Einzelbild herunterladen
 

SWmschc AllMeine Zeitung.

M IM».

Freitag den L8, Juni

1852»

Die Nass. Allg. Zeitung mit dem Wanderer erscheint einmal täglich mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige Pränumerationspreis für Wiesbaden und, nach dem neuen Postregulativ nunmehr auch für den ganzen Umfang des Thurn- und Tarisschen Verwaltungsgebietes mit Inbegriff des Postaufschlages nur 2 fl., für die übrigen Länder deS deutsch-österreichischen PostvereinS, wie für das Ausland nur S fl. 24 fr. Jnsera te werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. S ch e l l c n b e r g' schen Hos-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Stand der Zollfrage.

Deutschland. Wiesbaden (Director Faber). Cron- berg (Die FrohnleichnamSprozession). Stuttgart (Die Karlsruher Conferenz). München (v. d. Pfordten. von Ringelmann). AuS Thüringen (Die Pastoral- conferenz). Leipzig (Begnadigung). Berlin (Die Jefuitenmission. Dr. Quehl. Die Breslauer Ausstellung. Prinz Karl. Die Zollconferenz. Das BundeSpreßgesetz. Vermischtes). D Ibenburg (Zurücknahme der Be­dingung deS Beitritts zum Septembervertrag. Vertagung des Landtages). Bremen (Vorschlag für die Flotten- officiere). Kiel (Die abgesetzten Professoren und Be­amten). Wien (Der Cordon gegen die Schweiz. Frei­messen. Die Reise des Kaisers. Die Zollfrage. Verm.).^ Schweiz. Freiburg (Stimmung des Volkes).

Frankreich, Paris (Das Geschwvrnengericht. Differenz unter dem Klerus. Die Eisenbahn nach Paris. Ver­mischtes).

Neueste Nachrichten.

Stand der Zollfrage.

Ueber die Mission deS Hrn. v. BiSmark nach Wien bringen die H. N aus Berlin nachstehende, wie der Korrespondent versichert, als authentisch zu betrachtende Mittheilung:Hr. v. BiSmark, der

erst einen Tag in Frankfurt a. M. anwesend war, nachdem er von seiner Kammerihätigkeit von hier dort­hin abgegangen war, hatte keine Ahnung über den Zweck seiner Wiederberufung nach hier durch den Telegraphen am 4. d. M. Am 5. d. traf derselbe

hier du und begab sich sofort zum Ministerprästden- vereinSconferenz, folge ten. Hier wurde ihm die Eröffnung über den Zweck DaSFr. 3." bi

seiner plötzlichen Berufung, und erklärte Hr. v. BiSmark sofort seine Bereitwilligkeit zur Mission. Er erhielt nun den Auftrag, sich mit dem letzten Notenwechsel und den sonstigen Schriftstücken in dies« Frage vertraut zu machen; auch erhielt er eine Abschrift der von Preußen abgegebenen Erklä­rung in der Sitzung vom 7. d. M., wobei gleich­zeitig über die Auffassung der Verhältnisse eine län- gere Unterredung zwischen Hrn. v. BiSmark und Hrn. V. Manteuffel stattfand. Die Instructionen erhielt Hr. v. BiSmark erst am Montage, den 7. d wiederum persönlich von Hrn. v. Manteuffel. Dieselben gehen dahin : Zuvörderst der österreichi­schen Regierung die Erklärung Preußens gegenüber den Darmstädter Regierungen mitzutheilen und die Mäßigung derselben, sowie die darin enthaltenen Gründe, zu interpretiren; dann dem österreichischen Gouvernement die aufrichtigste Freundschaft und das gute Einvernehmen Seiten Preußens zu ver. sichern, und wie eS daS Streben Preußens sei, AlleS zu vermeiden, waS zur Störung desselben führen könnte. Die aufrichtige Absicht zum Abschluß eines Handelsvertrages soll besonders scharf hervorgehoben werden, und eben deßhalb daS österreichische Gou­vernement aufgefordert werden, von seinen ^For­derungen abzustehen und der Reconstituirung des Zollvereins kein Hinderniß in den Weg zu legen. Für den Fall aber, daß Oesterreich auf die bloß<n Versickerungen der aufrichtigen Bereitwilligkeit zum Abschluß eines Handels- und Zollvertrags keinen allzugroßen Werth legt und eine Sicherstellung hierüber zu haben wünscht, so hat Herr v. BiSmark die Instruction, auf den vorläufigen Abschluß einer P u n c t a t i o n, die d i e U m r i f f e it n b allgemeinen Principien zu einem spä- 1 ter zu vereinbarenden und genau festzu- ^ stellenden Handelsvertrag enthalten soll, einzugehen, diese resp. zu beantragen. Wie weit Herr v. BiSmark in der Feststellung der Punctation gehen kann, darüber ist derselbe mit einem Formular versehen worden, welches diesen Gegenstand in der genauesten und ausführlichsten Specialität behan­delt, wovon Hr. v. BiSmark zwar einWeniger" der österreichischen Regierung zugestehen kann, keinen- falls aber daselbe durch ein Mehr deS zu Gewah­renden überschreiten darf". Bemerkenswerth ist die- sen und ähnlichen Mittheilungen gegenüber, daß ge. wisse halbosficiöse Stimmen in der Berliner Presse mit großer Indignation jeden durch die Mission deS Herrn v. BiSmark hervorgerufenen Zweifel an der Festigkeit deS Ministeriums und der handelSpoli­

tischen Frage zurückweisen und namentlich dieN. Pr. Ztg." heftig angreifen, in der sie eine oder die andere Insinuation in diesem Sinne gefunden zu haben glauben.

