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Nassauische Allgemeine Zeitung.

2Vr /47. Mittwoch dt« 7. Lilli /ÄÄ

Bestellungen auf das dritte Quartal der Nassauischen Allgemeinen Zeitung werden baldigst erbeten.

DieNaffaulsibe Allgemeine Zeitung" mit dem delleiriftisiben BeiblattDer Wanderer" erfdteint, Sonmoqd ausgenommen, tâglisi unt bciragr der Prânumc>ationSp7e>S für Wiesbaden und, tia.tr dem neuen Postregulaliv nunmehr auA für trn ganzen Umfang deS Thurn- und Tariâ'fchen ülerwatlunqsbczirks mit Inbegriff deS Postaufschlags 2 fl., tut die übrigen Sander des deutsch-öfterrcichisctxa PostvereinS, w^für das Anstand 2 ft. 24 fr. ^rfrMte werden die dreispaltige Petit» zeilc oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Sanggaffc 12, auswärts bei den nächffgelegenea Postämter^ zu machen.

Ikbvrßdjt

Sie JoUfragc.

Deutschland. Wiesbaden. (Der Herzog von Sachsen- Meiningen.) AuS dem Amt Runkel. (Die Antonien­hütte.) - Frankfurt. (Die Marinecommission. Die deutschkatholische Gemmwe.) Hamburg. (Lcgcditsch.) Bremen. (Dulon und der Tovtenbuno.)

(Besuch der Kaiserin von Rußland.) Berlin. (Rückkehr des Königs.) Wien. (v. Bismark. Die Minister.) Prag. (Das Silberag o.)

Frankreich. Paris. (Das Complott. Der Präsident. Btl- lault. Vermischtes.)

Schweiz. Freiburg. (Thalmann' s Ermordung.)

Großbritannien. London. (Die Auftritte in Stockport.

Die Thronrede)

Neueste Nachrichten.

Die IoUsrage

Unter der Aufschrift:Der handelspolitische Zwie­spalt" bringt das Berliner Handelsblatt folgenden bc- merkenswcrtben Artikel:

Wir haben in den letzten Wochen über die Berliner Zollconferenz geschwiegen; sie hieltBerathungen" in der vollen Ueberzeugung, daß nichts geschehen könne. Die verschiedenen Bevollmächtigten machten nur Faust im Sacke. Was die Zeitungen über Erörterungen des Tarifs meldeten, kam uns unwahrscheinlich vor. Wie mochten auch die Herren am grünen Tische endgültig bestimmen, ob der Tarif so oder so werden solle, bevor noch die Existenz des Zollvereins überhaupt entschieden und gesichert war?

Die Frage: wer den Zollverein gesprengt und daö Unheil herbeigeführt habe, welches schon lange wie eine gcwttlerschwaugere Wolke drohend über unserm Deutsch­land liegt, ist eine vollkommen müssige.

Der Zollverein war ein Segen für alle, welche ihm angehörten. Das preußische Cabinet kündigte ihn und schloß mit Hannover auf eigene Hand den September- vertrag. Die übrigen Theilnebmcr am Zollverein fühl­ten sich zurückgesetzt, weil man hinter ihren Rücken ge­handelt. Sie machten geltend, daß auch sie mit allen Kräften und auf dem üblichen Wege kein Opfer gescheut haben würden, um Hannover für den Zollverein zu ge- winnen und diesen bis an die Meeresküste vorzurücken. Sie legten dem Verfahren Preußens politische Beweg­gründe unter; es wolle seine kläglich gescheiterte Union auf andern: Gebiete ins Leben zu führen suchen.

