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Nassauische Allgemeine Zeitung.

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jVr ^«S DitBag itu 13. Juli 1858.

Bestellungen auf das dritte Quartal der Nassauischen Allgemeinen Zeitung werden baldigst erbeten.

DiksRaffauifdie ÜUlgeineiiic 3eitiiiifV mit bem beU«riüif»fii SeibfattDrr aßatiberer" erf»etnt, Lonniaq« ausgenommen, tâglidi »nr beträgt ter PrânumeranonSpreiS für Wir-badkn und, na» bem neuen ^oftregniativ nunmehr au» für ben ganjen Umfang red Thurn» mit TsÄs'sldrn SlkrmalkungSbtjirkS mit Inbegriff te« Poüaufschlaqö 2 fl., tür tie übrigen Sauber res beutf»<öfterrei»if»en Pos, re-eins, n>ie für das Ausland 2 fl. 21 fr.- Inserate werden die dreisvâllige Petit» zeile oder deren Raum mit 3 tr. berechnet. VesteUn«en beliebe man in der Buchhanrlnna von W. Friedri » , fanggane 12 , auswärts bei den Tiä»ftqe(egenei Postämtern, zu machen.

Vic Iollfrage.

Wenn wir einen Artikel aus dem Mainzer Journal citircn, so können wir beinahe sicher sein, ihn in der Mittelrh. Ztg. mit der Bemerkung abgedruckt zu fin- den: Die' yfaff. Allg. Z. macht nachstehenden Artikel des Mainzer Journals zu dem ihrigen re. Vielleicht gelingt es uns auch diesmal, die Mittelrh. Ztg. zum Nutzen und Frommen ihrer Leser zu veranlassen, bay sie uns den nachstehenden Artikel nachdruckt. Das Mainzer Journal bemerkt:

In der Zoll- und Handelsfrage ist ein entscheidender Wendepunkt e i n g e tr c t en, Preu­ßen, oder wenigstens die preußischen Blätter, versetzt die Lie ganze Frage auf das politische ® c b i c t zu- i ü ct', aus welchem sie freilich für Einsichtige stets ge­standen hat. Es handelt sich also nicht mehr vorzugs­weise um die materiellen Interessen Deutschlands, sondern n m die po lirische Stellung Preuß ens, um preußische Union und Hegemonie, von welchen man sich in Berlin nun einmal nicht zu trennen vermag, und die Fabricauten, die Gewerbs - und Kaufleute mögen sich für diese Auffassung ihrer Interessen bedanken. Was uns beschäftigt, so gesteht heute dieNeue Preu­ßische " ganz offen ein, ist weniger die gleichwohl sehr wichtige materielle, fals vielmehr d ie po l i tis che Seite der Frage, oder was dasselbe ist, die Trag­weite dieser Frage, insofern sie für die politische Stel­lung und die Zukunft unseres preußischen Vaterlandes als europäische Großmacht von entscheidender Bedeutung ist". Schutzzoll oder Freihandel, über welche man bisher so hitzig sich herumgestrittcn, sind also mitsammen über Bord geworfen, es handelt sich umdie politische Seite der Frage"! Zu jedem politischen Verhältnisse oder Bunde gehören indessen zwei Kontrahenten und daß die Staaten der Darmstädter Convention von einem, solchen Bunde nichts wissen, daß sie sich nicht dazu hergebeu wollen, die selige Union unter der Form eines Zollvereins wieder ins Leben zu rufen, brauchen wir beiNeuen Preußischen" nicht erst zu sagen. Auch dieLith. Corrcsp." äußert sich in ähnlicher Weise, sie nennt die Zoll frageden letzten Kernpunct, von dem aus sich die Einheit der Nation noch einmal entfalten kann"! Es ist dieses, wie man sieht, immer noch der alte Wahnsinn, der seiner Zeit Oesterreich aus Deutsch­land hinausdrücken wollte, umdie Einheit der Nation" dadurch zu entfalten!

