Leitung des eifrigen Herrn Lehrers B. 1. mehrstimmige Chorale einübt; und auch die Jungfrauen unserer Stadt werden durch Ausschmückung der oberen evangelischen Kirche und durch daS Bilden eines ZugeS um die äußere Verherrlichung des Festes sich verdient machen. Die Umgebung der oberen Kirche, die bisher nicht wenig zu wünschen ließ; ist freundlich umgestaltet worden und damit auch für die Badegäste ein längst gefühltes Bedürfniß befriedigt. Wir zweifeln nicht, daß die verehrlichen Festgâste von Nah und Fern einige recht frohe Tage in unserem lieblichen Thule verleben werden.
+ Son der Lahn, 5. Juni. Bis dat qui cito ■dat — schnell geholfen boppilt geholten: — hak sich auf erfreuliche Weise in den leh-verfloffenen Tagen für eine Gemeinde der StandeSherr« schäft Hchaumbnrg bestätigt. Kaum waren nämlich am Nüsttage vor dem H. Psiugstfeste durch den "schweren Hagelschlag, welcher in westöstlicher Richtung auf den Rheinhvhcn von Becheln anhebend den südlichen Strich br Aemter Nassau und T i z traf, hierbei namentlich in den Gemarkungen S>e!- bach, Bremberg u. A. große Verwüstungen anrichtete, auch in der stände Sh errlichen Gemeinde Biebrich die hoffnungsreichen Saatfelder zerstört worden; — so war auch schon die Fürsorge des theilnehmenden StandeSherrn, S r. kais. königl. Hoheit des Durch!. Erzherzogs Stephan nicht ferne, um in überraschender Weise die Sorgen der schmerzlich heimgesuchten Gemeindeglieder mildern zu helfen. Bereits am gestrigen Tage , nachdem der StandeSherr Allerhöchstselbst die weite Zerstörung jenes Hagelschlags in Einsicht genommen hatte, erfolgte in zweckgemäßen stufenartigen Anordnungen die Bewilligung einer außerordentlichen Unterstützung von Ein tausend Gulden für die in ihren Hoffnungen auf die Jahreöerndte so empfindlich Getäuschten. Treten hierzu noch andere Beisteuern und die üblichen Steuererleichterungen, so darf gehofft werben, daß die erlittene Einbuße keine zu großen Zerrüttungen der Gemeindeverhält- nisse zur Folge haben werde. Glücklich die Gemeinden, welchen in den Tagen der Noth so freundliche HülsSquellen sich öffnen, Ehre aber und Dank den Hohen Gebern, welchen von den ihnen vergönnten Hülfsmitteln einen so ebeln Gebrauch zu machen nicht müde werden.
O Aus dem Lahttthal, Ende Mai. Es ist schon früher in diesen Blättern die Rede gewesen, von dem Verfall der nassauischen Linnenfabrication. Auch wir haben in der letzten Zeit mehrfache Gelegenheit gehabt, diesen Verfall zu beobachten und zwar in einer Weise, wie wir nicht erwartet hatten. Die Verfälschung mit Baumwolle ist nämlich in unserer Gegend auch schon auf das Land gedrungen. Bisher stand das Fabricat des Laud man n â in^A, tem Ruf; man zog eS dem Fabrikerzeugniß in vic- len Fällen vor, weil man glaubte auf ein dauerhaftes und reines Gespinnst rechnen zu können, wenn eS auch ein weniger feines Ansehen hatte. Nun ist die alte Redlichkeit selbst auf dem Lanve auS einem so ächt vaterländischen Gewerbe gewichen ! Selbst Gewerbhallen wagt man solche verfälschte Waare zu bieten. ES ist hohe Noth, daß lebendigeres Ehrgefühl und höhere sittliche Haltung in daS gesummte Gewerbwesen gebracht und besonders die Linnenfabrication von allen Seiten her schärfer inS Auge gefaßt werde. Betrug sollte öf- femlich und namentlich gerügt werden.