Also die preußische Regierung hatte den Zollverein gekündigt; über eine Nengestaltung mußte von vorne wieder verhandelt werden. Jetzt trat Oesterreich her­vor. Diese Macht, welche aus einer furchtbaren Krisis neugestärkt hervorgegangen war, hatte das Glück, kräftige einsichtsvolle und geniale Staatsmänner zu fin­den. Diese begriffen, wo die Hauptgebrechen der früh­ern österreichischen Politik lagen. So lange in Wien die alte diplomatische Routine galt, hatte man sich mög­lichst gegen Deutschland und dessen geistige und Ver- kehrSströmungen abgesperrt und sich so des steten Zu­flusses frischer anregender und gesunder Elemente be­raubt. Das Jahr 1848 deckte alle Schäden auf. So­bald man zur Ruhe kam, wurde eine andere Bahn beschritten. In Berlin war es nicht genehm erachtet worden , an die Spitze eines neuen Deutschlands zu treten. Seitdem ging die Sympathie eines sehr großen Theils der deutschen Nation für Preußen völlig verlo­ren. Oesterreich begriff und benutzte die ihm zuge­wandten Vortheile. Ganz richtig war es, daß man von Wien aus fortan einen Hauptschwerpunkt in Deutsch­land suchte und daß Oesterreich, indem es seine inne­ren Zollschranken niederwarf und den Bauer frei und zum freien Eigenthümer machte, gleichzeitig auch Alles aufbot, um Gewerbe und Handel zu heben. Es ließ sein Prohibitivsystem fallen und näherte sich mit seinem neuen Tarif, den cs verständigerweise als keinen un­bedingt endgültigen hinstellte, dem Zollverein.

Als dieser von Seiten der Berliner Regierung aus den Angeln gehoben war, machte man in Wien den neunzehnten Artikel der deutschen Bundesacte geltend, welcher eine Einigung aller dentschen Staaten in Zoll und Handel verlangt. Damit stellte man sich auf den Boden der, gerade auch von Berlin her wieder stark accentuirten,Kontinuität des Rechts." Nachdem man zur Zeit der Unionsvelleitäten nur einenClub in der

Eschenheimer Gasse" gekannt, ging man später wieder auf den Bundestag ein und nahm Theil an dem Be­streben, dieses Institut auszubauen. Die Bundesartikel sollten alle zur Wahrheit werden. So stellte sich auch Artikel 19 in den Vordergrund. Als kein Zollverein mehr war, rückte Oesterreich den großartigen Plan eines mitteleuropäischen Handels- und Zollbundes in den Vordergrund. Artikel 19 redet von allen deutschen Staaten, nicht von deren außer dem Bunde liegenden Theilen. Preußen hatte seine Provinzen Preußen und Posen erst dem Bunde einverleibt, daun als die Poli­tik eine andere Wendung nahm, sie ausgeschlossen, aber nach wie vor im Zollverein gelassen. Wenn nun jene Provinzen in einem wesentlich deutschen Handels- und Zollbunde verbleiben können, weßhalb sollen dann nicht­deutsche Provinzen Oesterreichs von einem solchen aus­geschlossen werden? Politisch läuft bekanntlich diese Trennung von Provinzen, welche dem Bunde angchö- ren, und solchen, welche ihm nicht einverleibt sind, auf eine bloße Fiction hinaus, wie beim z. B. die Besatz­ung der Bundesfestung Mainz preußische wie österreichi­sche Soldaten zum Theil ans nichtdeutschen Ländern in sich schließt.

Der ökonomische Schwerpunkt, gleichviel, ob des Zollvereins oder des mitteleuropäischen Zollbundes, würde unter Umständen nicht in den Flanken, sondern im Centrum liegen, daß heißt in Deutschland, in einem Körper, dessen einzelne Theile im Wesentlichen ganz dieselben Interessen haben. Um dieses klar zu machen und jenen neunzehnten Artikel in frische Erinnerung zu bringen, lud das Wiener Cabinet sämmtliche deutsche Regierungen zu einer Berathung ein; nur Preußen schloß sich von denselben aus. Die drei Documente, welche die Wiener Confereuz der deutschen Nation vor­legte, sind bekannt.

