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Nassauische Allgemeine Zeitung.

jVr /0x Sonntag den 18. Inti 185®.

DirNaffamsl'c Mqcmeint Zeitpig" mit btin betktriflif»cn BeiblattDer Wanderer" crfditint, SonnlaftS ausgenommen, lag!,» und beträgt der PrânumeralionspieiS für Wiesbaden und, na» dem neuen Postregulaiiv nunmehr au» für den ganzen Umfang deS Thurn» und TariS'fcken Verwaltungsbezirks mit Inbegriff des PoffaulfckffagS 2 fl., für die übrigen »ander des btutf»,öfttrrri»if»<n Postdereins, wie für da« Ausland 2 ft. 24 fr. Inserat« werden die dreispaltige Petit, zeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, banggasse 42, auSwânS bei den nächstgelegene» Postämtern, zu machen.

Amtlicher Theil.

' Pfarrer Schmidt zu Marienberg ist auf sein An­suchen von der Schnlinspcction über die evangelischen Schulen des Herzoglichen Justizamts Marienberg ent­bunden und dieselbe dem Pfarrer Vietor zu Kirburg übertragen worden.

Nichtamtlicher Theil.

Die LoUsenge.

wird viel darüber gestritten, ob eine Zolleini- gung mit Oesterreich für Deutschlands Handel nützlich oder nachtheilig sei, und die Ansichten darüber gehen ost sehr weit auseinander. Die nachfolgenden Zahlen möchten wohl geeignet sein, die Frage klar und sicher zu beantworten.

Im Jahre 1850 wurden an Waaren nach Oester­reich imporiirt:

ans Preußen für die Summe von 13,864,000 fl.; ans Sachsen 22,540,000 fl.; aus Süddeutschland 15,494,000 fl.; zusammen für 51,898,000 fl.

Dagegen kamen aus Oesterreich:

nach Preußen für 7.528,000 fl.;

nach Sachsen 13,562,000 fl.;

nachSüddeutschland 11,119,000fl.;

zusammen für 32,209,000 fl.

Der Zollverein lieferte demnach an Oesterreich für die Summe von 19,689,000 fl. mehr Waaren, als er von demselben erhielt. Und dabei ist zu bemerken, daß bei der Einfuhr nach Oesterreich der allergrößte Theil aus Erzeugnissen der deutschen Fabriken, dagegen der größte Theil der aus Oesterreich kommenden Waaren in Landcsprodncten, Getreide und besonders Rohstoffen, wie Schafwolle, Felle, Po lasch c, Stahl, Galläpfel und vergleichen bestand, lauter Artikel, die unsere deutschen Fabriken nicht entbehren können. Daß aber der Absatz von Fabricaten einen viel größeren Vortheil gewährt und dem Lande viel nützlicher ist, als jener von Roh- producten, daß demnach der Zollverein aus seinem Han­del mit Oesterreich weit größeren Nutzen zieht, als Oesterreich aus dem seinigen mit Deutschland , ist für jeden Sachkundigen so einleuchtend, daß es überflüssig wäre, Beweise dafür anzuführen.

Wenn aber Oesterreich,, selbst mit seinen jetzigen hohen Zöllen, jährlich für 52 Million Gulden Waaren anS dem Zollvereine bezieht, welche Ausdehnung kann der Verbrauch dieser Waaren erst gewinnen, wie sehr wird aller Wahrscheinlichkeit nach der Absatz derselben steigen, und welchen Aufschwung werden unsere Fabriken nehmen, wenn einmal die deutschen Fabricate ganz frei in dieses große Reich eingeführt werden können? Und wenn jetzt schon aus Oesterreich für 32 Millionen Gul­den Waaren und zwar größtentheils in solchen Rohar- tikeln, die unseren Fabriken unentbehrlich sind und auf denen allen einiger, wenn auch oft geringer Zoll haftet, in die ZollvcrcinSstaatcn cingeführt werden, welche bedeutende Summen werden die Fabricanten erspa­ren, wenn alle diese Waaren ganz steuerfrei aus einem Gebiete in daö andere übergcführl werden dürfen?