DieKasseler Zeitung" schreibt über dasselbe The­ma in einem Artikel aus Frankfurt vom 8. Juli. Wir dürfen dem wackeren Vorkämpfer für die preußi­schen Machtinteressen, Dr. Toegel, sehr dankbar sein für seine Vorrede zu den soeben in Berlin unter gehöriger Verstümmelung erschienenen Verhandlungen des Judu- striellen-Congresses zu Halle. Er ergänzt und berichtiget wirklich mit lobenswerther Wahrhaftigkeit die preußische offteiene Sprache, die lange nicht die Würde der sciui- gen hat. Er sagt cs gerade heraus, was alle Welt weiß, was aber Las Berliner Cabinct mit den entschie­densten Worten verläugnet, daß es sich in der Zollfrage für Preußen nicht im Geringsten um Deutschland, son­dern um seine eigene politische Machterweiterung handle. Im Februar 1850 mochte Preußen, sagt er, die voll­ständige Zolleinigung als das zu erstrebende Ziel be­zeichnen.Damals fand Preußen in der Union eine Basis seiner politischen Stellung zu Deutschlandheute kann es sie nur im Zollvereine finden. Zollverein UNd Zotteinignng si II d aber nebeneinander unmöglich." Denn die Zolleinigung würde ja eine Verstärkung deS deutschen Bundesverhältnisses sein, während der Zollverein die Herrschaft Preußens in Deutschland einleitete. Um diese aber handelte cS sich. Oesterreich habe Preußen schon einmalisolirt", indem es hinderte, daß Deutschland auf dem Wege der Union in Preußen aufging. Jetzt wolle cs Preußen wieder ispliren! Oesterreich habe sogar die Anmaßung,eine politische Position in Deutschland" gewinnen zu wollen, während es ja klar, wie die Sonne sei, daß es gar nichts in Deutschland zu thun habe. Deutschland ge­hört nach Dr. Toegels Decrcten Preußen, und wer das nicht eiufleht König oder Bauer mag allenfalls ein guter Deutscher sein, aber er ist ein schlechter Preuße. Nimmt Oesterreich durch die Zolleinigung Preußen die ausschließliche Hegemonie, dann, sagt Toe­gel,b e st e h t für die Mittel- und Klei n st a a - l e n k e i n e N o t h w e n d i g k e i t mehr, sich den preußischen Intentionen zu accommodiren."

Der Zollverein, dem, wie das Cabinct sagt, jeder politische Zweck ferne lag, dieserHauptleiter des preußischen Einflusses in Deutschland" wie ihn der wahrhaftige Dr. Toegel bezeichnet, wäre ja gerade um- sonst gemacht, wenn er Preußen nicht zur Herrschaft in Deutschland führte. Dielang ansgesponnenen" Pläne Oesterreichs können zwar nicht älter scin, als der An­laß dazu, der Scptembervertrag oder wenigstens nicht älter als Dresden, wo es, glücklicher Weise, Preußen gelang, die von Oesterreich vorgeschlagenen Verkehroer- leichterungen zu hindern, aber sie bedrohen, man kann cs nicht läugncn, Deutschland mit der ungeheuern Ge­fahr, daß es nicht preußisch werde.So lange gewisse dynastische Interessen der deutschen Mittel- und Klein­staaten in Oesterreich einen festeren Hort zu finden glau­ben, als in Preußen" (und leider hat die Unions­politik diese Interessen etwas unsanft berührt) ist al­lerdings zu befürchten, daß diese Staaten in Oesterreich größere Gewähr sehen.

Es ist nur zu wahr, wie Dr. Toegel sagt, man kann dem deutschen Volke so manchen Bären aufbinden, das wissen er und seines Gleichen am Besten, aber weder er, noch Dr. Quehl, noch die ganze heilige Schaar aus der Berliner Wilhelmsstraße werden dem deutschen Volke glauben machen, daß für Preußen eine Nothwen­digkeit besteht, Deutschland in zwei feindliche Lager zu theilen, und, daß die Spaltung mehr werth ist, als die Einigung.

Ueber die so viel besprochene Sendung des Herrn v. Bismark nach Wien wird derKass. Z." als ganz gewiß aus Wren vom 7. d. M. folgendes gemeldet: Am 13. Juni ließ Graf Buol der kaiserlichen BundcS» präsidialgesandtschast in Frankfurt die Mittheilung zu- gehcn, es möchten die verschiedenen irrigen Gerüchte über die specielle Mission des Herrn v. Bismark bei unseren Genossen des Bundes dcsavouirt werden. Bis zu diesem 13. Juni hatte Letzterer dem Grafen Buol erst einmal gesehen, sich ihm als Vertreter des Herrn v. Arnim vorgestellt und der Zolleinigungsfrage bei dieser Gelegenheit kaum mit einigen flüchtigen Be­merkungen gedacht.

