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Nassauische Allgemeine 3

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Donnerstag den 15. Juli

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Bestellungen auf das dritte Quartal der Nassauischen Allgemeinen Zeitung werden baldigst erbeten.

Die9taflauif.tr MfltmriTic 3ettmr^ mit htm beltetriftifdien Bciblat!Der Wanderer" erscheint, SonnlagS ausgenommen, täglich und beträgt der Prânumeraijonspreiâ für Wiesbaden und, nach dem neuen Postregulariv munmehr auch für ben ganten Umfang des Thurn- und Taris'schen BedwaliungSbezirlS mit Inbegriff des Poffauffchlags 2 ff., für die übrigen Länder des deutsch-österreichischen Postdereins, wre für bad Ausland 2 fl. 21 kr. Inserate werden die dreispaltige Petit- zeile oder deren Raum mit 3 tr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgaffe 42, auswärts bei den nächstgelegeneu Postämtern, zu machen.

Die ZoUfrage.

* DieZollsrage" scheint ihrer endlichen Lösung entgegen zu gehen und zwar ist diese Lösung dadurch herbeigcführt, daß Preußen, wie wir es vorausgesagt und wie es gegenüber der festen Haltung und dem ein­sichtsvollen Vorgehen der Darmstädter Koalition nicht anders zu.erwarten wer, nachgibt und auf die billiger Weise nicht zurnckzuweisenden Vorschläge Oesterreichs eingeht. Hr. v. Bismark soll zwar bei seiner Rückkunft in Berlin zu Privatpersonen mehrfacheberuhigende" Aeußerungen in Betreff derBeharrlichkeit" der preu­ßischen Regierung in der Zollfrage gethan haben. In­zwischen sagt aber ein seiner ganzen Fassung nach of- ficiöser Artikel in der heutigen Spener'schenZeitung, der mit der gewöhnlichen Versicherung schließt, die Re­gierung werde von ihremStandpunkte" nicht abgehen, mit klaren Worten, daßdieser" Standpunkt ein an­derer ist, als der vor Kurzem eingenommene, und zwar im Wesentlichen ganz derselbe, den vor einem Monate die von.der Preußischen Zeitung so entschieden desavvnirten Korrespondenzen bezeichneten, welche von der auf die vorläufige Abschließnng eines Handelsver­trages mit Oesterreich bezüglichen Instruction des Hrn. v. Bismark sprachen. Im Gegensatze gegen alle bis­herigen Erklärungen, die Regierung werde vor der Reconstruction des Zollvereins auch über einen Han­delsvertrag mit Oesterreich nicht verhandeln, berichtet jener officiöse AÜikcl der Spener'schen Ztg., das Mi­nisterium wolle seine Bereitwilligkeit zu einer Verstän­digung dadurch bethätigen, daß es vor Reconstruction des Zollverein G ar amti een für die spätere Abschließung eines in allgemeinen Umrissen zu bezeichnen­den Handelsvertrages gebe. Wenn dabei gesagt wird, cs geschehe dieses nur unter der Bedingung, daß gleich nach Reconstruction des Zollvereins eine Re­vision des Wiener Entwurfs A vom Standpuncte des Septembervertrages stattfinde, und daß bei dieser Re­vision die Beziehung- jenes Entwurfes auf den die Zolleinigung betreffenden Entwurf B entfernt wer­den solle, so ist nach der K. Z , falls dieser Artikel wirklich die Intentionen des Kabinetts wiedergibt-, bereits indirect eine Anerkennung der Wiener ZoUprotocolle ausgespro­chen. Die preußische Regierung hat an den Wiener Zollconferenzen sich nicht betheiligt, die Resultate der­selben sind mithin für Preußen gar nicht vorhanden, während doch wohl nur dasjenigerevidirt" werden kann, welchem bereits von allen Seiten eine gewisse Gültigkeit zugeschrieben wird. Die Hauptsache aber ist, daß nach der Mittheilung derSpener'schen Zei­tung" die preußische Regierung bereit wäre, Oesterreich schon jetzt Garantieen für einen Handelsvertrag zn bieten, während das Wiener Cabinet dagegen nicht die bindende Erklärung abgibt, daß die für das Jahr 1858 beabsichtigte Zolleinigung aufgebe; statt der durch­aus nothwendigen Gleichzeitigkeit jener Gegenconeession ist daher die preußische Regierung zufrieden gestellt, wenn ihr die Aussicht eröffnet ist, daß späterhin im Wege der Revision jenes Verlangen Oesterreichs ent­fernt werde. So stellt sich die Sache nach der in offi- ciöser Form gegebenen Mittheilung der Spener'schen Zeitung. Ist sic unbegründet, so muß natürlich schon in den nächsten Tagen -die osstcielle Preuß. Zeitung sie in allen Theilen berichtigen.

