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Preußen auSschließen sollten; er habe vielmehr nur dazu gerathen, unS durch ein unbedingtes Hinge­ben an Preußen keine Nachtheile zu bereiten und unsere anderen Absatzwege nicht selbst zu verschließen.

Reg.-Co«. Schepp wiederholt die schon frü­her gemacht Bemerkung, daß gerade deßhalb, weil die Verhandlungen noch immer im Gange sind, Er­klärungen nicht gegeben werden können.

Schellenberg stimmt für die Jnbetracht- nähme beider Anträge, indem so der Gegenstand allseitig geprüft werde. Ebenso Reichmann, welcher beifügt, in der Jnbctrachtnahme eines An­trages liege noch keine Billigung des Inhalts.

Daß die Jnbetrachtnahme deS Rau'schen An­trages abgclehnt wurde, haben wir in Nr. 107 d. Bl. schon mitgetheilt. Vorher hatte sich die zweite Kammer mit 11 gegen 6 Stimmen (Reichmann, Heydenreich, Rau, Rullmann, Wtrth, Schellenberg) gegen die namentliche Abstimmstimmung hierüber ausgesprochen und damit in ihrer Majorität den wenig parlamentarischen Grundsatz anerkannt, daß selbst in einer so wichtigen Frage der einzelne Abge- ordntet sich nicht persönlich zu seiner Abstimmung zu bekennen brauche!

Hierauf wurde zur Wahl der für die seither zu der Jnb«trachtnahm« zugelassenen Anträge ge­schritten.

In den Ausschuß für den Antrag deS Abg. Reichmann, die Errichtung von Fruchtmagazi­nen betreffend, sind gewählt die Abgeordneten Hal­bey, Bitzer, Schwickert; in den Ausschuß für die Anträge deS Abgeordneten Knapp, die Aufhe­bung der Erbleihen und Bannrechte betreffend, die Abgeordneten Schrodt, Sebastian, Braun; für den Antrag drö Abg. Braun, die Reconstrui- rung des Zollvereins betr., wurde, um alle Jnter- effen darin möglichst vertreten zu sehen, die Ernen­nung eines Ausschusses von sieben Mitgliedern be­schlossen. In denselben sind gewählt dir Abgeord- neten Schellrnbrrg, Schäfer, Knapp,- Miß, DomboiS, Braun und Lang.

Wiesbaden, 7. Mai. (Asfisenverhandlung gegen Gottfried Graulich von Dauborn, Amts Limburg, wegen Diebstahls, Fälschung und Betrugs.) Der Angeklagte wurde von den Geschwornen für schuldig befunden und von dem Assisenhofr zu einer CorrectionShauSstrafe von 3 Jahren verurtheilt, und soll derselbe nach verbüßter Strafzeit auf die Dauer von 2 Jahren unter polizeiliche Aufsicht gestellt werden. Dle Kosten betragen 39 fl. 28 kr.

Die heutige weitere Anklage gegen Wolf Metzler von L.-Schwalbach wegen Verletzung eines HandgelöbnisseS an EibeSstatt konnte nicht zur Ver­handlung kommen, da sich derselbe dahier nicht fistirt hat und deßhalb in contumaciam verurtheilt werden wird. Hiermit sind die Assisenverhaudlungen deS zweiten Quartals geschlossen.

