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Nassauische Allgemeine Zeitung.

Mtkg B« 16. Jüti 1832,

M- /.

BieNassau s.1>e Allqemkine Heitiinn" mit bem belletristischen SSeibtcittDer Wanderer" erscheint, SonntaqS ausgenommen, lägück und beträgt der PränumerationSpreis für Wiesbaden und, naâ dem neuen .Postregulait» nunmehr au» für btn ganzen Umfang des Thurn- und T«Äs'/chen ÄterwaNungSbezirkâ mir Inbegriff des Poffouffchlags 2 fl., für die übrigen Länder des trmfdvösterreid)isäen PoftveieinS, wie für bad Ausland 2 fl. 24 tr. Inserate werden die dreispaltige Petit- zelte oder deren Raum Mit 3 tr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgaffe 42, auswärts bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

Amtlicher Theil.

D i e n st it a dj r i dj t e k.

ßebrökar Hofmann 'zu Salzburg ist zum Lehrer in Freilingen ernannt und die Lehrvicarstelle zu Salz­burg dem' Lehrer Zipp von Freilingen provisorisch übertragen worden.

Der provisorische Lehrgehülfe Wagner zu Camberg ist definitiv zum Lehrgehilfèn daselbst ernannt worden.

Nichtamtlicher Theil.

Die Zollfrank

* Wenn die Mittelrheinischc Zeitung tadelnd be­merken kann, daß wir die bevorstehende endliche Lösung der Zollfragetriumphirend" melden, dann muß ihr dieses von Allen erwünschte Ereigniß schlecht in den Kram passen. Wir finden cs natürlich, daß sie es vor­zieht, im Trüben zu fischen, hätten aber ein so unum­wundenes Geständniß nicht erwartet. Die Mittelrh. Ztg. verlangt zu wissen, worauf wir unsere kathegorische Mel­dung über Preußens Nachgeben gründen. Wir glau­ben, daß die gestern gemachten, übereinstimmenden Mittheilungen der verschiedenen wohlunterrichteten Cor- rcspondcntcn einzelner Blätter doch als vollgiltige Be­weise anzusehen sind und können der Mittelrh. Zeitung heute noch mit anderen Belegen dienen, gegen die sie wohl nichts einzuwenden haben wird, da dieselben fast ausschließlich den Aeußerungen ihr befreundeter und mit ihr, wenn gleich aus anderen Gründen, in der gleichen Richtung thätiger Blätter entnommen sind und sich nicht als vage Conjecturen, sondern als nicht länger zu verschiebende Einacständnisse darstellen. So bringt heute die 9teuc Pr. Ztg. einen Artikel zur Auf­klärung ihres aggressiven Verfahrens gegen den Mini­sterpräsidenten, der zugleich den besten Aufschluß über den jetziges Stand der Zoll- Md Handels­frage gibt.

