RHmW Allgemeine Zeitung.
^ 111. Mittwoch den 12. Mai 1852.
Die Nass. Allg. Zeitung mit dem Wanderer erscheint einmal täglich mit Ausnahme des Sonntags. — Der vierteljährige PränumerationSpreiS für Wiesbaden und, nach dem neuen Postreg nlativ nunmehr auch für den ganzen Umfang des Thurn- und TariSschen Verwaltungsgebietes mit Inbegriff des Postaufschlages nur 2 fL, für die übrigen Länder des deutsch-österreichischen Postvereins, wie für das Ausland nur 8 fl. 24 kr. — Jnfera te werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Sch ellenberg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.
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Uebersicht.
Zur Zollfrage.
Deutschland. Wi eSbad cn ((Landtagsverh. Bewilligung des Theaterbudgets. Urtheile des AsstsenhofS). — L im- burg (Die Gewerbehalle). — Frankfurt (Entscheidung der Bundesversammlung. Der Kaiser von Rußland). — Rastatt (Ein französischer Deserteur). — München (Der König. Die Biertare. Fürst Thurn und Tariâ). — Hannover (Die Organisation. Die „Hannov. Ztg."). — Köln (Die New-Dorker Ausstellung). — Berlin (Die Zollconferenzen. Vermischtes). — Wien (Der Kaiser von Rußland. Großfürst Constantin. Der "Kladderadatsch" verboten. Omer Pascha abberufen).
Frankreich. Paris (Die Staatskürperschaften. Gerüchte. Das Maifest. Vermischtes).
Großbritannien. London (Times über die Zollvereins- conferenzen. Professor Thomas. Sir Charles Hotham, Die dänische Thronfolge. Die Peitschenstrafe).
America. New-Vork (Hülsemann).
Neueste Nachrichten.
Zur Zollfrage.
ii.
P Der in Der zweiten Kammer unserer Landstânde von den Abgeordneten Braun und Lang eingebrachte Antrag, die Zollvereinsfrage betreffend, hat dieser Angelegenheit dadurch ein erhöhtes Interesse verliehen, daß sie nunmehr, wenn auch ohne weitere Wirkung auf die Handlungsweise Der Regierung, die öffentliche Aufmerksamkeit doch mehr in Anspruch nimmt, alS dieses sonst der Fall gewesen wäre. ES ist deshalb auch geboten, daß die Presse dahin wirke, diese Frage, die von vielen Seiten absichtlich zu verwirren gesucht wird, gründlich zur Erörterung zu bringen.
Wenn wir den Gang dieser Frage in ihrem neuesten Stadium richtig verstanden haben, so handelt eS sich von Seiten der verbundenen kleinen Staaten Darum', in dieser wichtigen politischen und finanziellen Angelegenheit eine Stellung zu erringen, die sie vor der Suprematie beider Großmächte in Deutschland sicher stellt und ihnen zugleich vergönnt, in ihren materiellen Angelegenheiten ein wirksames Wort mitzuiprechen. Der Lârm der von preußischer Seite über die Darmstädter Koalition geschlagen wird, ist der sicherste Beweis, daß diese Absicht wohl verstanden und ihr Gewicht erkannt worden ist. Der Seplemberverirag hat die kleinen Staaten belehrt, daß sie sich verbinden muffen, wenn sie sich vor Schaden wahren wollen. Wir wollen nicht untersuchen, welche Folgen die Bildung einer dritten Zollgruppe durch die Kleinstaaten oder ein Anschluß an Oesterreich für Nassau haben würde, denn diese Mühe würde eine rein vergebliche sein , da sich die Tragweite solcher Einrichtungen, wie die Erfahrung hinreichend gezeigt hat, durchaus nicht im Voraus berechnen läßt. Vor allen Dingen muß Deutsch- land eine Einigung in materiellen Dingen erstreben, wenn es auch politisch einig werden will und da kann die kleinliche Abwägung partikulärer Interessen, die gegen die höheren Belange der Einigung nicht inS Gewicht fallen, nicht in Betracht kommen. ES will unS bedünkcn, daß gerade eine Verbindung der kleineren Staaten, ein sehr wirksames Mittel sein muß, daS politische AuSeinanderstceben der Großstaaten zum wahren Nutzen Deutschlands in einem Brennpunkt«, dem der materiellen Interessen zu vereinigen.