Die im Jahre 1850 aus dem Zollvereine durch das österreichische Gebiet nach der Levante transitiren- den Waaren beliefen sich auf die Summe von 61,435,000 fl. Wie bedeutend werden aber für den deutschen Han­del die Ersparnisse aus die Masse von Waaren sein, wenn sie, nach vollbrachter Zollcinignng mit Oester­reich, ohne Weg-, Fluß- und Durchgangszölle durch dieses Reich transttiren können und wie schnell und re­gelmäßig werden diese Waaren den Ort ihrer Be­stimmung erreichen, wenn alle die Zollformalitäten be­seitigt sind!

Wir könnten ähnlicher Thatsachen noch viele anfüh­ren, wollen uns aber auf diese wenigen beschränken, weil sie allein schon uns mehr als genügend erscheinen, um die vorliegende große Frage zu Gunsten der Zoll­einigung zu entscheiden. Denn welcher gebildete und erfahrene Kaufmann wenn er unbefangen urtheilen will und die oben angegebenen Verhältnisse in's Auge faßt, wird in Abrede stellen, daß eine enge Handels­verbindung mit einem Lande, welchem wir für 20 Mill. Gnlden an Waaren mehr verkaufen, als wir von ihm abnehmen, welches dem Absätze unserer Fabricate ein so großes und weites Feld darbietet und durch die Ent­wickelung, welche in demselben vorgeht, uns noch eine weit günstigere Zuknnft in Aussicht stellt,welches uns

so viele nothwendige Rohproduetc liefert, welches für unseren Trausithandel nach der Levante um so wichtiger ist, als eS in seinen Händen liegt, denselben zu belästi­gen und zu erschweren, Wer, sagen wir, wird es in Abrede stellen können , daß eine Zollcinignng für den deutschen Handel von dem größten Nutzen sein wird? Auf diesem Wege und auf ihm allein kann der deutsche Handel vorangehen und sich erweitern. Es heiße, die Augen absichtlich gegen die Wahrheit verschließen, wenn man Dieses verkennen wollte..

Zeitungen ließen zwischen Oesterreich und den ver­bündeten süd- und mitteldeutschen Staaten neue Ver­handlungen eröffnen und wußten selbst eine besondere Konferenz dafür in Wien anzusetzen. ES sollte sich um die Garantie der Zolleinkünfte dieser Staaten durch Oesterreich handeln, für den Fall, daß dieselben sich gezwungen sehen, das Darmstädter Prokocoll C zu ver­wirklichen , d. h. den Zollverein unter sich fortbestehen zu lassen, indem sie den Hinzutritt zu demselben den übrigen deutschen Staaten offen hielten, und zugleich in nähere Beziehung zu Oesterreich träten. Wie dem ,,gr. I." vom Main geschrieben wird, hat Oesterreich, indem es jenen Fall vorauSsetzte, die erwähnte Garan­tie schon früher aus das Bestimmteste geleistet und zwar ausdrücklich in Silbergeld. Von weiteren Verhandlun­gen über diesen Punct kann also nicht Rede sein.

DerFr. P. Z." ans Wien vom 13. Juli ge­schrieben : In gutunterrichteten Kreisen erzählt man sich, daß man in Berlin nicht abgeneigt sei, die Zoll- einigungöfrage auf dem Wege freier Konferenzen zur Entscheidung zu bringen. Wie eS scheint, hat man sich in Berlin endlich von der Grundlosigkeit aller jener Behauptungen überzeugt, nach welchen mehrere Coali- tionSregiernngen in neuester Zeit sich den preußischen Ansichten zuneigen sollten. Es herrscht im Gegentheile vollkommene Einigkeit unter denselben , und wenn die llLational-Zeitung" behauptet, daß die CoalitionSstaa- teu jetzt, da die Entscheidung nahe, sehr getheilter An­sicht seien, und daß z. B. diè würtembergische Regierung schwerlich mit der Koalition bis an die äußerste Grenze gehen werde, so ist dieses Journal ganz falsch berichtet, denn namentlich die würtembergische Regierung hat erst vor kurzem eine Erklärung nach Wien und Berlin ge­sendet, worin auf die Nothwendigkeit aufmerksam ge. macht wird, daß vor einer definitiven Be­schlußfassung die Unterhandlungen mit Oesterreich angeknüpft werden müssen. Dies ist der Punkt, in welchen! die Coalitionsstaaten ohne Ausnahme zusammentreffen, und von welchem sie in keiner Beziehung abweichen werden. Daß man übrigens jedenfalls' gerne geneigt ist, den billigen Anforderungen Preußens Rechnung zu tragen, zeigt wohl am besten der Umstand, daß sämmtliche Staaten sich bereit erklärt haben, den S e p t e m b er v c r t ra g 'a n z u n c h m e n , wenn man in Berlin ihren Wunsch zu erfüllen sich geneigt zci g en wird.

