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Nassauische Allgemeine Zeitung.

42 107. Freitag den 7. Mai 1032.

Die Naff. Allg. Zeitung mit dem Wanderer erscheint einmal täglich mit Ausnahme des Sonntag«.Der vierteljährige Prünnmeratlon-drei« für Mi,«baden und, nach dem neuen PoNrequlatIV nunmehr auch für den ganzen N mfang de« Thurn- und Tari-schen Berwaltung-gebieteS mit Inbegriff des PostanffefflageS nur « ff.. für die übrigen Länder deS teutsch-ölterreichischen Postverein«, wie für das AnSianv mir 2 ff 24 tr. In fern te werden die dreispaltige Ileht<ei(e over deren Raum mit «I fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Sch e l le n be rg' scheu Hof-Buchhandlung, auswârt« bei den nächst gelegenen Postämtern zn machen.

Uebersicht.

A in t l l ch e r Theil.

Dienstnachrichten.

Nichtamtlicher Theil.

Die Zoll- und Handelseinigung.

Deutschland. Wiesbaden (Das Ministerium. Land- tagSverh. Asstfen). Bom Main (Die Steckbücher). Eltville (Zur Feier der Geburt des Erbprinzen). Aus der goldenen Grafschaft (Der Wiesenbau). Offenbach (Waldbrand). Rassel (ZeitungSver- bote. Kirchliche Bestattung. Professor Bayrhoffer). Stuttgart (Der BerfaffungSenlwuif). Dürkheim (Stand der Fruchtpreise). München (Der Herzog von Leuchtenberg. König Ludwig). Berlin (Gedächtniß- feier. Der Postdebut. Das Budget. Die Zollconferenzen. Die königl. Botschaft. Die Darmstädter Uebereinkunft.).

Wien (Die Kriegsschule. Der Herzog von Leuchten­berg).

Frankreich. Par is (Die Staatskürperschaften. Der Gid. Das römische OecupationSheer. Diplomatische Ernennungen, v. Persigny. Vermischtes).

America. New-Dork (Schreiben an den Kaiser vcn Japan Aufstand auf den Gesellschaftsinseln. Koffuth und Hülsemann).

Neueste Nachrichten.

* Wiesbaden, 6 Mai. Ee. Hoh. der Herzog befindet sich den Umständen angemessen wohl und hat dem Vernehmen nach gestern Abend eine Zeit lang außer Belte zugebracht.

Amtlicher Theil.

Der Pfarrer Chr ist fr rund zu Oberroßbach ist deS Dienstes entlassen worden.

Nichtamtlicher Theil.

Die Zoll- und Handelseinigung.

So großartig auch die von dem ehemaligen österreichischen HankelSminister Bruck auSgegangene Idee der deutsch-österreichischen Zoll. und HandelS- einigung ist, so war sie doch eine durch die Gewalt der Verhältnisse und der vorwärts drängenden Um­stände gldorene und dem Herrn v. B r u ck gebührt nur das unbestreitbare Verdienst, diese Nölhigung klar erkannt und zum Motive seiner handeSpoli- tischen Thätigkeit gemacht zu haben. Darin, daß Oesterreich seine Zollgrenzen gegen Deutschland öff nen will, um ein den deutschen Verhältnissen offen­bar mehr angepaßteS Handels- und Zollsystem an die Stelle der früheren Prohibition zu setzen, kön­nen wir nur etwas ganz Natürliches und Nützliches finden. Jeder vernünftige Mann wird begreifen, daß Oesterreich, indem eS mit so vielem Eifer und Beharrlichkeit die Zolleinigung mit Deutschland oder besser gesagt: mit dem Zollvereine, denn Oesterreich ist auch Deutschland, zu erstreben sucht, einen Nutzen daraus zu ziehen hofft und dahe auch die nöthigen Mittel ergreift, um sich diesen Vortheil zu sichern; darum will eS seine Zollver- hâlinisse jenen von Deutschland anpaffen, eS will sich inniger mit Deutschland verbinden und eS wird gewiß Niemanden, am allerwenigsten uns Deutschen einfallen, ihm dieses zu verargen.

ES ist offenbar, daß Oesterreich einer neuen großen Zukunft entgegengeht. Die Revolution von 1848, die so Vieles übereinanderstürzte, hat zu gleicher Zeit den Grundstein zu einem Baue gelegt, der Oesterreichs Wohlstand und ff rast erhöhen und stärken wird. Die Vereinigung der verschiedenen Provinzen der Monarchie durch eine gleichartige Gesetzgebung, die Aufhebung der Robollen und der Leibeigenschaft, die Emancipation der Bauern, die Beseitigung der Zollschranken zwischen den verschie­denen Theilen deS Reiches und endlich seine Ver­bindung mit dem übrigen Deutschland durch gleich­förmige Zollverhâltmsse müssen seine merkantile Entwickelung und als Folge davon seinen nationa­

