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chen werden, indem zu dieser Zeit die -Zahl der Fremden sowohl, als die Preiße für Logis und Lebensmittel nicht höher als in vorigen Jahren sind.

X Limburg, 28. Mal. Man hat in neuerer Zeit mit Recht die nassauische Industrie wegen ihrer geringen Entwicklung und ihres fast noch gänzlich schlummerndenUnternehmungSgeisteS getadelt. Dieser Tadel trifft aber wenigstens nicht einen hiesigen In­dustriezweig, unsere Tabakfabrication, indem z. B. in diesen Tagen 150,000 Stück Cigarren nach RewAorkauS der hiesigen Tabakssabrik abgegangen sind, indem besonders die geringeren Sorten dort nicht so billig hergestellt werden können. Diese Ta- bakSsabrik, welche an hundert Menschen beschäftigt, ist eine wahre Wahlchat für unsere Stadt. Möchte nur auch bald in den geeigneten Gegenden unseres Landes, wie bereits von verschiedenen Seiten her verlangt worden ist, der Anbau der Tabakspflanze in Angriff genommen werden, da demselben eine bedeutende Zukunft nicht fehlen kann. Der große Gewinn der Pfälzer sollte unsern Landwirthen zum Sporn dienen, zumal da sich von allen Seiten neue unerwartete Märkte eröffnen, selbst Jm Vaterland dieses vielgeliebten Krautes.

Aus Thüringen, 1. Juni. Vermöge eines schon in der letzten Versammlung von Abgeordneten evangelischer Kirchenbehörden gefaßten Beschlusses wird bei der übermorgen in Eisenach statifindenden Conferenz protestantischer Geistlichen die absoluteste Heimlichkeit der Verhandlungen stattfinden, so daß nicht einmal der Generalsstuerintendent und Ober- Pfarrer der Stadt als Zuhörer zugelassen wird. Es soll deßhalb auch die von dem Weimarischen Gou­vernement auf Antrag deS KirchenratheS bewirkte Veröffentlichung der zur Verhandlung kommenden Fragen von mehreren Abgeordneten mißfällig be­merkt worden sein. Alle Abgeordneten sind be­reits aufgefordert, bei den Fragen, welche die Einzel­gesetzgebungen schon erledigt, die betreffenden Docu­mente mit zur Stelle zu bringen. Man schließt schon hieraus auf eine ziemlich lange Dauer der Versammlung. Die Conferenz wird ziemlich zahl­reich werden, und eS werden bei derselben vertreten sein, Preußen durch geh. Reg. -Rath Dr. v. Mühler, Oberconsistorialrath Dr. Snethlage, Professor Dr. Richter; Sachsen durch Oberhofprediger Vicepräsi« dent Dr. Harleß; Hannover durch Regierungörath Küster und Consistorialrath Dr. Niemann; Würtem- berg durch Oberhofprcdiger Dr. v. Grüneisen; Ba­den durch Ministerialrats) Dr. Bähr und einen zweiten, noch nicht ernannten Deputaten; Kurhessen durch Ministerialraih Dr. Vilmar und Consistorial- r^uh Dr. Hofmann; Sachsen-Weimar durch Geh. Kirchenrath Dr. Schwarz (nicht durch Geh. Staats- rath v. Wydenbrugk, wie die Zeitungen melden) und Kirchenrath Trautvetter; Großherzogthum Hes­sen durch Prälat Dr. Zimmermann und Ober­consistorialrath Neidhardt; Mecklenburg-Schwerin durch Oberkirchenrath Dr. Klinfloth; Mecklenburg Strelitz durch Superintendent Ohl; Nassau geh. Kirchenrath Dr. Wilhelmi; Oldenburg durch Mini- sterialrath Dr. Runde; Sachsen-Meiningen durch Oberhofprediger Dr. Ackermann; Anhalt-Dessau durch Consistorialrath Superintendent Richter; An­halt-Bernburg durch LandeSsuperintenvent Dr, Wal­ther; Anhalt Cöthen durch Consistorialrath Neger; Schwarzdurg-SonderShausen durch Consistorialrath Emmerling; Reuß durch Geh. Kirchenrath Dr. Behr; Lübeck durch Senior Lindenberg.