Wer, gleich uns, allem politisch und handelspoliti­schen Parteiwesen durchaus fern steht und nur die öko­nomische Seite im Auge behält, wird schwerlich in Ab­rede stellen können, daß die österreichischen Vorschläge durch und durch gesund und verständig erscheinen. Sie enthalten einen großartigen, kühn gedachten und trefflich abgefaßten Plan und, was mehr ist, man hat bis in die kleinsten Einzelnheiten die Thunlichkeit der Durch­führung desselben über allen Zweifel hinaus bewiesen. Wir haben auch noch nicht eine einzige Einwendung vom ökonomischen oder comerciellen Standpunkte dage­gen gehört oder gelesen, welche Stich hielte. Alles wohl erwogen, halten wir uns vollkommen überzeugt, daß diesem mitteleuropäischen Plane, wenn auch nicht die unmittelbare Gegenwart, so doch gewiß die Zukunft, und schwerlich eine sehr entfernte, angehört.

Denn diese Wirren, in welche man das Vaterland hineingeschleudert, können doch nicht ewig dauern. Man wird es vielleicht mit abgetrennten Zollgruppen versuchen wollen. Ein ganz thörichtes, platterdings unverständiges Beginnen! Der Zollverein gerade hat gezeigt, daß die Staaten ökonomisch und commerciell zusammen gehören, und daß sie einander nicht entbehren können. In Ber­lin cajolirt man den Gedanken einesspecifisch nord­deutschen Handels- und Zollbundes." Ein solcher ge­hört zu den bekannten berliner Ideen; er ist eine mit Luft gefüllte Blase. Natürlich spielt die Principienrei­terei derFreihändler" dabei eine Rolle. Auf den ersten Blick scheint Solchen, welche mit den gesummten ökonomischen Verhältnissen Deutschlands nicht näher be­kannt sind, oder denen, welche in ihrer Brust da, wo die Vaterlandsliebe ihre Stelle haben soll, ein weißes Blatt Papier tragen, oberflächlich betrachtet, sagen wir, scheint solchen Leuten der Gedanke eines bloß nord­deutschen Vereines, welcher zn dem Süden im Gegen­satze stände, wohl plausibel. Aber er könnte immer nur eine unnatürliche Schöpfung sein, und hätte glücklicher­weise eben deshalb keine Aussicht auf längere Dauer. Die Schwäche fürchtet vielleicht die Scylla einer öster­reichischen Hegemonie, sie würde aber nur der Charyb- dis englischer Hegemonie in die Arme fallen. Ein norddeutscher Handelsverein muß eine englische Handels­provinz werden.

Der Unverstand, auf ein solches Resultat hinzuwir­ken, liegt klar vor Augen. Es fragt sich aber auch, ob die norddeutschen Klein- und Mittelstaaten mit Preußen allein einen solchen Bund abschließen wollen? Wir sind natürlich nicht in die Geheimnisse des hannoverschen Cabinets eingeweiht, aber wir wissen, daß dasselbe seine festen Traditionen hat, mit deren Hülfe es die Stürme von 1848 und 1849 überwand. Und so mag noch

dahinstehen, ob dieser Mittelstaat sich für längere Zeit einseitig zu Preußen allein halten wird, nachdem er unterhandelt hatte, um sich eben nicht Preußen, sondern dem Zollverein anzuschließen.

In Berlin selbst scheinen die, welche jetzt das große Wort führen, gar nicht daran zu denken, daß Preußen nicht blos ans Pommern besteht, sondern auch soge­nannteneue" Provinzen hat, die eben gar kein spe­cifisch norddeutsches, sondern ökonomisch lediglich ein deutsches Interesse haben. In der etwas scurril abge­faßten Eingabe des Berliner Freihandelsvereins an den Ministerpräsidenten werden die Ausfuhrartikel Preußens ausgeführt. Man hätte gerade jetzt hinzufügen sollen, wohin die bei weitem größte Mehrzahl dieser Artikel exportirt wird, und dann sagen können, daß z. B. allein aus Rheinland und Westphalen die Staaten im südli­chen Deutschland jährlich für mehr als zwanzig Millio­nen Gulden Fabricate beziehen. Wir unsererseits fin­den in dieser Berliner Freihandelseingabe sehr wenig Verstand; wie viel Weisheit aber in jener Ansicht ver­borgen ist, welche die Hauptabsatzgebiete für den Export der preußischen Judustriewaaren mitBleigewichten" vergleicht, welche man eventuell von den Füßen abschüt­teln werde, mögen Andere sagen.