Von anderer Seite vernimmt man, daß Herr von Bismark, bevor ihm die Ehre zu Theil wurde, Sr. Majestät dem Kaiser seine Kreditive als Jnterimsge- sandter des Königs von Preußen zu überreichen, nur ein einziges Mal bei. einem Besuche bei dem Grafen Buol diese Frage, und zwar nur höchst cursvrisch er­wähnt hat. Nach der Ueberreichung hätten indessen zwischen Herrn von Bismark und dem Grafen Buol allerdings Verhandlungen über gedachte Frage begonnen, und es kann versichert werden, daß der Geist, in wel­chem sie von dem preußischen Diplomaten eröffnet wur­den, als der des Eiulenkenö bezeichnet wer­den darf.

DieD. A. Ztg." bestätigt heute, daß Herr von Bismark die Präliminarien zur Ausgleichung der Dif­ferenz mitgebracht hat, wie sie Oesterreich als letzte Be­dingung entworfen und von welchen es nicht weichen will. Die Instructionen des Herrn von Bismark ließen eine Annahme derselben noch nicht zu, sondern stellten dieser die letzten Vorschläge der preußischen Regierung entgegen, wie sie ihm nach den zuletzt stattgefuiidenen Berathungen im hiesigen Ministerium zugegangen waren.

I Oesterreich soll mit Festigkeit auf seinen gestellten For­derungen beharren, und es ist jetzt Preußen an­heimgegeben, ob cs dieselben annehmen will oder nicht. So steht die Sache. Worin die wesentliche Verschiedenartigkeit der differirenden Puncte liegt, kann die D. A. Z. nicht angeben, doch sollen sie nicht ganz bedeutungslos und namentlich für Oesterreich von her-" vorragender Wichtigkeit sein. Es wird nun wohl ent- , weder weiterer Verhandlungen auf schriftlichem Wege bedürfen, oder, sollte man dieselben für nutz- und zweck­los halten, so müßte eine Annahme oder ein Ablehnen die Sache kurz entscheiden. Jedenfalls steht eine etwa zu erwartende Antwort der darmstadter Koalition auf den hiesigen Konferenzen mit der Angelegenheit in enger Verbindung und sie wird indirect dafür maßge­bend sein, zu welchem Schritte man sich hier zu ent­schließen hat. Ihre snbjective Meinung geht dahin, daß, da man hier schon einmal auf eine Unterhandlung ein- gegangcn und Zugeständnisse gemacht hat, es aus etwas mehr oder weniger nicht ankommen wird, und man deßhalb im preußischen Cabinet wohl für ein Annehmcn der zuletzt von Oesterreich gestellten Bedingungen stim­men möchte.

