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Nassauische Allgemeine Zeitung.

^r 155. Sonutkq dm 4. Juli 1852.

Bestellungen auf das dritte Quartal der Nassauischen Allgemeinen Zeitung werden baldigst erbeten.

DikRassamfcke Allqewrine Beinum" mit dem JeH«ri|tii*tn BeiblattDer Wanderer" erfdreinr, Lonniaqü anKqenomMen, lägt ick »nt beträgt der PränumerationspreiS für Wiesbaden und, nach dem neuen Ponregulariv nunmehr auck für >rn ganzen Umfang des Thurn- und TanS'scke» Berwailuugsbezirks mit Inbegriff deS PoffausscklagS 2 fl für die übrigen Länder deS denlfck.österrcickiscken PoffdereinS, tvie für das Ausland 2 fl. 24 fr. Inserate werden die dreisdaltige Petit» zeiie oder deren Raum mit 3 fr. bereitet. Bestellungen beliebe man in der Buckbandlung Don W. Friedri». Langgasse 42, auâwnrtS bei den näckstgelegenen Postämtern, zu macken.

IkbdMt.

Macht das Studium der Philosophie Nepnblicanrr? Die JoUfrage.

Deutschland. Wiesbaden. (Ihre Hoheit die Frau Her» zogin Pauline. Das Vercinoleben. Die Industrie. Selbst­mord.) Erfurt. (KrackruWe.) Kiel. (Ueberstede- lung ter Burcaur. Das Stempelpapier.) Oldenburg. (Der Landtag.) Berlin. (Entscheirung ves Kammer- gerichts. Einweihung der Ostbahn. Die Neue Erfurter Zei­tung. v. Manteuffel.) Wien. (Die Geldverhältniffe. Gcr- stâcker. Die Donaudampfschifffahrt.) Tri est. (Lord Red­cliffe.)

Frankreich. Paris. Der Aufstand in Algerien. Die Fa­milie Orleans.)

Schweiz. Basel. (Thiers.)

Großbritannien. London. (Jahresfeier des Regierngs- antritts der Königin. Dr. Cullen. Dr. Newman.) (Schlie­ßung des Parlamentes).

Italien. Rom. Die Villegiatur. Fortificationswcrke.)

America. New-Jork. (Die Industrieausstellung. Erpe- dition gegen Cuba und Japan. Kossuth.)

Neueste Nachrichten.

âacht das Studium der Philosophie RepuLrlicauer?

Ein Rückblick in die vergangenen Jahre des politischen Umschwunges in Deutschland und eine Ver­gleichung mit den Uranfängen der französischen Revolu­tion wird zwar unwidersprechlich ganz andere Elemente und Motive zur Genesis des Nepublicanismus uns vor­führen; aber dessen ungeachtet kehrt sich die Bedenklich­keit der Machthaber, weltlicher und geistlicher, immer wieder gegen das Studium der Philosophie, mit und ohne nähere Bezeichnung irgend eines namhaften Systems.

Der NamePhilosoph" wird,auch so vermischt und ungeeignet gebraucht, daß Viele höchst unverdient zu dieser Ehre bei Andern kommen oder sich selbst unver­schämter Weise beilegen. Es gibt keine Thorheit, welche sich nicht mit dem NamenPhilosophie" gebrüstet hätte; Und dazu das Stadium der Philosophie! In alteren Tagen mußte man sie wenigstens aus bestäubten Foli­anten und Quartanten holen, nicht ohne große An­strengungen des Leibes und des Geistes. Die Träg- beit der Gegenwart möchte aber gern die Philosophie nur in einem geistreichen Dämmerer, in einem halb- denkenden Nichtsthun betreiben; sie möchte, unter grün- schattigem Laubdach, am glitzernden Quell, auf weiche Polster gedehnt, uachträumend dem blauen Gekräusel des Cigarreudampses, zu gleicher Zeit Bajaderen in üppigen Tänzen vor sich schauen, Nachtigallen schlagen hören, Champagncrschaum schlürfen, die neueste Zeitung lesen, und doch, Alles zu gleicher Zeit, ohne sonder­liches Studium recht philosophisch, recht absolut gebildet sein".