AuS dem Amte Diez, 6. Mai. Bei dem gegenwärtigen, durch Theurung der Lebensmittel und Mangel an Verdienst verursachten Nothstand, der auch die hiesige Gegend inSbesonderS einige Orte recht empfindlich heimsucht, hat sich nicht allein der Wohlthäligkeitösinn der Nassauer recht lebendig bewährt, wie davon die rege Betheiligung an der von Ihrer Hoheit der Frau Herzogin veranstalteten Verloosung für die Nothleidenben Zeugniß ablegt, eS muß vielmehr auch dankend erwähnt werden, welche Auszeichnung daS Herzogthum, besonders der ärmere Theil desselben, dèr Westerwald, von Seiten auswärtiger Menschenfreunde erfahren hat. Oeffentliche Blätter haben schon mehrfach solche Unterstützungen namhaft gemacht, die von Nicht­nassauern, zum Theil in bedeutenden Geldgaben gespendet wurden. Wir befinden unS in der erfreu­lichen Lage, von einer solchen Unterstützung berichten zu können, die den Armen in hiesiger Umgegend zu Theil wurde. Ein Geistlicher im Amte Diez hat von Frankfurt auS einer von Deutschen in Manchester veranstalteten Sammlung für die Nothleidenden in Deutschland die Summe von 250 fl. zur geeigneten Verwendung erhalten, und mit diesem edlen Geschäft betraut, soweit wir «S wahrgenommen haben, in umsichtiger Wesse gemäß dem Wunsche der menschenfreundlichen Geber für nützliche und segensreiche Verwendung dieser dankenSwerthen Gabe Sorge getragen. Daß natürlich nicht allen Ansprüchen auf Berücksichtigung bei der AuStheilung dieses Geldes wird entsprochen werden können, findet in der allgemeinen Bedürftig­keit sowohl, alS andererseits in den zu großen Er­wartungen, die bei solchen Gelegenheiten sich kund zu geben pflegen, seine Erklärung. Wir können eS darum nur billigen, daß die erwähnte Unterstützung nicht in öffentlicher Weise , sondern in der Stille, ohne alles Geräusch, nach besterkanntem Bedürfniß verwendet wird, glauben aber darum doch, dieser Gabe öffentlich erwähnen zu müssen, eS den wohl­thätigen Gebern schuldig zu sein, ihnen NamenS der Armen, deren Noth sie so unerwartet zu lindern bereit waren, den innigsten Dank öffentlich auS- zusprechen.

II Aus dem EngerSgau, Anfang Mai. ES ist eine alte, leider nur zuwohl begründete Klage, daß in unserm Vaterland daS Verdienst der Erfin­

dung nicht genug geschützt fei, während England und Frankreich unS hierin ein nachahmungSwertheS Muster aufstellen. Wenn der glückliche Gedanke so­wie der Capitalaufwand eines strebsamen, erfinderi­schen Kopfeö zu seinem Schaden sogleich von An­dern auSgebeutet werden kann, so fehlt dem Geiste der rechte Schwung und dem Herzen der nöthige Muth, die materiellen Opfer zu bringen, welche jeder Versuch erbeischt. Daß wir Deutsche in neuerer Zeit noch nicht die industrielle Stellung einnehmen, welche unS nach unsern übrigen Anlagen gebührt, hat zum Theil seinen Grund in dieser Schutzlosig­keit deS Genies und deS Verdienstes. Ebenso un­terstützen unsere Staaten im Allgemeinen noch lange nicht genug bewährte Thätigkeit. Es ist erfreulich, daß Nassau in letzterer Beziehung früher Versäum­tes jetzt nachzuholen anfängt. Die Industrie wird in ihrer Wichtigkeit für die gesammte bürgerliche Gesellschaft immer mehr erkannt und demgemäß be­handelt. Wir möchten daher die betreffenden Be­hörden auf einen Mann aufmerksam machen, wel­cher bei feinen aufopferungsvollen Versuchen eine Unterstützung deS Staates im vollsten Maße ver­dient. ES ist der in unserm ganzen Lande durch seine Thonröhren und Thonsässcr bereits rühmlich bekannte Herr Fabrikant Knödgen in Baumbach, welcher mit seinem Bruder in RanSbach ein ge­meinschaftliches Geschäft betreibt. Derselbe hat zur Verbesserung der Thonfabrication bereits viele kost­spielige "Versuche gemacht, welche fast über die Kräfte eines Einzelnen hinausgehen, sodaß er von seinem Geschäft weit weniger Gewinn gezogen hat, alS Andere, welche Alles beim Nächsten lassen. Wenn der Staat den erfinderischen Geistern ihre Verbesserungen nicht zum Vortheil der Gesammt­heit abkauft, so werden diese geheim gehalten und am Ende mit inS Grab genommen. Außerdem wird die erfinderische Kraft durch Mangel an Ca- pitalieu gehemmt. So ist noch Vieles in der In­struction der Oesen zu verbessern, welche gar zu viel Holz verbrauchen. Der Einzelne aber wird nicht leicht Proben mit kostspieligen Ofenbaulen machen. Die Herrn Knödgen würden gewiß im höchsten Interesse der Gesammtheit zu solchen Ver­suchen von Seilen deS Staates unterstützt werden; denn sie haben sich schon durch eigne Opfer und Fortschritte bewährt, wie ihre jüngste Verbesserung der Krugfabrication aufs Neue beweist.

