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Nassauische Allgemeine ZeitunF-^

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Donnerstag den 1. Juli

18S2.

Ä^ir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntniß, daß die Eigenthümer der Nassauischen Allgemeinen Zeitung den wegen des Drucker dieser Zeitung mit dem Herrn Hofbuchhändler A. Schellenberg abgeschlossenen Vertrag aufgelöst unv Letzteren seiner Verbindlichkeiten von 1. Juli l. J. an entlassen haben.

Von diesem Zeitpunkt an übernimmt Herr Buchhändler Wilh. Friedrich den Druck und die Versendung der Nassauischen Allgemeinen Zei­tung, unv befindet sich das Erpevitions- unv Revactionsbureau derselben Langgasse Nro. 42, dem Schützenhof gegenüber.

Bei dieser Gelegenheit erneuern wir unsere Einladung zu geneigten Abonnements auf das mit dem 1. Juli l. I. beginnende III. Quartal bei Nassauischen Allgemeinen Zeitung.

Gestützt auf die erfreuliche Wahrnehmung, daß die bisher von uns vertretenen Ansichten stets in dem Gang der Ereignisse ihre Bestätigung gefunden und die Billigung aller jener erhalten haben, die gewohnt sind, über die auftauchenden Fragen ruhig und leivenschaftslos zu urtheilen, wird die Nassauische Allgemeine Zeitung ihre seitherige Richtung mit Entschiedenheit und Freimüthigkeit verfolgen.

So des Beifalls der wohldenkenden Mehrzahl sicher, wird die Nassauische Allgemeine Zeitung allen destructiven Tendenzen, mögen jti unter diesem oder jenem Deckmantel auftreten, eben so beharrlich und energisch, wie bisher, entgegentreten. Sie wird auch ferner bemüht sein, alle Fragen von jeder fremden Beimischung rein und auf dem ihnen eigenthümlichen Gebiet zu erhalten und wird es namentlich verschmähen politische und konfessionelle Fragen zu vermengen und so das religiöse Gefühl ter Menge als Agitationsmittel zu mißbrauchen.

Die Nassauische Allgemeine Zeitung vertritt die conservativen Principien in der Politik, wie in der Religion. Sie wird daher den Ange­hörigen beider christlichen Konfessionen Gelegenheit zur Vertretung ihrer auf der Basis positiven Christenthums beruhenden Ansichten geben, sowei dieß mit dem Zwecke eines politischen Blattes überhaupt vereinbar ist. Daß diese Parität bisher in keiner Weise verletzt wurde, wird unt jever Unbefangene und Rechtliche gerne zugestehen.

Die äußere Ausstattung des Blattes betreffend, sind Vorkehrungen getroffen, den Lesern bei gleichbleibendem Format eine 'größere Fülle vor Stoff zu bieten und so dem Hauptcrforderniß der Mannichfaltigkeit in erhöhterem Grade entsprechen zu können. Auch ist für Correctheit des Druckes und Pünktlichkeit der Versendung in einer den günstigsten Erfolg sichernden Weise gesorgt.

Bestellungen auf das Blatt beliebe man für Wiesbaden vom 1. Juli an in der Buchhandlung des Herrn Wilhelm Friedrich, Langgaff Nro. 4®, auswärts bei den nächstgelegenen Postämtern, zu machen.

In Bezug auf die Jnserationsgebühren wird der gegen anvere hiesige Blätter gering gestellte Betrag von 3 kr. für die dreispaltige Petit zeile beibehalten.

Wiesbaden, 30. Juni 1852.

Die Redaction der Nassauischen Allgemeine» Zeitung.

Neb erficht

Deutschland. Schiangenbad (Die Kaiserin von Ruß- ümd.) Idstein (Die ZwaffgHautt.) Bad Ems (Großfürstin Olga.) Frankfurt (Die deutsche Flotte. Prinz Friedrich von Hessen. Der Septcmbcraufstand. Eisenbahn­unfall.) Kassel (Eingabe den Zollverein betreffend.) Köln (Reise des Königs.) Düsseldorf (Besuch der Kaiserin von Rußland.) Berlin (Die Zollsrage. Die Militärconventionen. Preußische Schiffe.) Wien (Mili- tärorganisatio». Rückkehr der Minister. Die bosnischen Aus­wanderer. Graf Arnim. General Schönhals. Vermischtes. Frankreich. Paris (Kriegerischer Ausflug des Präsidenten.