Zur Entscheidung der obigen Frage liefert uns der Professor Rosenkranz zu Königsberg in seinem neuestenSystem der Wissenschaft" (Königsb. 1850) einen eben so anschaulichen als eindringlichen Beweis. Bekanntlich sollte er im Preußischen Staate Minister der Geistlichen und Unterrichtsangelegenheiten werden, wurde nach Berlin berufen, lehnte aber, nachdem er sich Alles in der Nähe gehörig besehen hatte, freiwillig diese Ehre ab und kehrte in seine Professur zurück. Er sagt von sich selbst:

Nachdem ich 1848 uud 1849 zu Berlin in der Erfahrung des Weltlaufs wieder einen großen Schritt vorwärts' gethan hatte, ward mir das Glück zu Theil, wieder in meine Professur nach K. zurückkehren zu dür­fen. Aus dem Tumult der Revolution, aus den Be- rathuugen des Staatsmiuisteriums, aus dem Kampfe parlamentarischer und anderer Verhandlungen, aus der Mitte einer leidenschaftlich' bewegten Hauptstadt, in die Stille meiner faustischen Einsiedelei zurückgerettet, ward ich dazu gedrängt, meine früheren wissenschaftlichen Er­rungenschaften einer Gesammtrevision zu unterziehen und mir für mein Amt gleichsam eine neue Verfassung zu geben. Schon als ich in Berlin den Entschluß faßte, den grünen Tisch im Ministerium wieder mit meinem Katheder zu vertauschen, regte sich in mir der lebhafte Wunsch nach einer solchen Selbstkritik und wissenschaft­lichen Befestigung".

Der Genannte ist von jeher der treueste Anhänger

und Dollmetsch des altursprünglichen Systemes von j Hegel gewesen, zwar nicht ohne Einzelnes weiter zu führen und anders zu gestalten, aber doch in stetem Gegensatze zu den Mißbräuchen, Mißverständnissen und Uebertreibungen der sogenannten Jung-Hegelianer.

Es ist also sehr begreiflich, wenn man, nach so vie­len überdrüssigen Geschwätze über Politik und die besten Staatsformen unter uns in den nächst vergangenen Jahren nicht blos in der Presse und bei Ständever­sammlungen, sondern auf Straßen möchte man sagen und in den Bierhäusern, nach einer Schrift greift, de­ren mehrfach bewahrter Verfasser das Resultat seiner Erfahrungen und seines Nachdenkens verspricht. Wir finden, daß er, ohne hier auf die philosophische Termi­nologie seiner Paragraphen näher gehen oder die Mo­tive seiner Begründungen verfolgen zu wollen, unum­wunden die Constitution eile Erb Monarchie für diejenige Staatsform hält, über welche wir bis jetzt noch keine höhere gefunden haben, als Synthese des Gegensatzes der absoluten Republik. Auch Hegel war an diesem Wendepunkte stehen geblieben und hatte ihn für unübcrschreitbar erklärt.

