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Nassauische Allgemeine Zeitung.

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â IM Samstag Ire 3. Juli 1832

Bestellungen ans das dritte Quartal der Nassauischen Allgemeinen Zeitung werden baldigst erbeten.

DieNassauische '.lUflcmeine ZciNiun" mit dem bcUemftisS^n BeiblattDer Wanderer" erscheint, SonnlaqS ausgenommen, täglich mit betrâgr der Pränumerationrpreis für Wiesbaden und, nach dem neuen Postregulaiiv nunmehr auch f ttn ganzen Umfang des Thurn- und Taris^schen Verwaltungsbezirks mit Inbegriff des Postausschlags 2 ff., für die übrigen Länder deS deutsch-österreichischen Postvereins, wie für daS Ausland 2 fl. 24 kr. Inserate werden die dreispaltige Peti Zeile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in der Buchhandlung von W. Friedrich, Langgasse 42, auSwäriS bei den nächstgelegentn Postämtern, zu machen.

Uebersicht.

Die Volkswirtl)sd)nftlid)c Bedeutung des nassauischen

Lahnthales. iL

Die ZoUfrage.

Deutschland. Wiesbaden. (Der Unfall auf der Eisen- bahu.) Schlangenbad, Eltville. ((Die Kaiserin von Rußland.) - Darmstadt. (Kammerverhaudlung über t die Civilliste. Vertagung der Kammer. Abreise des Groß- berzogsJ Aus der Pfal;. (Ercommunication.) München. (Die Zusammenkunft der Bischöfe Bayerns.) Eisenbahn. Graf St. Alban. Bremen. (Dulon.) Berlin, (v. Bismark's Sendung. Schwancngcsaug der Conft. Ztg. Der Sundzoll.) Wicn. (Die Dampfschiff­fahrt auf dem Po.)

Frankreich. Paris. Die Botschaft des Präsidenten. Der Aufstand in Algerien, Vermischtes.)

Schwei). Bern. (Thiers.)

Dänemark. Kopenhagen. (Revision des Grundgesetzes.) Erofibriiannicn. London. (Die Wahlen. Aus dem

Unterhaus.)

Italien. Turin. (Die Differenz mit Rom.) - Ro m.

Aegypten. Alerandria. (Saiv Pascha.)

(Der Vergiftungsversuch an Hr. v. Rayneval.) Vermischtes.

Neueste Nachrichten.

Die Volkswirts,schafMche Dedeututtg des rrasfauische» LahnLhales.

(Aus dem Breiner Handelsblatt.)

H.

Von besonderer Wichtigkeit unter unseren minerali- schen Schätzen sind der B r a u n st e i n und der Eise n- ftcin. Der Braunstein hat bekanntlich eine außeror­dentliche Bedeutung für die chemische Fabrication gewonnen und wird demgemäß in großer Menge nach denjenigen Ländern geführt, wo diese Industrie sich be­reits am großartigsten entwickelt hat. Es sind dies Belgien, Frankreich und England, wohin jähr­lich viele hunderttausend Centner dieses für die Blei­cherei rc. so wichtigen Materials ausgeführt werden. Auch in America ist dieser Braunstein schon aus dem Hahnthal gebracht worden und zwar durch ein Bre­mer Haus. Die unmittelbare directe Ausfuhr dieses Rohmaterials nach der neuen Welt ist aber unbedeu­tend , weil in America die zur weitern Verarbeitung nöthigen Säuren zu theuer sind, während England sie wohlfeil bearbeitet und daher die fertigen chemischen Erzeugnisse nach der neuen Welt bringt, also auch Ar­beitslohn verdient. England besitzt zwar selbst einige Brannstcingruben, aber das Material derselben ist von geringerer Güte als dasjenige des Lahnthals und wie cs scheint, auch nicht in so großer Fülle vorhanden. Das Lahnthal hätte bisher den Preis auf den Welt­märkten bestimmen können, wenn seine Brauusteingru­benbesitzer sich nicht zum Theil durch schlechten Betrieb und gegenseitiges unsinniges Herunterbieten zu Grunde ge­richtet und am Ende den Fremden gebunden in die Hände geliefert hätten. Vor einigen Jahrzehnten wur­den viele Bauern und Bergleute schnell reich durch die Entdeckung der Braunsteinlager auf ihren Feldern und deren leichte Ausbeutung, da man nicht tief in die Erde zu gehen brauchte. Viele Arbeiter fanden einen reichlichen Taglohn. Doch durch die schwindelhafte Ueber- führung der Märkte in Frankreich und England, sowie durch den gänzlichen Mangel an gemeinschaftlichem Auf­treten in der Fremde, haben sie es nun dahin gebracht, daß der Braunsteinverdienst zu dem armseligsten Ver­dienst hcrabgesunken ist. Die Natur hatte ein großes Capital in unseren Gau gelegt; die Menschen aber waren zu klein, es zu ihrem Vortheil zu verwenden.