Diekleine aber einflnßreiche" Partei in Preußen stellt es ganz offen als ihr Trachten hin,den Zollver­ein abzuschütteln. Und wie es scheint, hat sie alle Aussicht, dieses Ziel zu erreichen. Sie äußert in ihrem Hauptorgane:die materiellen und moralische Lebens­kraft des preußischen Staates ist in seinen alten Pro­vinzen; die materielle Lebenskraft der alten Provinzen wesentlich im Ackerbau, und in der mit unserm Acker­bau innigst verbundenen Handelsfreiheit." Könnte über- noch irgend etwas' überraschen oder in Erstaunen setzen, so wäre es ein solches Programm, das von einer bei­spiellosen Frivolität, von einer völligen Unkenntniß aller geschichtlichen und ökonomischen Verhältnisse zeugt. Ließe es sich verwirklichen, so müßten diese alten Pro­vinzen ein ökonomisches Polen oder Südrußland wer­den, wo auch die Einseitigkeit und Inferiorität des blo­ßen Ackerbaues vorwaltet. Wenige große Grundbesitzer, die Alles gelten, und sehr viele Taglöhuer, die für jene arbeiten, dazu noch die unumgänglich nothwendige An­zahl von Handwerkern, das ist ein Ideal für eine einflußreiche Partei, welcher der Zollverein, wie die Berlinischen Nachrichten bemerken, für einen schwarz- rothgoldnen Irrthum gilt.Preußen soll nur Provin­zen behalten, wo der ritterschaftliche Besitz mit Land­wirthschaft , Freihandel und Spiritusfabrication das Uebergewicht besitzt!" So kennen wir also das dem specifisch-nordischen Vereine zugedachte Evangelium! Es wird wenig Gläubige finden.

Wo wir in Deutschland stehen, wissen wir; wohin wir gelangen werden, weiß noch Niemand. Der fünfte Juli soll, wie man hört, vorläufige Entscheidung brin­gen. Auf jeden Fall geht dann die Krisis erst an, und Gewerbe und Handel mögen sich darauf gefaßt machen, daß ihnen keine günstigen Tage bevorstehen.

Am Ende wird man sich doch einigen müssen; man scheint es aber erst dann thun zu wollen, wenn man durch eine Menge halsbrechender Experimente hindurch­gegangen ist, die sich leicht hätten ersparen lassen. Das Unglück liegt auch hier wieder im bornirten Particula- rismus und in vermeintlich bedrohter Ehre. Es sind politische Sophismen, welche das Unheil anrichten. Die alte und noch immer neue Geschichte von den sibyllini­schen Büchern wiederholt sich, wie schon so oft in Deutschland. Inzwischen plecluntur Achivil

Ueber den Stand der Zoll frage erhalten: wir durch die neuesten Blätter nachstehende Aufschlüsse:

DerK. Z." wird aus Berlin vom 3. Juli ge­schrieben: Die in der vorgestrigen Sitzung der Zoll- confercnz erfolgte Erklärung der diesseitigen Regierung über deren Inhalt ich Ihnen gestern berichtet habe, ist, auf lithographischem Wege vervielfältigt, den einzelnen Mitgliedern der Couferenz zugestellt und von diesen be­reits ihren Regierungen übersandt worden. Das Acten- stück wird, wie die Erklärung vom 7. Juni, der Oes- fentlichkeit nicht voremhalten bleiben. Die Bevollmäch­tigten der Coalilitionöstaaten sind heute zu einer Pri- vatcouferenz znsammengetretcn, wie denn überhaupt eine größere Thätigkeit unter diesen Herren seit der Abgabe der Erklärung vom 1. d. herrscht. Die Gegenerklärung der CoalitionSstaaten wurde, wie ich Ihnen früher ge^ meldet hatte, in unterrichteten Kreisen bis zum heutigen