Was nun die obige Frage betrifft , so beantwortet Rosenkranz dieselbe wörtlich so: Während des Jah­res 1848 hatte ich so oft mündlich und schriftlich hören müssen, nicht nur daß die Republik das Ideal aller Staatsform überhaupt sei, sondern daß dies auch in der Philosophie bereits apodictisch ausgemacht worden. Dieß veranlaßt mich zu einer Abhandlung in derdeut­schen Reform" zwischen dem 29. März und 11. April 1849 unter dem Titel: Republik und konstitutionelle Monarchie! Mein Grundgedanke ist, daß diese absolute Monarchie die natürliche Einheit des Staates, die ab­solute Republik die gesetzliche Gleichheit der Staatsbür­ger, die constitutionelle Monarchie die Freiheit des Staates als das System der bewußten Sittlichkeit be­festigt, weil sie nicht wie. die abstracte Monarchie von dem nur dynastischen Familieuthum, nicht wie die ab­stracto Republik nur von der atomistischen Person, son­dern vom Begriffe des Geistes einer Nation ausgeht. Ruge, der 1848 ganz trunken von dem französischen Nepublicanismus war, hatte nach 1848 in den Halle'- schen Jahrbb. Hegel über die beschränkte Ableitung der Primogenitur des Fürsten getadelt und dieselbe aus der Nothwendigkeit abgeleitet, daß ein Volk die Einheit und Continuität seiner Geschichte in der Familie des Staats durch die Erbfolge zum Ausdruck bringen müsse. Nicht umhin kann ich, hier die sonderbare Meinung zu erwähnen, als ob ein rechter Philosoph nur die Republik für die vernünftigste Staatsform hal­ten könne, da nemlich die Geschichte der Philosophie diese vulgäre Meinung nichts weniger als bestätiget. Sehr viel Unterstützung hat dieselbe unstreitig dadurch erhalten, daß Platon'sPolitic" gewöhnlich unter dem Titel derRepublik" cilirt wird. Aber diese Ideal- republik deö göttlichen Platon ertrüge heutzutage Nie­mand mehr in ganz Europa ; denn sic ist eine Militär­aristokratie, in welcher der arbeitende Stand dem stehen­den Heere als bloßes Mittel geopfert wird, und die Herrn Philosophen die höheren, an kein positives Gesetz gebundenen, souverainen Polizeibeamten ausmachen. Ich nehme keinen Anstand zu behaupten, daß ich in den Gesetzen", obwohl sie dem Platon nur zweifelhaft zu- geschrieben werden, ein viel größeres Maaß von Ver­nunft und Freiheit finde; außerdem erinnere ich aber daran, wie sehr Platon im Grunde, wenn man den DialogPolitikos" erwägt, für die Monarchie einge­nommen ist. Weil nun aber Platon in derPolitie", wie in denGesetzen", sich sehr viel mit dem socialen Detail, mit der endlichen Zweckmäßigkeit, sich befaßt; so sind ihm die Verfasser politischer Romane, wie Cam­panella in feiner Urbs solaris, Th. Morus in seiner Uto­pia, Side in seiner Geschichte der Sevaramben, bis auf Cab et in seinem Jcarien, darin gefolgt; und der­gleichen Visionen gelten nun', zumal sie sich leicht lesen und beurtheilen lassen, bei der Menge auch als Phi­losophie".

Eigentliche philosophische Autoritäten sind aber für die Republik schwer zu citiren, da Rousseau wohl ein poetischer Cosmopolit, aber doch nicht ein Philosoph in dem Sinne war, den man, wenn man sich auf die Philosophie beruft, damit verbindet. Aristoteles und Cicero waren für die gemischte Staatsverfassung d. h. sie waren schon über die bloße Monarchie, aber auch über die bloße Republik hinaus. Ba co, Hob- bes undLocke, Leibnitz, Wolf und Kant, Fichte

und Herbart, Schleiermacher und Steffens, Schelling 4unb Hegel, waren sämmtlich Anhänger der monarchischen Staatsform, die deutschen Philoso­phen seit Kant unter der Voraussetzung der Repräsen- tativverfassuug. Spinoza scheint sich zur Demokratie geneigt zu haben, war aber nichts weniger, als Rcpm blieaner; ich sage, er scheint sich zur Demokratie geneigt zu haben, denn sein tractatus politicus handelt nur vor der Monarchie und Aristokratie. Aber mit seinem Tief blick sucht er zu zeigen, wie jede Form eingerichtet werden könneZ damit in ihr die Freiheit sich realisire auch die Monarchie hält er dazu für tauglich.