Einige verständige Männer haben zu verschiedenen Zeiten versucht, die Braunsteingutsbesitzer zu einem ge­regelten Bergbetrieb und gemeinschaftlichem commerciel- lem Auftreten zu vereinigen; aber bis jetzt umsonst. Der kleine Grubenbesitzer ist gewöhnlich nicht intelligent und daher mißtrauisch und bornirt. Er glaubt immer übervortheilt zu werden. Außerdem braucht er schnell Geld und muß so rasch als möglich zu verkaufen fu= chen; deun eine gemeinschaftliche Casse ist nicht da, welche lhm Vorschüsse machen könnte. So sind auch diese Naturschätze wieder hauptsächlich in die Hände von 8re ut den gekommen. Ein Engländer hat sich in der Mitte des Lahnthals augesiedelt, einen großen

Theil der Gruben in seine Hände gebracht, und einen | bedeutenden Theil der Grubenbesitzer von sich abhängig gemacht. Doch muß man ihm nachsagen, daß er an der volkswirthschastlichcn Entwickelung des Labnthales ein regeres Interesse nimmt als manche Eingebornen. Auch haben wir bei dem Braunsteiuhandcl die Erfah­rung gemacht, daß sich bei mächtigen Handelsvölkern eine großartigere Ehrlichkeit und Rechtschaffenheit ent­wickelt, als da, wo Alles krämerhaft betrieben wird. Die Engländer haben cs indessen geradezu ansgespro- chen, daß sie zunächst einmal die Lahngruben ansbcu- ten, diejenigen in ihrer Heimath aber für die Zukunft aussparen wollen. Obgleich auch ein Kölner Haus be­reits mit den Engländern im Lahnthal für den Brann- stcin zu concurriren sucht, so wäre für großen kansman- uischen Blick doch auch in diesem Handel noch etwas zu erreichen.