len Wohlstand auf einen hohen Grad steigern. Damit aber dieser Zweck vollkommen erreicht werde, muß eS dahin streben, sich enge an Deutschland anzuschließen und seine Handelsverbindungen mit demselben auszudehnen und zu sichern, denn nnr In Deutschland kann eS einen leichten und regel­mäßigen Absatz für den Ueberfluß seiner Landes- producit finden, der um so größer werden wird, je mehr seine östlichen Provinzen und besonder» die Donaulânber in ihrer materiellen Entwicklung Doran# schreiten. Dieses ist der nalionalölonomische Be­weggrund, welcher Oesterreichs gegenwärtiges Ver- fahren in der ZolleinigungSfrage leitet und man kann eS nur beloben, daß eS diesen Weg verfolgt. Für uns erhebt sich dabei nur die Frage, ob auch Deutschland dadurch gwinnen kann oder verlieren wird?

Die Beantwortung dieser Frage bietet sich von selbst dar. Mit einem armen Lande Handelsver­träge einzugehen ist nicht rathsam, weil von dem­selben kein Vortheil zu erwarten ist. Wer weder Geld noch LandeSprvducte besitzt, die Gelvwerth haben, kann von uns Nichts kaufen und und daher auch keinen Nutzen bringen; je reicher aber ein Land, sei eS an Geld oder Produkten, ist, desto mehr wird eS confumiren, desto lebhafter wird der Verkehr mit demselben werden und um so größer wird der Nutzen sein, den wir und von einer engen Verbindung mit ihm versprechen dürsten. Wir sind deßhalb überzeugt, daß dieser letztere Fall für und mit Oesterreich eintreten wird, und je mehr di.seS Reich in seinem Wohlstände voranschreitet, um jo voriheilhafler, zugleich aber auch um so noibwen- diger wird eS für und werden, eS durch Verträge an und zu binden.

Ein wesentlicher Vortheil aber, welchen Deutsch­land in einer solchen Verbindung finden wird, liegt in der Verschiedenheit der Verkehrsmittel beider Län­der, die gewiß noch lange Jahre forlbestehen wird. Oesterreich wird und seine LanoeSproducte, Deulsch- land ihm seine Fabrikate liefern. Der Erport Oesterreichs nach Deutschland wird größtentheilS in Rohprodukten, in ungarischem Getreide, in Weinen, Schlachtvieh, Wolle, Häuten u. dgl. bestehen. ES ist mit Sicherheit vorzusehen, daß nach Einführung der VerkehrSfreiheit der Zollverein große Massen von Fabrikaten über die österreichiichen Grenzen er- porliren und die dortige (österretchische)jJndustrie in die Lage kommt, ihr Absatzgebiet mit der Diesseitigen (deutschen) theilen zu müssen, ebenso st-hl zu er­warten, daß Der Erport deS Zollvereins nach Oester­reich größtentheilS in Industrie - Erzeugnissen be­stehen wird.

Wir sind mit Diesen Ansichten um so mehr ein» verstanden, als wir darin eine vollkommene Billi­gung deS Verfahrens erblicken, welches Oesterreich und Die Mittelstaaien im wohlverstandenen Interesse Deutschlands seitdem eingefallen haben. Wie »or» theilhaft übrigens, sich die ZvÜverbindung mit Oe­sterreich barstcüi, liegt auf der Hand. An Fabrikaten kann und Oesterreich wenig, aber viel wird eS und an Rohprodukten liefern, Die wir ihm mit wenig mehr als dem kostenden Preis bezahlen werden; es wird aber dagegen Abnehmer für unsere Fabrikate werden. Erhalten wir z. B. von demselben einen Centn er rohe Wolle für welche wir 100 fl. bezahlen, so lassen wir diese Wolle waschen, spinnen, färben und weben und importiren sie wieder nach Oesterreich alS feines Tuch, für welches wir zehnfachen Werth Der rohen Wolle empfangen; ein gleiches und noch weit günstigeres Verhältniß tritt bei dem Flachs ein, der zu Leinwand und oft zu Spitzen verarbeitet wird, bei den rohen Fellen, die in Leder und dann in Brieftaschen, EiuiS u. dgl. umgewandelt werden, und so mit vielen anderen Ariikeln. Oesterreich zahlt daher für die deutschen Fabrikate nicht nur den Werth Der Rohstoffen, die wir von ihm kauften, wieder zurück, sondern auch Den ganzen Arbeitslohn sowie den Gewinn deS Fabrikanten und eS ist ein­leuchtend, daß bei einem solchen Tauschhandel Deutschland weit mehr Vortheile hat, alS Oesterreich haben kann.