Gotha, 31. Mai. Die hiesigen Abgeordneten, welche sich am 6. d. Mts. auf unbestimmte Zeit beurlaubt hatten, treten dem Vernehmen nach, am 3. Juni wieder zusammen, um vor Publication deS neuen StaatsgrundgesetzeS noch einige dringende Gegenstände, unter Anderem ein neues Forststraf­gesetz und ein Erpropriationsgesetz sür Wegebauten zur Erledigung zu bringen. Die Wirksamkeit der jetzigen Abgeordneten wird jedenfalls mit dem 12. Juni, an welchem Tage die neuen Verfassungsgesetze publicirt werden müssen, schließen und alöbann eine Neuwahl nach indirectem WahlmoduS angeordnet werden.

Düsseldorf, 30. Mai. Der Fürst Anton von Hohenzollern, der neue Commandeur der hiesigen Division, ist gestern Abend hier eingetroffen und feierlichst empfangen wordeu.

Berlin, 30. Mai. Mit der bekannten Nach­richt derN. Pr. Z>", nach welcher im Minister- rathe mit allen gegen eine dissentirende Stimme be­schlossen worden, ein Ausführungsgesetz zu den 88. 65 68 zu octroyiren, verhält es sich, wie der K. 3>" berichtet wird, dahin, daß ein solcher Vor­schlag allerdings gemacht, von dem Minister­präsidenten dagegen, unter Widerspruch afller übrigen Minister, die Ansicht angedeu­tet wurde, eine neue erste Kammer zu octroyiren [?]. Hierbei hat eS sein Bewenden gehabt, so daß von einem Beschlusse deö MinisterratheS in keiner Weise ^ie Rede sein kann, man müßte denn den allseitigen Widerspruch gegen die Andeutung deS Ministerprä­

sidenten einen Beschluß nennen. AufdieOciroytrung deS AuSführungSgesetzeS hat sich jene Uebereinstim­mung nicht bezogen, diese Octroyirung ist vielmehr nur vorgeschlagen worden. Wirkliche Beschlüsse in dieser.Angelegenheit sind also erst noch zu er­warten.

Aller Wahrscheinlichkeit nach wird der jüngere Freiherr von Manteuffel Oberpräsident von Pom­mern. Der Hülfsarbeiter im Ministerium deS In­nern sRegierungSrath Graf v. Eulenburg, wird Generalconsul in Antwerpen. Vom Generalcon- sul in Spanien und Portugal, Herrn v. Minutoli, erscheint binnen Kurzem ein bedeutendes Werk über Spanien. Es heißt daß Commerzienrath Weber in Hamburg in Kurzem daS dortige Generalconfu- lat erhalten werde, da der bisherige Generalconsul Oswald sein Amt niederlegen wolle. Die Bildung von Zollvereinö-Consulaten wird au der Opposition von Baiern und Würtemberg scheitern.

Berliu, 31. Mai. ES war auf gestern eine Sitzung der Zollconferenz anberaumt, welche jedoch, da die Herren während der Pfingsttage VergnügungS- Touren zu machen wünschten, schon Donnerstag wieder abgesagt wurde. Unter Zustimmung der Bevollmächtigten sind in Folge dessen die Sitz­ungen bis zum 17. Juni vertagt worden. Bis da. hin wird alles Geschäftliche der Conferenz natürlich ruhen. Auf die von der Coalition am 25. d. ein­gereichten Anträge dürfte in der Sitzung vom 7. Juni die Antwort der diesseitigen Regierung er­folgen.

Wien, 29. Mai. Der Kaiser ist in Prag, um der Enthüllung deS Denkmales für die 1848 und 1849 gefallenen böhmischen Krieger beizuwohnen. DiePresse" thut sehr verstimmt, daß daS neue Anlehen zu 90 pCt. weggegeben ist. Wenn Hr. v. Krauß die österreichischen Papiere so niedrig hätte weggeben wollen, meint sie, dann hätte er schon vor drei Jahren eine englische Anleihe abschließen können.

Der russische Gesandte, Baron v. Meyendorff, begibt sich dieser Tage nach Schlangenbad, wo der­selbe während der Anwesenheit der Kaiserin von Rußland weilen wird.