Der Lahneisenstein ist als solcher leider nur allzu bekannt; denn er wird roh in ungeheurer Menge nach Frankreich, Belgien rc. ausgeführt, anstatt bei uns selbst weiter verarbeitet zu werden, wodurch viele tausend Hände mehr beschäftigt werden könnten. Er ist, wie alle Welt weiß, so trefflich, daß er kaum seines Gleichen auf Erden findet. Mangel an einhei­mischem Unternehmungsgeist, Mangel an Capital, Man­gel an Ermunterungen von Seiten deS Staates, sowie der Mangel einer Eisenbahn zur Herbeiführung der Steinkohlen (die Braunkohle weiß man noch nicht recht zum Schmelzen zu verwenden) hat unsere Industrie auf niedriger Stufe zurückgehalteu. In diesem Jahre sind seit langer Zeit aufgethürmte Berge von Eisenerzen für Spottpreise nach Frankreich und Belgien verschleudert worden. Auch die Domänen-Verwaltung hat ihr Rohmaterial so wohlfeil verkauft, daß Privatbesitzer ihr Erz lieber liegen ließen, als es zu so geringem Preise abzugeben. Nur wenige Männer und Familien haben mit Umsicht und nachhaltigem Eifer die Verhüttung und weitere Verarbeitung des Eisens in unserm Gau seit mehreren Generationen betrieben. Es sind dies die Fa­milien Buderus und Lossen, deren Namen auch über unser Land hinaus einen guten Klang hat. Oberberg­rath Lossens Thätigkeit int Verein für deutsche Arbeit, welcher seinen Centralsitz in Frankfurt hat, ist bekannt. Die sehr zweckmäßigen und schönen Oefen der Gebrü­der Buderus sind über einen großen Theil Südwest­deutschlands verbreitet. In industrieller Beziehung ver­dient neben diesen beiden noch die Familien Vimpf genannt zu werden, deren Fayence sich einer weiten Verbreitung erfreut. Interessanter aber ist, daß durch diese Familie Vimpf der sogenannte Pisöbau, d. h. der Bau aus Erde gestampfter Häuser in mehreren Län­dern Europas, in America und selbst in Australien ein­geführt worden ist. Diese aus gewöhnlicher Erde ge­stampften Häuser zeichnen sich durch große Wohlfeilheit und durch Dauerhaftigkeit aus. Im Winter sind sie warm und im Sommer kühl. Die Herren Vimpf ha­ben sehr große Fabrikgebäude, drei bis vier Stockwerke hoch, mit dem besten Erfolg auf diese Weise aufführen lassen. Die Arbeiter, welche bei ihnen diese Kunst ge­lernt, sind auf Einladung bereits fast nach allen euro­päischen Ländern gegangen und haben daselbst gute Ge­schäfte gemacht.

Die bedeutendste Gewerkschaft des Lahnthals ist diejenige zu Holzappel, wo schon zu der Römer Zeit auf Silber und Blei gegraben wurde. Das Berg­werk gehört zur Hälfte dem Erzherzog Stephan, welcher seit einigen Jahren in der Mitte DeS Lahnthals auf Schloß Schaumburg wohnt und zur andern Hälfte dem Erbprinzen von Oldenburg durch Erbschaft von mütter­licher Seite. Erzherzog Stephan giebt der Umgegend in volkswirthschaftlicher Thätigkeit manch gutes Beispiel. Ebenso ist er, gleich dem Herrn Buderus und einigen anderen Bergwerkbesitzern, in Zeiten der Noth für feine Knappschaft väterlich bedacht und bringt in dieser Hin­sicht große Opfer. Es ist dies der Unterschied zwischen den einheimischen und den fremden Bergwerksbesitzern. Letztere lassen in ungünstigen Zeiten die Arbeit sogleich einstellen und kümmern sich in der Ferne nicht weiter um daS Schicksal der entlassenen Arbeiter, während die ersteren oft selbst mit großen Opfern in kritischen Zeiten fortarbeiten lassen und mit den Arbeitern, so zu sagen, eine Familie bilden.

Wie an industriellen Köpfen so hat es auch bisher an c o m m er c i e l l e n T a l en t en gefehlt. Im vorigen Jahrhundert sind einige italienische Kaufleute eingewau- I dert, z. B. die Troinbetta'ö in Limburg, welche den |

kaufmännischen Gesichtskreis etwas haben erweitern Hel feu; doch ist Alles in der Kindheit geblieben und mußt zum Theil aus Mangel an besserer Communication s bleiben. Indessen hat eine Tabackssabrik im Lahnthc in diesen Tagen doch ein Paarmalhunderttausend Cigar reu geringer Sorte nach Neuyork geschickt, weil diesel ben dort nicht so billig fabricirt werden können. B< vermehrtem Anbau der Tabackspflanze int Nassauischen an der Lahn und am Main, sowie auch im Rheingar wo man stark damit umgeht, wird diese mit Umsicht ge leitete Fabrik sich gewiß bedeutend heben. Was abe auch bisher in wirthschaftlicher Hinsicht geschehen feil mag, es ist immer noch höchst ungenügend, gegenübe der von der Natur den Menschen gestellten Aufgabe Die Ursache hiervon ist eben die, daß es der Bevölke rung im Ganzen an Intelligenz, Unternehmungs- uni Associationsgeist fehlt. Der Mangel an Anteiligen, wird auch von oben herab beklagt und man hat it neuerer Zeit Gewerbschulen für die einzelnen Orte uni für das ganze Land ein Realgymnasium errichtet. Dost wird letzteres leider eine neue Art von sogenanntem Hw manitatsgymnasium sein, statt einer herzhaften höherr Gewerbeschule, welche unserm Lande immer noch fehlt.