Bezeichnend ist, waS dieZ. f. Nordd." über diesen Gegenstand schreibt: Die preußische Erklärung auf die Anträge der Coalition hat einen Theil der Presse, namentlich die preußisch patriotische, zu Lob- gesängen auf die Festigkeit und Entschiedenheit deS Berliner CabinetS begeistert; ein anderer Theil der Presse, und z.oar die sogenannte gothaische, fing, ihrer alten Gewohnheit entsprechend, schon wieder an. Vertrauen zu fassen zu der Regierung deS Lan­des, an welches sie die Hoffnungen ihrer Zukunft einmal geknüpft hat. Die Sendung deS Hrn. v. Bismark-Schönhausen blieb dabei entweder ganz unberücksichtigt, oder man erklärte sie allein bedingt durch den Urlaub, welchen die angegriffene Gesund­heit deS preußischen Gesandten in Wien, Grifen Arnim HeinrichSdorff, nothwendig mache. Die Si­tuation ist aber für jeden, der sehen will, genü­gend klar: Preußen will den auf politischem Ge­biete verlorenen Dualismus, seine Gleichberechtigung mit Oesterreich, auf dem handelspolitischen wenig­stens behaupten. -Deßhalb wurden die Ansprüche der Coalition entschieden zurückgewiesen, zugleich aber sollte Oesterreich durch die Sendung deS Hrn. V. BiSmark bewogen werden, mit Preußen gemein­schaftlich die Frage zu lösen und den Mittel- und Kleinstaaten die Bedingungen ihrer handelspoliti­schen Stellung vorzuzeichnen. Dafür spricht auch das Gerücht, daß, wie die freien Conserenzen zu Dresden der Olmützer Reise, so der Sendung veS

Hrn. v. BiSmarkfreie Berathungen", an denen auch Oesterreich Theil nehmen soll, neben der^ZoÜ-

n werden

bringt Bom Main, 15. Juni Folgendes: Unsere neuliche, auS thatsächlichen Ver-

hältniffen abgeleiteten Folgerung, daß eS den ver­bündeten süd- und mitteldeutschen Regierungen Ernst sein müsse, in ihrer engen Verbindung zur Erreichung ihrer Zwecke auszuharren, soll sich, wie eS scheint, als eine vollkommen richtige bewähren. Nach Allem waS man vernimmt, ist man gesonnen, die Darm­städter Coalition ihre Wirkung auf daS Materielle der Lösung der handelspolitische Frage äußern zu lassen, nachdem ein erstes formelles Ziel in Berlin nicht erreicht wurde, und lebt man darüber im La­ger der Coalition den besten Hoffnungen. AIS be­zeichnend für die gegenwärtige Situation bringt dasselbe sodann den Artikel deSDresdner Journ." den wir an der Spitze unseres vorgestrigen Blattes mitgetheilt haben.

In einer Frankfurter Mittheilung sagt dasselbe Blatt:Nicht Blätter der sogenannten Coalition wa­ren eS, welche zuerst die Nachricht brachten, bet königl. preußische BundeStagsgesanvte sei speciell wegen der handelspolitischen Frage nach Wien ge- reist, sondern gut preußische. Wir begegneten ihr zuerst in preußischen Blättern und Berliner Corre- spondenzen, und wenn wir sie neulich in demFr. Journal" als unrichtig bezeichneten, wenn wir nach glaubwürdigen Mittheilungen die Zwecke der Reise deS königl. preußischen BundeStagSgesandlen nach Wien int Allgemeinen angaben, so geschah eS weil wir jene Nachricht zuerst in preußischen Blättern und Correspondenzen gelesen halten. Somit zerfie­len die Folgerungen, welche ein CorrespondentQ Von ter Spree" in der gestrigen Nummer deSF. Journals" auS dieser ihm komisch erscheinenden Nachricht auf Intriguen der sogenannten Coalition zieht, in sich selbst." Während somit fast alle Blätter die eigentliche Bedeutung der Herrn v. BiSmarck- Schönhausen gewordenen Sendung nachgeben, fri­stet dieMittelrh. Ztg." noch immer ihre Hoffnun gen mit einem Artikel derSpener'schen Zeitung" der diese Mission als ganz bedeutungslos varstellt, welcher schon von allen preußischen insbesondre so- gar von ministeriell inspirirten Blättern demen- tirt ist.