DieTriester Zeitung" schreibt:Die bereits früher erwähnte Uebereinkunft zwischen der Dampf- sch'fffahrtSgesellschaft deS österreichischen Lloyd und der französischen Gesellschaft der MessagerieS Natio­nales, welche das ausschließende Privilegium des französischen Postdienstes in der Levante besitzt, ist nunmehr definitiv zu Stande gekommen und die be­treffende Convention am 19. Mai in Paris unter­zeichnet worden".

Bei vorgenommener Verthâ^rg der Mbezoll- einnahme sind für Oesterreich 13,897 Thsr. entfallen.

In Folge der a. h. genehmigten Ersparungen in den Finanzen-werden, wie man vernimmt nun auch die für einzelne Institute bestimmten Erspa­rungen zum Vollzüge kommen. Die Reductionen lassen, wie man glaubwürdig vernimmt, alle An­stalten, welche zur Förderung der Künste und Wis­senschaften dienen, unberührt; die k. k. Hof- und Staatsdruckerei anbelangend sollen die schon wieder­holt zur Sprache gekommenen Modificationen im Drucke der Reichs- und Landeögesetzblätter jetzt durchgeführt werden.

Seit einiger Zeit wird zwischen Wien und Berlin ein lebhafter Courierwechsel bemerkt. In sonst gut unterrichteten Kreisen vernimmt man, daß derselbe mit der Zoll- und HandelSeinigungöfrage im Zusammenhänge stehe.

Wie man vernimmt, hat der F.Z.M. und BanuS Freiherr v. Jellachich sehr umfassende Voll­machten erhalten, welche die Administration der ihm unterstehenden Kronländer betreffen. Die Stelle eines Chefs der Finanzverwaltung in Kroatien und Slavonien ist dem Herrn BanuS selbst vorbehalten. Auch sieht man der baldigen Organisirung der judiciellen Behörden entgegen.

Wien, 30. Mai. Se. Maj. der Kaiser, wel­cher auf seiner vorgestrigen Reise nach Prag überall mit Jubel empfangen wurde, wird, wie der Neuen Pr. Ztg. geschrieben wird, spätestens morgen bis Abends in Wien zurückerwartet. Der Correspondent fügt hinzu: In diplomatischen Kreisen hält man die so schnell aufeinanderfolgenden Besuche Sr. Majestät des Kaisers von Rußland, Sr. kaiserlichen Hoheit deö Erzherzogs Franz Karl, sowie Sr. Maj. deS Kaisers von Oesterreich, welcher daselbst mit einer so ausgezeichneten Begleitung in der Hofburg am Hradschin einzog, als Vorläufer eines Ereig­nisses, welches näher zu bezeichnen uns die Diöcre- lion verbietet, welches aber als einer der freuden­vollsten Momente für daS ganze Land bezeichnet werden darf.

Schweiz.

Tessin, 28. Mai. Am 26. d. fand in Chiasso I die feierliche Beerdigung deS meuchlerisch erschossenen s NalionalrathS Soldini statt. Nach derTessiner * Zeitung" zählte er erst 38 Jahre und war allgemein

beliebt und geachtet. Im SonderbundStrieg wurde er als Freiwilliger auf dem St. Gotthard verwun­det und gefangen genommen. Nach einer Erzählung im Bund wurde der meuchlerische Schuß in dem Augenblicke abgefeuert, wo Soldini ein Zündhölz­chen angezündet hatte, um eine Cigarre anzubren­nen, so daß er seinem Mörder selbst geleuchtet. Die Kugel war in vier Stücke verhauen und verursachte vier Wunden im Umfang einer Spanne. Ein Stück Blei war durch den linken Lungenflügel gedrungen und im dritten Rückenwirbel stecken geblieben; zwei andere Stücke gingen durchs Herz, durch die Dia- framma in die Milz. Trotz dieser gräßlichen Ver­wundungen ging Soldini noch zehn Schritte weit bis er zusammensank. Als Thäter werden zwei Arbeiter in einer Papierfabrik bezeichnet, von denen jedoch nur einer geschossen hätte.

(Die zwei der That verdächtigen Arbeiter sollen auf lombardischem Gebiet ergriffen und nach Como geführt worden sein.)

Frankreich.