Seitdem jedoch Herr v. Bismark sein Beglaubi­gungsschreiben als interimistischer Gesandter, welches das mögliche Fiasco dekt, überreicht hat, ist er jetzt wirklich bemüht, in W i e n i n der Z o l l e i n i g u n g s- fragc vermittelnd zu wirken und die Sache in ein Geleise zu bringen. Sollte er, was sei­nem Auftreten nach vorläufig nicht zu schließen,' noch nicht von dem engsten und festesten Zusammenhalten und Beieinandcrstehcn Oesterreichs und der Darm­städter Verbündeten überzeugt sein, so dürfte in ihm ganz gewiß diese Ueberzeugung bald entstehen.

Das officiellcDresdener Journal" vom 9. Juli schreibt: Wir haben absichtlich während der letzten Wochen die Zoll- und Handelsfrage unberührt gelassen und zwar aus dem Grunde, weil sichere Anzeichen darauf hindeutcten, daß ungeachtet der bedrohlichen Wen­dung, welche dieser Angelegenheit vn einer Seite her gegeben worden war, dennoch Erfolg versprechende Ver­mittelungsversuche im Werke begriffen seien. Die hierauf gegründeten Hoffnungen einer für beide strei­tende Theile befriedigenden Ausgleichung haben uns allein abgehalten und halten uns noch ab, uns mit einer 'Berichtigung der vielen in Umlauf gesetzten irrigen und großentheils sich selbst widersprechenden Nachrichten über den Stand der Verhandlungen zu befassen. Nur soweit hierbei der sächsischen Regierung speciell gedacht worden ist, fühlen wir uns berufen, der von derKöln. Ztg." gemachten Mittheilung, als sei in der Haltung der sächsischen Regierung ein Schwanken eingetreten und 1 als gehe dieselbe insbesondere mit Bayern nicht mehr Hand in Hand, als einer völlig unbegründeten zu wi­dersprechen. Zwischen beiden Regierungen besteht das vollständigste Einverständniß, so wie denn auch die Nach­richten von einer Uneinigkeit unter den in Darmstadt zusammengetretenen Regierungen jeder Begründung ent­behren. Die sächsische Regierung hat, wie leicht nach- zuweiseu, von Anfang und sogleich nach Beschluß des Septembervertrags die von ihr einzunehmende Stellung mit Entschiedenheit und dem vollen Bewußtsein der sich daran knüpfenden Konsequenzen erfaßt, sie hat aber nie aufgehört, diese Stellung mit derjenigen Ruhe, Mäßigung und Unabhängigkeit zu behaupten, deren es gerade in die­ser Frage am meisten bedurfte. Wird ein befriedigendes Verständniß erreicht, so darf das Verhalten der säcksi- schen Regierung, sowie das ihrer Darmstädter Mit­

verbündeten seinen gerechten Antheil dabei beanspruchen Zu der älermuthUng einer Schwankung in ihren An» sichten und Entschließungen ist aber nirgends der mindeste Anlaß geboten worden.