Stuttgart, 27. Mai. Der Reutlinger Gewerbeverein hat, obgleich er meist auS der demokratischen Richtung Angehörigen besteht, sich keineswegs für daS unbedingte Fortbestehen des Zollvereins ausgesprochen, vielmehr vor Allem genüg^M' ZoU- schutz verlangt, weiter erklärend, daß eS WWieben- fache sei, ob man diesen in Verbindung Mt Preußen oder mit Oesterreich oder mit beiden erhalte. DaS heißt doch mit anderen Worten, den Darmstädter Beschlüssen entschieden beitreten.
Bamberg, 1. Juni. Den neuesten Anordnungen- zufolge soll die Bahnstrecke der Luvwigö-West bahn von hier biS Haßfurt gegen Ende deS MonalS Juli (am 25) eröffnet unv dem allgemeinen Verkehr übergeben werden. Am 19. Juli hofft man mit den Probefahrten beginnen zu können. Die Eröffnung der Bahnstrecke bis Schweinfurt soll am 1. October statifinden.
Gotha, 2. Juni. Gestern hat die vierte allgemeine deutsche Lehrerversammlung begonnen, auf der Diesterweg die Hauptrolle spielte. Er hielt einen Vortrag „über daS Programm der modernen Volksschule", in welchem eS unter Anderem heißt: „Nein! die Volksschule will den Menschen nicht als Abstractum, sondern in seiner nationalen Ausprägung und individuellen Form in'ö Auge gefaßt schaben; vor Allem zur R e l i g i o s i t â t, ober Ehrfurcht vor dem Idealen (!) erheben ; ihn weiter sittlich, b. h. sich dem all gemeinen Interesse aufopfernd, bilden und hierzu den naturgemäßen Weg, besonders vermöge der Anschaulichkeit deS Unterrichtes, einschlagen. Daneben aber strenge
s Zucht und Sitte sehen, da nur bet durch diese qe* I bildete Mensch eS zum Großen bringen könne. Bedingung freilich von dem Allem sei und bleibe die Leitung und Beaufsichtigung der Schule durch Fach- und Sachverständige, an welcher Forderung daher auch der deutsche Lehrerstand unverbrüchlich sesthal- ten müsse".
Der Herzog von Coburg hatte nicht nur mit Freuden die Genehmigung für die Abhaltung der deutschen Lehrerversammlung ertheilt, sondern erklärt, baß er auch selbst der Versammlung beiwohnen werde. UebrigenS ist das deutsche Volk dort nur durch 245, größtenthcils norddeutsche Lehrer vertreten.
Berlin, 2. Juni. Eine Bestätigung unserer Ausführungen in Bezug auf den vorgegebenen Stand der Zollfrage und in Bezug auf die Unstatthaftigkeit der daraus gezogenen Schlußfolgerungen bringt nachstehender Correfpondenz ter „P. Z." Weder die Pairie- noch die ZollvereinSfrage sind ihrer definitiven Entscheidung auch nur um eines HaareS Breite näher gerückt. Nachdem die österreichische Regierung darauf gestützt, baß daS Schluß- prolocoll der Wiener Zollconferenzen jetzt von allen betreffenden Regierungen ratificirt worden, abermals ihren festen Willen kund gegeben hat bei dem Plane eines mitteleuropäischen HandelSvereinS fest auSzu- harren, bleibt den Berliner Zeitungspolitikern nichts übrig, als an den Ausflug des österreichischen Gesandten, Grafen Prokcsch von Osten, von dem man nicht einmal angeben kann, ob er nach Wien oder Dresden ging, allerlei geistreiche Vermuthungen zu knüpfen. Offenbar weit einfacher wäre es gewesen, die Reise mit der handelspolitischen Angelegenheit in Verbindung zu bringen, wobei der Umstand nicht außer Acht gelassen werden darf, baß nunmehr auch Baden den in der letzten Sitzung der Zollconferenz eingebrachten Anträgen förmlich beigeireten ist. Daraus jedoch den Schluß zu ziehen, alle Verhandlungen in der Zollfrage zwischen Berlin und Wien seien abgebrochen und die Auflösung des Zollvereins stehe in kürzester Frist zu gewärtigen, wenn nicht Oe st erreich zuletzt doch noch nach gebe oder die Dar mst â bter C o a l i t i o n noch in letzter Stunde mit Preußen sich vereinige, ist mehr als voreilig. Solche Fragen werben von besonnenen Staatsmännern nicht überS Knie gebrochen.