Frankfurt, 6. Mai. Die Einnahme der Tau- nuSeisenbahn im verflossenen Monat April überstieg die desselben MongtS 1851 um 158 fl. 33 kr., während 2453 Personen weniger auf dieser Eisen- straße befördert wurden. Die höhere Geldeinnahme ist demnach dem sich immer mehr steigernden Güter­transporte zuzuschreiben, da mit Hinsicht auf die durch das ungünstige Wetter verringerte Personen­zahl statt der Mehreinnahme ein bedeutender Aus­fall sich würde ergeben haben. Auf der Frank­furt-Hanauer Eisenbahn wurden im Monat April d. J. befördert 27268 Personen, 3902 Centner und 5 Wagenladungen Güter, 171 Stück Schlachtvieh rc. Die Einnahme hierfür betrug einschließlich der Post­sendungen 9078 fl. 36 kr.

Kassel, 6. Mai. (Fr. Pztg.) Am 1. Mai trat Hr. StaatSminister Hassenpflug eine Erholungsreise an, wie man hört, nach Westphalen, woselbst er 14 Tage mit Urlaub verweilen wird und gestern reiste Se. königl. Hoh. der Kurfürst nebst der Frau Gräfin v. Schaumburg auf 8 Tage nach Frank­furt, so daß Fürst und Minister ungefähr zu glei. cher Zeit wieder hier eintreffen werden, wo dann die neuen Landstände ihre erste Saison halten wer­den. Während der Dauer der Abwesenheit Herrn HassenpflugS versieht der Ministerialreferent, Regie- rungörach v. Stiernberg die Departement« der Ju­stiz und des Innern.

Dessau, 2. Mai. (M. Z.) Der Termin, wel­cher den Mitgliedern der f. g. freien Gemeinde gesetzt war, um eine Erklärung über ihr künftiges Verhältniß zu dieser abzugeben, ist mit dem April abgelaufen. So viel auch, durch ihre übrigen Verhältnisse gezwungen, sich zum Rücktritt in ihre frühere Kirche entschlossen haben, so bleiben doch, wie wir hören, weit über 100 Personen, welche eine Erklärung vor der KreiSdirection überhaupt nicht abgegeben haben und welche deßhalb, da in der betreffenden Vorladung gesagt war, daßwi­drigenfalls angenommen würde, daß sie beharrlich ihre ungebundene Stellung außerhalb der Kirche festhalten wollten", nunmehr die freie Gemeinde bilden. Das, wie es scheint, erwartete Resultat, die Gemeinde sich gänzlich auflösen zu sehen, ist somit nicht eingetreteN und wird eS also der StaatS- regierung nicht erspart bleiben, bezüglich der unter diesenaußerhalb der Kirche" stehenden Personen vorkommenden Geburten, Heirathen rc. noch beson­dere gesetzliche Anordnungen zu treffen.

Hannover, 5. Mai. (Z. f. N.) Damit das Ministerium vollständig besetzt vor den Kammern erscheint, wird sicherm Vernehmen nach der bisherige interimistische Finanzminister Bacmeister dies Departement definitiv übernehmen. Das Portefeuille

der geistlichen und Unterrichtsangelegenheiten geht auf den bisherigen OberappellationSrath v. Reiche über, von dessen politischen Ansichten wenig bekannt ist. Nur so viel können wir bemerken, daß er früher in der englisch-deutschen Legion als Offizier diente, die Schlacht bei Waterloo mitmachte und nach den Kriegen die juristische Laufbahn betrat.