In einem anderen Artikel läugnet dieDeutsche Allgemeine Zeitung", daß die preußische Regierung, wie die Freihändler gerne möchten, wirklich die Ab­sicht habe, wenn eine Nachgiebigkeit des Südens oder Oesterreichs nicht erfolgt, mit jenen Staaten zu brechen und dann ihren eigenen Weg zur Gründung eines nord­deutschen Zollverbandes zu schreiten. Die preußische Regierung hatte nach Versicherung dieses Blattes bis jetzt keinen Augenblick ernstlich an die Gründung eines Zollvereins mit Norddentschland allein, auf freihändle- rischen Grundlagen, gedacht, man schob ihr diese Mei­nung, weil sie dievermeintlichrichtigevomhandelspolitischen Standpuncte ist, rein unter, denn bei der Preuß. Regie­rung stehen die diplomatischen Und politischen Rücksich­ten und Factoren weit über den handelspolitischen, und Herr von Manteuffel ist zwar Freihändler, aber noch weit mehr Diplomat der Versöhnungs - Politik. Der Korrespondent macht ferner darauf aufmerksam, daß neben anderen Blättern nun auch die Wiener Organe melden, daß die Mission des Hrn. v. Bismark der Zollfrage gegolten, und daß in den Konferenzen zwischen ihm und dem Grafen Buol nur diese Ange­legenheit den Gegenstand der Besprechungen bildete. Man steht, so lautet der Schluß seines Artikels, daß von allen Seiten bereits der Zweck der Mission des Hrn. V. Bismark feststeht; auch konnte er rein äußer­lich nach der Natur der Sache keinen andern Zweck haben. Nun lenkt aber auch die officiöse Presse bereits ein, und sagt denn unter andern die Spener'- sche Zeitung:Wohl dürfte die Regierung nicht ab­geneigt sein, schon vor Reconstituirung des Zollvereins Garantieen in Betreff des mit Oesterreich abzuschließenden Handelsvertrags zu geben, jedoch nur insofern, als die Ertheilung solcher Garan­tien vor Reconstituirung des Zollvereins in der Sache möglich ist". In der Natur der Sache ist freilich ziem­lich viel möglich. Sie sehen, daß man bereits die öffentliche Meinung vorbereiten will auf Garantien, die Oesterreich vor Reconstituirung des Zollvereins von hier bereits so gut wie erhalten hat. Daß diese Garantien nicht etwa in bloßen Zu siche - ru ngen bestehen, darüber belehrt uns die österreichische Note vom 25. Mai, die eben alle Zusicherun­gen abweist. Auch dieser Korrespondent schließt sich der Meinung des obigen an, daß die Punctationen die­ser Garantien, die Herr v. Bismark mitgebracht, einer Genehmigung und Ratification entgegengehen.

Aus Dresden wird derA. A. Z." geschrieben! Nachdem unser ministerielles Abendblatt längere Zeit über die schwebende Frage der Zollvereinszukunft ge­schwiegen hatte, nimmt es heute von einer Nachricht der Köln. Ztg. Gelegenheit, zu versichern, daß unsere Regierung in ihrer Stellung zur darmstädter Koalition keineswegs schwankend geworden sei, vielmehr nach wie vor, namentlich mit Baiern, Hand in Hand gehe. Ne­ben diesem Dementi der im preußischen Interesse ver­breiteten Nachrichten von einer Zwietracht im diesseitigen Lager finden wir die gute Zuversicht angedeutet, daß es dennoch nicht zu dem gefürchteten Aeußersten kommen werde, womit dasjenige zu stimmen scheint, was neuer­dings über die Mission des Hrn. V. Bismark-Schön­hausen auch in preußischen Berichten bestätigt wird. So wenig Gelegenheit der öffentlichen Meinung gegeben ist,

I sich über die unberechenbare Krisis auszusprechen, so läßt sich ihr doch so viel abhören, daß jenebleiernen Gewichte", welche Herr v. Manteuffel abschütteln will, ihm weder politisch noch handelspolitisch entfallen sein dürften. Bei dem offenbaren Mißgeschicke, welches die­ser Staatsmann mit seinen Schlagworten hat, muß man jene zu den übrigen legen; sie gehören in die Katego­rie der Kammeräußerung, daß man die Oesterreicher ihre Wege gehen lassen und ebenso seine eigenen gehen wolle.