Die neueste Köln. Ztg. berichtet aus Berlin vom 13. Juli: Ueber den gegenwärtigen Stand der Zoll­vereinsangelegenheit sind in den hiesigen Kreisen so widersprechende Angaben verbreitet, das es schwer wird, in-diesem Gewirre sich einiger Maßen zurecht zu fin­den. Inzwischen scheint es doch, als ob das Werk der Verständigung" bereits weiter gediehen sei, als die Neue Preuß. Ztg. gestern noch zugeben wollte, d. h. als ob dasNachgeben in der Form" von Seiten Preußens doch bereits stattgefunden habe oder minde­stens fest beschlossen sei. Die Coalitionsstaaten scheinen auf diese Wendung bereits vorbereitet und sie sollen ihre Stellung darnach schon genommen haben. Die Nat.- Ztg. (die unmittelbar zuvor alle Mittheilungen über die eingetretene oder zu erwartende Verständigung auf das Entschiedenste geleugnet hat) schreibt über den Stand dieser Angelegenheit:Uns geht heute eine Nachricht zu, wonach schon in künftiger Woche die Regierungen der Darmstädter Koalition mit Preußen zu einer Art von Einigung kommen werden, oder vielmehr die be­reits bewerkstelligte Einigung zum Abschluß kommen wird. Die Grundlage dieser Einigung soll darin be­stehen, daß die Coalitionsstaaten sich zu einer proviso­rischen Verlängerung des Zollvereins verstehen, damit, nachdem dieses geschehen, die Unterhandlungen mit Oesterreich begonnen werden können."

Die Antwort der süddeutschen Zollver­bündeten auf die preußische Erklärung vom 7. Juni ist nun (wie derPfälz. Z." berichtet wird) nach Ber­lin abgegangen und zwar in der Form des Kis­singer Entwurfs, welchem kürzlich in diesem Bade­

orte auch die Minister v. Schenk und von Dalwigk aus Darmstadt, v. Neurath aus Stuttgart und Prinz von Sayn-Wittgenstein aus Wiesbaden beigetreten sind. Die Regierungen der darmstäbter Uebereinkunft sollen sich darin geneigt erklären, mit Preußen über den Septem- bervcrtrag definitiv abzuschlleßen, jedoch nur unter der Bedingung, daß gleichzeitig die Unterhandlungen mit Oesterreich eröffnet werden. Die Krise auf den berliner Conferenzen nähert sich also ihrer Entscheidung. Die Pf. 3 " fügt hinzu: Der preußische Abgesandte Herr von BiSmark-Schönhausen ist völlig unverrichteter Dinge von Wien zurückgekehrt. Oesterreich wird sich 'nur in Gemeinschaft und Uebereinstimmung mit den süddeut­schen Staaten auf Unterhandlungen mit Preußen ein­lassen, wie dies auch schon die einfachste Loyalität gegen jene Regierungen erfordert.