Das Museum. Schlußbotschaft an den gesetzgebenden Körper. Schweiz. Basel (Die Herzogin von Orleans.)

Türkei. (Die Unruhen in Syrien.)

Großbritannien. London (Die Angelegenheit Mather's.)

Amtlicher Theil

Dienstnachrichten.

Seine Hoheit der Herzog haben den Rhein- zollbescher Rechnungsrath von Bon Horst zum Rhein­zollcontroleur und den Hauptmann Meyer vom Her­zoglichen 5. Bataillon zum Bescher bei dem Rhcinzoll- amte zu Eaub mit dem Dienstcharakter als, Revisions- rath gnädigst zu ernennen geruht.

Höch st dieselben haben den Decanatsverwalter Pfarrer Otto zu Igstadt zum Decan ernannt.

Seine Hoheit der Herzog haben dem Dr. A. Vogler zu Bad-Ems den Character als Obermedici- nalrath zu ertheilen und demselben die Annahme des von Seiner Hoheit dem Herzoge von Sachsen-Mei­ningen ihm verliehenen Ritterkreuzes des Sachsen- Ernestinischcn Hausordens zu gestatten geruht.

Nichtamtlicher Theil

Die mitteleuropäische Idee.

§ Vom Taunus. Ende Juni. Seit dem die mittleren und kleineren Staaten Deutschlands auf den größten Gedanken des Jahrhunderts", auf die mittel­europäische Idee in erleuchteter Politik eingegang-n sind, ist es allen wahren Baterlandsfreunden leichter und fröhlicher zu Muth geworden. Der vaterländischen Zu kunft ist wieder ein stolzes Ziel gesteckt, welches dem Auge der Völker nicht wieder entrückt werden wird. Die mitteleuropäische Idee wird siegen, weil das Interesse von fast allen deutschen Dynastien mit dem Interesse von siebeuzig Millionen Staatsbürgern durch sie in innigste Harmonie gesetzt wird. Daß dies Interesse

einer Vereinigung der gestimmten Bevölkerung Mittel- europa's noch nicht überall eingesehen wird, ist haupt­sächlich den Bestrebungen einiger kurzsichtigen und selbst­süchtigen Coterien zu danken, welche übrigens schnell in ihr Nichts versinken werden. Rußland und Frankreich sollen zu unsern beiden Seiten von den südlichen bis zu den nördlichen Meeren ein volkswirthschaftliches Gan­zes bilden und Mitteleuropa von der Adria bis zum baltischen und dentschen Meere soll von innern Zoll­schranken zerrissen bleiben? Nichts lächerlicher, als was von angeblich volkswirthschaftlichem Gesichtspunct behauptet worden ist, daß die Ungleichheit der volks- wirthschaftlichen Zustande verschiedner Gegenden Mittel- curopa's der Einigung entgegenständen. Diese Einigung hat gerade in dieser Verschiedenheit und ihrer Vermitt­lung ihre Berechtigung und ihre Aufgabe.

Diejenigen Gegenden unseres Vaterlandes, welche im Besitz eines industriellen Vorsprungs zu sein glau­ben, müssen diese Einigung mit zurückstehenden Ländern doppelt begrüßen wenn sie nicht einer anderweitigen Rücksicht zu Gefallen ihre Herzensmeinung verhehlen. In späterer Zeit wird man manche Adressen und Peti­tionen sehr komisch oder auch rührend finden, ausgenom­men diejenigen, welche ein locales Interesse offen und ehrlich demjenigen von ganz Mitteleuropa gegenüber gestellt haben. Verächtlich aber sind die sogenannten Volksfreunde, welche früher von der Einheit des ge- sammten Vaterlandes schöne Phrasen gemacht, in auf­opferungsvoller Liebe zu Ungarn und Italien geschwelgt haben, und nun für die Zerreißung Deutschlands in den mistigsten Lebensfragen stimmen und gegen einen freien Verkehr mit den Ungarn und Italienern decla- miren.

