Einzelbild herunterladen
 

MMW Mgcmeme Zeitung.

J2 136 Sonntag den 30. Mai 1852.

Die Nass. Allg. Zeitung mit dem Wanderer erscheint einmal täglich mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige Pränumerationspreis für Wiesbaden und, nach dem neuen Postregulativ nunmehr auch für den ganzen Umfang des Thurn- und Tarisschen Verwaltungsgebietes mit Inbegriff des PostaufschlageS nur 2 fL, für die übrigen Länder deS deutsch-österreichischen PostvereinS, wie für das Ausland nur Ä fl. SL fr. Jnsera te werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. S ch e l l e n be r g' scheu Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Wegen des Pfingstfestes erscheint am ersten Feiertage kein Blatt, am zweiten Feiertage eine Beilage, welche Bormittags um 11 Uhr abgeholt werden kann.

Uebersicht.

Programm zur Versammlung süddeutscher Forst­wirthe in Dillenburg.

Deutschland. Wiesbaden (Landtagsverhandlungen. Die Akademie des Kunstvereins. Diebstahl). Schlangeu- bad (Vorkehrungen zum Empfang der Kaiserin von Ruß­land). Vom Main (Hessische Mahlpatente). Aus dem KreiS-Amt Höchst (Drohbrief). Karlsruhe (Ministerialrath Hack). Baden (Der König von Wür- temberg). München (Der Schluß des Landtages. Eisenbahn nach dem Starnbergersee). Berlin (Die Verständigung mit Oesterreich. Die Ministerkrisis. Erklâ- klärung der Darmstädter Coalition. Note aus Wiens. Bremen (Das Complot). Wien (Protestantische Schu­len in Ungarn).'

Schweiz. Bern (Aufhebung des Seminars in München­buchsee).

Frankreich. Paris (Die Fusion und das Kaisertum. Baron HeeckerenS Mission. Vermischtes).

Großbritannieu. London (Die Candidaten für die City. Der Commandant von Bombay. DaS deutsche Schauspiel).

Neueste Nachrichten.

Programm zur Versammlung süddeutscher Forstwirthe in Dillenburg

vom 2. bis 6. Juni 1852.

I. Einrichtungen und Localit â ten. 1) Vom Abend deS 31. Mai an biS zum Morgen deS 2. Juni werden in dem Postgebäude sich Per­sonen befinden, welche die ankommenden Herren Theilnehmcr sowohl in i re Wohnungen, als in daS Anmeldezimmer unentgeldlich geleiten. 2) Die Sitzungen werden in dem Herzog!. Archivgebäude gehalten, woselbst auch die Anmeldungen staitfin- den, 3) Im Anmelvezimmer wird daS nöthige Personal am 1. Juni, Morgens von 8 bis 1 Uhr und Nachmittags von 3 bis 6 Uhr versammelt sein. Für diejenigen Herren Theilnehmer, welche am Abend deS 1. Juni oder Früh Morgens am 2. an­kommen, wird das Anmeldez'mmer am letzteren Tage, Vormittags von 6 bis 8 Uhr geöffnet wer­den. 4) Bei der Anmeldung trägt jeder Ankom- mende Namen, Stand und Wohnort in ein offen liegendes Verzeichniß ein und erhält die AufnahmS- karten, Programme, Pläne specielle Beschreibung der Ercursionen, wofür er den statutenmäßigen Bei­trag von 2 fl. und ferner für Wagenplätze an den drei ErcursionStagen, wo in den Wald gefahren wird, 1 fl. 30 fr. zu zahlen hat. 5) Tw Ercursio­nen werden von den betreffenden Oberförstern, nach einer von dem Oberforstdeamten genehmigten Ordnung geleitet. 6) Für gemeinschaftliche Mittags, täfel, die Frühstücke und die Restaurationen im Walde werden billige feste Anjâtze bedungen und durch besonderes Verzeichniß bekannt gemacht.

JI. Beschäftigung und Zeitelnthel- lun g. a. Vom Abend des 31. Mai an bis Milt- woch den 2. Juni, Vormittags 8 Uhr. I) Em­pfang und Aufnahme der Mitglieder. 2) Versamm­lung im Gasthof zum Hirsch zur wissenschaftlichen und ges-lligen Unterhaltung.

b. Von Mittwoch den 2. bis einschließlich Sonn- tag den 6. Juni. , ,

Mittwoch den 2. Juni: 1) Nachträgliche Aufnahme. 2) Erste Sitzung von 8*/a b>S 1 Uhr. 3) Gemeinschaftliche Mittagstafel bis 3 Uhr. 4) Um 3'/, Uhr Ercursion zu Fuß durch die nahe lie­gende Domanialwalbung Untere Eberhard, über die Adolphshöhe in den Domanialwalv Laufenbenstein. Dort Rast und Erfrischung auf einer von Georg Ludwig Hartig der angenehmen Aussicht wegen, durch Erbauung eines einfachen Tempels bezeichneten Sielle. 5) Der Abend dieses Tages, sowie der vier folgenden, ist zur gemeinschaftlichen Unterhal­tung im Locale der Gesellschaft bestimmt.