DieMittelrhn. Zeitung" kommt nun dem Minister­präsidenten von Manteuffel zu Hilfe. Sie will in einem Artikel, den sieBlei" (wir glauben recht gelesen zu haben) überschrieben hat, es als etwas sclbstredendes darstellt, daß unter den Elementen, die sich etwa wie Blei an die Füße des Herrn v. Manteuffel hängen möchten und die man abzuschüttcln suchen müsse die Bevollmächtigten der einzelnen Zollstaaten und nicht diese Zollstaaten selbst gemeint waren. Wir wissen nicht was mit dieser neuen Version gewonnen wäre, und ob es nicht dieselbe Wirkung hätte, den Bevoll­mächtigten die Pässe zu geben (?!) oder das Preußen so nöthige Bleigewicht der übrigen Zollvercinsstaate» abzuschüttcln. Wenn sich dieMittelrhn. Zeitung" bei ihrer Auslegung beruhigt, so wollen wir immerhin den feinen Tact derpreußischen" Presse bewundern, daß sie eine Aeußerung ohne Kommentar gelassen hat, die eines solchen nicht bedarf, und die nur die Wahl gestattet, entweder die Wahrheit zu sagen, oder ganz darüber zu schweigen. An eine Beschönigung hat keines der preußischen Blätter, außer derMittelrh. Ztg." ge­dacht. DieMittelrh. Ztg." will ferner in den interes­santen Geständnissen desgut preußisch gesinnten Kor­respondenten der Augsb. Allg. Zeitung" nur schutzzöll- nerische Deductionen finden. Das kann in ihren Augen doch kein Nachtheil sein, indem sie ja selbst ihre ganze han­delspolitische Thätigkeit angeblich blos zum Schutz unserer Industriezweige entfaltet und das Gedeihen derselben in der Beibehaltung desschützenden" Zollvereins gefunden hat. Daß unsere Industrie eines Schutzes bedarf, das wird sie seit ihren wiederholt gebrachten Deductionen noch nicht vergessen haben, auch dürfte ihr nicht unbekannt sein, daß die preußischen Industriellen für das Freiban- delshstem auch noch nicht reif sind und sich bei dem kühnen handelspolitischen Flug, den Herr Manteuffel in einer schwachen Stunde zu nehmen sich angeschickt hat, leicht etwa wie Blei an die Füße hängen möchten; das sich aber eben so schwer abschütteln ließe, als sich die 10 Millionen Zollverbündeter abschülteln lassen. Daß dasBremer" Handelsblatt einBerliner" Han­delsblatt genannt wurde, beruht auf einem Versehen; das Vorrecht, ans B er l in er Quellen zu schöpfen, wollen wir derRittelrheinischen Zeitung" unge­schmälert belassen. Den Artikel des Bremer Han- . delsblattes selbst hat dieMittelrheinische Zeitung" nicht widerlegt; dagegen führt sie an, was die K. Z. über einen anderen Artikel desselben sagtl Sie be­schuldigt ferner dasMainzer Journal" der ultramon­tanen Kasuistik auf handelspolitischem Gebiet, wahr­scheinlich , um diesen Blatt den längst gemachten Vor­wurf des Zolldemokratismus auf die wohlfeilste Art zurückzugeben. Der Vorwurf, daß solchetreffende" Artikel, wie der des Mainzer Journals, das Verständ­niß zwischen den Coalitionsstaatcn und Preußen erschwe­ren, ist ungegründet. In dieser Beziehung steht unser Vertrauen auf Preußen fest, das durch die Mission des Hrn. v. Bismark alles mögliche zur Herbeiführung die­ses Zweckes und wie die letzten Nachrichten aus Wien und Berlin lauten, auch mit günstigem Erfolg aufgcbottn hat. Wir haben immer das Bestehen von Unterhandlun­gen zwischen Preußen und Oesterreich behauptet, die Mittelrh. Zeitung hat dieses beständig, selbst noch am Schluffe des Blei-Artikels, geläugnet und alle Nachrichten über das Abbrechen derselben mit wahrem Triumph in Extrablättern ausposanut. Wem ist denn um Herbeiführung der Verständigung zu thun? Ver­dient die Mittelrheinische Zeitung für solche Behauptun­gen nicht, daß man sie tüchtig insBlei" stellt?

Nach der Wes.-Ztg. sind von Seiten der Regierung Baden's bei den Coalitionsstaatcn dringende Vorstellun­gen gemacht worden, doch ja in der Zollvercilwangele- gcnheit keinen übereilten Schritt zu thun. (?) In der be­treffenden Note wird darauf Hingewiesen, wie schwer Baden durch eine Trennung von Preußen leiden würde, da der dortige Handelsverkehr alle seine natürlichen Ab, satzwege einbüßen müßte (Baden hat nämlich alle seine