Eine Ausnahme hiervon bilden nur diejenigen De­mokraten, welche sich offen zum pessimistischen Stand­punct bekennen und die Consolidirung der vaterländischen Zustände durch die schöpferische Kraft der mitteleuro­päischen Idee fürchten. Denn das leuchtet auch dem Blindesten ein, daß auf dieser neuen volkswirthschaft- lichen Grundlage aus dem deutschen Bunde endlich eine Wahrheit werden wird; daß, wie ein großer nassauischer Staatsmann sich vor länger als einem Menschenalter ausdrückte, der Bundestag als der Focus, als der große heimische Heerd erscheinen werde, wo sich alle guten Gesinnungen entwickeln würden, wo sie sollten concen- trirt, erwärmt, geläutert, gestählt, vorbereitet werden, und von wo aus allen einzelnen Bundesstaaten ein festes und gediegenes Leben zuströmen müsse. Sicher ist, daß wir bei einer Bundesentwicklung, wie sie hier durch Gagern den Vater angedeutet wurde, in den letz­ten Jahren keine Revolution, sondern nur eine wohl­thätige Lebensevolution gesehen haben würden. Diese feindliche Entwicklung garantirt uns ein auf Grund­lage der mitteleuropäischen Idee neubelebter Bund.

Wie unsere Zukunft wieder hell geworden ist, so hat auch die Geschichte dcs deutschen Reiches einen er­neuten, lebendigeren Sinn für uns gewonnen. Man­

cher nicht ausgeführte Entwurf der Kaiser für di Wohlfahrt der Nation wird durch den mitteleuropäische! Bund verwirklicht werden können. M einmal Mittel curopa gleich Nordamcrica in den sogenannten materiel len Lebensverhältnissen unauflöslich geeinigt, so werde auch manche innere Gegensätze, wie z. B. die confessio nellen ihre verderbliche Spitze verlieren. Mögen dan auch einmal die Geister recht tüchtigaufeinanderplatzer? das mächttge Gebäude des mitteleuropäischen Bunde wird dadurch nicht erschüttert werden.

Auf so breitem Fundament können sich dann man cherlei geistige (Strebungen geltend machen, ohne der staatlichen Ganzen gefährlich zu werden. Uuter der schützenden Schatten der unerschütterlichen Bundeseinhei wird jedes einzelne Bundesglied in seinem innere Staatsleben seinen besonderen Verhältnissen und Bc dürfnissen gerecht werden, können, ohne die Wohlfahr des Ganzen zu beeinträchtigen. Bei einer so unerschöps sich reichen Lebensgrundlage, wie sie das mitteleuro päische Landesindividuum nach seinen inneren und äuße ren Bezügen darbietet, werden wir Vertrauen fassen z unserer eigenen Kraft und einer selbstständigen eigen thümlichen Entwickelung. Nicht in Nordamerica uni nicht in England werden wir die Vorbilder und An knüpfungspunkte unserer politischen Bestrebungen uni Gestaltungen suchen, sondern die Keime zu einer selbst ständigen deutschen Politik, die wir nur mit treuen Sinne organisch zu enfalten brauchen, in der stolzer Gliederung unseres alten Reiches, unseres asten Staats rechtes selber finden.

Wie schon in diesen Blättern des Weiteren ausge führt worden ist, die Gegenwart wird allmählich wiedei empfänglich für das im Geiste der Neuzeit wiedergebo­rene Princip. Das deutsche Bundesgebiet hat die alt germanischen Föderativeinrichtungen aus Stürmen neu hervorgehen und in selbstständigeren Gau- und Ge­meindeverwaltungen in früherem Sinne sich wiederum aus­breiten sehen.

Nur bei solcher ständischen und förderativen Gliede­rung wird sichere Freiheit und feste Ordnung herrschen können. Die Stürme der letzten Jahre haben, wie dies in solchen Fällen zu allen Zeiten der Fall war, viele tüchtige Kräfte aufgeregt, welche ohne das glänzende Ziel der Verwirklichung der mitteleuropäischen Idee traurig verkümmern würden, denen nun aber durch das weise Vorgehen der Regierungen ein freudiger Wirkungs­kreis eröffnet ist. Wir haben oft die armen Lehrer der Geschichte und Politik bedauert, denen der leitende Stern der Zukunft bei ihrr praktischen Wirksamkeit feh­len mußte. Die erhellte Zukunft erleuchtet nun auch die Gegenwart und Bergan,,» cheit.

Deutschland.

+ Schlangenbad, 29. Juni. Gestern Mor­gen machte I. M. die Kaiserin eine Waldpromenade;