Warum wir, so sagt die Neue Preußische, gewisse Persönlichkeiten gerade jetzt angreifen und warum wir uns entschlossen haben, einen thatsächlich vorhandenen Zwiespalt nunmehr auch vor Jedermanns Augen blvs- zalegen: diese Frage will ans nahe liegenden Gründen mit einiger Vorsicht beantwortet sein. Einmal gehen wir, wie wir dies bereits angedeutet, den Neuwahlen für die nächste Kammer entgegen, und würden wir ganz nahe an den passiven Widerstand und die Wahlenthalt­samkeit der Demokratie, d. h. an die höchste Stufe politischer Unzurechnungsfähigkeit, streifen, wenn wir bis dahin nicht Alles, was in unseren Kräf­ten steht, dazu thäten, das clair-obscur der gegen­wärtigen Situation anfzuklären und Jeden ohne Aus­nahme zu zwingen, mit offenem Visir zu fechten. Oder sollen wir immer noch dazu schweigen, wenn das Haupt derministeriellen Kamarilla", jeneuntergeordnete Per­sönlichkeit", die gleichwohl mehr Oberstaatssecretär als Journalist zu sein scheint (der Chef der unter dem Ministerium des Auswärtigen stehenden Centralstelle für Preßsachen, der vielgequälte Dr. Quehl), wenn diese, ohne durch Wort oder That desavouirt zu wer­de», überall, wo sich ihr die Gelegenheit dazu bietet, Namens der Regierung die Versicherung ausspricht, wie das Ministerium nicht eher ruhen werde, bis alle Par­teien, insbesondere auch die unserige, zersprengt seien, und wie eist dann, wenn das geschehen, das goldene Zeitalter für Preußen anheben könne, jenes Zeitalter, in welchem der kleine Kreis ofsicicller wohlbezahlter Demokra­ten durch Nichts mehr gehindert wird,Preußen wahrhaft glücklich zu machen". Sollen wir uns immer noch damit trösten, daß man nicht Alles kann, was man gern möchte, (Herr von Manteuffel hat sich, wie es scheint, in einem unbewachten Augenblick ein­mal in der Weise gegen Freunde der Neuen Preußi­schen Zeitung geäußert. Dieser Ausspruch ist eine Ver­sion des bekannten und einst bei uns oft gehörten:man kann nscht alles Krumme grad machen.) und daß die Stellung und die Verbindung mancher Leute so eigenthümlicher Art sind, daß ihre Entlassung als eine Unmöglichkeit erscheint, und daß man von zwei Uebeln das kleine wählen muß. Wir überlassen hier einen Jeden seinem Geschmacke, nehmen aber auch un­serer Selts das Recht in Anspruch, uns aller Alliancen mit üblem Beigeschmack gründlich und für immer zu entledigen. Eines Angriffs aus sonstige Personen wird

es dafür unserer Seits zunächst nicht bedürfen, viel­mehr glauben wir, welche um deswillen so sehr gegen alle Parteien eifern, weil sie selbst keine mehr für sich haben, zu überzeugen, daß ihre Stelle eine unhaltbare wird, und daß auch das außerdem schon sehr problematische Wohlwollen deS Auslandes (be­kanntlich soll der Kaiser von Rußland sich besonders für Hrn. v. Manteuffel iuteressircn) nicht ausreichen dürfte, den Antipathien aller preußischen Parteien das Gleichgewicht zu halten. Sodann aber ist ein zweiter Grund unseres gegenwärtigen Auftretens darin ;h su­chen, daß uns nur zu viele Anzeigen vorlie­gen, daß man, in der Zollvercinsfr age, wenn auch nicht in der Sache, doch in der Form nachgeben wolle, und daß, wenn man nicht nachgegeben hat, wir dies weniger der Festigkeit der preußischen, als der öster­reichischen Regierung und gewissen uner­warteten Thatsachen zu danken haben, ein Weniges vielleicht auch dem Umstande, daß man die Ueberzeugung gewonnen, wie die conservative Partei ftd; nicht bei dieser Probe der Stärke zu beteiligen wünschte. Das Geschrei der ministeriellen Presse und die Drohungen und Dichtungen, welche sie gleichmäßig in allen ihr zugänglichen Blättern über uns ausge­schüttet, werden uns wenigstens darin nicht beirren."

Wie der Berliner Korrespondent derfiöln. Ztg." unterm 12. Juli schreibt, sind seit acht Tagen denn auch Unterhandlungen mit denjenigen Staaten, welche der Darmstädter Coalition augehören, ernstlich in Angriff genommen. In erster Linie stehen Nassau und Wür- temberg, mit Venen die Verhandlungen sehr lebhaft geführt werden, auch alle Zeichen zu einer Vereinigung vorhanden sind. Mit Sachsen hat cs unser Vertreter am Dresdener Hofe übernommen, zu verhandeln, und da am Stuttgarter Hofe ein Gesandter noch nicht wie­der hcrgestellt, so ist der russische Gesandte, General v. Rochow, mit dieser Mission betraut, gleichzeitig auch die unterbrochene diplomatische Verbindung zwischen beiden Höfen praktisch ins Leben zu rufen. Auch hier sol­len die Unterhandlungen einen günstigen Fortgang ha­ben und demnächst sich auf Hesse n und Nassau ausdehnen. Preußen würde der Coalition gegenüber in so weit an seinem Programm festhalten, als es die Bedingung stellt, zunächst auf Grundlage des Septem­bervertrages und der sonstigen betreffenden Vorlagen die Reconstituirung des Zollvereins zu berathen und ordentlich festzustcllen, jedoch noch vor Ratification des­selben die Berathung über den Handelsvertrag mit Oester­reich eintreten zu lassen, so daß dann beide Verträge gleichzeitig zum endgültigen Abschlusse und zur Ratification kommen würden.