Die Haupteinwände, welche bisher gegen eine Trennung von Preußen und gegen eine Einigung mit Oesterreich geltend gemacht wurden, sind die Zolleinnahmen und das österreichische Papiergeld. Beide sind indessen nicht stichhaltig und kaum einer Widerlegung werth; denn die Verfechter der preußischen Interessen werden unS nicht davon überzeugen können, daß Preußen eS ist, welches den kleineren Staaten die Zolleinnahmen liefert, da wir sie aus unsern Seckeln bezahlen müssen. Ebenso wenig können wir bei einer Einigung mit Oesterreich durch dessen Papiergeld Schaden leiden, da nichts leichter ist, als dagegen Vorkehrungen zu treffen und dieses schon Jeder für sich thut. Die Motive zum Braun-Lang'schen Antrag sind
auch kaum geeignet, und hierin eines Besseren zu belehren und wenn wir auch nicht annehmen wollen, baß verschiedene Angaben bei denselben auf absichtlicher Täuschung beruhen, so hält eS uns doch schwer, die Urheber dieses Antrags einer Unwissenheit fähig zu halten, wie wir sie im anderen Falle bei ihnen unterstellen müßten. Der besagte Antrag führt nämlich an, daß Nassau vor der Zolleinigung nur 200,000 fl. auâ den Zollrevenüen bezogen habe, gegenwärtig aber 600,000 fl., also dreimal so viel. Wir wollen dagegen daran erinnern, daß wir Nassauer damals, für jedes Pfund Kaffee, Zucker und Tabak, den Hauptverbrauchsartikeln Einen Kreuzer bezahlten; während wir jetzt für jedeS Pfund Kaffee 6% kr., für jedeS Pfund Tabak 8 kr. und für jedes Pfund Zucker 10'/, kr. an VerbrauchSzoll enmdHen. Diese Thatsachen sind selbstredend und wohl geeignet, unS alle Illusionen in Bezug der specialisirten preußischen Zollsegnungen zu über heben.
Ebenso verhält eS sich mit dem Wein, der ohnehin in seinen geringeren Sorten in nicht langer Zeit durch daS Bier vollständig verdrängt sein wird. Der Absatz unserer feinen Weine, die ohnehin einen sicheren, wenn auch beschränkten Markt haben, wird augenscheinlich weder durch ein Festhalten an Preußen, daS bekanntlich die Weinzölle wegen Hannover herabfetzen will,, eine Erweiterung erfahren, noch ist zu befürchten, daß die ungarischen Weine schon allein wegen dem weiten Transport, eine wirksame Concurrenz machen können. Wäre dieses aber auch der Fall und wir wollten unS mit Preußen verbinden die Freihandelstheorie inS Leben zuführen, so wäre eS mehr als lächerlich, wenn wir die guten wohlfeilen Ungarweifie nicht lieber trinken wollten, wie die theuren Säuerlinge unserer Rheinberge. Norodeutschland gedenkt wenigstens bei Hcr- absetzung und allmähliger Aufhebung, der Weinzölle sich der Rheinweine zu entledigen und dafür die besseren und wohlfeileren französischen und andere Weine bei sich einznführen; wogegen eS ihm ganz recht sein wird, wenn die Branntweinzölle beibe* halten werden, durch die Süddeutschland zum Vortheile von Norddeutschland, so hoch besteuert ist.
Mit der Eisenindustrie verhält eS sich ebenfalls nicht so, wie die Antragsteller, glauben machen wollen; denn von Prenßen, das den Zoll auf Eisen reduciren will und in sich selbst die Element« einer unS vernichtenden Concurrenz zu entfalten beginnt, haben wir gerade am meisten zu fürchten; während wir bei angemessenem Schutz sowohl in einer dritten Zollgruppe wie bei einem Anschluß an Preußen einen gesicherten Markl finden.
In der ganzen Ausführung, die Die erwähnten Antragsteller geliefert haben, können wir auch keinen Punkt finden, der wichtig genug wäre, die Regierung von dem eingeschlagenen Wege abzumahnen — und wenn dieselben auch versichern, daß ihnen jeder" andere Beweggrund, als baSWohl unsers LandeSffremd geblieben ist, so können wir wenigstens in den vorgebrachten Motiven keinen Grund erkennen, Der die Regierung veranlassen könnte, ihr Verhalten nach Den Wünschen der Antragsteller zu regeln.
Wir wollen durchaus nicht verkennen, daß der Schritt, welchen die verbündeten kleineren Staaten unternommen haben, ein sehr wichtiger ist, und wegen seiner möglichen Folgen wohl erwogen werden müßte. Wir sind aber Der Ansicht, daß eS auf diesem Wege nur allein möglich ist, ein wirksames Gegengewicht gegen Die abstrebenden Tendenzen Preußens zu bilden und eine kräftige Einigung in materiellen Dingen, wobei eS vorzüglich auf pro duklive Verwendung unserer unbeschäftigten Arbeitskraft ankommt, zu erzielen. —
Deutschland.