Die Rücksichtslosigkeit mit welcher die N. Pr. Z. in I ihrem Angriff gegen den Ministerpräsidenten vorgehe, wirft immer hellere Streiflichter auf die Zoll frage. So schreibt dieK. Z." Heute (am 14.) wurde, wie vorgestern, also ohne Unterbrechung, zum dritten Male die Krcuzzeitnng coufiscirt wegen ihrer Polemik gegen das Ministerium in der Zollfrage. Sie erklärt heute in Folge ihrer zweiten Confiscation, daß weder Confiscation, noch Verbote, noch Versiegelung der Pres­sen und selbst Ausweisung sie hindern werde, den ein­mal bezeichneten Weg fortzuwandeln, und daß diese Maßregeln nur dazu dienen können, ihre Partei mit der Verbindung Mantcuffcl-Quehl immer weiter auscinan- derzusctzen. Die heutige Confiscation ist denn auch augenscheinlich provocirt; denn nach dem heutigen Leit­artikel druckt sie, um, wie sie sagt, ihren Lesern eine Uebersicht der Polemik zu geben, die beiden Leitartikel der letzten confiscirten Nummern ab, indem sie sich stellt, als wisse sie gar nicht, wcßhalb die Confiscation erfolgt sei, und auch einen wiener Correspondenrartitn gegen Herrn v. Manteuffel. Außerdem entast sie die folgende Insinuation in der Zollfrage, die augenscheinlich nur daraus berechnet ist, das Ministerium zu compromitliren, andererseits den Standpunct der Zollfrage zu verwirren und sich gelegentlich wieder aus der Affaire zu ziehen. Sie meldet nämlich, daß auf dem Congreß in Kifslugen die Regierungen der darmstädter Coalstion ein Gesuch um Uebernahme der Vermittlung in der Zoll­frage bei dem Minister einer Großmacht (Grafen Nesselrode?) angebracht hatten, und daß in Folge dessen von dieser an die preußische Regierung die Wei­sung ergangen sei, die hiesigen Zoll-Conferenzen abzu« brechen und vorerst mit der österreichischen Regierung über eine Zolleinigung zu unterhandeln. Die Tragweite dieser Insinuation muß fast räthselhast erschei­nen, wenn es nicht eben die Kreuzzeitung wäre, die sie bringt. Durch den Streit ist jedoch so viel gewonnen, daß man überall jetzt weiß, daß die ursprüngliche Position Preußens ver­lassen ist und eine vollständ ige Ansgl eichung mit allen Beth eiligten in nächster Aussicht steht.

DieD. A. Z." schreibt hierüber: Die neuesten Artikel derN. Pr. Z." enthalten keine polemischen Ausfälle, sondern nur Andeutungen über die zu voll­ziehende, oder besser, bereits vollzogene Vermittelnngs- politik des Ministerpräsidenten in der Zollftaze und nebenbei noch eine Andeutung zur Beseitigung des Hrn. Quehl. Es hat dies bei den: Ministerpräsident vor­nehmlich deshalb so viel Mißfallen errregt, da die Ver­handlungen mit Oesterreich ganz im Geheimen geführt werden und nichts an das Tageslicht der Oeffentlichkeit gelangen sollte; wenn dies aber nicht gelungen ist und ein Theil der Presse bereits Knnde von allen Vorgän­gen erhielt, so war dies zwar mißlich, man konnte je­doch , da eS meistens die außerhalb Preußens lie­gende Preffe war, nichts dagegen unternehmen, als eben die zu Gebote stehenden Organe zu Verstcherrmgen deS Gegentheils in verschiedener Form benutzen! Die Zeit", dasCorrespondenzbureau" und die Spener'sche Zeitung haben das ihrige geleistet und auch in auswärtige Organe, Kölnische und Weser-Zei­tung, versuchte man ab und zu die Widerlegungen hin­ein zu prakticiren. Dadurch glaubte man die gegcn- theiligen Berichte paralvstrt zu habeil und so entstand die herrschende Verwirrung. DieNeue Preußische Zeitung" trat anfangs auch für das Ministerium auß als aber die Conflicte mit Herrn Quehl begannen, schwieg sie, und jetzt deckt sie den Thatbestand, jedoch noch immer, wie sie selbst sagt, mit großer Vorsicht und Rücksichtnahme auf. Die Kreuzzeitung gibt aber in Preußen in Betreff der Thatsachen den Aus-