DaSNordd. Portfolio" meldet auS Hannover: Wie auS verläßlicher Quelle berichtet wird, hat die Anwesenheit deS GeneralsteuerdirectorS v. K lenze, Bevollmächtigten bei der Berliner Zollconferenz, in dem hannöver'fchen Cabinete eine Einigung über die Stellung Hannovers zu den nächstvorliegenden Fra­gen dahin bewirkt, daß Hannover eine Vermittelung zwischen den isolirten Plänen der preußischen Regie­rung und den Verabredungen der Darmstädter Bun­desgenossen zu erstreben bemüht sein wird, und zwar in der Weise , daß der Fortbestand deS Zollvereins nicht gefährdet werden solle, jedoch vor irgend einer definitiven und bindenden Erneuerung der Zollver- «inSverträge eine Unterhandlung und V e ra b- redung mit Oesterreich betreffs eines Han­delsvertrages und anzubahnender Zolleinrgung vor- hergehen würde. Es ist bekannt, daß Hannover durch einen Geheimartikel zum Septembervertrage gleichsam an die Cristenz deS Zollvereines in seinem bisherigen Umfange gebunden ist, und eine Auflösung desselben daher den Rück­tritt Hannovers vom preußischen Vertrage vom 7. September fast zur gebieterischen Nothwendigkeit machen würde. Daß übrigens der Ministerpräsident, Herr v. Manteuffel, die stolzen Worte, welche er jüngst in den Kammern über die Stellung Preu­ßens und Oesterreichs zur Handelsfrage hinwarf, auch an einem anderen entscheidenden Orte und noch öfters wiederholen werde, ist kaum anzunehmen. Die freundlichen BravoS einer ministeriellen Majo­rität sind jedenfalls wohlfeiler zu erlangen, als die Zustimmungen der deutschen Bundesregierungen, für welche nur daS materielle Wohl und die gesicherte Zukunft ihrer Länder bri der Verhandlung handels­politischer Dinge maßgebend sein kann.

Berlin, 3. Mai. (C. C.) Der drohende Zer­fall deS Zollvereins ist gerade in dem jetzigen Augen­blick um so mehr zu beklagen, als eben auf dem jetzt stattfindenden Kongresse die preußische Regierung die Einleitung treffen wollte, Abhilfe zu schaffen für einen der am schwersten gefühlten Uebelstände unserer politischen Zersplitterung: der mangelhaften Ver­tretung der Kleinstaaten in dem AuSlande. Durch Herbeiziehung der übrigen Staaten zu den bisher von Preußen allein getragenen Kosten dieser Ver­tretung nach der Kopfzahl würden die dafür aufzu­wendenden Mittel etwa auf daS Doppelte deS bis­herigen Betrages steigen, wofür sich eine genügend bezahlte, den Interessen der in diesem Jahre so überaus zahlreichen Auswanderer entsprechende Ver­tretung Herstellen ließe, welche von der preußischen Kriegsmarine die nöthige Unterstützung erhalten könnte. Oesterreich paßt schon deßhalb nicht zur Vertretung der deutschen Interessen, weil seine Küstenlanbe slavischer und italienischer Nationalität angehören, und weil die aus ihnen hervorgegange­nen Consuln nicht immer der deutschen Sprache mächtig sind.

Berlin, 4. Mai. In der Sitzung der Zollver- einS-Conferenzen am letzten Sonnabend war (wie schon gemeldet wurde) der September-Vertrag der Gegenstand einer freien Besprechung. Man ver­handelte über daS Hannover gewährte Präcipuum und brachte für und gegen statistische Belege herbei. Auch die Denkschrift, welche unsere Regierung bei Einberufung der Conferenz den Mitgliedern deâ Zollvereins überreichte und veröffentlichte, wurde zum Gegenstände der Betrachtungen genommen.

DerNationalzeitung" wird aus Dresden ge­schrieben: Dem Gerüchte, daS vor mehreren Mo­naten durch die Zeitungen ging, Bakunin sei in der Festung Schlüsselburg an der Wassersucht ge­storben, glauben wir bestimmt widersprechen zu können. Einem vor wenig Tagen hier angekomme­nen Briefe auS Petersburg von gut unterrichteter Hand entnehmen wir, daß Bakunin noch als Ge­fangener in der Nähe Petersburgs (wahrscheinlich in Schlüsselburg) lebte.

Der königliche Domchor hat höher« Befehle zufolge die Gesänge zur russischen Liturgie ein- studirt.

Oldenburg, 4. Mai. Die hiesige Zeitung ent­hält folgendes Schreiben aus Brake rwm 30. April: Mit dem heutigen Tage hat die deutsche Flotte zu eristiren aufgehört. Heute und morgen nämlich werben die Besatzungen der Schiffe im Ganzen etwa 600 Mann entlassen, und es bleibt nun nichts mehr zu thun übrig, als der Verkauf der Schiffe und des vorhandenen Inventariums. Die Beamten bleiben noch im Dienst, bis ihre Rech­nungen revidirt nnd definitiv abgeschlossen sind, was, wie man meint, noch vier Monate dauern kann. Die Schiffe sind bereits vollständig abgetakelt und bleiben hier und in Bremerhafen auf dem Strom liegen und jedes behält vorläufig feinen Comman­danten mit 8 Mann als Besatzung. Welchen Ein-