesondere jener von H a r- heim, sich an Sie wendet, Sie nicht weniger bereitwillig zu finden, die Noth sämmtlicher durch den Hagelschlag betroffenen Einwohner des Amtes Höchst zur Kenntniß mildthätiger Menschenfreunde zu bringen, und wird es gewiß dem Sinne eines jeden Beisteuernden entsprechen, wenn Sie, Herr Redacteur, es übernehmen wollten, die eingehenden Gaben zur zweckmäßigen Zeitteilung a n das Herzogliche Kreisamt Höchst zu befördern, in so ferne nicht von einzelnen Gebern ausdrücklich für den einen oder den anderen Ort Bestimmung getroffen wird. *)
Q Langenschwalbach, 23. Juli. Das Glockengeläute der hiesigen katholischen Kirche und mehrere Böllerschüsse verkündeten am Abend des 23. Juli die Geburtsfeier Sr. Hoheit des Herzogs Adolph von Nassau.
Am Geburtstage selbst war des Morgens 10 Uhr in der hiesigen katholischen Kirche deshalb ein feierliches Hochamt; um 4 Uhr versammelten sich die hiesigen Angestellten zu einem gemeinsamen Mittagsmahle im Allee- saale, um 6 Uhr zog die hiesige Schuljugend mit Fahnen in einen benachbarten Wald, wo unter Begleitung der Kurmusik das Lied: „Heil unserem Herzog,'Heil!" ertönte. Das Fest schloß am Abende mit einem Ball im Allcesaal.
<? Diez, 22. Juli. Heute Abend kamen Ihre k. Hoheit die verwittwete Fran Herzogin Pauline und Höchstihre beiden Prinzcssincn Töchter in Oranienstein an, um längere Zeit daselbst zu verweilen.
3 Diez, 23. Juli. Heute wurde hier die Vorfeier des Geburtstages Sr. Hoheit des Herzogs auf eine solenne Weise begangen. Abends sechs Uhr kündigten Böllerscküsse und Glockengeläute das jedem braven Nassauer bedeutungsvolle Fest an. Nach acht Uhr bewegte sich die sämmtliche Schuljugend, geführt von
*) Die Redaction der „Rasiauischen Allgemeinen Zeitung" erklärt sich bereit, dieser Anforderung zu entsprechen, falls von Seiten Herzoglichen Kreisamts zu Höchst die Richtigkeit obiger Angaben bestätigt wird.