* Wiesbaden, 11. Mai. In Der gestrigen Sitzung Der vereinigten Kammern wurde Die Dotation für daS hiesige Theater in der bisherigen Höhe bewilligt. Einen ausführlichen Bericht hierüber werden wir nachtragen.
t Wiesbaden. 10. Mai. Von den Fällen, welche vor Die Assisen deS II. Quartals im hiesigen Hofgerichtsbezirkverwiesen waren, wurden Die nach
stehenden durch Coniumazverhandlungen erledigt und folgende Urtheile erlassen: Wolf M e tz l e r von Langenschwalbach wegen Verletzung eines Hand- gelöbnisseS an EibeSstatt zu drei Monaten Correc- tionShauS, Wilhelmine Schwind von Idstein wegen Schrsftfälschung zu 2 Jahren Zuchthaus, Samuel Friedberg von Ruppertshofen, wegen Schriftfälschung zu 1 Jahr Corrcctionöhaus und Zoh. Phil. Eichmann von Eltville wegen Schrift, fälschung, Betrug uud Unterschlagung zu l1/, Jahren CorrectionShauS.
+ Aus der Mitte des Herzogtum, Anfang Mai. Die Gewerbhalle zu Limburg hat sich durch manche Ungunst der Zeit hindurch erhalten und geht einer neuen Blühte entgegen. Während in andern Provincialstädten unseres Landes diese gemeinnützigen Anstalten bei dem Druck der Ver- Hältnisse sowie durch den kurzsichtigen EgoiSmuS der Menschen verkümmert sind, hat die Limburger Halle die Feuerprobe bestanden. Die günstige Lage der Stadt im Knotenpunkt so vieler Verkehrs- bahnen trägt hierzu allerdings daS Ihrige bei; eben so sehr aber wirkt hierzu mit der strebsame, praktische Geist der Limburger. Die nächsten Verwalter der Halle verdienen vorzüglich rühmende Erwähnung. Schade, daß von Seiten deS Publikums die Bedeutung der Gewerbhallen noch nicht immer richtig erfaßt wird. So sind schon Fälle vorgekommen, baß Herrn und Damen sich in der Halle einfanden, sich Die besten Jndustrieerzeugniffe merkten, nach Den Verfertigern derselben erkundigten, diese dann aufsuchten und sich die gewünschten Sachen zu billigeren Preisen zu erhandeln strebten, als sie in der Halle abgegeben werden, wo natürlich feste aber doch billige Preise herrschen. So vermag der Egoismus gemeinnützigen Zwecken nicht einmal ein kleines Opfer zu bringen. Man kann nicht oft genug an den Zweck der Gewerbhallen erinnern. Sie sollen eben eines der Schutzmittel gegen die Verarmung des GewerbstandeS sein, welche zum Theil aus dem gegenseitigen Herabbielen der Handwerker unter sich entsteht. Solche Institute szu unterstützen wirkt nachhaltiger und veredelnder als ras ungeordnete, zufällige Almofengeben. Wie die größeren Kapitalbesitzer in Aktiengesellschaften ihre Geld- und Credilkräste zur Ausführung großer und Vortheil« hafter Unternehmungen vereinigen, so kann eS auch für die kleineren Glwerbtreibenden auf Dem Boden der Gemeinde nur von größtem Vortheil sein, wenn sie sich zur Steigerung deS Credits zur Errichtung gemeinsamer Material- und Waarenniederlagen und zur Bildung von Verkaufshallen , die zugleich als Leihkassen wirken, vereinigen. Diese Anstalten sind noch einer großen Vervollkommnung fähig und wir werden gelegentlich darauf zurückkommen.
Frankfurt, 8. Mai. Der Bundestag hat gesprochen. — Die Bundesversammlung berufen, die Bestimmungen Der Wiener Congreßacte aufrecht zu erhalten, hat Dem Frankfurter Senat eine Notifikation zugehen lassen, worin eS inBezug auf die zu Gunsten der jüdischen Einwohner vorgeschlagenen Verfassungsänderungen heißt, daß der Bund keine Verfassungsänderung zugeben werde, wodurch die Fundamentalbestimmung eines christlichen Staates verloren gehe.
Frankfurt, 9. Mai. (Mannb. I.) Gestern Vormittag ist im Gasthofe zum „Russischen Hofe" Die amtliche Benachrichtigung eingetroffen, daß II. MM. der Kaiser und die Kaiserin von Rußland, Die Großfürsten Konstantin, Nikolaus und Michael, sowie die Großfürstin Olga nebst zahlreichem Gefolge am Dienstag den 18. Mat hier eintreffen werden. Für Se. Maj. den König von Würtem- berg, welcher an Demselben Tage hier eintrifft, ist der erste Stock im Gasthofe zum „Römischen Kaiser" bestellt worden. Unter den russischen Großen, welche in den nächsten Tagen schon hierher kommen werden, um einstweilen die näheren Anordnungen für den Empfang deS Kaisers und der Kaiserin von Rußland zu treffen, nennt man unS die Herren Ogarow, BaryantinSky, Betancourt und den Fürsten Urufuw.
Der Geh. -Rath Bloome auS Dänemark befindet sich fortwährend hier. Derselbe hat eine diplomatische Mission von Wichtigkeit. Der Herzog von