Wenn auch bei den Vorschlägen Oesterreichs den deutschen Fabrikaten nicht größere Begünstigun­gen zugestanden sind, alS eS der Fall ist und die Letzteren nur mit einem Zollrabatt von 10, resp. 25 pCt. bedacht, d. h. von dem gegenseitigen Verkehre beinahe ausgeschlossen sind, während schon der Um­

stand, daß die diesseitige Concurrenz In GewerbSer- zeugniffen, um in der UebergangSperiode w.rken zu können, auch fühlbar fein muß, zu gebieten schien, Diesen Rabatt weit höher zu stellen, so trägt die Schuld daran, daß es nicht so ist, doch nur Preu­ßen ; denn ohne Zweifel würde Oesterreich bereit sein, Die deutschen Fabrikate ganz frei in seine Lande eingefen zu lassen, wenn man sich von Seiten deS Zollvereins geneigt zeigte, sogleich in eine nähere und engere Verbindung mit ihm zu treten. Würde man diesen Weg einschlagen und daS Ellen schmie­den, so lange eS warm ist, so würden Preußens Wünsche nicht lange auf ihre Erfüllung zu warten brauchen.

ES spricht aber zu Gunsten der Vereinigung mit Oesterreich noch ein weiterer Vortheil, den wir nitt. unberücksichtigt lassen dürfen, wir meinen die BevölkerungSverhälinisse beiderseittger Länder. Der Zollverein zählt ungefähr 28 Millionen Seelen, de­nen Oesterreich 40 Millionen entgegenfledt; eS ist dieses für Den Verein im Allgemeinen schon ein großer Vortheil, der sich aber noch weit bedeutender Darstellt, wenn man ihn auf jeden einzelnen Theil deS Zollvereins besonders anwende». Alle Länder, welche eine geringere Bevölkerung haben als Oester­reich, können von den österreichischen Erzeugnissen nur so viel nehmen, ald ihre Seelenzahl confumiren oder verarbeiten kann, in Oesterreich aber haben sie ein ungemein großes Feld, eine Bevölkerung von 40 Millionen, an welche sie Die Erzeugnisse ihrer Fabriken und ihrer Industrie absetzen können Mit einem Worte: je tiefer wir In diese wichtige Frage eingehen, desto mehr drängt sich und die Neberzeu- I gung auf, daß Deutschlands national-ökonomisches Gedeihen die Aufnahme Oesterreichs in den Zollverband gebieterisch fordert, raß jene Staaten, welche diesen Zweck verfolgen, sich um daS ganze deutsche Vaterland hoch verdient machen, und daß nur rein politische Gründe und Hegemoniegelüste sich diesem patriotischen Bestreben entgegensetzen können.

Deutschland.

Wiesbaden, 1 Mai. Dieffafs. Z.» bringt folgenden, unierrn Ansichten vollkommen entsprechen­den Artikel: Die handelspolitische Einigung unse­res Ministeriums befriedigt auf's Höchste alle Die­jenigen , welche Die politischen Verhältnisse unseres Gesammlvakerlandes zu überschauen fähig sind. Unser Abgeordneter in Wien, welcher sich bei seinen Abstimmungen natürlich rein durch die Gesetze deS deutschen GüterlebenS unter besonderer Berücksich­tigung Der rheinischen Bedürfnisse leiten ließ, hat sich in dieser Beziehung nicht nur die Anerkennung seiner Wiener Collegen erworben, sondern feine na« tionalökonomischen Bestrebungen fallen auch ganz zusammen mit Den höheren politischen Gesichtspunk­ten, an welchen unser S'aat alS Glied deS deut­schen BundcSwescnS festzuhalten hat, damit nicht am Ende doch noch der verberblicheDua- Iidmu_d_ in unserem Vaterlande siege. Wir müssen und aud ganzem Herzen freuen , daß an der Spitze unseres Ministeriums ein Fürst steht, dessen unerschütterliche BundeS- treue besannt i st. DaS feste Zusammenhalten mit Sachsen, den beiden Hessen und Südwestdeutsch- land in Der gegenwärtigen Krise Der deutschen Ver­hältnisse wird und an dem Verdienste Theil nehmen lassen, zur schließlichen Organisation Mitteleuropa'- auch unser bescheidenes Schcrflein beigetragen za haben. Sonderbar nehmen sich die Drohungen preußischer Zeitungen gegen Die Bundesregierungen aus, welche sich der principiellen Zersplitterung deS GesammtraterlandeS mit ihrem ganzen Pflichtge­fühle entgegenftemmen. Auch der kleinste Staat wird sich durch diese eigenthümliche bundesgenossen­schaftliche Behandlung nicht beirren lassen. Die große vaterländische Idee ist bei Fürsten und Völ­kern in unaufhaltsamem WachSthume begriffen. Ihre unüberschaubaren Segnungen, sowie ihre bun» keSaciliche Weihung durch §. 19. werden zum glücklichen Ziele führen.

2 WieÄiaden, 6. Mai. Auf der TageSord» nung der heutigen Sitzung zweiter Kammer steht