Wir hegen aber nun die Hoffnung, das sich nun Vieles zum Bessern wenden werde. Der land wirth­schaft liehe Verein unseres Landes sucht lebendiger einzuwirken. Die bei der Zersplitterung unseres Grund­besitzes so nöthige G üt e rs a mm e n l e gun g macht erfreuliche Fortschritte und ist so wohl eingerichtet, daß andere deutsche Staaten Commissionen schicken, nm sie kennen zu lernen. Ebenso schreitet der rationelle Wie­senbau, die Entwässerung des Westerwaldes durch Thon­röhren, ferner die Flachscultur rc. voran. Das neue Leben des landwirthschaftlichen Vereins wird auch den Gewerbeverein zu höherer Thätigkeit erwecken.

Die Versammlung deutscher Forstmänner zu Dil­lenburg an der Lahn wird nicht ohne volkswirthschaft- liche Anregung für uns bleiben. Im Herbst versam­meln sich die deutschen Natursorschrr und Aerzte in Wiesbaden. Auch in Nassau selbst regt sich die Theilnahme für Naturwissenschaft, diese Grundlage alles volkswirthschaftlichen Aufschwungs, immer kräftiger. Der Boden wird also voll allen Seiten gelockert, um bessere Früchte zu tragen. Das Lahnthal ist zwar nur eine kleine, aber schön gegliederte und in sich unendlich reiche Welt, was die Naturschätze anlangt. Die Bevölkerung, welche einige Tausend Seelen beträgt, ist gutmüthig und willig. Da sie sich selbst weniger kräftig entwickelt hat, wird sie jetzt in mancher Hinsicht französischen und englichen Kapitalisten dienstbar. Unser Wunsch ist, daß auch Deutschland selbst seinen Blick mehr auf unsern Na­turreichen aber gelbannen Gau richten möge. Wie ge­sagt, die Bevölkerung ist willig und gut; aber sie schlum­mert noch und träumt unter ihren epheuumrankten Burg­ruinen. Eie Eisenbahnpfeife wird sie erwecken; wir wünschen aber, daß dies nicht bloß zum Dienste der Fremden geschähe; Das Lahnthal steht am Vorabende einer neuen Entwickelung, es ist eine schöne volkswirth- schaftliche Aufgabe in ihm zu erfüllen. Die dichterischen Reize der Waldeinsamkeit werden der stolzen Poesie des völkerverbindenden Feucrrosses weichen. Dieses Feuer­roß aber wünschten wir möglichst von nationaler Ein­sicht und Gesinnung gelenkt.

Die ^oltfeage.

Berlin, 30. Juni. Von gut unterrichteter Seite wird derFr. Poftz." verbürgt mitgetheilt, daß Herr v. Bismark-Schönhausen allerdings in der Zoll- und Handelsangelegenheit Anträge seiner Regierung mit nach Wien genommen, und nachdem zwei Konferenzen mit dem Grafen Buol-Schanensteiu zur Eröffnung von Ver­handlungen in dieser Frage nicht führen können, neue Anträge seiner Regierung überreichen wird. Eine bal­dige Rückkehr des' Herrn von Bismark-Schönhausen zum Sitze des Bundestages dürfte deßhalb «icht in Aussicht stehen.

Während die ,,N. Pr. Z." neulich anbeutete, daß in dieser Woche ein Ministerrath beschließen werde, ob der D armstädter Koalition eine Präclusiv- frist zu stellen sei, bringt heute dieSpenersche Z." die Nachricht, daß Preußen den Regierungen der Coa- lition aus vertraulichem Wege den 5. Juli als den Ter­min setzte, bis zu welchem hin sie die Principiensrage gelöst zu sehen wünschte. DieNationalzeitung" meint