Wie dem „Deutschen VolkSbl." aus guter Quelle miigetheilt wird, ist dem badischen bevollmächtigten Minister am preußischen Hofe unzweideutig ausgesprochen worden, „daS Verfahren der großherzoglichen Regierung — welches den Conflict mit dem Erzbischof von Freiburg hervorgerufen hat sei, dem preußischen Kabinette durchaus unerklärlich".
Berlin, 3. Juni. Die „N. Pr. Ztg " läßt sich heute wie folgt vernehmen: Die Mitglieder der Fach co m m i ff i on zur Erörterung von normativen Bundesbestimmungen für die deutsche Presse haben nunmehr Frankfurt verlassen. Zu einem Abschluß sind die Arbeiten nicht gediehen. Eben so wenig ist eine Einigung zwischen den Commissionen selbst erreicht worden. Der preußische Fachmann hat sich genöthigt gesehen, in ausführlichen Motivirungen ein Separalvotum abzugeben, indem von anderer Seite ein Entwurf aufgestellt wurde, dessen Bestimmungen gleich gefahrdrohend für die Freiheit der Meinungsäußerung, wie für die offene Vertretung der besonderen vaterländischen Interessen erschien. Es kann nicht Preußens Absicht sein, die deutsche Presse aiM^einem von Wien auS diclirten , den österre^^W^ Bestrebungen erwachsenen Schema regier^^^Missen. (Preußen als Vorkämpfer deS LideraliAWs nimmt sich doch allzu komisch aus.)
Ihre Majestäten der König und die Königin werden den getroffenen Anordnungen gemäß in den ersten Tagen der künftigen Woche Allerhöchstsich nach Schlesien begeben. Ueber die in den Zeitungen bereits besprochene Reise ihrer Majestäten nach dem Schloß Stolzenfels sind Bestimmungen noch nicht getroffen.
Hamburg, 1. Juni. (W.-Ztg.) Gestern kam ein HamburglfcheS Boot mit zwei Hiesigen dem bei Altona liegenden dänischen Wachtschiffe, Capitän Rother, ziemlich nahe unv jene Leute sangen „Schleswig-Holstein". Sofort ließ R. seine Schaluppe mit sechs Mann abstoßen, jenes Fahrzeug anhalten, die beiden Sänger deS mißliebigen Liedes wurden zuerst an Bord deS WachtschifleS, wo sie eine derbe Lektion erhielten und alsdann nach Altona gebracht, wo sie sich noch in Haft befinden. An diesseitigen Recla- maUonen hat eS nicht gefehlt, aber sie blieben ohne Erfolg.
Wien, 1. Juni. Gestern Abend ist der Graf von Chambord von FrohSvorf hier angekommen und nebst seiner Gemahlin im PalaiS Este abgestiegen. — F.-M.-L. Freiherr v. Gerstner, Milüärdi- strictScommandant zu Preßburg, ist zum Commandanten der GenSvarmerie unter dem Generalinspec- tor F.-M.-L. Kempen und gleichzeitig zum Militär- commanbanlen von Wien ernannt.
K r a « k e e i ch.
□ Paris. 2. Juni. Die heutige Kammersitzung war durchaus ohne Interesse, obschon daS famose RechnungS-Abschluß-Gesetz für 1848 auf der Tagesordnung stand und der Berichterstatter Lequien in seinem Rapport die Hiebe und Stiche nicht geschont hatte, um der Armen provisorischen Regierung und der Erecutivcommisfion die Hölle heiß zu machen. Der gesetzgebende Körper nahm das Gesetz schweigend an, wie die Regierung proponirt hatte, und enthob dadurch eine Anzahl ehemaliger Minister und Beamten der Angst, mehrere hunderttausend Franken herauszahlen zu müssen, wie Hr. DucoS, damals Berichterstatter der Legislativen über dieselbe Angelegenheit, es unbarmherzig beantragt hatte. Ein Deputirter meinte, man solle alle Details über die Rechnungen von 184g publiciren, um den Geldbeutel gegen daS Revolutioniren in'S Interesse zu ziehen. ES ist nämlich nachgewiesen, daß daS Jahr 1848 den französischen Staat als solchen über 3000 Millionen m e h r als ein gewöhlicheS Jahr gekostet hat.