Bei den Franzosen hat Bodin in seinem Werk« de la république im 16. Jahrhundert zuerst die con ftitntioncUe Regicrungsform geahnt, hauptsächlich burd genaues Studium der Alten geleitet; er bleibt der re spectable Vorgänger Montcsguieu's. Sein Zeitge nosse La Boötie ist durch eine Schrift berühmt worden die jedoch, wenn man sie kennt, nicht sowohl, wie Viel glauben, die nur nach Titeln sich Vorstellungen voi Büchern machen, ohne diese selber nur gesehen zu ha beii, eine politische, als vielmehr eine moralische Unter suchung ist, nämlich de la servitude volontaire ou I ContrUn. Hierin bemühet er sich nur, die Erscheinun zu erklären, wie in der Geschichte, da offenbar di Mehrheit immer stärker als Einer sei, doch die Tyran uei so oft wiederkehren könne; er nimmt aber bi Tyrannen in allen Verfassungen durch, auch in den re publicanischen, und findet den Grund in der Träghei unc Schlechtigkeit der Menschen. Für Frankreich schein mir dies Büchlein allerdings charakteristisch; denn so o' es auch schon die Form feiner Verfassung geändert ha so scheint es doch immer noch, um nicht im Parte kampf auseinander zu fallen, einesTyrannen" beburl zu haben".

Wenn es sich nun aber so mit der Geschichte bt Philosophie verhält, daß ihre vornehmsten Vertreter nid Republicaner waren, sollte denn die Meinung des m ihr unbekannten großen Publieums, daß ein Philosop wenigstens in der Theorie Republicaner sein müsse, j gar nichts aus sich haben? Ich denke doch wohl. Ma will nämlich damit wohl ausdrücken, daß der Philosop niemals dem Despotismus, käme er nun von Obe ober von Unten, das Wort reden dürfe. Das i richtig".

Bei den fortdauernden Bestrebungen derDemc kratie" unter uns, welche auch im Vorstehenden gar gleichbedeutend mitNepublicanismus" betrachtet wir! uud da manche Führer der Verführten als tiefe Kenm der Philosophie gelten oder sich geltend machen woller glaubten wir unsern Lesern mit gegenwärtiger auszug( weise vorgeführten Nachweisung einen kleinen Dienst z erweisen.

Die Loltfrage.

Wir lesen in einem sächsischen Blatt: Die Coal tion habe sich plötzlich entschlossen, ihre Tendenzen ar Sprengung des Zollvereins" aufzu geben und sich z ernstlichem Eingehen auf die Verhandlungen zubi quemen". Das Verdienst davon wird natürlich der vie gerühmtenFestigkeit" Preußens, zu der es auch vo sämmtlichen Demokraten - Blättern saft noch eifrige angestachelt worden ist, als von der Kreuzzeitungsparte zugeschrieben. Wir wissen nicht, ob etwas Wahres a der damit angezeigten Annäherung unter den streitet den Theilen ist, die an sich höchst erfreulich wäre. Ab< das wissen wir, daß das Licht, in welches man d Sache zu stellen sucht, ein falsches ist. Denn niemal hat die Koalition eineTendenz zur Sprengung de Zollvereins" gehabt, sondern sic hat sich ganz cinfai nur dagegen verwahrt, daß Preußen die Bedingunger unter denen es ferner bei dem Vereine bleiben woft einseitig dictiren und sich überhaupt eine Dictatorroli im Vereine zutheilen, die lediglich national-ökonomisch Sache zu einer politischen stempeln könne, und zu di« sem Ende eine wünschenswerthe Erweiterung des dem schen Verkehrsgebietes behindere. Diesen Zweck wir gewiß jeder einsichtsvolle Geschäftsmann und Patric in beu betheiligten Staaten ebenso gebilligt haben, wi jeder Verständige einseheu muß, daß De monflratioen, aus denen zu folgern gewe sen wäre, man wünschte unter jeder Bedin gnng im Verein mit Preußen zu bleiben ebenso unvernünftig, wie den Vorhand lungeu nachtheilig und für alle Zukirnfi