Hs Paris, 31. Mai. Der UniverS und die Assemblee nationale, welche einen wahren Kreuzzug gegen die Belgischen Blätter unterhielten, müssen jetzt wohl sehr zufrieden sein, denn eS vergeht fast kein Tag mehr, ohne daß einer oder mehrere dieser gefährlichen Concurrenten auf der Post mit Beschlag belegt wäre. Heute traf dies LooS zwei kleine Blätter, denSancho", der nur alle Sonn­tag und denMephistopheles" der nur zweimal die Woche erscheint. Beide enthalten sehr heftige An­griffe gegen die französische Regierung undSancho" gibt Citate auS dem Peuple vom Jahre 1848, in denen Proudhon damals LouiS Napoleon, nachdem er als Candidat für die Präsidentschaft auftrat, mit SarcaSmen überschüttete. Außerdem ist daSJour­nal de Turin" saisirt worden, weil eS die gegen­wärtige Regierung Frankreichs, als ein dem Volke verhaßtes Säbelregiment darstellt.

AuS Spanien wird gemeldet, daß eine englische Flottille eine Razzia gegen die in Rif an der Grenze von Marocco ansässigen Seeräuber unternehmen will, um ihre Erndten und Dörfer zu verbrennen. DerOkbar" zweifelt an dem Erfolge, weil die Bewohner von Rif keine Wohnungen auf der Fläche haben, sondern in dem äußerst schwer zugänglichen Gebirge Hausen, und ein sehr kriegerisches Volk bilden, das man schon öfters vergebens anzugreifen versucht hat.

Die Reise des Präsidenten nach dem Süden von Frankreich ist definitiv beschlossen worden.

Ueber die in London von den fünf Großmäch­ten gegen d i e Sch w e i z beschlossenen Maßregeln vernimmt man folgendes Nähere. Die Großmächte haben sich gegenseitig verpflichtet bei der Eidgenos­senschaft dahin zu wirken, daß sämmtliche revolu­tionäre Bestimmungen auS den seit dem Jahre 1847 eingeführten neuen Cantonalverfasfungen auSgemerzt und für Neuenburg namentlich die alte Verfassung von 1846 wieder hergestellt werde. Weigert sich die Eidgenossenschaft auf diese Vorstellungen einzugehen, so wird ein ObservationscorpS an der Gränze Posto fassen und nöthigenfallS in der Schweiz interveniren. Frankreich namentlich soll an der Redaction dieses PrölokolleS eihén sehr thätigen Antheil genommen haben.

Die Expedition nach Kabylien unter dem Ge­neral Mac Mahon hat, wieAkhbar" versichert, sehrerfreuliche" Erfolge gehabt. Den Kabylen sind 180 Mann getödtet und 16 Dörfer verbrannt worden.

Paris, 1. Juni. Herr Thiers geht von Rom über Neapel nach Sicilien, um den Rosalienfesten beizuwohnen. Er scheint nur ganz den Künsten zu leben, und bringt seine ganze Zeit in Museen und Kirchen zu, wo er Materialien zu einem großen Werke sammelt, an welchem er, nach seiner eigenen Versicherung, schon seit 30 Jahren arbeitet, und daS den Titel:Geschichte der Civilisation" führen soll. Er hat zu diesem Zwecke in verschiedenen Epo­chen bereits Reisen nach Italien gewacht.

Die durch ihren VergiftungSproceß bekannte Mad. Laffarge, welche schon seit längerer Zeit in einer Krankenanstalt gefangen gehalten wurde, ist endlich auf freien Fuß gesetzt worden.

Das Lager von Rochefort ist fast ganz leer ge­worden, nur die invaliden Galeerensträflinge sind zurückgeblieben, die übrigen sind alle aus ihr Ver­langen nach Cayenne tranöportirt worden. Eine neue Expedition dahin wird aus den rüstigsten Weibern der Zuchthäuser bestehen, die sich ^dazu freiwillig gemeldet halten und körperlich für tauglich erklärt wurden.

Paris, 1. Juni. (Tel. Dep. d. Köln. Ztg.) Nach Gerüchten, welche hier umlaufen, haben sämmt­liche Minister, mit Ausnahme Perfigny'S, ihre Ent­lassung genommen.

Der StaatSrath soll sich fortwährend den Decretcn über die Confiscation der Güter der Orleans feind­lich gesinnt zeigen.