Seit einigcu Tagen spricht man viel von der Wahrscheinlichkeit einer Verminderung deS Effektiv- stanveS der Armee um 30—40,000 Mann.
Der General Goyon hat im Namen deS Präsidenten ver Republik 15 December-Insurgenten des Loire-DepartemcntS theils ganz begnadigt, theils mit geringeren Strafen belegt.
Paris, 3. Juni. Zwischen Frankreich und England soll ein Auslieferungsvertrag abgeschlossen sein, von welchem man hofft, daß ihn daS Parle- ment vor seiner Auflösung ratificiren werde.
Die Auflösung deS Unterhauses wird, dem Vernehmen nach, zwischen dem 20, und 25. Juni stattfinden.
Said Pascha, Oheim AbbaS Pascha'S deö Vi- celvnigö von Aegypten, ist in Paris angekommen.
Großbritannien.
London, 2. Juni. Ein großes protestantisches Meeting soll bis nächsten Samstag in der Freimaurerhalle unter dem Vorsitze deS Grafen von ShafteS- bury gehalten werden. Zweck desselbenist sämmtliche Wähler in allen Theilen deS Landes aufzufordern, keinen Candidaten zum nächsten Parlamente eher ihre Stimme zu geben, als bis er feierlich angelobt, daß er im Parlamente für direkte und unmittelbare Zurücknahme der dem College von Maynooih seither gewährten Subvention stimmen werde. Maynooih wird also daS Feldgeschrei sein und die religiöse Agitation überhaupt bei den neuesten Wahlen eine große Rolle spielen.
Neueste Nachrichten.
* Wiesbaden, 5. Juni. Gestern Nachmittag haben die beiden russischen Großfürst^ von Schlangenbad auS Ihrer Königl. Hoheit der verwillweten Frau Herzogin hier einen Besuch abgestattet.
Karlsruve, 3. Juni. Nach einer höchsten Verordnung hat Se. königl. Hoh. der Prinz Regent den Oberbefehl deS großhrrzoglich badischen Armeccporps Höchstselbst Übernomen.
München, 1. Juni. Darüber, daß der König im Laufe deS gegenwärtigen Sommers Wien besuchen wird, vertäutet bei den hiesigen Hofstäben noch nichts. — Prof. Liebig aus Gießen verweilt hier.
Stockholm, 28. Mai. Der König tritt morgen in Begleitung seiner Söhne, der Herzöge von Upland, Ostgothland und Dalarne, eine Reise nach Schonen an, von wo er gegen Johanni zurücker- wartet wird.
London, 1. Juni. Der Herzog und die Herzogin von Montpensier, welche vor einigen Tagen in Claremont eingetroffen, werden etwa zwei Wochen daselbst verweilen und sich hierauf wieder nach Spanien zurückbegeben.
Turin, 29. Mai. Dem Vernehmen nach soll der Ermlnist^r Graf v. Cavour zum sardinischen Gesandten am londoner Hofe designirt sein.
Genua, 29. Mal. Der englische Courier Vy- ner ist mit dringenden für Florenz bestimmten Depeschen auf einem neapolitanischen Dampfer nach Livorno abgereist.
Palermo, 22. Mai. Die französische Flotte ist von Neapel ausgelaufen und wird hier erwartet.
Frankfurt, 3. Juni. Bei der.heute ftattge- habten ersten Ziehung 1. Classe der 122. Hiesigen Stadllotterie gewannen die Nummern 12459 und 12795 jede 400 fl.
Frankfurt, 4. Juni. Bei der heute hier stattgehabten 2. Ziehung 1. Klasse der 122 hiesigen Stadllolterie gewann Nr. 14630 10,000 fl, Nr. 261 3000 fl., Nr. 11.460 2000 fl., Nr. 12765 1000 fl., Nr. 431 400 fl.
Verantwortlicher Redacteur : Dr. A. Boczek.