Donnerstag den 3. Juni: 1) Zweite Sitzung von 7 bis 10 Uhr Vormittags. 2) Nach

der Sitzung gemeinschaftliches Frühstück. 3) Um 11 Ercursion zu Wagen in die Domanialwalvung Struth.' Nachmittags Rast und Erfrischungkaselbst.

Freitag den 4, Juni: Morgens 7 Uhr Ercursion zu Wagen in die Dvmanialwaleung Schelder Wald. Um Mittag Restauration am Wilhelms! in.

Samstag d e n 5. Juni: Morgens 7 Uhr Ercursion zu Wagen in die Domanialwalvung Hirschberg und an die Ba'altleye im Beilsteiner GemeinbSwald. Daselbst Restauration.

Sonntag den 6. Juni: 1) Von 6'/, bis 9 Uhr Schlußsitzung. 2) Nach Beendigung deS Gottesdienstes um 11 Uhr gemeinschaftliches Früh­stück. 3) Hierauf Ercursion zu Fuß in den ehe­maligen Thiergartenforst. 4) Einkehr auf dem ForsthauS NeuehauS und von da zurück.

III. Themata zu Besprechungen in den Sitzungen. Ständige Themata. 1) Mittheilung über merkwürdige Ereignisse und Er­scheinungen im Bereiche des Forstwesens. 2) Mit­theilung der Ergebnisse von Versuchen und Erfah­rungen: a. über Holzanbau, b. über Behandlung und Benutzung und c. über Ertrag der Wälder, 3) Mittheilungen über bewährte Werkzeuge und Vorrichtungen bei Ausführung von Culturen, Fäl­lungen und anderen Operationen.

Besonderes Thema (nach Beschluß der vorjährigen Versammlung.) Erfahrungen über die Umstände, unten welchen die Saaten der Buche und der Weißtanne ohne Schutzbestand bleibend ge­lungen sind, und über daS Verhallen der auS sol­chen Freisaaten enstandenen Jungwüchfe.

Deutschland.

* Wiesbaden, 26 Mai. In der heutigen Sitz­ung der vereinigten Kammern erklärte der Reg.« Commissâr Sch olz hinsichtlich der vom Abg. Lang gestellten Interpellation: den Anschlag der Dienst, Wohnungen betr., daß die Regierung daS bisherige Verfahren noch für entsprechend halte. Der Abg. v. Eck berichtet über die noch rückständigen Budget­posten zur 1849t und 1850c Rechnungsprüfung, zu­nächst über den Posten deS Gronauer Reservefonds, der ursprünglich 195,000 fl. betrug. Abg. Rau rügt, daß die Regierung auS dem ursprünglich zu wohlthätigen Zwecken bestimmten Fonds für ein Irrenhaus und selbst eine evangelische Kirche Ver, wendung hätte eintreten lassen. Rcg.-Commissâr Schepp erklärt, daß dieser Fonds nie unter Con­trolle der Kammer gestanden. Abg. Möller er­wähnt, daß dieser FondS mit den an Nassau abge­tretenen LandeSiheilen an Nassau gekommen sei. Die Kamwermajoritäl erkennt den Budgelposten an. Ein weiterer Gegenstand war die ZehntablösungS- rückvergütung von Vrs, in welcher Beziehung Reg.- Commissär Tippell geltend macht, baß der Do- mânenfiScuS und CentralstudienfondS mindestens ebenso berechtigt seien, wie der CorporationS-Privat- berechtigte, mithin eben so wenig eine Vergütung für Darlehensvorschüsse an die LanoeSsteuercasse im Betrage von T/a< zu entrichten habe. Abg. W i lj Helmi protestirt gegen eine Beeinträchtigung deS evangelischen Kirchen- und PfarrfondS. Die Kammer nimmt den Antrag der Majorität deS Ausschusses an: Die' betr. Posten biS zur Vereinbarung der Ci- villlste auszusetzen. Dasselbe geschieht hinsichtlich mehrerer Posten von Hofpensionen und Gnavenge- halte. Die Bestreitung der Unterhaltungskosten deS WittwensitzeS der Herzogin Pauline von 1849 und 1850 aus der Domânencasse und nicht aus der Civilliste, wird von der Kammer bewilligt; auch der Antrag angenommen, das StaalSministerium zu ersuchen, sämmtliche Behörden, welche StaatS- rechnungen ausstellen, anzuweisen, alle Abweichun gen von ihren durch Den' Landtag festgesetzten EtatS zu erläutern und zu rechtfertigen; eben so auch der den Ueberschuß der Einnahme der Domäne auSzu- setzen biS zur Vereinbarung der Civ'lliste. Die 3000 fl. für den Geh. CabinetSrath Götz werden von 1850 nachträglich bewilligt, eben so Die Aus­