Die über auswärtige Verhältnisse gut unter­richteteJndependance Belge" bringt die Nachricht, Herr v. Bismark-Schönhausen sei mit den Grund­zügen zu einem ganz neuen Arrangement nach Wien abgereist und eS sei in demselben die Zoll­einigung von Preußen im Principe aner­kannt. Freilich ist auch diese Formel (im Prin­cipe") so vieldeutig, daß für daS künftige Verstând-

niß derselben noch besondere Garantien gegeben werden müssen.

DieD. A. Ztg." bringt folgende Correspon- denz aus Berlin, 14. Juni. Die osficielle Presse bemüht sich jetzt, ihre frühern diplomatischen Andeu­tungen über die Mission deS Hrn. v. BiSmark zu widerrufen und dieselbe als eine interimistische Ver­tretung deS Grafen Arnim in Wien darzustellen, während man jetzt von unabhängiger Seite keinen Augenblick mehr über den Zweck der Mission deS Hrn. v. BiSmark zweifelhaft ist. UebrigenS haben wir hier auf telegraphischem und directem Wege auS Wien Nachrichtens, worin genau angegeben wird, daß Hr. v. BiSmark am 10. Juni in Beglei­tung des Grafen Arnim die erste Conferenz mit dem Grafen Buol-Schauenstein im auswärtigen Amte gehabt uub daß eine zweite längere Conferenz am 12. Juni ebendaselbst stattgefunden hat. Die Ver­heimlichung, die man hier in manchen Regierungs­kreisen für Patriotismus hält, dürfte aber nichts nutzen; denn daS Resultat dürfte sich schon in kürzerer Zeit zeigen, alS man anzunehmen geneigt ist. UebrigenS will auch die Kreuzzeitung sich heute von den Sünden und Beschuldigungen bttZeil" reinwaschen, da sie ja die erste Verbreiterin der Nachricht sein soll, wonach die Mission deS Hr. v. BiSmark eine außerordentliche in der Zollfrage sei, wie dieZeit" sagt. Die Kreuzzeitung meldet nun, daß infolge der Ankunft deS Hrn. v. BiSmark in Wien, welcher den Grafen Arnim vertrete, der erste LegationSsecretär, den man anfangs zur Wahrneh­mung der Geschäfte bestimmt hatte, einen Urlaub zu einer Erholungsreise erhalten habe. Diese Wen­dung ist zwar fein, allein dennoch nicht im Stande Eingeweihte zu täuschen. UebrigenS möchten alle Anzeichen dafür vorhanden sein, und von Seiten der Regierung erwartet man eS sogar mit einiger Bestimmtheit, daß die Mission deS Hrn. v. BiSmark zu einem befriedigenden Resultate für die diesseitige Regierung führen werde, d. h. daß Oesterreich durch geheime Zusagen oder geheime Vereinbarung veran­laßt, der Constituirung deS Zollvereins kein Hinder­niß in den Weg legen wird. Die Wirkung der Wiener Unterhandlung dürfte sich schon bei der Er­widerung der Darmstädter Regierungen zeigen.

Deutschland.

* Wiesbaden, 15. Juni. Der bisher mit der provisorischen Führung deS Ministeriums deS In- nern betraute Hr. Director Faber ist nun definitiv zum Präsidenten der gedachten Ministerialab- theilung ernannt.

c/ Cronberg, 12. Juni. Unter dem Grafen Hartmuth von Cronberg, dem eifrigen Kämpfer für die Beförderung der Reformation, hatte so zu sagen die katholische Kirche zu Cronberg aufgehört. ES sollen in jener Zeit nur.noch 6 bis 7 Familien ver Religion ihrer Väter treu geblieben sein.

Kirche unv Schule gingen in die Hände der Evangelischen über und eS verstrich eine geraume Zeit, bis denjenigen Katholiken, welche sich unter einer späteren Grafenlinie wieder dahier ansâßig gemacht hatten, die alte Schloßkapelle zu ihren got­tesdienstlichen Handlungen wieder eingerâuml wurve.

Gleich im Anfänge deS 17 Jahrhunderts kam Cronberg nachdem der ganze Grafenstand auSge- storben war, als ein Reichslehen an Kurmainz, unter dessen hundertjähriger Herrschaft die katholische Ge­meinde biS zur Hälfte der ganzen Einwohnerschaft wieder heranwuchS und so wurde eS 1802 an Nas­sau übergeben.

ES ist begreiflich, daß Kurmainz, ein katholi­scher Staat, seine Glaubensgenossen auf jegliche Art zu unterstützen nicht unterließ.

Die Unterhaltung der Schloßkapelle als katho­lische Kirche, sowie ver zum Gottesdienste erforder­lichen Paramente, die Besoldung des Geistlichen und Schullehrers, wurden auf Staatskosten über, nommen, weil keine Fonds hierzu mehr vorhanden waren und Ver westphälische Friede im Allgemeinen den Standpunct von 1624 als Basis anerkannte, um welche Zeit sich aber das ganze Kirchen rc.-Ver» mögen in dem Besitz der Evangelischen befand.