Nach der Deutschen Allgemeinen Zeitung steht cs nun fest, daß Preußen, trotz aller gegentheiligen Berichte, für eine Ausgleichung mit Oesterreich stets günstig ge­stimmt war und daß diese Stimmung seit Uebergabe des kaiserlichen Schreibens und Berichterstattung über die Mission durch Hrn. v. Bismark sich im höchsten Grade gesteigert hat.

Aus Dresden vom 10. Juli erfährt der Ham­burgische Correspondent, daß die in Darmstadt verbün­deten Regierungen nächstens zu weiteren Conferenzen in Wien zusammentreten werden, auch halte man dort für ziemlich gewiß, und nicht für unwahrscheinlich, daß auch Preußen an diesen Conferenzen Theil nehmen werde.

Diese Stellen dürften nun schlagend dargethan ha­ben, daß eine endliche befriedigend Lösung der Zollsragc zu erwarten ist, und daß die längst ersehnte Ordnung und Sicherheit der Verkehrsverhättnisse bald eintreten werden. Es mag der Mittelrhcinischon Zeitung allerdings unlieb sein, daß die preußische Regierung sich von den durch Parteigetriebe dictirten Insinuationen der preußi­schen und für Preußen gewonnenen nicht-preußischen Presse emancipirt und in ihrer besseren Einsicht den allein richtigen Weg eingeschlagen hat; das Schwinden ihres Einflusses darf sie aber nicht ungerecht machen. Wenn wir andere Blätter citiren, fo geschieht dieses, um die Leser über den Stand der Zollfrage zu unter­richten, als auch um ihnen die über diesen'Punkt herr­schenden Ansichten mitzutheilen, und das ist wohl nicht anders möglich, als daß wir diese Blätter selbst redend anführen. Ferner sehen wir nicht ein, welch ein größeres Verdienst darin liegt, zu sagen: Oesterreich ruft den Völ­kerschaften der Coalitionsstaaten durch die officielleOest. Correspondenz" zu, oder wenn wir irgend einen Artikel dieses Blattes die Worte voranschicken: DieOesterr. Correspondenz berichtet. Das Klappern gehört allerdings

zum Handwerk, wir überlassen es aber den publicisti- ichen Handwerkern und Taglöhnern und glauben nicht, daß durch den Lärm des Klapperns der Sache irgend­wie genutzt wird. Wenn übrigens derMittelrheinischen Zeitung" die Art mißfällt, wie wir Zeitungen lesen, so wünschen wir ihr von ganzem Herzen/ daß die Art, wie sie Zeitung schreibt, nicht einet noch größeren Anzahl von Leuten, vor allem aber, daß sie nicht neuer­dings mißfallen möge. Es macht einen wahrhaft widrigen Eindruck, zu sehen, daß dieMittelrheimsche Zeitung", weil ihre Gründe nicht mehr ausreichen, dem Kladde­radatsch!! etwasfabelhaftes aber wahres" nachdruckt und zuihrem Artikel macht", worin die Zollfrage persifflirt, Oesterreich als Fuchs geschildert, den Coalitionsstaaten die Rolle der Schafe zuge­wiesen, und Preußen als der treue Hirt und der Herr der Schafe angeführt wird. Traurig genug, wenn man hoffen kann, sein Publicum auf eine solche Weise zu unterhalten".