DieDeutsche Allgemeine Zeitung" entwickelt in einem Artikel v 0 m M a i n 8. Juli ein neues Zoll- project.Jnmilten der Schwankungen, denen die öffent­liche Meinung hinsichtlich der Fortdauer oder der Auf­lösung des deutschen Zollvereins unterliegt, scheint eine Aeußerung des Königs von Preußen über diese Ange­legenheit Licht zu verbreiten. Derielbe antwortete einer Deputation der Handelskammer voll Luxemburg, welche ihm in Trier auswartete und dabei den Wunsch aus­sprach, daß der deutsche Zollverein möchte aufrecht er­halten werden: wie seine Regierung zwar das Möglichste dafür thun werde, daß cs aber zu befürchten sei, der Zoll­verein werde in seiner jetzigen Gestalt Nicht zusammenge­halten werden können. Diese Aeußerung spricht nicht für RealisirUng der Hoffnungen, denen sich das deutsche Pu­blicum seit einiger Zeit hingegeben, schlägt sich aber auch nicht ganz danieder. Wenn es nämlich auch wahrschein­lich erscheint, daß Bayern, welches jetzt mit Oesterreich günstige Verträge für die Donauschifffahrt und den Grenzverkehr abgeschlossen hat, sich vom Zollvereine trennen, daß vermuthlich auch Württemberg diesem Bei­spiele folgen wird, so dürfte doch ihr wahres Interesse die Elb-, Weser- und Rheinstaaten, also Sachsen, Hessen, Baden, Nassau bewegen, sich, da sie durch ihre natür­liche Lage nicht auf das DonaUgebiek, sondern nach Norden gewiesen werden, dem nordischen Zollverein, welcher das nördliche Deutschland von der Ost- und Nordsee an bis an die Mainlinie umfaffett würde, anzu- schticßcn. Dieser neue Zollverein würde, besonders, wenn ihm Mecklenburg und Hamburg beiträten, eine natürliche Grenze haben. Den nördlichen Meeren zu-.- gewendet, wohin seine Flüsse ausmünden, würde er die von der Natur ihm angewiesene Stellung und Bestimm mung erreichen. Ob Baiern und Würtemberg, weit von den Meeren gelegen, richtig speculiren würden, wenn sie daS adriatische Meer mit Triest zum Hauptpuncte ihres Handels erwählten, würde die Zukunft lehren. Was die Donau betrifft, so ist sie bekanntlich bei ihrem Ausflusse russisch und müßte daher erst.durch Handels­verträge mit Rußland für das südliche Deutschland nutz­bar gemacht werden. Wie dem aber auch sein mag, unter den jetzigen Umständen deutscher Zerrissenheit wäre die bezeichnete Combination noch diejenige, welche die Interessen wenigstens Norddeutschlands noch aiN besten bewahrte.,,

Das nicht zu rechtfertigende Benehmen derNeuen Preufi'chcn Zeitung", die den Erpectorationen der Daunstädter Kammer bereitwilligst die Spalten öffnete, findet in einigen Blättern den schärfsten Tadel.

Die Nummer 154 derKreuz-Zeitung", des sich als conservativ gerirendeN Blattes, so bemerkt die Sach­senzeitung, erinnert unwillkürlich an die Productionen der rothen Presse von 1848, und besonders an die Leistungen derReuen Rheinischen Zeitung", bereit letzte Nummer, um auch äußerlich dem Inhalte und dem Geiste zu entsprechen, roth gedruckt war. Anders läßt sich eine Correspondenz aus Darmstadt nicht be­urtheilen, die sich in fast rasender Wuth über die er­folgte Vertagung der hessen-darmstädtischen Stände, be­vor b:r Müller-Mclchiors'sche Antrag in Betreff deS Zollvereines noch zur Verhandlung kommen konnte, ausspricht. Es wird Partei ergriffen für Müller-Mel­chiors, für das gesinnungstüchtige Haupt der Linken, gegen welchen dieKreuzzcitung" ihren conservativett Eifer und Zorn sonst Funken sprühen ließ. Es wird ferner Partei ergriffen von derKreuzzeitung" für die Tribüne". Es wird gesagt: die Regierung habe sich durch diese Vertagung das vollgiltigste teslimonium paupertatis gestellt, sie wage cs nicht, den Kampf mit dem blonden Jüngling" Zollverein aufzunehmen. Wozu auch? Die Civilliste sei ja bewilligt. Aber aus den geschlossenen Räumen des Ständehauscs heraustretend, werde man aus Markt und Straße, auf Feld- und Kreuzweg mit lauter Stimme verkünden, weßwegen man unverrichteter Sache nach Hause geschickt worden sei. Ein weites, vielstimmiges Echo werde durch das ganze Land und weit über die Grenzen des Landes hinaus fortrollen, ein Echo, welches nur die wenigen Worte wiederhole:Der Fürstendank vom 1. Juli!" Wir können cs erklärlich finden, wenn ein gewisser Theil der Presse jede Gelegenheit ergreift, welche geeignet scheint, mit dazu beizutragen, um die deutschen Regierungen in