gaben für die Polizeidiener in Biebrich und EmS, auch der Antrag angenommen, die Regierung zu ersuchen, die Etats zur Unterstützung für Gewerbe nicht zu überschreiten und die Rechnung pro 1849» 1850 nach -den Modificalionen alS richtig anzuer- fennen. Abg. König berichtet über die ReaierunqS- anforverung von 2 */a Simpeln pro 1852 und 2 Simpel pro 1853. Die Ausgabe pro 1852 ist 4 530,110 fl. 5 kr., daS noch zu deckende Deficit 841.286 fl. 5 fr. Die Anforderung wird von der Kammer einstimmig angenommen, eben so tu Erhebung der 2 Simpel am 15. Januar und am 15. März 1853,

* Wiesbaden, 29. Mai. Gestern wurde der Landtag für die diesjährige Session geschlossen. In der zweiten Kammer blieben dadurch einige interes- sante Angelegenheiten unerledigt, die wir auS be­sonderen Gründen noch gern enischieden gesehen hätten. Die eine ist der Antrag der Abgeordneten Braun und Lang, Vie Reconstltuirung deS Zoll­vereins betr. Der Inhalt des darüber erstatteten in öffentlicher Sitzung aber nicht verlesenen AuS- IchußberichteS wird gleichwohl von derMittelrh. Zeitung mit gewohntem AnstandSgefühl veröffent­licht. Aus dieser Mittheilung entnehmen wir, daß die beiden Antragsteller, welche zugleich Mit­glieder der zur Prüfung und Begutachtung ihres Antrages gewählten Commission sind *) über ihren eigenen Antrag, über daS Wohl, die allge­meine Stimme deS Landes, über all die f. Z. als so gewichtig bezeichneten Petitionen der Wiesbadener und Birebricher Industriellen und Fabricanten, der Rheingauer Wernprovucenten, der Dillenburger Hüttendesitzer rc., somit über sich selbst, zur TageS- ordung übergegangen sind und nur der Kammerden Vorschlag gemacht haben, die Motion der Regierung alSschâtzenswertheS Material^ zu bezeichnen. Zu welchem Zweck war nun der Antrag gestellt wor­den, wenn die Antragsteller durch die beantragte Tagesordnung selbst erklären, daß ihnen in dieser Frage vorläufig keine Stimme zusteht, wozu die ganze Agitation, welche nur Mißtrauen gegen die Regierung auf so unverantwortliche Weise erregt und genährt hat. Wir bedauern, daß der Antrag nicht zur Verhandlung kam, indem, wie sicher zu erwarten war, derselbe durch den Uebergang zu einfacher Tagesordnung beseitigt worden wäre.

Ein zweiter Gegenstand, dessen Erledigung wir gerne gesehen hätten, ist noch der Antrag deS Frei­herr» v. Marschall auf gerichtliche Verfolgung derNass. Allg. Ztg." wegen angeblicher Schmähung der zweiten Kammer, oder wie dieMittelrh. Ztg.^ sich im Wimpf-Krüger'schen Dialect seligen An­denkens auSdrückt, auf Erhebung einer Crim inal- klage wegen verbrecherischer Schmähungen gegen die zweite Kammer. Diese verbrecherischen Schmähungen reduciren sich nach Angabe deS An­tragstellers auf die in der Uebersicht der Nr. 121 unseres Blattes enthaltene Notiz:Die nassauische zweite Kammer geht über sich selbst zur Tagesord­nung über", gegen deren Richtigkeit ein gegründeter Einwurf wohl nicht erhoben werden kann. Diese Bemerkung ist eS, durch welche nach Ansicht deS Freiherrn v. Marschall die Ehre der Kammer beein, trâchtigt, und weil empfindlicher beleidigt wurde, als durch daS unehrenhafte Benehmen eines ihrer Mitglieder. Wir bedauern, daß der Antrag nicht zur Verhandlung gekommen ist, indem sich daS Lächerliche der Anklage alsbald herausgestellt hätte. Auch thut eS uns leiv^ daß der erste Antrag, welchen der Freiherr von Marschall in dieser Session gestellt hat, so unbarmherzig in der Luft hängen blieb.

Diese Angelegenheit hat unS leider abermals auf den für die zweite Kammer so compromitirien Vorfall am 19. d. M. gebracht. Die Acten hierüber

*) Die auS sieben Mitgliedern bestehende Commission hat, nach der Mittelrh. Ztg. eine, die B r a u n - L a n g'sche Motion billigende und den Abschluß deS Zollvertrages an Genehmigung der Stände knüpfende, motivirte Tages­ordnung beantragt. Eines SonderantrageS der Herres Braun und Lang ist nicht gedacht.