Vom Maine schreibt man der Augsb. Allg. Ztg. vom 7. Juli: Die Nachricht, es würden Baiern, Sachsen, Würtemberg, beide Hessen, Baden und Nassau gar schon auf einen festgesetzten nahen Termin jetzt schon Kommissare nach Wien zur weiteren Ver­handlung und zum Abschluß des Vertrages C absenden, ist verfrüht. Diese Staaten und ihre Regierungen wis­sen, und wissen zuverlässig, daß Oesterreich kein Wort von dem, was es zu Wien zugesagt und zugestanden hat, zurücknehmen oder anders deuten wird. Sie können darauf zählen, und sie thun es. Der Vertrag C aber weil nun doch einmal so viel von ihm die Rede ist, ohne daß die, welche ihn am meisten im Munde führen, ihn ken­nen! kündigt sich selbst in seiner Einleitung als eine zeitweilige Uebereinkunft an, deren mutmaßliche Con- trahenten von der Ansicht auSgeben, daß die anderen Stämme und Staaten des Bundes sich der großen nationalen und mitteleuropäischen Handels- einigung nicht für immer, nicht lange werden entziehen wollen noch können. Ist also jener enéntueHè Vertrag auf die Erwartung des Zutrittes der allgemeinen Einigung basirt, trägt er, dem entsprechend, entfernt keinen exclusiven Charakter, sondern strebt er nach der so vielfach ersehnten Handclseinignng, so darf es nicht wundern, aber auch durchaus nicht als Zaghaf­tigkeit oder Schwäche ausgelegt werden, wenn befreun­dete und zuverlässige Regierungen sich nicht übermäßig mit dem Abschlusse beeilen, so lange auch noch ein Schimmer der (jetzt zweifellos neu belebten) Hoffnung vorhanden ist, daß der Zweck, die Absicht des Vertrages alsbald erreicht werden könne".

DieKasfeler Ztg." bringt in einem Arrtikel vom Neckar eine Skizze über zwei Heidelberger Gelehrte; der eine ist Mittermeyer, der andere Prof. Rau. Die­ser, so heißt es in jenem Artikel, betreibt die National­ökonomie, ist der emsigste Sammler auf seinem Felde, unermüdlich im Zusammenstellen dünn- und dickleibiger Bücher und Schriften, die viel Schönes und Gutes enthalten, wenn man die Geduld hat, solches zu suchèn, und das Glück, es herauszusinden. Im Frankfurter Parlamente saß dieser unser Gelehrter nicht, was wir zwiefach bedauern, denn einmal hätte dann der Schalk Boddie« wohl Gelegenheit gefunden, zu seiner Clavatrix ein Seitenstück zu liefern, und zweitens schwiege unser Hofrath und Professor, dem Beispiele seines erstgenann­ten Kollegen folgend, nunmehr still, und schriebe keine Bücher:Ueber die Krisis des Zollvereins im Som-" mer 1852", worin gezeigt werden soll, daß bei einer Zolleinigung mit Oesterreich ohne Preußen unsere gute Pfalz, die doch immer sonst glaubte, sie müsse bei Allem die Nase voran haben, weiter nichts sein werde, alsein Hinterland, das westliche Hinterland der Donau nämlich, das nur auf Triest angewiesen." Die Neuheit dieser geographischen Idee im vollsten 'Umfange anerkennend, glauben wir dennoch unser Ver­wundern aussprechen zu müffen, daß die verschiedenen Handelswege , welche diesem Hinterlande den Rhein hinab nach Holland und Belgien von jeher offen standen, trotzdem daß diese beiden Lande nie zum preußischen Zollvereine gehörten, in dem Büchlein nicht gebührend berücksichtigt wurden, ebenso/ daß die Eisenbahn von Havre nach Straßburg und nach Mannheim nicht gehörig in Betracht gezogen wurden, obwohl auf den 17. d. M. zu deren EröffnuirgSfcier- lichkciten unsere überrheinischen Nachbarn der Gäste genug auch aus diesseitigen Landen nach Straßburg geladen haben, und der Nachweis nicht schwer fallen dürfte, daß, wenn, wie längst bekannt, die Rohbaum'